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So, 09:07 Uhr
05.07.2020
Zum 100. Todestag Max Klingers

Auf den Spuren eines universalen Künstlers

Der Grafiker, Maler und Plastiker Max Klinger starb am 4. Juli 1920 in Großjena bei Naumburg. Zur Welt kam er in Leipzig am 18. Februar 1857. Man hat also von unserer Region aus Gelegenheit, diesem vielseitigen Künstler intensiv begegnen zu können, ohne auf große Fahrt gehen zu müssen. Heidelore Kneffel hat sich auf die Suche gemacht...

Im Museum in Leipzig kann man diesem Surrealisten mit einer großen Werkfülle ständig begegnen. Das Max-Klinger-Haus in Großjena, Blütengrund 3, in den Weinbergen in einer zauberhaften Umgebung gelegen, ist 2006 rekonstruiert worden und kann besucht werden. Eine Dauerausstellung und Sonderschauen weisen auf ihn hin. Dort sind auch Klingers Grabstätte und die sie umgebenden Plastiken zu sehen. Sein Radierhäuschen steht unweit davon.

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Dass Nordhausen auch Werke von Klinger besitzt, soll, wie es die Überschrift benennt, nicht unerwähnt bleiben, denn selbstverständlich ist das nicht. Beim Umzug der Kreissparkasse 1992 aus ihrem Domizil am Markt 15, damals noch Kreishaus benannt, hin zum Kornmarkt 9 entdeckte man in einem Tresor Kunstmappen, die, so verkündete eine Notiz, dem Kunstverein Nordhausen gehörten. Dieser, 1852 gegründet und für zahlreiche Kunstausstellungen der jeweils modernen Künstler bis 1945 bekannt, kaufte immer auch Kunstwerke auf. So gelangten diese Grafikmappen in die Stadt am Fuße des Südharzes und überdauerten in einem Tresor die Nazizeit, die Besatzungszeit und die DDR. Wunder gibt es immer wieder, davon geben die Kunstwerke Augenschein!

Heidelore Kneffel hat sich auf die Spuren des Künstlers Max Klinger begeben (Foto: Heidelore Kneffel) Heidelore Kneffel hat sich auf die Spuren des Künstlers Max Klinger begeben (Foto: Heidelore Kneffel)

Da dieser Kunstverein in Nordhausen nicht mehr existiert, behielt die Kreissparkasse den Fund vorerst, übergab ihn jedoch im Jahr 2000 als Dauer-Leihgabe an das Meyenburgmuseum. Gleichzeitig wurden 2000 DM zur behutsamen Behandlung durch eine Buchbinderin gespendet.

Zwei der Mappen beinhalten Klingers Grafikfolgen „Der Handschuh“ und „Vom Tode. II. Teil“. Letztere wurde aus Anlass des Klingerjahres ab dem 17.2.2007 im Kunsthaus Meyerburg in einer Kabinettausstellung gezeigt. 2018 konnte man diese Folge von 12 Radierungen in der Kunstschau über den Sensemann nochmals sehen.

Die ältere Mappe in Nordhausen enthält 10 Blätter des Cyclus „Ein Handschuh“, von Klinger im Selbstverlag in München 1881 herausgegeben. Man sieht Radierkunst vom Feinsten! Klinger schildert eine Liebesgeschichte aus seiner Jugendzeit, die auf einer Berliner Rollschuhbahn beginnt, als ein junges Mädchen seinen Handschuh verliert und Klinger ihn aufhebt. Die folgenden Blätter erzählen, welche Abenteuer dieser Handschuh in den Traumphantasien des verliebten jungen Mannes auslösen.

Die zweite Mappe zeigt die Radierfolge „Vom Tode. Zweiter Teil Opus XIII“, denn er war der Musik sehr verbunden. Als diese 1885/1909 entstand, beschäftigte sich der Künstler mit dem Darwinismus, mit Schopenhauer, zeigte Neigungen zu buddhistischem Gedankengut, ergründete intensiv in Griechenland und Italien die Antike und pflegte Freundschaft zu Wissenschaftlern der Universität Leipzig. Der Zyklus wurde in Paris begonnen und begleitete ihn nach Berlin, nach Italien, nach Griechenland, nach Leipzig, wo in der Zwischenzeit sein Wohn- und Atelierhaus erbaut worden war.

Im Jahr 1898 kamen in Berlin in der Hofkupferdruckerei von Felsing, Charlottenburg, die ersten sechs gedruckten Blätter heraus, beendet hat der Künstler diesen Zyklus im Jahr 1909, da besaß er auch das erwähnte Haus in den Weinbergen von Großjena. An keiner anderen Grafikfolge hat er so lange gearbeitet.

Die endgültige Reihenfolge der 12 Blätter richtet sich nicht nach der Entstehungszeit, sondern nach inhaltlichen Kriterien. Das erste Blatt trägt - in die Platte geritzt - den Titel: „Integer Vitae scelerisque purus“ von Horaz (sinngemäß: Ist ein Mensch reinen Herzens, braucht er den Tod nicht zu fürchten.). Es folgen: „Herrscher“, „Philosoph“, „Genie“, „Krieg“, „Elend“, „Pest“, „Und doch“, „Versuchung“; „Tote Mutter“, „Zeit und Ruhm“ und „An die Schönheit“.

Das Blatt „Pest“ wird in der am 5. Juli im Kunsthaus Meyenburg beginnenden Ausstellung über Tierdarstellungen in der Kunst gezeigt.
Heidelore Kneffel
Autor: red

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