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Mi, 19:15 Uhr
22.01.2020
Neujahrsempfang der Stadt und Hochschule Nordshausen

"Lieber Wort als Reden halten!"

Großer Bahnhof herrschte Mittwochabend im Audimax auf dem Weinberghof. Es liest sich fast wie das who is who der Thüringer Politik und Wirtschaft, wer sich alles zum Neujahrsempfang der Stadt Nordhausen und der Hochschule Nordhausen die Ehre gab …

Bodo Ramelow beim Neujahrsempfang (Foto: nnz) Bodo Ramelow beim Neujahrsempfang (Foto: nnz)
Der amtierende Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow kam in Begleitung seiner Parteigenossin und Landtagspräsidenten Birgit Keller zum Empfang und ergriff die Gelegenheit, die anwesenden Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu begrüßen.

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Ministerpräsident Ramelow ging in seinem Grußwort sofort auf die Themen Gips und Kali in der Region ein, sprach die Recyclingentwicklung in Nordhausen an der Hochschule an und betonte, wie wichtig es ist, Alternativen zum REA-Gips zu schaffen. Die Folgen des Kohleausstieges sind seiner Meinung nach nicht bedacht, die Firma KNAUF wolle zukünftig Leichtbaustoffe verbauen und Nordhausen könne da einen guten Beitrag leisten.

Explizit und mit warmen Worten lobte der hohe Gast die Stadt Nordhausen und ihren Oberbürgermeister Kai Buchmann für die vorzeitige Haushaltskonsolidierung. Dass dies fünf Jahre vorfristig geschehen ist und dass nach einem Schuldenabbau von 28 Millionen schon in diesem Jahr 27 Millionen Euro investiert werden können, davor könne er nur den Hut ziehen.

Die anwesenden Honoratioren und andere Gäste applaudierten dieser schönen Anerkennung geleisteter Arbeit im Nordhäuser Rathaus. Schließlich würdigte Ramelow die vorbildliche Flüchtlingsbetreuung, wie beispielsweise in der berühmt gewordenen „Peter-Klasse“ und versprach, demnächst wieder öfter in die Region zu kommen, die selbstbewusst ob ihrer Aktivitäten sein könne und schon lange nicht mehr im Thüringer „nowhere“ läge.

Auch Nordhausens zweite Landtagsabgeordnete der LINKEN, Katja Mitteldorf war gekommen, die Sondershäuser SPD-Abgeordnete Dorothea Marx nebst ihrer Landrätin Antje Hochwind-Schneider. Aus dem Eichsfeld war Dr. Werner Henning gekommen und sein Nordhäuser Kollege Matthias Jendricke komplettierte dien Riege der Landräte. Auch den Präsidenten der Fachhochschule Erfurt, Professor Volker Zerbe, konnte der Präsident der Nordhäuser Hochschule (Prof. Dr. Jörg Wagner) begrüßen.

Die Herren Stefan Lobenstein und Thomas Malcherek als Präsident und Hauptgeschäftsführer der HWK Erfurt sowie die Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt, Cornelia Haase-Lerch, waren nach Nordhausen gekommen. Mit den Präsidenten der Ingenieurkammer Thüringen, Elmar Dräger, und dem Vorstandsvorsitzenden der Thüringer Aufbaubank, Matthias Wierlacher, waren weitere namhafte Wirtschaftsvetreter im Audimax.

Die Bürgermeister der Städte Sondershausen und Ellrich, Steffen Grimm und Henry Pasenow, sowie der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Nordhausen, Karsten Froböse und der Vorstandsvorsitzende des TÜV Thüringen, Volker Höhnisch, wurden herzlich begrüßt. Stellvertretend für die hiesigen Unternehmerinnen und Unternehmer erwähnte Prof. Wagner den Vorsitzenden des Nordthüringer Unternehmerverbandes, Niels Neu, sowie für den Bundesverband Mittelständische Wirtschaft Volker Beiersdorf als Gäste des Abends.

