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Fr, 09:05 Uhr
24.06.2005

nnz-doku: Festsitzung

Nordhausen (nnz). Mit einer festlichen Sitzung des Nordhäuser Stadtrates wurde gestern das 10jährige Partnerschaftsjubiläum mit dem polnischen Ostrow gefeiert. In der doku-Reihe veröffentlicht die nnz die Rede von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD).


nnz-doku: Festsitzung (Foto: nnz) nnz-doku: Festsitzung (Foto: nnz) Wer von uns hätte es im Jahre 1983 bei der ersten Kontaktaufnahme zwischen Ostrow und Nordhausen schon für möglich gehalten, dass wir 22 Jahre später in einem wiedervereinigten Europa das 10jährige Bestehen unserer Städtepartnerschaft festlich begehen können. Was wir damals kaum zu hoffen wagten, ist Wirklichkeit geworden. Der kalte Krieg in Europa gehört der Vergangenheit an, die Grenzen sind durchlässig geworden, wir leben in einer offenen Gesellschaft.

In diesem Jahr blicken wir dankbar auf 60 Jahre Frieden zurück. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind feste Bestandteile unserer Verfassungen. Man könnte meinen Europa ist auf einem guten Weg. Stattdessen hören und lesen wir von der Krise Europas. Die Politik liegt im Streit, die Menschen sind verwirrt. Wir alle tun uns schwer, mit den rasanten Veränderungen Schritt zu halten. Doch unsere Generation hat nicht das Recht, alles was in Europa erreicht wurde, wieder in Frage zu stellen, geschweige denn, es zu zerstören. Der Zukunftsentwurf, in der strittigen Unionsverfassung festgeschrieben, begeistert die Bürgerinnen und Bürger Europas nicht.

In der Präambel heißt es: Die Verfassung schöpft aus dem kulturellen Erbe Europas, aus dem sich „die Rechte des Menschen sowie Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit als universelle Werte entwickelt haben, schmerzliche Erfahrungen sind der Vereinigung vorausgegangen, alte Gegensätze sind aufgehoben. Nationale Identität und Geschichte sollen auch im vereinten Europa gepflegt werden. Sind das nicht doch Visionen, für die es sich lohnt zu mühen. Oder sind die alten Gegensätze nur zugedeckt? Wir brauchen das Europa des Friedens, der offenen Grenzen, der gegenseitigen Achtung und Anerkennung, der Menschlichkeit und Europa braucht uns. Europa muss von unten wachsen und es wächst auch. Diese Binsenweisheit wird durch die vielen Partnerschaften auf allen Ebenen bewiesen.

Die heute guten Beziehungen zwischen Deutschland und Polen sind zum einen das Ergebnis einer engagierten Politik auf beiden Seiten, aber eben auch das Engagement der vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich vor Ort für die deutsch-polnische Freundschaft über viele Jahre hin eingesetzt haben und von denen heute Abend auch einige unter uns sind.

Sie mühen sich seit Jahrzehnten oft in stiller Kleinarbeit, dass schlimme Erinnerungen und gegenseitige Vorurteile abgebaut wurden und nicht weiter das Bild vom anderen bestimmen. Denn: Wenn Völker zueinander kommen sollen, kann die Politik nur die Voraussetzungen schaffen, das Wesentliche aber geschieht jenseits der Politik. Es ist auch im Fall unserer Städtepartnerschaft das dichte und beziehungsreiche Netz von Verbindungen, persönlichen Bekanntschaften und Freundschaften, das über Jahre hinweg gewoben wurde. Und dieses zwischen uns persönliche geknüpfte Netzt hat seinen kleinen Anteil daran, dass das heutige vereinte Europa kein kaltes und gesichtloses Europa der Brieftaschen und Aktiengesellschaften ist, sondern dass es ein lebendiges und gelebtes Europa ist.

Meine sehr geehrten Herren und Damen, ich nehme es als eine gutes Omen für Europa, und für die Partnerschaft mit den neu hinzugekommen Mitgliedsländern, dass unsere Partnerschaft zu Ostrow-Wielkopolski die lebendigste unter den internationalen Beziehungen unserer Stadt ist.

Die Wurzeln dieser Partnerschaft reichen, wie schon erwähnt, zurück bis ins Jahr 1983, als die Stadt Ostrow Wielkopolski mit dem damaligen Rat des Kreises Nordhausen eine Zusammenarbeit beschloss, die vom heutigen Landkreis bis ins Jahr 1994 getragen wurde. Außerdem weiß ich, dass aus dieser Zeit noch viele persönliche Beziehungen bis heute bestehen. Es war der im September 1990 gegründete und heute von Jost Rünger geführte Freundkreis Nordhausen – Ostrow-Wielkopolski, der die Verbindungen zwischen beiden Städten in der turbulenten Wendezeit am Leben erhielt. Auf die engagierte Arbeit dieses Vereins wurde die Stadtverwaltung bald aufmerksam. Die Zusammenarbeit wurde enger, die Aktivitäten des Vereins immer vielfältiger. Große Verdienste erwarb sich dabei Helga Winterstein, die für ihr Engagement im Rahmen der deutsch-polnischen Freundschaft eine Auszeichnung der Stadt Ostrow-Wielkopolski erhielt.

