Sa, 19:30 Uhr
09.11.2019
Dr. Manfred Schröter erhält "Nordhäuser Ehrennadel"
Ich habe jeden Tag gern in Nordhausen gelebt
In einer festlichen Feierstunde zum 30. Jahrestag der friedlichen Revolution wurde heute im Bürgersaal der Stadtbibliothek dem ehemaligen Nordhäuser Oberbürgermeister Dr. Manfred Schröter als erstem Preistäger die Nordhäuser Ehrennadel verliehen. Zuvor hatten die reichlich einhundert Eingeladenen der Ereignisse von 1989 gedacht.
Dr. Manfred Schröter, seine Gattin, OBM Buchmann, Pfarrer Wonneberger, Barbara Rinke und Tily Pape (v.l.n.r.)
Es war heute der Tag der Nordhäuser Oberbürgermeister. Der amtierende Kai Buchmann begrüßte die Gäste und ehrte seinen ersten frei gewählten Kollegen nach der Wende. Für diesen, Dr. Manfred Schröter, hielt Buchmanns Vorgänger, Dr. Klaus Zeh, die Laudatio. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Leipziger Canella-Trio, das dem Anlass entsprechend Stücke von Joseph Haydn bis hin zum orientalischen Klezmer spielte.
Gekommen waren die Bürgerrechtler und Vorkämpfer von einst, die seinerzeit aktiven Kirchenvertreter (wie beispielsweise der Ex-Pfarrer der Altendorfer Kirche, Peter Kube), die Politiker der Wende- und Nachwendezeit (unter anderen Ex-Dezernent Dietrich Beyse), die aktuellen lokalen und regionalen Parteigranden sowie die Landräte des Kyffhäuserkreises, Antje Hochwind, und des Kreises Nordhausen, Matthias Jendricke. Daneben eine Reihe von ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern der Verwaltung und Gäste aus nah und fern.
Zum Auftakt erinnerte der Leipziger Pfarrer im Ruhestand, Christoph Wonneberger, an die aufregende Zeit vor dem Herbst 1989 und ließ die Geschichte der DDR anhand seines eigenen Lebens noch einmal Revue passieren. Von Friedensgebeten, dem vergeblichen Versuch einen Sozialen Freiwillgendienst in der DDR anzuregen bis hin zu Theaterprojekten und Auftritten verbotener Liedermacher wie Stephan Krawczyk und Freya Klier wusste der Mann zum berichten, der direkt im Epizentrum des Aufstandes, der Leipziger Nikolaikirche, gewirkt hat. Leider fielen seine mitgebrachten Impressionen in Wort und Bild den erhebliche technischen Mängeln im Bürgersaal zum Opfer, so dass sein vierzigminütiger Vortrag mitunter starke Züge von Improvisation aufwies. Schlussendlich bedauerte Wonneberger, dass es damals verpasst wurde einige Sachen anders zu machen und man doch eigentlich eine Verfassung für ein neues Deutschland schaffen wollte. Heute, so betonte der Festredner, sei das politische Klima vergiftet, weil es keine Ideen mehr gibt, und es bedürfe neuer Formate für die Demokratie.
Es schloss sich der Ex- Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh mit einer Laudatio auf den Mann an, der als erster Mensch überhaupt die neu geschaffene Nordhäuser Ehrennadel erhalten soll: Dr. Manfred Schröter. Zeh würdigte seinen Vorgänger im Amt als einen echten Nordhäuser bis auf die Knochen, der sich zeitig für seine Stadt, aber auch für seine Überzeugungen eingesetzt habe. Ein Mann, der nach seinem politisch motivierten Rauswurf aus dem Gymnasium dennoch den Berufsweg eines Mediziners einschlug, sich als Buchautor mit der jüngeren Geschichte seiner Heimatstadt und besonders mit dem Schicksal seiner jüdischen Mitbürger befasste, der als CDU-Mitglied auf dem Sprung stand Kreisarzt zu werden und erneut wegen seiner unerschütterlichen Maximen zurückgesetzt wurde. Einer, der als erster Oberbürgermeister nach der Wende eine Koalition mit allen frei gewählten Parteien eingegangen war und zum ersten Präsidenten des Thüringer Städte- und Gemeindetages avancierte. Der Mann, der nach seiner Abwahl nicht die Flinte ins Korn geworfen, sondern federführend den Kommunalen Versorgungsverband Thüringen aufgebaut hatte. Laut Zeh eine Herkulesaufgabe. Bis ins Jahr 2011 war der Preisträger im Stadtrat aktiv und bis heute sei er ein politisch interessierter Kämpfer für seine geliebte Heimatstadt.
Stadtratsvorsitzende Tily Pape gratulierte ihrem Parteifreund Manfred Schröter herzlich
Mit stehenden Ovationen bedacht nahm Dr. Manfred Schröter die Ehrennadel, die zur Würdigung großer Verdienste für Demokratie, Toleranz und Mitmenschlichkeit stehen soll, aus den Händen des amtierenden Stadtoberhaupts entgegen. In seinen Dankesworten unterstrich Manfred Schröter, dass er besonders stolz darauf sei, dass seine Nominierung von Nordhäusern beschlossen wurde und er sie hier, in seiner Stadt entgegennehmen dürfe. Vorgeschlagen wurde der erste Ehrennadelträger der Stadt Nordhausen übrigens von der SPD-Fraktion, was eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass Schröter weit über seine Parteigrenzen hohes Ansehen genießt. Ich bin verwoben mit dieser Stadt, sagte sichtlich gerührt der knapp 85-jährige Manfred Schröter. Ich habe jeden Tag gern in Nordhausen gelebt und werde das auch bis zu meinem Ende weiter tun."
