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Mi, 13:10 Uhr
15.01.2020
150. Geburtstag des Dichters und Bildhauers

Nordhausen und der Künstler Ernst Barlach

Am 2. Januar 2020 jährte sich zum 150. Mal der Geburtstag des Bildhauers, Holzschneiders, Grafikers und Literaten Ernst Barlach. Die Stadt Nordhausen besitzt in ihrem Künstlernachlass vier Briefe von ihm, die er von Güstrow aus nach Nordhausen sandte an den Autor Adolf Scheer...



Der erste Brief ging in die Löbnitzstraße. Der Adressat hatte seinerseits einige Male an den vielseitigen Künstler geschrieben und ihm mehrere Fragen zu seinem Werk gestellt, besonders zu den Dramen und auch auf sein eigenes Schreiben von literarischen Texten hingewiesen. Seinen umfänglichen Nachlass übergab er, der am 18. März 1984 verstarb, ein Jahr vorher an Annemarie Lappin, 1929-12.9.2019, der langjährigen verdienstvollen Leiterin des Meyenburgmuseums.

Die Briefe Barlachs sind so aussagekräftig, sowohl über das Künstlerische Tun als überhaupt zum menschlichen Verhalten, dass aus ihnen seit 1968/69, als sie alle in einem Briefband Barlachs erschienen sind, mehrfach in Auszügen zitiert worden sind, z. B.: "Aber der Denunziant pfeift seine Signale aus dem Loch unreinlicher Verborgenheit...". Im Kunsthaus Meyenburg befinden sich in der Kunststiftung der Ilsetraut Glock-Grabe auch einige graphische Drucke des Künstlers, die Frau Glock ihrer Heimatstadt 1998 schenkte, als sie durch mich von den Barlach-Briefen erfuhr.

Pünktlich zum 150. Geburtstag gab der Suhrkamp Insel-Verlag "Die Briefe: Kritische Ausgabe in vier Bänden" im Schuber heraus, 2215 an der Zahl. Wie ich mich versicherte, enthalten sie auch die vier Briefe an den Nordhäuser. So dachte ich mir als eine an Kunst interessierte Bürgerin Nordhausens, man könnte aktuell in der Südharz-Stadt an Barlach, seine Briefe und seine Grafikdrucke verweisen, zumal ab dem 11.1.2020 die Ilsetraut Glock-Grabe-Stiftung im Kunsthaus Meyenburg zum 11. Mal in einer Sonderausstellung aktuelle grafische Arbeiten von 15 Künstlerpersönlichkeiten zeigt, die sich an der Ausschreibung zum "Nordhäuser Grafikpreis" beteiligt haben, der mit 1.500 € dotiert ist. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 1. März 2020. Ich könnte mir denken, dass sich die Künstlerschar durchaus geehrt fühlt, wenn Barlach in ihrer Mitte erscheinen würde. Bei der Kunsthausleiterin allerdings fand ich kein Verständnis für meine Anregung. In der Zwischenzeit habe ich die Präsentation in Augenschein genommen und kann sie wegen ihrer Güte, der Vielfalt von Techniken und Themen sehr empfehlen, insbesondere auch jüngeren Personen. Ich entdeckte, dass durchaus freie Wandflächen vier der Barlachgraphiken aufnehmen könnten, die durch die vier Texte der Briefe eine Bestimmung fänden und dadurch im Jahr des 150. Geburtstag des Künstlers noch einmal öffentlich würden. So könnte sich Goethes Verszeile aus dem Gedicht über den Ginkgobaum in Nordhausen erfüllen: "Das ich eins und doppelt bin." Dem Goethefreund Barlach wäre das eine Freude.

Da ich mir im Laufe meines Lebens die Barlach'schen Werke insbesondere in Güstrow in der Gertrudenkapelle, im Heidberghaus und im Dom mehrfach angesehen habe, war es für mich geradezu notwendig, dass ich mich mit dem Nachlass Scheers befasst habe, der uns die aus Güstrow nach Nordhausen a. Harz gesandten Briefe als Kostbarkeiten hinterließ. Im 6. Jahrbuch des Landkreises Nordhausen, "Heute und einst", das 1999 erschienen ist, sind auf 21 Seiten, die auch reichhaltig bebildert sind, alle Erkenntnisse versammelt, denen ich auf die Spur kommen konnte. Das Landratsamt hat damals auch die Rechte erworben, fünf der Grafiken Barlachs drucken zu dürfen.

In der Stadtbibliothek "Rudolf Hagelstange" befindet sich in der oberen Etage eine imposante Bücherwand mit Kunstbänden. Darunter sind auch mehrere Bände, die sich mit Ernst Barlach befassen.
Heidelore Kneffel
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Kommentare

15.01.2020, 19.12 Uhr
Envites | Ist Nordhausen hier professionell genug?
Ja. Das ist nicht nur ein toller Beitrag. Nordhausen sollte etwas mehr aus diesen Kultur-Schätzchen machen. Kompliment. Toll. Danke

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