Do, 12:16 Uhr
19.05.2005
Welche Frage hätten Sie gern?
Nordhausen (nnz). Weiterbildung ist immer eine gute Sache, auch in der Verwaltung. Doch manchmal gerät auch dieser gute Vorsatz ein wenig zur Posse...
Irgendwann in den nächsten Jahren soll in den Thüringer Kommunen die doppelte Buchführung eingeführt werden, irgendwann auch einmal in den Verwaltungen in Nordhausen. Die so genannte Doppik soll die Kameralistik ablösen, sie soll Einspareffekte aufzeigen, Kräfte bündeln, sie kann aber nicht das Allheilmittel gegen klaffende Haushalte sein.
Auf diese doppelte Buchführung müssen natürlich auch die Mitarbeiter in den Verwaltungen vorbereitet werden. Das dachten sich in den zurückliegenden Monaten nicht nur die Verwalter selbst, sondern auch eine Professoren der Fachhochschule Nordhausen. Sie wollten ihr Wissen gern weitergeben – zum Beispiel an die Verwaltungen in Nordthüringen und gründete einen akademischen Verein, über den die nnz bereits im vergangenen Jahr ausführlich berichtete.
Nun haben selbst Professoren an der jüngsten Thüringer Fachhochschule nicht nur ein Herz für die Verwaltungen, sie wollen auch Geld verdienen. Am Markt der Weiter- und Fortbildung. Den eigentlich gab es in dieser Form noch nicht, dafür das Monopol der Verwaltungsfachschule in Weimar. Die hat nach eigenen Angaben den staatlichen Auftrag, die Mitarbeiter in den Verwaltungen zu schulen. In Weimar hingegen ist man inoffiziell sauer über die Konkurrenz in Nordhausen und verweist unter anderem auf den Bezug der Weiter- und Fortbildung zu verwaltungsrelevanten Themen.
Dieser Bezug ist den professualen Mitgliedern des Akademischen Zentrums noch nicht so ganz gelungen. Die meisten Teilnehmer eines ersten achtwöchigen Lehrganges jedenfalls vermißten diesen Bezug. Dafür wurde Fachhochschullehrplan vom BWL-Feinsten durchgezogen. Eröffnungsbilanzen von Unternehmen wurden vorgestellt, nur eine Eröffnungsbilanz, wie sie eine Kommunen bei einer doppelten Buchführung braucht, die fehlte im Vermittlungsplan. Die Damen und Herren Dozenten bemerkten denn auch die Verständigungsschwierigkeiten und sahen wohl auch ein, daß man vielleicht ein wenig anders an die Sache herangehen sollte. Vielleicht beim nächsten Lehrgang. Der jetzt abgearbeitete schloß für einige Teilnehmer ohne Prüfung, anderen müssen sie auf Geheiß ihres Arbeitgebers jedoch ablegen. So schlimm kann diese Prüfung nun auch wieder nicht sein, denn im Vorfeld wurde da schon mal durch Dozenten gefragt: Welche Frage hätten Sie den gern.
Daß die Vermittlungsatmosphäre nicht sonderlich ideal war, das bemerkten auch die Vorständler des Akademischen Zentrums. Sie entsandten an einem Samstag Teilnehmer eine parallel laufenden Acht-Monate-Kurses in die aufmüpfige Klasse. Dort machte unter anderem eine Mitarbeiterin der Kreisverwaltung Nordhausen Mitarbeiter der Stadtverwaltung runter wie kleine Schulkinder. Jetzt sind die acht Doppik-Wochen vorbei und die Kursteilnehmer wissen viel mehr als vorher. Zum Beispiel, wie es mit Bezugsrechten zu Aktien bestellt ist.
Mit Geld hat aber auch die gesamte Weiterbildung zu tun, sie muß von den Verwaltungen bezahlt werden. Und da ist es kein Geheimnis, dass das Angebot des Zentrums in Nordhausen wesentlich unter den Kosten liegt, die Verwaltungen für eine Teilnahme ihrer Mitarbeiter an der Verwaltungsschule in Weimar zahlen. Das stößt den weimarer kräftig auf, doch das Kultusministerium wiegelt ab und verweist auf den Wettbewerb. Vergessen wurde dabei allerdings die Tatsache, daß der Fehlbetrag der Weimarer Schule, der durch fehlende Teilnehmer entsteht, wieder vom Land Thüringen ausgeglichen werden muß. Schließlich hat die Verwaltungsschule des Landes einen staatlichen Auftrag.
Für den Otto-Normal-Steuerzahler wird das bitter. Er wird über seine Steuern vollständig oder teilweise an die Kosten beteiligt, die von den Kommunen für das Akademische Zentrum in Nordhausen aufgebracht werden müssen und er bezahlt den Ausgleich für fehlende Teilnehmer in Weimar.
