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Mo, 09:19 Uhr
30.03.2020
Clubhaus plant für die Zeit nach Corona

Nicht immer nur das ewig Gleiche

Für das Jugendclubhaus waren die Zeiten vor „Corona“ schon nicht leicht, in der jetzigen Krise steht das Haus nun komplett still. Eigentlich eine Katastrophe für den Club wie den Verein, der das ganze trägt. Der Stillstand hat aber auch seine guten Seiten…

Jugendclubhaus plant für die Zeit nach Corona (Foto: Belvedere Media Agentur) Jugendclubhaus plant für die Zeit nach Corona (Foto: Belvedere Media Agentur)

Nichts ist so schlecht, dass es nicht auch etwas Gutes hätte. In den verwaisten Hallen des Nordhäuser Jugendclubhauses nutzt man die Zeit um ein paar notwendige Reparaturen durchzuführen und das Ambiente etwas aufzuhübschen. Frische Farbe für die Toilettten, Goldlack für den abgegriffenen Handlauf am Eingang, ein bisschen mehr Design rund um die Tanzfläche und Aufenthaltsräume. „Wir arbeiten im Moment mit dem, was wir noch haben“, erzählt Thomas Herwig, seit einem guten Jahr Leiter des Kreisjugendrings und damit auch Chef des Clubhauses.
Die letzten Monate und Jahre waren keine leichten für den Traditionsclub im Herzen der Stadt - die Kurve der Besucherzahlen zeigte stetig ein wenig mehr nach unten, mit der zahlenden Kundschaft brachen auch die Einnahmen Stück für Stück weg. An der Lokalität allein liegt es nicht, das „Clubsterben“ findet im ganzen Land statt und auch in Nordhausen sind die einschlägigen Treffpunkte für Nachtschwärmer zuletzt immer weniger geworden.

digital
Das alles war vor Corona. Jetzt sind die Einnahmen des Hauses exakt bei Null und man darf sich berechtigte Sorgen um den Fortbestand des Clubs machen. An die Fördertöpfe, die jetzt für Künstler, Bühnen und Vereine aufgemacht werden kommt man nicht heran, bisher zumindest, erklärt Herwig. Das liegt vor allem daran, das das Clubhaus als Teil des gemeinnützigen Kreisjugendrings nicht für sich allein existiert. „Die Konstellation ist so ziemlich einzigartig, wir fallen da gerade aus jedem Raster“.
Zeit den Kopf hängen zu lassen hat man trotz allem nicht. Seitdem Herwig am Ruder ist, ist man dabei das Konzept des Clubhauses Schritt für Schritt umzustellen und nicht nur für Jugendliche und Wochenend-Nachtschwärmer attraktiv zu machen. Die ersten Anzeichen das das funktioniert habe man in den letzten Monaten bemerkt, erzählt der KJR-Chef. Die Besucherzahlen zogen wieder etwas an, neue Formate wie ein „E-Sport-Event“ und die Ausflüge in die virtuelle Realität mittels High-Tech fanden regen Zuspruch.

Auch in der Vereinsarbeit hat die Digitalisierung bereits im letzten Jahr Einzug gehalten. Das kommt den Mitarbeitern jetzt zu Gute, Videokonferenzen, Online-Datenerfassung, Aufgabenteilung und Dokumentation in Echtzeit sind nichts Neues mehr. „Die Umstellung war nicht für alle ganz einfach aber ich bin Stolz auf unser Team das die Neuerungen so angenommen wurden und alle mitgezogen haben, auch diejenigen, denen es schwerer gefallen ist“, lobt Herwig. „Unsere Mitarbeiter sind mobil, wenn sie Internet haben können sie arbeiten. Im Projektbereich, etwa bei den „Frühen Hilfen“, sind wir weiterhin ansprechbar und versuchen in der jetzigen Situation zu helfen wo es geht“.

Thomas Herwig: das Clubhaus soll vielfältiger werden (Foto: Angelo Glashagel) Thomas Herwig: das Clubhaus soll vielfältiger werden (Foto: Angelo Glashagel) Und von hier aus soll es weiter gehen. Erstes Gebot der Stunde ist es jetzt, Unterstützer in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu finden die dabei helfen können die nächsten Monate zu überstehen. Danach soll der konzeptionelle Umbau weitergehen. „Die Zeit für die inhaltliche Arbeit haben wir jetzt und die wollen wir nutzen.“, sagt Herwig. Geht alles gut, soll das Clubhaus zum soziokulturellem Zentrum weiter ausgebaut werden, ein Experimentierfeld nicht nur in Sachen Digitalisierung und neuen Event-Formaten, sondern auch eine Heimat für kleinere Vereine und Initiativen. Die Party am Samstagabend soll ebenso möglich sein wie eine Ausstellung oder Konferenz. Ganz nach dem Motto „von Bürgern für Bürger“.

Überhaupt Party: auch hier soll es in Zukunft mehr Vielfalt geben. „Wenn du dich am Wochenende dafür entschieden hast ins Clubhaus zu gehen, dann wusstest du was dich erwartet. Der Name der Veranstaltung und das Plakat mögen ein anderes gewesen sein als in der Woche davor, die Veranstaltung war aber doch mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr vom Gleichen. Das soll sich ändern. Wir haben eine Onlinebefragung bei den Fans des Hauses durchgeführt und rund 800 Antworten erhalten. Darauf werden wir aufbauen und wieder mehr Abwechslung bieten. Das Ziel muss es sein wieder näher an den heute sehr breit gefächerten Geschmack des Publikums heranzukommen, weg vom Einheitsbrei.“

Damit man sehen kann ob das klappen kann und wie Musik, Leute und Party im Clubhaus „nach Corona“ aussehen, wird es die Unterstützung der Region brauchen: finanzielle Unterstützung für die Zeit der Schließung und eine voll gepackte Tanzfläche, wenn alles vorbei ist und der Alltag wieder Einzug halten kann und darf.
Angelo Glashagel
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Kommentare

30.03.2020, 11.29 Uhr
Akkojim | Auch für einheimische Bands
Hoffentlich bekommen nach der Corona-Krise auch einheimische Bands die Möglichkeit,im Klubhaus aufzutreten.Früher war das Normalität,dass Bands im Klubhaus spielten.Nach der Wende ist das Haus jedoch zu einem Discotempel geworden.
Band Hofgang aus Nordhausen

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30.03.2020, 11.31 Uhr
1995-2019 | Für die Betreiber leider eher schlecht.....
aber endlich hat auch die Spaßgesellschaft mal Pause.
Aber ich bin sicher, nach dem Ende der Krise gibt es einen sofortigen Reset.
Prost-wir schaffen das!

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30.03.2020, 13.47 Uhr
Wolfi65 | Restlos am Ende!
Hier sind nicht nur die Spass- und Erlebnisgesellschaft, sondern auch der Mittelstand am Ende.
Die kleinen Buden sind zuerst dran.
Dann die Großen.
Eine schnelle Aufhebung der Einschränkung wird jetzt von allen Seiten gefordert.
Dies ist wahrscheinlich bedingt durch die aufkommenden Frühlingsgefühle.
Dann kommt die zweite Welle der Pandemie.
Und dann: Habe fertig BRD Marktwirtschaft.

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