Di, 22:26 Uhr
11.02.2020
35. Südharz-Hunderter
Facetten einer Langstreckenwanderung
Manche Menschen sagen, dass es doch langweilig sein müsse, immer wieder auf derselben Strecke zu wandern, noch dazu 100 und mehr Kilometer. Das dem nicht so ist, zeigt die Unterschiedlichkeit der vielen einzelnen Touren nach Halle...
Denn der Charakter einer Langstreckenwanderung wird nicht nur von der Strecke bestimmt, sondern in großem Maße von den Teilnehmern der Veranstaltung, von Ereignissen unterwegs, vom Wetter u.v.m.
Beim 35. Südharz-Hunderter am vergangenen Wochenende erreichten von 14 Startern 13 ihr Ziel über 100 bzw. 114 Kilometer.
Erfreulich war die Teilnahme von zwei Wanderern aus der Region Nordhausen: Nicole Korleck aus Stolberg erwanderte erstmals 100 Kilometer am Stück, der Nordhäuser Robert Quensel zum zweiten Mal. 100 km erwanderten auch Nico Schwertfeger, Tobias Otto und Nico Graw aus dem Mansfelder Land, Roland Kaulfuß aus Dresden, Oliver Mieth aus der Oberlausitz, Dr. André Petrasch aus dem Saalekreis, Andreas Golm aus Leipzig sowie Bodo Schwarzberg. Die 114 km gönnten sich Dr. Christian Richter aus Jena, Elke Öffner aus Franken und Volker Ernst aus Halle.
Die Stolbergerin Nicole Korleck hatte sich erst auf Grund der Pressemeldung vom vergangenen Donnerstag spontan für eine Teilnahme entschieden - und landete gleich bei ihrem ersten Hunderterstart einen großen persönlichen Erfolg.
Volker Ernst aus Halle sah ich zum letzten Mal im Mai 2004 bei einem auch schon von mir organisierten Hunderter durch die Dübener Heide. Den schaffte er, schwor sich damals aber angesichts schlimmster Blasen, niemals wieder an einer solchen "Horrortour" teilzunehmen. Dieser Schwur hielt tatsächlich lange vor um dann um so deutlicher zu fallen: 16 Jahre später sahen wir uns beim 35. Südharz-Hunderter am vergangenen Wochenende wieder. Und Volker erwanderte locker und leicht 114 Kilometer von Nordhausen bis Halle-Ammendorf, - die letzten 14 Kilometer übrigens in gerade einmal zwei Stunden.
Zum zweiten Mal beim 35 Südharz-Hundertern musste das 14 Sportwanderer umfassende Teilnehmerfeld auf die abendliche Einkehr in Grillenberg verzichten. Die nach 49 Kilometern regelmäßig angewanderte Gaststätte hatte wegen Urlaub geschlossen. Einen wohltuenden Ersatz bot das Bauernstübl in Großleinungen mit Schnitzel und Bier vom Feinsten.
Dafür blieben uns die Türen einer weiteren, zusätzlichen Gaststätte an der Strecke im Mansfelder Land zwecks Getränkeaufnahme verschlossen. Es habe ein Missverständnis bezüglich der vereinbarten Zeit gegeben, meinte der Wirt später am Telefon. Die Folge war für einen Großteil der Teilnehmer eine einkehrfreie Wanderstrecke von 44 Kilometern. Auch das ein Novum beim Südharz-Hunderter, was die Unterschiedlichkeit der Touren unterstreicht.
Einige wenige Teilnehmer jedoch konnten gegen 2 Uhr am Sonntagmorgen spontan im Haus eines Mitwanderers einen Imbiss einnehmen: Sein Haus liegt direkt an der Strecke. Glück für all jene Wanderer, die gerade in der Nähe waren. Vielleicht wird das künftig ein eingeplanter Verpflegungspunkt?
Eine individuelle Facette jedes Hunderters ist natürlich das Wetter: Beim 35. Südharz-Hunderter saß uns das Orkantief Sabine im Nacken. Nicht, dass uns der Sturm vielleicht beim Wandern hätte stören können: Windiges Wetter hatten wir nicht zum ersten Mal. Eher hatten einige Mitwanderer Bedenken wegen ihrer Heimfahrt. Schließlich stellte die Deutsche Bahn Streckensperrungen in Aussicht.
Auch deswegen entschieden sich nicht alle Wanderer für eine Fortsetzung der Tour von Halle-Nietleben nach Halle-Ammendorf von km 100 bis km 114.
