So, 09:00 Uhr
27.10.2019
nnz-Betrachtung
Der Mutige, die Optimistische, der Kühne
18 Parteien bewerben sich um den Einzug in den Thüringer Landtag. Etliche davon kann man getrost unter Amüsant abbuchen. Es bleibt die Frage, wer mit wem und wie weiter in Thüringen. Heute Abend wissen wir – vielleicht – schon eine verbindliche Antwort. Kurt Frank hat sich dazu noch einmal Gedanken gemacht...
ulleo/pixabay.com
Wir stellten Ihnen, liebe Leser, im Vorfeld der Wahlen Menschen vor, die in den Landtag wollen. Einige von ihnen lernte ich persönlich kennen, konnte mir ein Urteil bilden. Eine Betrachtung.
Da ist Steffen Iffland von der CDU. Ein ruhiger und überlegt agierender Mann. Er ist kein Schönredner, er handelt. Ehrlich und offen. Der Christdemokrat beklagt die Verrohung der Sprache, ist um Sachlichkeit im Meinungsstreit der Parteien bemüht. Iffland, der Mutige. Er gehört, wie er selbst sagt, dem konservativen Flügel der CDU, der Werteunion, an. Wie Friedrich Merx (nnz informierte). Und der derzeitige Kurs der CDU, der von Berlin ausgeht, ist der Werteunion zu unscheinbar geworden, um es vorsichtig auszudrücken.
Iffland kritisierte die unkontrollierte Zuwanderung. Den Offenen Brief seines Parteikollegen und Bundestagsabgeordneten Manfred Grund (wir berichteten) stimmte er vollinhaltlich zu. Grund sprach von einer medial verordneten Willkommens-Besoffenheit, hatte eine Schließung der Grenzen gefordert, um die Flüchtlinge ordentlich zu erfassen. Um zu wissen, wer sie sind und woher sie überhaupt kamen. Merkel blieb stur. Mit der CDU ging es bergab. Die AfD erstarkte. Jetzt mit Annegret Kramp-Karrenbauer wieder zu Glanz und Gloria? Und zu konservativen Werten? Steffen Iffland hält die Zunge nicht hinter den Zähnen und äußert seine Zweifel. Ohne Hemmungen. Ich meine: So ein Mann wie er gehört in den Landtag!
Da ist Anika Gruner von der SPD. 30 Jahre alt. Eine engagierte, sympathische, bürgernahe junge Frau. Gruner, die Optimistische. Sie verliert nicht den Mut und die Hoffnung, die Sozialdemokratie könnte wieder in den Aufwind finden und zu einer Volkspartei werden, die sie einstmals war. Gruner weiß nur zu gut um die Schwächen ihrer Partei. Da werde oftmals, betonte sie im Interview, zu kurz gedacht, Ideen und Vorschläge nicht überzeugend genug den Bürgern vermittelt und umgesetzt.
Mit welchen Führungskräften es wieder bergauf gehen könnte, bleibt die große Frage. Auch für Anika Gruner. Zugpferde vom Format eines Willy Brandt oder Helmut Schmidt sind nicht in Sicht. Stattdessen ringt die Partei mit sich selbst. Die SPD, meint sie, sei kein Steigbügelhalter der CDU. Die jungen Leute in der SPD um den Bundesvorsitzenden der Jusos, Kevin Kühnert, sehen das anders und in der Anbiederung einen Grund für die schlechten Quoten. Sie befürworten einen Ausstieg aus der Groko. Auch Anika Gruner stünde ihm nicht im Wege. Ich meine: Junger Nachwuchs wie sie im Landtag wäre ein Gewinn für die Sozialdemokraten!
Da ist Andreas Leupold. Jung, dynamisch, wortgewandt, hoch gebildet, klare Kante zeigend. Er plädiert für eine Debattenkultur. Hart, aber fair. Affengebrüll und Trillerpfeifen sind ihm zuwider. Leupold wünscht sich den Dialog, ist bereit, mit jedem über alles, was die Menschen hierzulande bewegt, sachlich zu diskutieren. Viele seiner Ansichten kommen beim Bürger überzeugend rüber. Der Höhenflug der AfD sei keine Momentaufnahme, ist er überzeugt, vielmehr ein Prozess, der erst am Anfang stehe.
Leupold, der Kühne. Obwohl seine Amtskirche die Politik der AfD verteufelt, hat der 28-jährige katholische Theologe und Lehrer eine klare Meinung: Die Kirche sollte sich um die Verkündung der frohen Botschaft und um das Heil der ihnen anvertrauten Seelen kümmern statt tagespolitisch zu agieren. