Mi, 19:02 Uhr
25.05.2005
Besuch im Landkreis
Nordhausen (nnz). Polens jüngste Konsulin war heute in Nordhausen zu Gast. Der Besuch von Vizekonsulin Magdalena Kaplinska hatte jedoch einen ernsten Hintergrund. Dabei sollte ein Ereignis Anfang September vorbereitet werden. Die nnz war bei dem Besuch dabei.
Besuch im Landkreis (Foto: nnz)
Die 30jährige Magdalene Kaplinska hat nicht nur Charme, sondern auch das notwendige Sachverständnis. Mit der im Landratsamt als Chefsache gemachten Wirtschaftsförderung begrüße man die Entwicklung von Kooperationen mit der Republik Polen gerade unter dem Gesichtspunkt des sich weiter vertiefenden europäischen Einigungsprozesses. Aber gerade auch das Gedenken an die Opfer der Zwangsarbeit darf gerade in Nordhausen mit der Gedenkstätte Mittelbau Dora nicht zu kurz kommen, hieß es im Landratsamt.
Denn ein Schwerpunkt des Besuchs der Vizekonsulin Kaplinska ist es, eine Gedenktafel im Nordhäuser Industriegebiet Kohnstein am Abgaseschornstein Ni 115 des ehem. Nazi-Rüstungsprojektes Kriegsschwefel Ni.365 aus Anlass des Überfalls Hitlerdeutschlands auf Polen (1. September) zu schaffen, die von Nordhäuser Unternehmen wie MBN Metallbau und Envites Umwelttechnik im Industriegebiet Kohnstein finanziert wird. Anlass dazu gaben neue historische Recherchen, die Tim Schäfer in dem in Nordhausen erschienen Buch: Zwangsarbeit am Sachsenberg-Kriegsschwefel Ni 365 veröffentlicht hat.
Hierzu konnten am frühen Nachmittag mit Dr. Jens-Christian Wagner von der Gedenkstätte Mittelbau-Dora detaillierte Absprachen getroffen werden. Schließlich läge es allen sehr am Herzen, dass an den Todesstätten von polnischen Zwangsarbeitern wie in ehemaligen Zwangsarbeiterprojekten im Industriegebiet Kohnstein in Nazideutschland, auch 60 Jahre danach, erinnert wird. stellten die Beteiligten übereinstimmend fest. Christine Wagner konnte aus Sicht des Amtes und der Stadt Nordhausen wirklich vielfältige Aktivitäten im Rahmen der Partnerschaft zu Ostrow, die schon Tradition ist, ausführen. Diese betreffen kulturelle Maßnahmen wie aber auch wirtschaftliche Aktivitäten, so im Erfahrungsaustausch der Stadtwerke der Partnerstädte. Heidelore Kneffel hob die besonders liebenswerten Kontakte, die Herzlichkeit der polnischen Freunde hervor, die immer wieder beeindruckend seien.
Einen Überblick Ihrer Aktivitäten gab die Regionalmanagerin Uta Hirselandt. Frau Kaplinska ließ sich eine ganze Reihe von Informationen detailliert erläutern, um auch polnische Partner informieren zu können. So könnten auf europäischer Schiene kofinanzierte Entwicklungsprojekte viel besser generiert werden, betonte die Vizekonsulin. Die Region kann sich nun auf viele neue Projekte freuen, so Uta Hirselandt.
Das Interesse des Besuchs der Vertreterin der Botschaft der Polnischen Republik galt insbesondere wirtschaftlichen Kontakten, die entwickelt werden sollen. So stand ein Besuch der Firma GAIA Akkumulatorenwerke GmbH Nordhausen auf dem Programm, die Hochleistungsbatterien für Spezialanwendungen wie Luft- und Raumfahrt in Nordhausen entwickelt. Diese Lithium-Ionen Batterien werden über das amerikanische Mutterunternehmen an US-Konzerne der Luft- und Raumfahrt geliefert. In Nordhausen entwickelt und produziert (43 Mitarbeiter + 2 Azubi), weltweit, hauptsächlich aber in die Vereinigten Staaten exportiert weiß Prokurist Tim Schäfer von der GAIA. Hier werden Kontakte in die polnische Industrie geknüpft, es gibt bereits bilaterales Interesse am Nordhäuser Technologieunternehmen GAIA Akkumulatorenwerke.
Die Vizekonsulin besuchte aber auch den Nordhäuser Betrieb MBN Metallbau Niedersachswerfen im Nordhäuser Industriegebiet Kohnstein. Geschäftsführer Jürgen Schulze führte durch sein Unternehmen und konnte die Breite seiner Produktpalette eindrucksvoll schildern. Schulze verspricht sich Effekte aus dem neuen Kontakt zum Nachbarland Republik Polen. Heute kommt es darauf an, sehr flexibel, innovativ und kostengünstig am Markt zu agieren, da sind Kooperationen die richtige Antwort, so Jürgen Schulze von MBN.
Trotz einer Veranstaltung im Hause der Gedenkstätte Mittelbau- Dora nahm sich Historiker Dr. Jens Wagner viel Zeit. Er befürwortet engere Beziehungen gerade zum Rat für Gedenkstätten in Warschau, die Vizekonsulin Kaplinska vorschlug. Anfang 1945 waren fast 40 %, mithin bis etwa 20 000 Polen Häftlinge im KZ Dora-Mittelbau. Davon seien viele hier umgekommen. Jens Wagner erläuterte das neue Konzept der geplanten Dauerausstellung, in welcher diese Tatsachen ihren Niederschlag finden werden.
