Fr, 14:30 Uhr
17.07.2020
Gekostet
Was alles so im Korn steckt...
Die Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei wirbt - natürlich - vor allem für ihre Produkte. Das ist gut und richtig. Sie kann aber auch viel mehr: zum Beispiel neugierig machen...
Thomas Müller beim Einschenken (Foto: nnz)
Ich gebe es zu und es beschämt mich ein wenig, dass ich nach fast 28 Jahre währendem Asyl in Nordhausen immer noch nicht an den Doppelkorn ran kann. Zumindest nicht, wenn er pur angeboten wird. Obwohl, in dieser "Ausführung" soll er ja bekannterweise nicht nur schmecken, sondern auch bei brennenden Füßen, bei Hexenschuss oder Achselschweiß behilflich sein. Die Aversion gegen das Hochprozentige liegt in meiner Vergangenheit und hat mit einer Schrankenanlage in einem beschaulichen Dorf im Mansfeldischen zu tun.
Doch nach 28 Jahren weiß ich - beruflich und privat - so einiges über die Verbindung dieser meiner "Nun-Heimatstadt" zum Korn und zum Doppelkorn. Das brachte der Beruf einfach so mit sich. Doch das Erreichte ist auch beim Wissen nicht das Erreichbare. Was also tun? Ganz einfach: mal tasten?
Vielleicht fragen Sie jetzt, ob der (also ich) nicht alle Tasten in seiner Tastatur hat, doch unter tasten verstehen die Tradi-Macher um Thomas Müller neudeutsch das "Verkosten" edler Flüssigkeiten. Gestern also war das Premiumkorn-Tasting angesagt. Dem kundigen Publikum und mir wurden Proben der nicht immer ganz klaren Flüssigkeit angeboten - doch dazu später.
Zuvor lud Thomas Müller zu einer vergnüglichen, anschaulichen und interessanten Reise durch die Korngeschichte und die Kornherstellung ein. Klar, sein Reich - die Tradi - ist dafür vermutlich der beste Ort dieser nahezu runden Weltenkugel, aber Müller würzte alles mit seiner irgendwie eigenen Art der Faktenvermittlung.
Das wurde gestern Abend getastet, also verkostet. (Foto: nnz)
Nach der technisch-technologisch-historischen Einführung wurde ver- und gekostet. Dazu standen acht Gläser und eine Kornflasche - gefüllt mit Mineralwasser - bereit. Und während Müller fleißig in die Gläser eingoss, konnten die Verkoster zum Beispiel erfahren, dass es in Deutschland vermutlich noch rund 200 Kornbrennereien gibt, dass der Korn auch von drei Landwirten aus der Region geliefert wird, dass neben Roggen auch Weizen, Gerste und Hafer als Ausgangsstoffe dienen können, dass schon Theodor Fontane sich lobend zum Nordhäuser Korn äußerte und dass selbst Fidel Castro nicht nur Zigarre rauchte, sondern 1977 sich selbst ein, zwei oder mehrere Körnchen hinter seine "Binde" goss. Und: dass bis zu 28.000 Körner nötig sind, um eine Flasche des geistigen Getränks zu ermöglichen.
Nach einem Eichsfelder Imbiss gab es letztlich noch einen Ausblick auf ein "Meisterstück". Das soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen und ruht derzeit in einem Fass, das vor 25 Jahren gefüllt wurde. Na wenn das für die Korn-Fachleute in und um Nordhausen herum kein Grund zum Warten und zur Vorfreude ist. Die bekanntermaßen die schönste Freude sein soll.
Und weil es in unserer Neuzeit Korn oder Doppelkorn nicht nur pur zu tasten gibt, wurde den Verkostern auch ein Cocktail serviert. Und das, das war nun ganz nach meinem Geschmack, denn in dieser Mischung schmeckt mir der Korn am besten, obwohl ich da wohl eher ein Außenseiter bin. Damit muss ich leben. Das funktioniert.
Was der Abend für mich brachte? Mehr als zwei vergnügliche Stunden, Wissenszuwachs und die Erkenntnis, dass die Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei nicht nur auf Traditionen setzt, sondern diese geschickt mit den Möglichkeiten und Erwartungshaltungen der Gegenwart verknüpft. Einen maßgeblichen Anteil daran hat wohl Thomas Müller.
Wir beide - also Müller und der Autor dieses Beitrages - waren mal berufliche Wettbewerber und machten uns das Nebeneinandersein nicht immer leicht. Doch das ist Vergangenheit und das ist gut so. Der gestrige Abend, Thomas Müller, war super, sprich: Das hast Du richtig gut gemacht.
