Mi, 07:35 Uhr
18.03.2020
nnz-Forum
Ist unser Gesundheitswesen vorbereitet?
Es freut mich zu hören, dass die Kapazität der Intensivbetten im Landkreis aufgestockt wurde. Das ist wichtig und sinnvoll. Aber das ist nur ein kleiner Teil, meint Dr. Christian Marx...
Wie steht es jedoch um die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung im ambulanten Sektor?
Hier ist festzuhalten, dass Stand 17.03. der gesamte ambulante Sektor im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, Arztpraxen, KV-Notdienst, ambulante Dialysezentren von mehr oder weniger allein gelassen wird.
Bislang wurde keinerlei Hilfe in der Beschaffung von Schutzausrüstung zuteil, diese ist seit langem nicht in ausreichender Menge zu bekommen. Ich möchte den Verantwortlichen die Frage stellen, wer sich um die Versorgung der infektiösen Patienten mit leichten oder mittleren Krankheitssymptomen kümmern wird? Wenn die sich alle im Krankenhaus melden, wird dieses sehr schnell an seine Grenzen kommen.
Der KV Notdienst hat im Landkreis (Stand heute) keine ausreichende Schutzausrüstung. Woher sollen einzelne Arztpraxen Masken und Schutzkleidung bekommen? Eine Praxis mit einem Arzt und drei Assistentinnen braucht bei sparsamstem Gebrauch mindestens (!) 15-20 Masken und Kittel pro Tag! Zu kaufen von Geschäftemachern im Internet für 10 Euro das Stück?
In den Dialysezentren in den Landkreisen (in Sondershausen werden auch stationäre Patienten behandelt) wird schlimmstenfalls täglich Vollschutz für 50 Mitarbeiter gebraucht! Nicht zu reden vom Mundschutz für Patienten. Es ist nicht geklärt, wie Infektionskrankentransporte in ausreichender Menge vorgehalten werden sollen. Wie kommen die Patienten zur Behandlung, die aktuell mit dem Taxi fahren? Wie steht es um die Kapazitäten im Rettungsdienst? Und noch eins: Kinderbetreuung organisieren bedeutet im Gesundheitswesen: minimal von 6 bis 17 Uhr und nicht von 7 bis 15 Uhr.
Vom Thüringer Gesundheitsministerium habe ich bisher übrigens noch gar nichts gehört. Aber das nur am Rande.
Noch ist Zeit für die Unterstützung der ambulanten Versorgung. Die Chancen im Landkreis stehen sogar sehr gut, da die Fallzahlen noch gering sind. Aber nicht mehr lange. Wenn das öffentliche Leben stark eingeschränkt ist, werden sich die Leute nach derzeitigem Stand leider im Gesundheitswesen anstecken. Es muss daher JETZT etwas passieren.
Ich lade die Politiker gern ein, sich vor Ort ein Bild vom Stand der Vorbereitungen in den Arztpraxen im Landkreis oder bei uns im Dialysezentrum zu machen. Im Moment versuchen alle Mitarbeiter mit großem Engagement das Unmögliche möglich zu machen.
Dr. med. C. Marx
Facharzt f. Innere Medizin, Nephrologie, Notfallmedizin
Nordhausen
Autor: redWie steht es jedoch um die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung im ambulanten Sektor?
Hier ist festzuhalten, dass Stand 17.03. der gesamte ambulante Sektor im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, Arztpraxen, KV-Notdienst, ambulante Dialysezentren von mehr oder weniger allein gelassen wird.
Bislang wurde keinerlei Hilfe in der Beschaffung von Schutzausrüstung zuteil, diese ist seit langem nicht in ausreichender Menge zu bekommen. Ich möchte den Verantwortlichen die Frage stellen, wer sich um die Versorgung der infektiösen Patienten mit leichten oder mittleren Krankheitssymptomen kümmern wird? Wenn die sich alle im Krankenhaus melden, wird dieses sehr schnell an seine Grenzen kommen.
Der KV Notdienst hat im Landkreis (Stand heute) keine ausreichende Schutzausrüstung. Woher sollen einzelne Arztpraxen Masken und Schutzkleidung bekommen? Eine Praxis mit einem Arzt und drei Assistentinnen braucht bei sparsamstem Gebrauch mindestens (!) 15-20 Masken und Kittel pro Tag! Zu kaufen von Geschäftemachern im Internet für 10 Euro das Stück?
In den Dialysezentren in den Landkreisen (in Sondershausen werden auch stationäre Patienten behandelt) wird schlimmstenfalls täglich Vollschutz für 50 Mitarbeiter gebraucht! Nicht zu reden vom Mundschutz für Patienten. Es ist nicht geklärt, wie Infektionskrankentransporte in ausreichender Menge vorgehalten werden sollen. Wie kommen die Patienten zur Behandlung, die aktuell mit dem Taxi fahren? Wie steht es um die Kapazitäten im Rettungsdienst? Und noch eins: Kinderbetreuung organisieren bedeutet im Gesundheitswesen: minimal von 6 bis 17 Uhr und nicht von 7 bis 15 Uhr.
Vom Thüringer Gesundheitsministerium habe ich bisher übrigens noch gar nichts gehört. Aber das nur am Rande.
Noch ist Zeit für die Unterstützung der ambulanten Versorgung. Die Chancen im Landkreis stehen sogar sehr gut, da die Fallzahlen noch gering sind. Aber nicht mehr lange. Wenn das öffentliche Leben stark eingeschränkt ist, werden sich die Leute nach derzeitigem Stand leider im Gesundheitswesen anstecken. Es muss daher JETZT etwas passieren.
Ich lade die Politiker gern ein, sich vor Ort ein Bild vom Stand der Vorbereitungen in den Arztpraxen im Landkreis oder bei uns im Dialysezentrum zu machen. Im Moment versuchen alle Mitarbeiter mit großem Engagement das Unmögliche möglich zu machen.
Dr. med. C. Marx
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Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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