eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Do, 13:25 Uhr
25.06.2020
Woffleben

Einfach dicht gemacht

In Woffleben staunten die Anwohner zu Beginn der Woche nicht schlecht: der Bahnübergang am Dorfrand wurde von der Deutschen Bahn abgesperrt. Wer mit dem Zug in die Stadt fahren möchte, muss jetzt größere und nicht ganz ungefährliche Umwege in Kauf nehmen…

Dicht gemacht - wer in Woffleben zum Bahnhof will, muss größere Umwege in Kauf nehmen (Foto: agl) Dicht gemacht - wer in Woffleben zum Bahnhof will, muss größere Umwege in Kauf nehmen (Foto: agl)

Schule und Kindergarten sind schon lange Geschichte, der Dorfarzt hat aufgegeben, einen Bäcker gibt es auch nicht mehr, geblieben ist den Wofflebener nur ihr Friseursalon. Das kleine Dorf teilt das Schicksal vieler kleinerer Orte - wer etwas braucht, muss in die nächste Stadt fahren.

Ohne fahrbaren Untersatz ist man auf Bus und Bahn angewiesen. Bisher war das kein Problem, die Haltestelle der deutschen Bahn befindet sich am Ortsrand, war auch zu Fuß gut zu erreichen und wurde vor allem von den Schulkindern des Dorfes und vielen älteren Bewohnern genutzt. Bis zum Montag. Als Ulrich Wattrodt am Abend von einem Verwandschaftsbesuch nahe Hamburg zurückkehrt, staunt er nicht schlecht - der Bahnübergang ist dicht, ordentlich verankerte Bauzäune versperren den Weg. Wie sich herausstellt will die deutsche Bahn in den kommenden Wochen den alten Übergang erneuern und elektrifizieren. Eigentlich eine gute Sache, noch müssen die Schranken der Querung wie ehedem von Hand bedient werden.

Anzeige Refinery (lang)
Nur hat man dabei anscheinend nicht an die Wofflebener gedacht. Wer jetzt zum Bahnhof will muss entweder illegal die Gleise überqueren oder aber einen weiten Umweg in Kauf nehmen. Der nächste Übergang ist gut anderthalb bis zwei Kilometer weit entfernt, schätzt Wattrodt. Selbst mit dem Auto kommt manch Wofflebener nicht mehr vor die eigene Haustür, da auch in der Schulstraße die Bagger rollen. Entweder man wartet den Feierabend ab, oder hofft das die Bauarbeiter ein Auge zudrücken und für einen Moment die Schotterpiste freigeben.

In der Regel funktioniert es mit der Solidarität, berichtet Anwohner Wattrodt, die Bauarbeiter sind sogar so freundlich den Müll der Anwohner zur Sammelstelle zu bringen, schließlich kommt nun auch die Müllabfuhr nicht mehr durch.

Mit seinen fast 70 Jahren ist der Senior noch gut zu Fuß, wenn er will kommt er um die Absperrung herum. Wer hingegen auf Gehhilfen angewiesen oder mit dem Kinderwagen unterwegs ist, muss den Umweg in Kauf nehmen. Der führt über die Landstraße in Richtung Gudersleben, einen Bürgersteig für Fußgänger gibt es hier nicht.

Die Strecke ist damit nicht ganz ungefährlich, zumal damit zu rechnen sei, dass der Verkehr in der kommenden Woche noch zunimmt, wenn die B4 zum Teil gesperrt wird, schätzt Wattrodt. Wie zur Bestätigung wurde die geplante Umleitungsstrecke heute vom Landratsamt bekannt gegeben. Da es sich bei der B4 um die einzige direkte Straßenverbindung zwischen der Kreisstadt Nordhausen und dem Harz sowohl in Richtung Niedersachsen als auch Sachsen-Anhalt handelt, wird es durch die Umleitungen zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen und längeren Fahrtzeiten kommen, teilte man heute Mittag mit. Insbesondere Berufspendlern wird empfohlen, die Bahnanbindungen zu nutzen.

Wer den Weg über die Landstraße vermeiden will, hat in Woffleben noch eine weitere Möglichkeit. Eine andere Route zur Haltestelle würde die Fußgänger aus dem Dorf heraus und über einen Feldweg führen und den Weg zur Bahn noch etwas länger gestalten.

Die Wofflebener haben in den letzten Jahren schon manche Einschränkungen durch Baustellen hinnehmen müsse, teilweise war der Ort nur über Umleitungen und Schleichwege zu erreichen. Wattrodt ärgert es jetzt vor allem, dass den Bewohnern scheinbar nicht Bescheid gesagt wurde. Weder von Seiten der Bahn noch von der Stadt Ellrich sei man im Vorfeld informiert worden. Dass die Sperrung kommt habe er erst aus der Zeitung erfahren. „Die meisten Menschen leben im Oberdorf und sind jetzt von der Haltestelle abgeschnitten. Es hätte sicher andere Lösungen als die plötzliche Vollsperrung gegeben“, sagt Wattrodt und blickt auf den alten Turm am Bahnübergang. Noch wacht hier ein Mitarbeiter der Bahn über die Gleise und bedient die Schrankenanlage. Jemand der auch acht geben könnte, wenn Personen die neue Baustelle passieren wollen um zum Bahnhof zu gelangen.

Die eigentliche Frage ist nun, wer hier mit wem (nicht) geredet und das aufeinanderfolgende Baustellen-Sammelsurium im Ort so freigegeben hat. In der Ellricher Stadtverwaltung war zur Stunde leider niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
Angelo Glashagel
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Herman0167
25.06.2020, 17:17 Uhr
Kommunikation
ist hier mal null, da Füssganger und alles was von der B4 kommt einander dort treffen,
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)