Hochschulpräsident Prof. Jörg Wagner (Foto: nnz) Hochschulpräsident Prof. Jörg Wagner (Foto: nnz)
Wagner blickte auf ein erfolgreiches Jahr für seine Bildungsstätte zurück und verkündete stolz, dass die Hochschule neben einer sehr stattlichen Landesförderung weitere 30% Drittmittel akquiriere, was zu einem deutschlandweitem Spitzenplatz der Hochschule im Sektor Angewandte Wissenschaften geführt habe. Über 200 Beschäftigte lehren und arbeiten an der Schule und mehr als 2 500 Studierende bevölkern den Campus. Wagner verwies auf die 200 hauptsächlich indischen Absolventen des ersten englischsprachigen Master-Studiengangs Renewable Energy Systems (erneuerbare Energien) und auf die Eröffnung des Thüringer Innovationszentrums für Wertstoffe. Ein großes Projekt in diesem Rahmen ist das WIR-Projekt „Gipsrecycling“, welches an die Hochschule Nordhausen geholt werden konnte. Auch der Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften begleitete mit seinen Forschungsschwerpunkten „Management und Governance“ sowie „Soziale und gesundheitliche Dienstleistungen“ eine Reihe von Projekten und Entwicklungsvorhaben, zum Beispiel zu den Themen Kinder-Frühförderung, sensorische Produktforschung und neue Steuerungsmodelle.

Für das anstehende Jahr sieht der Präsident optimistisch in die Zukunft. Es seien Strategien für die kommende Dekade erarbeitet und viele neue Anregungen für die weitere Entwicklung der Hochschule auf den Weg gebracht worden. Durch die Gründung eines Instituts für Ressourcenmanagement und Nachhaltiges Bauen in Nordhausen besteht die Chance mit etwas Vorlauf die Forschung zu den Themen Gipsersatzstoffe, nachhaltiges Bauen, umweltgerechter Gipsabbau, modulare Bauweisen und Rohstofferkundung außerhalb des Gipskarstgebietes auf den Weg zu bringen, um zeitnah Lösungen zu entwickeln, welche die Region Nordthüringen nicht über Gebühr belasten. Abschießend warb Wagner dafür, die Hochschule weiter zu stärken, zu empfehlen und zu nutzen.

Auch Oberbürgermeister Kai Buchmann brachte das Thema Energiewende und Gipsabbau in seiner Ansprache zur Rede, nachdem er voller Stolz die vorfristige Haushaltskonsolidierung seiner Stadt verkündet hatte. „Lieber Wort als Reden halten!“ sei sein Vorsatz fürs neue Jahr gewesen, den er bisher gut eingehalten hätte, scherzte das Stadtoberhaupt.
In Bezug auf die Diskussionen um den Kohleausstieg und die veränderten Anforderungen an die Gipsindustrie beim Wegfall des REA-Gipses, gab sich Buchmann selbstbewusst. „Die Stadt Nordhausen ist realistisch genug für einen Dialog zur Zukunft des Gipsabbaus in Ihrer Gemarkung! Als Stadt haben wir immer offen und transparent unsere „roten Linien“ artikuliert. Das werden wir auch im Gips-Dialog so fortführen“, betonte er.

Für das Jahr 2019 führte er als Erfolge den Spatenstich für die Feuerwache nach mehr als einem Jahrzehnt des Suchens/Verschiebens/Planens an. Die abgeschlossenen Sanierungen des Sportplatzes Lessingschule sowie des Sanitärtrakts der KKS-Turnhalle, die Sanierung des Kindergarten Domino und die Schaffung zusätzlicher Krippen- und Kitaplätze strich er besonders heraus. Die Brückensanierungen in Hesserode und Bielen, zwei erfolgreich durchgeführte Wahltermine sowie diverse kleinere Projekte, wie etwa die Museumskonzeption, Trinkwasserumschluss für den Ortsteil Bielen, Erneuerung von Spielgeräten und des Skateparks kämen hinzu. Buchmann bedankte sich bei seinen Kollegen in der Verwaltung und explizit bei allen Ehrenamtlern: „Ob im Sport, bei der Feuerwehr, dem THW oder im Rettungswesen, bei der generationenübergreifenden Arbeit, bei freiwilligen sozialen und karitativen Diensten, in Chören oder Kunstvereinen - der Dienst für unsere Gesellschaft ist für das Gemeinwohl ebenso wichtig wie unersetzlich. Vielen Dank.“

Mit Blick auf das laufende Jahr versicherte der Oberbürgermeister, aus dem erstellten Haushalt das Bestmögliche zu machen und auch für 2021 einen fristgerechten und ausgeglichenen Haushalt vorzulegen.