Nach knapp zwei Stunden Festakt im Saal gab es im Foyer einen Sektempfang, bei dem sich die alten Haudegen der 1989 gelungenen Wende sicherlich noch die eine oder andere Episode ins Gedächtnis gerufen haben.
Olaf Schulze
Autor: redDr. Manfred Schröter, seine Gattin, OBM Buchmann, Pfarrer Wonneberger, Barbara Rinke und Tily Pape (v.l.n.r.)
Es war heute der Tag der Nordhäuser Oberbürgermeister. Der amtierende Kai Buchmann begrüßte die Gäste und ehrte seinen ersten frei gewählten Kollegen nach der Wende. Für diesen, Dr. Manfred Schröter, hielt Buchmanns Vorgänger, Dr. Klaus Zeh, die Laudatio. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Leipziger Canella-Trio, das dem Anlass entsprechend Stücke von Joseph Haydn bis hin zum orientalischen Klezmer spielte.
Gekommen waren die Bürgerrechtler und Vorkämpfer von einst, die seinerzeit aktiven Kirchenvertreter (wie beispielsweise der Ex-Pfarrer der Altendorfer Kirche, Peter Kube), die Politiker der Wende- und Nachwendezeit (unter anderen Ex-Dezernent Dietrich Beyse), die aktuellen lokalen und regionalen Parteigranden sowie die Landräte des Kyffhäuserkreises, Antje Hochwind, und des Kreises Nordhausen, Matthias Jendricke. Daneben eine Reihe von ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern der Verwaltung und Gäste aus nah und fern.
Zum Auftakt erinnerte der Leipziger Pfarrer im Ruhestand, Christoph Wonneberger, an die aufregende Zeit vor dem Herbst 1989 und ließ die Geschichte der DDR anhand seines eigenen Lebens noch einmal Revue passieren. Von Friedensgebeten, dem vergeblichen Versuch einen Sozialen Freiwillgendienst in der DDR anzuregen bis hin zu Theaterprojekten und Auftritten verbotener Liedermacher wie Stephan Krawczyk und Freya Klier wusste der Mann zum berichten, der direkt im Epizentrum des Aufstandes, der Leipziger Nikolaikirche, gewirkt hat. Leider fielen seine mitgebrachten Impressionen in Wort und Bild den erhebliche technischen Mängeln im Bürgersaal zum Opfer, so dass sein vierzigminütiger Vortrag mitunter starke Züge von Improvisation aufwies. Schlussendlich bedauerte Wonneberger, dass es damals verpasst wurde einige Sachen anders zu machen und man doch eigentlich eine Verfassung für ein neues Deutschland schaffen wollte. Heute, so betonte der Festredner, sei das politische Klima vergiftet, weil es keine Ideen mehr gibt, und es bedürfe neuer Formate für die Demokratie.
Es schloss sich der Ex- Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh mit einer Laudatio auf den Mann an, der als erster Mensch überhaupt die neu geschaffene Nordhäuser Ehrennadel erhalten soll: Dr. Manfred Schröter. Zeh würdigte seinen Vorgänger im Amt als einen echten Nordhäuser bis auf die Knochen, der sich zeitig für seine Stadt, aber auch für seine Überzeugungen eingesetzt habe. Ein Mann, der nach seinem politisch motivierten Rauswurf aus dem Gymnasium dennoch den Berufsweg eines Mediziners einschlug, sich als Buchautor mit der jüngeren Geschichte seiner Heimatstadt und besonders mit dem Schicksal seiner jüdischen Mitbürger befasste, der als CDU-Mitglied auf dem Sprung stand Kreisarzt zu werden und erneut wegen seiner unerschütterlichen Maximen zurückgesetzt wurde. Einer, der als erster Oberbürgermeister nach der Wende eine Koalition mit allen frei gewählten Parteien eingegangen war und zum ersten Präsidenten des Thüringer Städte- und Gemeindetages avancierte. Der Mann, der nach seiner Abwahl nicht die Flinte ins Korn geworfen, sondern federführend den Kommunalen Versorgungsverband Thüringen aufgebaut hatte. Laut Zeh eine Herkulesaufgabe. Bis ins Jahr 2011 war der Preisträger im Stadtrat aktiv und bis heute sei er ein politisch interessierter Kämpfer für seine geliebte Heimatstadt.
Stadtratsvorsitzende Tily Pape gratulierte ihrem Parteifreund Manfred Schröter herzlich
Mit stehenden Ovationen bedacht nahm Dr. Manfred Schröter die Ehrennadel, die zur Würdigung großer Verdienste für Demokratie, Toleranz und Mitmenschlichkeit stehen soll, aus den Händen des amtierenden Stadtoberhaupts entgegen. In seinen Dankesworten unterstrich Manfred Schröter, dass er besonders stolz darauf sei, dass seine Nominierung von Nordhäusern beschlossen wurde und er sie hier, in seiner Stadt entgegennehmen dürfe. Vorgeschlagen wurde der erste Ehrennadelträger der Stadt Nordhausen übrigens von der SPD-Fraktion, was eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass Schröter weit über seine Parteigrenzen hohes Ansehen genießt. Ich bin verwoben mit dieser Stadt, sagte sichtlich gerührt der knapp 85-jährige Manfred Schröter. Ich habe jeden Tag gern in Nordhausen gelebt und werde das auch bis zu meinem Ende weiter tun."
Nach knapp zwei Stunden Festakt im Saal gab es im Foyer einen Sektempfang, bei dem sich die alten Haudegen der 1989 gelungenen Wende sicherlich noch die eine oder andere Episode ins Gedächtnis gerufen haben.
Olaf Schulze