Autor: nnzIrgendwann in den nächsten Jahren soll in den Thüringer Kommunen die doppelte Buchführung eingeführt werden, irgendwann auch einmal in den Verwaltungen in Nordhausen. Die so genannte Doppik soll die Kameralistik ablösen, sie soll Einspareffekte aufzeigen, Kräfte bündeln, sie kann aber nicht das Allheilmittel gegen klaffende Haushalte sein.
Auf diese doppelte Buchführung müssen natürlich auch die Mitarbeiter in den Verwaltungen vorbereitet werden. Das dachten sich in den zurückliegenden Monaten nicht nur die Verwalter selbst, sondern auch eine Professoren der Fachhochschule Nordhausen. Sie wollten ihr Wissen gern weitergeben – zum Beispiel an die Verwaltungen in Nordthüringen und gründete einen akademischen Verein, über den die nnz bereits im vergangenen Jahr ausführlich berichtete.
Nun haben selbst Professoren an der jüngsten Thüringer Fachhochschule nicht nur ein Herz für die Verwaltungen, sie wollen auch Geld verdienen. Am Markt der Weiter- und Fortbildung. Den eigentlich gab es in dieser Form noch nicht, dafür das Monopol der Verwaltungsfachschule in Weimar. Die hat nach eigenen Angaben den staatlichen Auftrag, die Mitarbeiter in den Verwaltungen zu schulen. In Weimar hingegen ist man inoffiziell sauer über die Konkurrenz in Nordhausen und verweist unter anderem auf den Bezug der Weiter- und Fortbildung zu verwaltungsrelevanten Themen.
Dieser Bezug ist den professualen Mitgliedern des Akademischen Zentrums noch nicht so ganz gelungen. Die meisten Teilnehmer eines ersten achtwöchigen Lehrganges jedenfalls vermißten diesen Bezug. Dafür wurde Fachhochschullehrplan vom BWL-Feinsten durchgezogen. Eröffnungsbilanzen von Unternehmen wurden vorgestellt, nur eine Eröffnungsbilanz, wie sie eine Kommunen bei einer doppelten Buchführung braucht, die fehlte im Vermittlungsplan. Die Damen und Herren Dozenten bemerkten denn auch die Verständigungsschwierigkeiten und sahen wohl auch ein, daß man vielleicht ein wenig anders an die Sache herangehen sollte. Vielleicht beim nächsten Lehrgang. Der jetzt abgearbeitete schloß für einige Teilnehmer ohne Prüfung, anderen müssen sie auf Geheiß ihres Arbeitgebers jedoch ablegen. So schlimm kann diese Prüfung nun auch wieder nicht sein, denn im Vorfeld wurde da schon mal durch Dozenten gefragt: Welche Frage hätten Sie den gern.
Daß die Vermittlungsatmosphäre nicht sonderlich ideal war, das bemerkten auch die Vorständler des Akademischen Zentrums. Sie entsandten an einem Samstag Teilnehmer eine parallel laufenden Acht-Monate-Kurses in die aufmüpfige Klasse. Dort machte unter anderem eine Mitarbeiterin der Kreisverwaltung Nordhausen Mitarbeiter der Stadtverwaltung runter wie kleine Schulkinder. Jetzt sind die acht Doppik-Wochen vorbei und die Kursteilnehmer wissen viel mehr als vorher. Zum Beispiel, wie es mit Bezugsrechten zu Aktien bestellt ist.
Mit Geld hat aber auch die gesamte Weiterbildung zu tun, sie muß von den Verwaltungen bezahlt werden. Und da ist es kein Geheimnis, dass das Angebot des Zentrums in Nordhausen wesentlich unter den Kosten liegt, die Verwaltungen für eine Teilnahme ihrer Mitarbeiter an der Verwaltungsschule in Weimar zahlen. Das stößt den weimarer kräftig auf, doch das Kultusministerium wiegelt ab und verweist auf den Wettbewerb. Vergessen wurde dabei allerdings die Tatsache, daß der Fehlbetrag der Weimarer Schule, der durch fehlende Teilnehmer entsteht, wieder vom Land Thüringen ausgeglichen werden muß. Schließlich hat die Verwaltungsschule des Landes einen staatlichen Auftrag.
Für den Otto-Normal-Steuerzahler wird das bitter. Er wird über seine Steuern vollständig oder teilweise an die Kosten beteiligt, die von den Kommunen für das Akademische Zentrum in Nordhausen aufgebracht werden müssen und er bezahlt den Ausgleich für fehlende Teilnehmer in Weimar.


