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Mi, 17:11 Uhr
13.11.2019
Nordhäuser Geschichtsverein

Die Geschichte der Goldenen Aue

Zum letzten Vortragsabend in diesem Jahr hatten die Südharzer Geschichtsfreunde am vergangenen Dienstag in den Tabakspeicher geladen. Diesmal ging es um eine Landschaft zwischen Nordhausen und Sangerhausen: die Goldene Aue (oder veraltet: Güldene Aue).

Geschichtsverein (Foto: H.-G.Backhaus) Geschichtsverein (Foto: H.-G.Backhaus)
Hans-Jürgen Grönke und Dr. Hans-Jürgen Reinhardt

Das reichlich mit Bildern, Karten und Tabellen untersetzte Referat von Dr. Hans-Jürgen Reinhardt aus Nordhausen fand bei den Vereinsfreunden und überaus zahlreichen Gästen (insgesamt etwa 70 an der Zahl) ein riesiges Interesse.

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„Die Goldene Aue in Geschichte und Gegenwart sowie Wechselbeziehungen zu Nordhausen“ - so betitelte Reinhardt seine Ausführungen und schlug damit einen detailreichen Bogen von der erdgeschichtlichen Entstehung der Goldenen Aue bis in unsere Zeit.

Alles begann am Ende des Tertiärs mit der Herausbildung des Harzes vor etwa 2 Millionen Jahren. Nach einer Auslaugung durch Niederschlagswasser kam es zur Senkung der Erdoberfläche. Vor rund 400.000 Jahren (im Pleistozän) wurden durch die Zorge Sand und Kies in die Senke transportiert. Heute lagern hier bis zu einer Tiefe von 80 m Sand, Kies und Lockergestein.

Bedingt durch die Erderwärmung vor etwa 10.000 Jahren transportierten die Flüsse sandig-tonige Böden in die Aue. Mehrere Meter mächtige Böden führten in der Folge zu hohen Ackerzahlen. Deshalb gehört die Goldene Aue zu den fruchtbarsten Gebieten in Thüringen. Vorherrschend sind Braunerde und Schlemmlandböden.

Das Gebiet der Goldenen Aue erstreckt sich vom Südrand des Harzes im Norden sowie der Windleite und dem Kyffhäusergebirge im Süden, von Nordhausen im Westen bis Sangerhausen im Osten. Es umfasst zwei Landkreise. Zum einen den LK Nordhausen mit Heringen, Auleben, Hamma, Uthleben, Sundhausen und Windehausen, zum anderen den LK Mansfeld-Südharz mit Roßla, Berga-Kelbra, Tilleda, Wallhausen, Brücken, Hackpfüffel und Edersleben. Zudem durchqueren die Flüsse Helme und Zorge das Gebiet.

Zahlreiche Ausgrabungen in der DDR-Zeit und später im Zuge des Baus der Autobahn A38 und der Errichtung des Industriegebietes zwischen Urbach und Bielen belegen die Besiedlung durch Ackerbauern um 5.600 v. Chr. Entdeckt wurden u.a. eine Kreisgrabanlage (etwa um 4.800 v. Chr.), Grabhügel und weitere Gräber von Männer und Frauen, die oft mit zahlreichen Grabbeigaben versehen waren. Eine Siedlung aus vorrömischer Zeit (um 700 bis 400 v. Chr.) wurde aufgegeben.

Äußerst detailreich ging der Referent auf die Grabungsaktivitäten zwischen Bielen und Urbach, den Solberg bei Auleben und den Kesselberg bei Sundhausen und Uthleben ein, die hier aufgrund früherer Vorträge im Geschichtsverein nicht weiter betrachtet werden sollen.

Geschichstverein (Foto: H.-G.Backhaus) Geschichstverein (Foto: H.-G.Backhaus)

Reges Interesse herrschte im Nordhäuser Tabakspeicher

Vom 3. bis 5. Jahrhundert besiedelten Sweben, Angeln und Warnen den Helmegau. Bis zum 6. Jahrhundert wanderten germanische Völker ein. Im 8. Jahrhundert geriet der Helmegau unter fränkische Herrschaft. Anhänger (Jünger) von Bonifatius begannen um 740 die Christianisierung der ansässigen Bevölkerung. Mit der Auflösung des Helmegaus im 11. Jahrhundert bildeten sich Grafschaften heraus, deren Herrscher ursprünglich als Beauftragte des Königs agierten.

Die Urbarmachung der Grafschaften setzte im 12. Jahrhundert ein. Hierbei spielte das Kloster Walkenried eine bedeutende Rolle. Die Zisterzienser-Mönche, die 1129 ihr Kloster errichteten, brachten technische, handwerkliche und landwirtschaftliche Erfahrungen und erworbenes Wissen mit. Sie legten Sümpfe trocken, rodeten Wälder und kauften bereits kultiviertes Land auf.

Sehr erfolgreich führten sie landwirtschaftliche Großunternehmen. Unter ihrer Aufsicht entstanden Wohngebäude, Kapellen, Ställe und Scheunen. Im 12. Jahrhundert kamen Stadthöfe dazu, die dem Vertrieb der Produkte dienten. In Nordhausen kündet noch heute der Walkenrieder Hof (1294 errichtet) von diesen Aktivitäten.

Dr. Reinhardt beleuchtete zudem die Entstehung von Burgen, Schlössern und Rittergütern, das Leben der Bauern im Mittelalter sowie die kriegerischen Auseinandersetzungen (Großer Deutscher Bauernkrieg, Dreißigjähriger Krieg und Siebenjähriger Krieg)). Zur Sprache kam ebenso die Herrschaftsstruktur vom Mittelalter bis in die Neuzeit für das Amt Heringen.

1803 gerieten das Eichsfeld und die Stadt Nordhausen unter preußische Herrschaft. 1806 fielen die Franzosen ein und plünderten zahlreiche Dörfer. Doch Preußen sorgte alsbald für die Verbesserung der Verkehrswege. 1826 begann der Bau der Straße von Nordhausen nach Halle (heute ehemalige B80). 1866 folgte die Bahnstrecke Nordhausen Halle. Mit Daten und Fakten der Neuzeit, die Goldene Aue betreffend, rundete Dr. Reinhardt seinen nahezu 90minütigen Vortrag ab.

Ein Zitat von Karl Meyer aus dem Jahr 1876, dass Hans-Jürgen Reinhardt anfangs zitierte, sei hier noch vermerkt: „Goldene Aue so schön klingt der Name, das ist nicht zu bestreiten; reich ist die Gegend, reich in ihren Erzeugnissen, reich an geschichtlichen Erinnerungen, reich an Naturschönheiten und reich an wunderbaren Sagen.“ Besser könnte man diese Landschaft wohl nicht beschreiben!
Hans-Georg Backhaus
Autor: red

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