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Fr, 08:48 Uhr
17.06.2005

Dichtkunst pur

Nordhausen (nnz). Es ist schon zur Tradition geworden: Am letzten Juniwochenende eines jeden Jahres gibt es in Limlingerode die gleichnamigen Diskurse. Was in diesem Jahr auf dem literarischen Tablett angeboten wird, das hat Heidelore Kneffel für die nnz-Leser notiert.


Bereits zum 8. Mal finden am letzten Juniwochenende ab 10.00 Uhr in Limlingerode die nach dem Ort benannten Diskurse statt. Zwei poetische Zeilen geben den beiden Tagen ihre Unverwechselbarkeit: „im juni hat der ruf des hähers vor der selbstverständlichkeit gewarnt“ und „Aufsteigt der Mond aus langen Gräsern“. Die erste Verszeile stammt von Daniela Danz, Jahrgang 1976, die am Samstag, dem 25. Juni, in der Dichterstätte die Hauptperson ist, der zweite Vers von dem russischen Dichter Alexander Blok, der vor 125 Jahren geboren wurde und der am 26. Juni ab 10.00 Uhr im Mittelpunkt in der Langen Reihe 11 stehen wird.

Daniela Danz wurde in Eisenach geboren, wuchs in Wutha-Farnroda mit Blick auf die Wartburg und den Hörselberg auf. Da scheint es fast vorherbestimmt, dass sie Germanistik und Kunstgeschichte studierte, und zwar in Tübingen, Prag, Berlin, Leipzig und Halle. In letztgenannter Stadt lebt sie mit ihrer Familie als freie Schriftstellerin und Kunsthistorikerin. Neben anderen Lyrikpreisen, die man ihr zuerkannte, war sie Stipendiatin des 5. Klagenfurter Literaturkurses, eine Auszeichnung und eine Chance, die nicht vielen Poeten zuteil wird. Das heißt, sie hat sich in Kennerkreisen bereits einen Namen gemacht. Aber nicht nur in diesen, sondern sie bezaubert mit ihrer Lyrik und ihrem Charme ein größeres Publikum.

Deshalb freuen sich die Fördervereinsmitglieder, dass Daniela Danz bei den 8. Limlingeröder Diskursen aus ihrem Lyrikband „Serimunt“ liest und auch noch unveröffentlichte Texte vortragen wird. Der Literaturwissenschaftler Martin Straub aus Jena, der die Dichterin gut kennt, stellt sie dem Publikum vor. Am Nachmittag ab 14.30 Uhr wird traditionell der „Grüne Junipfad“ erwandert, und am zweiten See erklingt Lyrik der Dichterinnen und Dichter, die während der vorangegangenen Diskurse in Limlingerode zu erleben waren.

Der Sonntag gehört einem der großen russischen Lyriker des 20. Jahrhunderts, Alexander Blok (1880 -1921), den man zu den Symbolisten zählt. In eine bewegte gesellschaftspolitische Zeit hineingeboren, wurde er zu einem ihrer wichtigsten lyrischen Verkünder. Seine Werke gehören zum großen Kulturerbe in Rußland. Karin Kisker und Heidelore Kneffel werden seine Gedichte vortragen, und zwar die, die Sarah Kirsch in die deutsche Sprache dichtete, darunter Bloks berühmte Schneegestöberverse. Ulrike Müller aus Weimar, Musik- und Literaturwissenschaftlerin, hat einige davon vertont, die sie auf dem braunen Klavier vortragen wird. Anschließend wird Fritz Mierau, Literaturwissenschaftler, Essayist, Übersetzer und Herausgeber über Blok sprechen und zwar: „ ‚Russisches Fieber, fang an...’ - Vergeltung und Vergebung bei Alexander Blok“.

Fritz Mierau, in Berlin lebend, 1934 in Breslau geboren, „hat den größten Teil seines Lebenswerkes der russischen Literatur gewidmet. Biographien von Maxim Gorki und Sergej Jessenin, die Herausgabe von Werken Babels, Mandelstams, Bloks, Belys und Florenskis (um eine Auswahl zu geben) sowie eine umfassende Essayistik weisen auf ein Leben in fruchtbarer Arbeit, wovon die unlängst erschienene Autobiographie ‚Mein russisches Jahrhundert’ ein beredtes Zeugnis gibt.“, heißt es in der Einladung anlässlich seines 70. Geburtstages. Mierau begleitet die Vorhaben des Förderkreises von Anfang an, und die Literaturinteressierten konnten ihn als Vortragenden bereits bei der Dichterin Anna Achmatowa kennen- und schätzenlernen. Also: Treten Sie getrost herein!
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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