eic kyf msh nnz uhz tv nt
So, 11:43 Uhr
14.10.2001

JS-Special: Pilz ist nicht Pilz!

Nordhausen (nnz). Die Pilzsaison hat einen letzten Höhepunkt in diesem Jahr erreicht, auf Wochenmärkten und sogar manchen Delikatess-Geschäften werden die Waldfrüchte angeboten und die ambitionierten Pilzsammler kommen mit gefüllten Körben von ihrer Suche zurück.


Doch nun gerade ist ein Pilz in Verdacht geraten, giftig zu sein, der bislang stets zu den Speisepilzen gezählt wurde. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (Pilzkunde) warnt vor dem Grünling. Nach einer französischen Studie soll der beliebte Speisepilz für den Tod von drei Menschen verantwortlich sein. In der amerikanischen Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ berichteten der französische Toxikologe Regis Bedry aus Bordeaux und seine Kollegen von fünfzehn regelmäßigen Konsumenten, bei denen der Verzehr von 1992 bis 2000 zu Muskelzerfall führte, bei dreien zum Tode. Symptome von Gewebezerstörung, Nierenversagen, Atemnot und Herzrhythmus-Störungen als Folge regelmäßigen Verzehrs seien festgestellt worden.

Die Einstellung zu der Studie und zum Grünling ist nicht einheitlich. Ewald Gerhardt zum Beispiel, von der Pilzberatung des Botanischen Museums in Berlin reagiert skeptisch: „Das ist doch unlogisch.“ Schließlich esse er, genau wie „viele andere“, den Grünling seit Jahren. „Und in Berlin oder Brandenburg ist kein einziger Fall bekannt, bei dem es zu solchen Folgen gekommen ist.“

In diesem Jahr fängt die Saison der Grünling-Sammler gerade erst an. Die Pilze kommen vor allem in sandigen Kiefernwäldern vor. In Pilzbüchern werden sie als besonders großen Pilze beschrieben, die einen Durchmesser von bis zu neun Zentimetern erreichen. Sie gehören zur Gattung der Ritterlinge, haben einen gelb-grünlichen Hut und gelbe Lamellen. Und sie werden ohne Vorbehalt als Speisepilze bezeichnet. Während Gerhardt von sich sagt, schon hunderte von dem beim Kochen schnell sehr weich werdenden, sehr schmackhaften Pilzen ohne jegliche Nachwirkungen gegessen zu haben, warnt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, Professor Reinhard Agerer vor dem Verzehr der Pilze. Ein abschließendes Urteil aber will er nach der ersten Studie noch nicht abgeben. „Wir wollen noch nicht sagen, es sei ein Giftpilz.“

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Bestand der Grünlinge seit einigen Jahren zurückgeht und deshalb in die Artenschutzliste aufgenommen worden ist. Auch auf der „Roten Liste“ bedrohter Pilzarten erscheint er. „Wenn der Grünling jetzt seltener gepflückt wird, weil er als giftig gilt, dann freut sich darüber immerhin die Deutsche Mykologengesellschaft“, äußert Gerhardt etwas hintergründig. Auf diese Weise werde der Bestand erst einmal gesichert. Unabhängig davon meinen die Experten der Gesellschaft, dass noch eine ganze Reihe Detailfragen über den Zusammenhang zwischen dem Genuss und der Krankheit ungeklärt seien. Zunächst sollen die Ministerien in Berlin, die für die Zulassung von Marktpilzen zuständig sind, zu einem Urteil kommen.
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)