Peter-Stefan Greiner
Wenn Sie auch mal den Korn verkosten wollen, dann haben Sie dazu am 19. November wieder Gelegenheit. Zwischendurch kann auch Gin verkostet werden, exakt am Abend des 17. September.
Autor: psg
Thomas Müller beim Einschenken (Foto: nnz)
Ich gebe es zu und es beschämt mich ein wenig, dass ich nach fast 28 Jahre währendem Asyl in Nordhausen immer noch nicht an den Doppelkorn ran kann. Zumindest nicht, wenn er pur angeboten wird. Obwohl, in dieser "Ausführung" soll er ja bekannterweise nicht nur schmecken, sondern auch bei brennenden Füßen, bei Hexenschuss oder Achselschweiß behilflich sein. Die Aversion gegen das Hochprozentige liegt in meiner Vergangenheit und hat mit einer Schrankenanlage in einem beschaulichen Dorf im Mansfeldischen zu tun.
Doch nach 28 Jahren weiß ich - beruflich und privat - so einiges über die Verbindung dieser meiner "Nun-Heimatstadt" zum Korn und zum Doppelkorn. Das brachte der Beruf einfach so mit sich. Doch das Erreichte ist auch beim Wissen nicht das Erreichbare. Was also tun? Ganz einfach: mal tasten?
Vielleicht fragen Sie jetzt, ob der (also ich) nicht alle Tasten in seiner Tastatur hat, doch unter tasten verstehen die Tradi-Macher um Thomas Müller neudeutsch das "Verkosten" edler Flüssigkeiten. Gestern also war das Premiumkorn-Tasting angesagt. Dem kundigen Publikum und mir wurden Proben der nicht immer ganz klaren Flüssigkeit angeboten - doch dazu später.
Zuvor lud Thomas Müller zu einer vergnüglichen, anschaulichen und interessanten Reise durch die Korngeschichte und die Kornherstellung ein. Klar, sein Reich - die Tradi - ist dafür vermutlich der beste Ort dieser nahezu runden Weltenkugel, aber Müller würzte alles mit seiner irgendwie eigenen Art der Faktenvermittlung.
Das wurde gestern Abend getastet, also verkostet. (Foto: nnz)
Nach der technisch-technologisch-historischen Einführung wurde ver- und gekostet. Dazu standen acht Gläser und eine Kornflasche - gefüllt mit Mineralwasser - bereit. Und während Müller fleißig in die Gläser eingoss, konnten die Verkoster zum Beispiel erfahren, dass es in Deutschland vermutlich noch rund 200 Kornbrennereien gibt, dass der Korn auch von drei Landwirten aus der Region geliefert wird, dass neben Roggen auch Weizen, Gerste und Hafer als Ausgangsstoffe dienen können, dass schon Theodor Fontane sich lobend zum Nordhäuser Korn äußerte und dass selbst Fidel Castro nicht nur Zigarre rauchte, sondern 1977 sich selbst ein, zwei oder mehrere Körnchen hinter seine "Binde" goss. Und: dass bis zu 28.000 Körner nötig sind, um eine Flasche des geistigen Getränks zu ermöglichen.
Nach einem Eichsfelder Imbiss gab es letztlich noch einen Ausblick auf ein "Meisterstück". Das soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen und ruht derzeit in einem Fass, das vor 25 Jahren gefüllt wurde. Na wenn das für die Korn-Fachleute in und um Nordhausen herum kein Grund zum Warten und zur Vorfreude ist. Die bekanntermaßen die schönste Freude sein soll.
Und weil es in unserer Neuzeit Korn oder Doppelkorn nicht nur pur zu tasten gibt, wurde den Verkostern auch ein Cocktail serviert. Und das, das war nun ganz nach meinem Geschmack, denn in dieser Mischung schmeckt mir der Korn am besten, obwohl ich da wohl eher ein Außenseiter bin. Damit muss ich leben. Das funktioniert.
Was der Abend für mich brachte? Mehr als zwei vergnügliche Stunden, Wissenszuwachs und die Erkenntnis, dass die Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei nicht nur auf Traditionen setzt, sondern diese geschickt mit den Möglichkeiten und Erwartungshaltungen der Gegenwart verknüpft. Einen maßgeblichen Anteil daran hat wohl Thomas Müller.
Wir beide - also Müller und der Autor dieses Beitrages - waren mal berufliche Wettbewerber und machten uns das Nebeneinandersein nicht immer leicht. Doch das ist Vergangenheit und das ist gut so. Der gestrige Abend, Thomas Müller, war super, sprich: Das hast Du richtig gut gemacht.
Peter-Stefan Greiner
Wenn Sie auch mal den Korn verkosten wollen, dann haben Sie dazu am 19. November wieder Gelegenheit. Zwischendurch kann auch Gin verkostet werden, exakt am Abend des 17. September.