Einen Schub erhielt die Zusammenarbeit beider Städte auch durch die immer intensiver werdende Kooperation der Stadtwerke und der Feuerwehren. Beim Rolandsfest im Jahr 1993 schließlich wurde dann seitens der polnischen Freude der Wunsch deutlich, die Zusammenarbeit beider Städte auf ein offizielles Fundament zu stellen. Im Mai 1995 unterzeichneten wir daraufhin mit dem damaligen Vorsitzenden des Ostrower Rates, Marek Czemplik, und dem Stadtpräsidenten Mairoslaw Kruszynski die Partnerschaftsurkunde.

Seit dem wächst die Partnerschaft, die Menschen beider Städte sind sich näher gekommen. Viele gegenseitige Besuche vertieften die Freundschaft. Erst im letzten Jahr begeisterten die polnischen Jugendlichen mit ihrer Lebensfreude, ihrem Elan, ihrer Offenherzigkeit und mit ihrem Können auf der Bühne der Landesgartenschau die vielen Nordhäuserinnen und Nordhäuser und die auswärtigen Gäste mit einem tollen Kulturprogramm. Einen regen Austausch organisierte das Jugendsozialwerk mit Schülerinnen und Schülern sowie Jugendgruppen

Bei einem Besuch in Ostrow im letzten Herbst wurde die Zusammenarbeit zwischen den beiden kommunalen Holdings vertieft. Ich begrüße unter uns auch die Vertreter der Ostrower Holdikom. Und auch in diesem – dem offiziellen deutsch-polnischen Jahr – gab es schon zahlreiche Begegnungen: Im März knüpften die Regelschuldirektoren in Nordhausen erste Kontakte nach Ostrow, einen Monat später trafen sich die Käthe-Kollwitz-Schüler mit ihren Freunden von der Grundschule 11 aus Ostrow. Wenig später waren junge Nordhäuser Naturschützer in Polen zu Gast, und zum Ostrower Stadtfest zeigten eine Nordhäuser Band und die Hesseröder Folkloristen ihr Können. Vor einer Woche berichteten Nordhäuser Frauen von ihren Erfahrungen und Sichtweisen zur Rolle der Frau auf einer internationalen Konferenz in Ostrow, und seit ein paar Tagen gibt es einen weiteren Fachaustausch zwischen den Stadtwerken.

Liebe Gäste aus Ostrow, ich freue mich und bin stolz darauf, dass wir heute gemeinsam ein wichtiges Jubiläum feiern können, dass wir es mit Ihnen als echte Freunde feiern können. Ich freue mich und bin stolz darauf, dass wir mit einer Stadt verbunden sind, deren Bürgerinnern und Bürger und offiziellen Vertreter uns immer offenherzig, freundlich und ohne Vorbehalte aufgenommen haben. Nicht nur ich, sondern auch die vielen anderen Nordhäuserinnen und Nordhäuser, die Ihre Stadt kennen lernen konnten, sind beeindruckt von der angenehmen Atmosphäre aus Offenheit und Gastfreundschaft, Professionalität und Bescheidenheit. Wir sind beeindruckt von der Großzügigkeit, mit der sie uns immer wieder in Ostrow empfangen, und von Ihrem Optimismus, der uns in Deutschland leider oft genug abhanden kommt. Da können wir etwas von Ihnen lernen.

Ich wünsche mir, dass sie in diesen Tagen positive Eindrücke in Nordhausen sammeln und mit nach Hause nehmen können. Mag es in diesen Tagen im Gebälk des europäischen Hauses auch knirschen und knacken – ich bin mir sicher, es steht auf einem festen Fundament. Das Fundament besteht aus den vielen Verbindungen und Freundschaften, aus den Städtepartnerschaften über die Ländergrenzen hinweg. Dass wir heute, Ostrow-Wielkopolski und Nordhausen, das Fest unserer 10jährigen Städtepartnerschaft feiern, ist für uns ein großes und für Europa ein wichtiges und gutes Zeichen.

Auf die Frage „Wie wird man ein guter Europäer oder eine gute Europäerin?“ würde ich heute antworten: Engagieren Sie sich einfach in der Freundschaftsgesellschaft Ostrow-Wielkopolski-Nordhausen oder beim Freundschaftskomitee Charleville-Mezieres-Nordhausen, dann wird vieles wie selbstverständlich geschehen.

In diesem Sinnen sind Sie alle herzlich willkommen in Nordhausen am Harz, in Thüringen, in Deutschland und in unserem gemeinsamen Europa.
Autor: nnz

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