Glücklicherweise hielten sich die Sturmböen aber am Sonntag noch in erträglichen Grenzen. Alle Wanderer erreichten wohlbehalten ihre Heimatorte.
Ein schwelender Konflikt
Eingangs schrieb ich, dass jeder Hunderter von Nordhausen nach Halle sein individuelles Profil hat, trotz der bisher meist identischen Streckenführung. Das wird bereits vom Vorgesagten bestätigt:
Unterstrichen wird diese Aussage zudem von einem Konflikt, der vor allem kleinere, also nur von einer oder von wenigen Personen veranstaltete Hunderter betrifft:
Denn damit der Veranstalter, resp. Wanderleiter für den jeweiligen Teilnehmer am jeweiligen Ziel eine Urkunde über die zurückgelegte Strecke ausstellen kann, muss er die vom Wanderer zurückgelegte Strecke auch nachvollziehen können.
Bei einer geführten Tour, so wird der Leser meinen, ist das ja überhaupt kein Problem, weil Wanderleiter und Teilnehmer zusammen, also in einer Gruppe gehen. Was aber, wenn die Tempowünsche bzw. das Leistungsvermögen der Wanderer sehr unterschiedlich sind? Da sind Konflikte vorprogrammiert: Wer also besonders schnell wandern möchte, ist geneigt, der Gruppe weit vorauszugehen. Da wird die notwendige Kontrolle durch den Wanderleiter mitunter schwierig. Und das vor allem dann, wenn der schnelle Wanderer die Strecke schon kennt und über viele Stunden kein Blickkontakt zwischen ihm und dem Wanderleiter besteht.
In den vergangenen Jahren hat sich dieser Trend zum individuellen Wandern durch das GPS weiter verstärkt. Natürlich könnte der Wanderleiter jeden Teilnehmer individuell gehen lassen.
Aber das muss nicht gut sein:
Man bräuchte sich dann zum Beispiel nur noch am Start zu sehen oder aber gar nicht. Dann würde einfach ein Starttag festgelegt. Jeder Wanderer startet zu einer ihm genehmen Uhrzeit, Nach Zielankunft mailt der Teilnehmer dem Wanderleiter seinen GPS-Track als Nachweis über die gewanderte Strecke und letzterer verschickt anschließend die Urkunden per Mail an die Teilnehmer. So sähe der Extremfall des organisierten Wanderns im Digitalzeitalter aus. Geprägt vom Imdividualismus, stünde der Name einer Veranstaltung nur noch auf dem Papier und das Gruppenerlebnis, welches mit dem sportlichen Genuss beim organisierten Wandern quasi untrennbar verwoben ist, würde weitestgehend aussterben.
Bei den von mir geführten bzw. veranstalteten Hundertern versuche ich gemeinsam mit den Teilnehmern Kompromisslösungen zu finden. Beim Südharz-Hunderter verhindern die für die Verpflegung ausersehenen Gaststätten ein zu starkes Auseinanderdriften des meist kleinen Teilnehmerfeldes. Zudem wird künftig eine langsamere und eine schnellere Wandergruppe mit 5 km/h bzw. 6 km/h Wandergeschwindigkeit angestrebt, gerechnet ohne Pausen. Denn meist überwiegen, so auch beim 35. Südharz-Hunderter, die eher schnellen Sportfreunde, was die langsameren von einer Teilnahme abschrecken könnte. Das ist übrigens ein grundlegendes Problem bei geführten Wanderungen.
Eine Sonderregelung gibt es insbesondere ab Kilometer 80 (Aseleben). Bisher war es so, dass ich die Urkunden bereits in der dortigen Frühstücksgaststätte ausstellte im Vertrauen darauf, dass die Teilnehmer auch tatsächlich die verbleibenden 20 km bis Halle-Nietleben auf der vorgesehenen Strecke zu Fuß zurücklegen.
Nach einem bestimmten Vorkommnis musste diese Praxis unbedingt geändert werden. Teilnehmer, die auf den letzten 20 Kilometern mit 6 km/h unterwegs sein wollen, müssen mir seit dem 35. Südharz-Hunderter ca. alle 5 km aussagekräftige Fotos als Nachweis schicken. Nur dann wird deren Leistung auch offiziell gewertet. Die langsameren, mitunter auch neuen Teilnehmer indes wandern mit mir. So haben auch sie eine Chance, nicht selten zum ersten Mal, 100 km am Stück zu wandern.
Diese Vorgehensweise wird von der offiziellen Wertungsstelle für größer/gleich 100 km-Nonstopwanderungen beim SWBV in Sachsen gedeckt.