„Noch nie, seit Einführung der Doppik, hat die Stadt Nordhausen 25,7 Millionen Euro investiert, wie wir es für das laufende Jahr vorsehen“, sagte Kai Buchmann. „Oder um einen anderen Vergleich zu bemühen: Im Jahr 2020 investiert die Stadt 2,5 Millionen Euro mehr als in Summe der Jahre 2015 bis 2018 (da waren es 22,3 Millionen Euro)! Unser Haushalt lässt auch mehr Spielraum für Investitionen in Straßen, Kindertagesstätten, Schulen und Sportstätten zu. Allein für Straßen und Radwege wendet die Stadt 4,4 Millionen Euro auf. Und die sind bitter notwendig. Fast eine Million Euro geben wir in die Sanierung unserer Sportstätten Hohekreuzsportplatz, Bielen und Werthersporthalle. Wir stellen umfangreiche Mittel für die Sanierung der Kindertagesstätten, für die Schulen (Stichpunkt Digitalpakt) und die Sanierung der Gebäude der Freiwilligen Feuerwehren Petersdorf und Buchholz sowie zur Beschaffung von Ausrüstung wie Digitalfunk, bereit.“

Aber auch kulturelle Höhepunkte kündigte der oberste Verwaltungschef an: „Die Nordthüringer Kulturnacht wirbt mit dem Thema Frankreich, das Rolandsfest wird zum 800. Jahrestag der Reichsfreiheit der Stadt etwas größer, ein weiteres Parkfest wird organisiert. die Deutschen Meisterschaften im Triathlon stehen ins Haus und und und! Auch unsere Museen und unsere Stadtbibliothek bieten ein hochwertiges und vielfältiges Programm an.

Und wenn dann noch die Konzertgäste Tim Bendzko auf dem Weg zum Gehegeplatz die sanierte Gehegetreppe nutzen können, dann wird deutlich: Wir müssen und werden uns als Stadt nicht verstecken!“

Abschließend setzte Buchmann noch einen markigen Spruch oben drauf: „In 2019 haben wir bereits viel umgesetzt - in 2020 bringt die Stadt Nordhausen – im wahrsten Sinne des Wortes – nun die „PS auf die Straße!“

Er wisse, dass die Erwartungshaltung aller an die Stadt ständig stiegen und warnte: „Wir schaffen nicht alles gleichzeitig! Viele Dinge benötigen neben einem Budget Zeit und Geduld.“

Zum Schluss seiner Ansprache verwies Buchmann darauf, dass auch die hiesigen Unternehmen von einer dauerhaft handlungsfähigen Stadt profitierten. Die Hälfte der städtischen Vergaben blieben im Landkreis – drei Viertel im Freistaat Thüringen. Und er ergänzte: „Da benötigen wir kein „Regionalitätsprinzip“ bei der Vergabe. Unsere Unternehmen sind stark, wettbewerbsfähig nicht nur daheim, sondern auch außerhalb unserer Stadt! Wir sind der Motor der Region!“
Olaf Schulze

Hier Hier die vollständige Rede von Oberbürgermeister Kai Buchmann zum Neujahrsempfang am 22. Januar 2020.
Autor: red

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Kommentare
h3631
22.01.2020, 19:48 Uhr
Ohne Worte!
Kein Wort zum Gewerbegebiet.
ArreeTim
22.01.2020, 20:47 Uhr
Nordhausen. KOMPLIMENT. Nur eine Frage zum Gips Recycling
Also wirklich. Alles auf tollem Wege. Kompliment an die für uns so wichtige Stadt Nordhausen. Nun. MP Ramelow wird es als Linker ewig reichen leicht konservativer als die ehrenwerte CDU zu sein? Nein! Zu einer Sachfrage. Gips Substitution oder Recycling. Ist die Industrie hier im Lead. Dann glaube ich gern daran. Oder ist es das Pflaster dafür, dass jetzt neu verritzt wird. Applaus. Applaus. Es gab Alternativen. Die hätten RRG zu Ehren gereicht. Das ist eine Meinung.
Herr Schröder
22.01.2020, 21:22 Uhr
h3631
Na was soll er denn sagen. Übrigens meinen sie das Industriegebiet. Da gibt es Unterschiede. Die Gewerbegebiete der Stadt sind gut gefüllt. Die Vermarktung des Industriegebietes hat die Stadt selbst nicht in der Hand. Das ist doch aber hinlänglich bekannt.
Ansonsten eine gute Rede. Mit Recht verweist Buchmann auf die Erfolge der Stadt. Nordhausen gibt in den kommenden Jahren ordentlich Gas! Traurig ist, dass man den AKS so leichtsinnig abgegeben hat. Eine Sanierung unter städtischer Regie hätte ich besser gefunden. Aber das war nun mal nicht gewollt. Schade!
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