Schließlich machte er auch kritisch darauf aufmerksam, dass gerade Objekte wie B 11 und B12, also Großstollenbauprojekte der Nazis, die unter massivstem Häftlingseinsatz begonnen und gebaut wurden, nach wie vor gerade nicht unter Schutz gestellt seien.
Autor: nnz
Besuch im Landkreis (Foto: nnz)
Die 30jährige Magdalene Kaplinska hat nicht nur Charme, sondern auch das notwendige Sachverständnis. Mit der im Landratsamt als Chefsache gemachten Wirtschaftsförderung begrüße man die Entwicklung von Kooperationen mit der Republik Polen gerade unter dem Gesichtspunkt des sich weiter vertiefenden europäischen Einigungsprozesses. Aber gerade auch das Gedenken an die Opfer der Zwangsarbeit darf gerade in Nordhausen mit der Gedenkstätte Mittelbau Dora nicht zu kurz kommen, hieß es im Landratsamt.
Denn ein Schwerpunkt des Besuchs der Vizekonsulin Kaplinska ist es, eine Gedenktafel im Nordhäuser Industriegebiet Kohnstein am Abgaseschornstein Ni 115 des ehem. Nazi-Rüstungsprojektes Kriegsschwefel Ni.365 aus Anlass des Überfalls Hitlerdeutschlands auf Polen (1. September) zu schaffen, die von Nordhäuser Unternehmen wie MBN Metallbau und Envites Umwelttechnik im Industriegebiet Kohnstein finanziert wird. Anlass dazu gaben neue historische Recherchen, die Tim Schäfer in dem in Nordhausen erschienen Buch: Zwangsarbeit am Sachsenberg-Kriegsschwefel Ni 365 veröffentlicht hat.
Hierzu konnten am frühen Nachmittag mit Dr. Jens-Christian Wagner von der Gedenkstätte Mittelbau-Dora detaillierte Absprachen getroffen werden. Schließlich läge es allen sehr am Herzen, dass an den Todesstätten von polnischen Zwangsarbeitern wie in ehemaligen Zwangsarbeiterprojekten im Industriegebiet Kohnstein in Nazideutschland, auch 60 Jahre danach, erinnert wird. stellten die Beteiligten übereinstimmend fest. Christine Wagner konnte aus Sicht des Amtes und der Stadt Nordhausen wirklich vielfältige Aktivitäten im Rahmen der Partnerschaft zu Ostrow, die schon Tradition ist, ausführen. Diese betreffen kulturelle Maßnahmen wie aber auch wirtschaftliche Aktivitäten, so im Erfahrungsaustausch der Stadtwerke der Partnerstädte. Heidelore Kneffel hob die besonders liebenswerten Kontakte, die Herzlichkeit der polnischen Freunde hervor, die immer wieder beeindruckend seien.
Einen Überblick Ihrer Aktivitäten gab die Regionalmanagerin Uta Hirselandt. Frau Kaplinska ließ sich eine ganze Reihe von Informationen detailliert erläutern, um auch polnische Partner informieren zu können. So könnten auf europäischer Schiene kofinanzierte Entwicklungsprojekte viel besser generiert werden, betonte die Vizekonsulin. Die Region kann sich nun auf viele neue Projekte freuen, so Uta Hirselandt.
Das Interesse des Besuchs der Vertreterin der Botschaft der Polnischen Republik galt insbesondere wirtschaftlichen Kontakten, die entwickelt werden sollen. So stand ein Besuch der Firma GAIA Akkumulatorenwerke GmbH Nordhausen auf dem Programm, die Hochleistungsbatterien für Spezialanwendungen wie Luft- und Raumfahrt in Nordhausen entwickelt. Diese Lithium-Ionen Batterien werden über das amerikanische Mutterunternehmen an US-Konzerne der Luft- und Raumfahrt geliefert. In Nordhausen entwickelt und produziert (43 Mitarbeiter + 2 Azubi), weltweit, hauptsächlich aber in die Vereinigten Staaten exportiert weiß Prokurist Tim Schäfer von der GAIA. Hier werden Kontakte in die polnische Industrie geknüpft, es gibt bereits bilaterales Interesse am Nordhäuser Technologieunternehmen GAIA Akkumulatorenwerke.
Die Vizekonsulin besuchte aber auch den Nordhäuser Betrieb MBN Metallbau Niedersachswerfen im Nordhäuser Industriegebiet Kohnstein. Geschäftsführer Jürgen Schulze führte durch sein Unternehmen und konnte die Breite seiner Produktpalette eindrucksvoll schildern. Schulze verspricht sich Effekte aus dem neuen Kontakt zum Nachbarland Republik Polen. Heute kommt es darauf an, sehr flexibel, innovativ und kostengünstig am Markt zu agieren, da sind Kooperationen die richtige Antwort, so Jürgen Schulze von MBN.
Trotz einer Veranstaltung im Hause der Gedenkstätte Mittelbau- Dora nahm sich Historiker Dr. Jens Wagner viel Zeit. Er befürwortet engere Beziehungen gerade zum Rat für Gedenkstätten in Warschau, die Vizekonsulin Kaplinska vorschlug. Anfang 1945 waren fast 40 %, mithin bis etwa 20 000 Polen Häftlinge im KZ Dora-Mittelbau. Davon seien viele hier umgekommen. Jens Wagner erläuterte das neue Konzept der geplanten Dauerausstellung, in welcher diese Tatsachen ihren Niederschlag finden werden.
Schließlich machte er auch kritisch darauf aufmerksam, dass gerade Objekte wie B 11 und B12, also Großstollenbauprojekte der Nazis, die unter massivstem Häftlingseinsatz begonnen und gebaut wurden, nach wie vor gerade nicht unter Schutz gestellt seien.