Am 31.07. geht es zum 11. Mal über den ganzen Harz von West nach Ost über 147 km am Stück.
Autor: redDenn der Charakter einer Langstreckenwanderung wird nicht nur von der Strecke bestimmt, sondern in großem Maße von den Teilnehmern der Veranstaltung, von Ereignissen unterwegs, vom Wetter u.v.m.
Beim 35. Südharz-Hunderter am vergangenen Wochenende erreichten von 14 Startern 13 ihr Ziel über 100 bzw. 114 Kilometer.
Erfreulich war die Teilnahme von zwei Wanderern aus der Region Nordhausen: Nicole Korleck aus Stolberg erwanderte erstmals 100 Kilometer am Stück, der Nordhäuser Robert Quensel zum zweiten Mal. 100 km erwanderten auch Nico Schwertfeger, Tobias Otto und Nico Graw aus dem Mansfelder Land, Roland Kaulfuß aus Dresden, Oliver Mieth aus der Oberlausitz, Dr. André Petrasch aus dem Saalekreis, Andreas Golm aus Leipzig sowie Bodo Schwarzberg. Die 114 km gönnten sich Dr. Christian Richter aus Jena, Elke Öffner aus Franken und Volker Ernst aus Halle.
Die Stolbergerin Nicole Korleck hatte sich erst auf Grund der Pressemeldung vom vergangenen Donnerstag spontan für eine Teilnahme entschieden - und landete gleich bei ihrem ersten Hunderterstart einen großen persönlichen Erfolg.
Volker Ernst aus Halle sah ich zum letzten Mal im Mai 2004 bei einem auch schon von mir organisierten Hunderter durch die Dübener Heide. Den schaffte er, schwor sich damals aber angesichts schlimmster Blasen, niemals wieder an einer solchen "Horrortour" teilzunehmen. Dieser Schwur hielt tatsächlich lange vor um dann um so deutlicher zu fallen: 16 Jahre später sahen wir uns beim 35. Südharz-Hunderter am vergangenen Wochenende wieder. Und Volker erwanderte locker und leicht 114 Kilometer von Nordhausen bis Halle-Ammendorf, - die letzten 14 Kilometer übrigens in gerade einmal zwei Stunden.
Zum zweiten Mal beim 35 Südharz-Hundertern musste das 14 Sportwanderer umfassende Teilnehmerfeld auf die abendliche Einkehr in Grillenberg verzichten. Die nach 49 Kilometern regelmäßig angewanderte Gaststätte hatte wegen Urlaub geschlossen. Einen wohltuenden Ersatz bot das Bauernstübl in Großleinungen mit Schnitzel und Bier vom Feinsten.
Dafür blieben uns die Türen einer weiteren, zusätzlichen Gaststätte an der Strecke im Mansfelder Land zwecks Getränkeaufnahme verschlossen. Es habe ein Missverständnis bezüglich der vereinbarten Zeit gegeben, meinte der Wirt später am Telefon. Die Folge war für einen Großteil der Teilnehmer eine einkehrfreie Wanderstrecke von 44 Kilometern. Auch das ein Novum beim Südharz-Hunderter, was die Unterschiedlichkeit der Touren unterstreicht.
Einige wenige Teilnehmer jedoch konnten gegen 2 Uhr am Sonntagmorgen spontan im Haus eines Mitwanderers einen Imbiss einnehmen: Sein Haus liegt direkt an der Strecke. Glück für all jene Wanderer, die gerade in der Nähe waren. Vielleicht wird das künftig ein eingeplanter Verpflegungspunkt?
Eine individuelle Facette jedes Hunderters ist natürlich das Wetter: Beim 35. Südharz-Hunderter saß uns das Orkantief Sabine im Nacken. Nicht, dass uns der Sturm vielleicht beim Wandern hätte stören können: Windiges Wetter hatten wir nicht zum ersten Mal. Eher hatten einige Mitwanderer Bedenken wegen ihrer Heimfahrt. Schließlich stellte die Deutsche Bahn Streckensperrungen in Aussicht.
Auch deswegen entschieden sich nicht alle Wanderer für eine Fortsetzung der Tour von Halle-Nietleben nach Halle-Ammendorf von km 100 bis km 114.
Glücklicherweise hielten sich die Sturmböen aber am Sonntag noch in erträglichen Grenzen. Alle Wanderer erreichten wohlbehalten ihre Heimatorte.
Ein schwelender Konflikt
Eingangs schrieb ich, dass jeder Hunderter von Nordhausen nach Halle sein individuelles Profil hat, trotz der bisher meist identischen Streckenführung. Das wird bereits vom Vorgesagten bestätigt:
Unterstrichen wird diese Aussage zudem von einem Konflikt, der vor allem kleinere, also nur von einer oder von wenigen Personen veranstaltete Hunderter betrifft:
Denn damit der Veranstalter, resp. Wanderleiter für den jeweiligen Teilnehmer am jeweiligen Ziel eine Urkunde über die zurückgelegte Strecke ausstellen kann, muss er die vom Wanderer zurückgelegte Strecke auch nachvollziehen können.
Bei einer geführten Tour, so wird der Leser meinen, ist das ja überhaupt kein Problem, weil Wanderleiter und Teilnehmer zusammen, also in einer Gruppe gehen. Was aber, wenn die Tempowünsche bzw. das Leistungsvermögen der Wanderer sehr unterschiedlich sind? Da sind Konflikte vorprogrammiert: Wer also besonders schnell wandern möchte, ist geneigt, der Gruppe weit vorauszugehen. Da wird die notwendige Kontrolle durch den Wanderleiter mitunter schwierig. Und das vor allem dann, wenn der schnelle Wanderer die Strecke schon kennt und über viele Stunden kein Blickkontakt zwischen ihm und dem Wanderleiter besteht.
In den vergangenen Jahren hat sich dieser Trend zum individuellen Wandern durch das GPS weiter verstärkt. Natürlich könnte der Wanderleiter jeden Teilnehmer individuell gehen lassen.
Aber das muss nicht gut sein:
Man bräuchte sich dann zum Beispiel nur noch am Start zu sehen oder aber gar nicht. Dann würde einfach ein Starttag festgelegt. Jeder Wanderer startet zu einer ihm genehmen Uhrzeit, Nach Zielankunft mailt der Teilnehmer dem Wanderleiter seinen GPS-Track als Nachweis über die gewanderte Strecke und letzterer verschickt anschließend die Urkunden per Mail an die Teilnehmer. So sähe der Extremfall des organisierten Wanderns im Digitalzeitalter aus. Geprägt vom Imdividualismus, stünde der Name einer Veranstaltung nur noch auf dem Papier und das Gruppenerlebnis, welches mit dem sportlichen Genuss beim organisierten Wandern quasi untrennbar verwoben ist, würde weitestgehend aussterben.
Bei den von mir geführten bzw. veranstalteten Hundertern versuche ich gemeinsam mit den Teilnehmern Kompromisslösungen zu finden. Beim Südharz-Hunderter verhindern die für die Verpflegung ausersehenen Gaststätten ein zu starkes Auseinanderdriften des meist kleinen Teilnehmerfeldes. Zudem wird künftig eine langsamere und eine schnellere Wandergruppe mit 5 km/h bzw. 6 km/h Wandergeschwindigkeit angestrebt, gerechnet ohne Pausen. Denn meist überwiegen, so auch beim 35. Südharz-Hunderter, die eher schnellen Sportfreunde, was die langsameren von einer Teilnahme abschrecken könnte. Das ist übrigens ein grundlegendes Problem bei geführten Wanderungen.
Eine Sonderregelung gibt es insbesondere ab Kilometer 80 (Aseleben). Bisher war es so, dass ich die Urkunden bereits in der dortigen Frühstücksgaststätte ausstellte im Vertrauen darauf, dass die Teilnehmer auch tatsächlich die verbleibenden 20 km bis Halle-Nietleben auf der vorgesehenen Strecke zu Fuß zurücklegen.
Nach einem bestimmten Vorkommnis musste diese Praxis unbedingt geändert werden. Teilnehmer, die auf den letzten 20 Kilometern mit 6 km/h unterwegs sein wollen, müssen mir seit dem 35. Südharz-Hunderter ca. alle 5 km aussagekräftige Fotos als Nachweis schicken. Nur dann wird deren Leistung auch offiziell gewertet. Die langsameren, mitunter auch neuen Teilnehmer indes wandern mit mir. So haben auch sie eine Chance, nicht selten zum ersten Mal, 100 km am Stück zu wandern.
Diese Vorgehensweise wird von der offiziellen Wertungsstelle für größer/gleich 100 km-Nonstopwanderungen beim SWBV in Sachsen gedeckt.
Am 31.07. geht es zum 11. Mal über den ganzen Harz von West nach Ost über 147 km am Stück.


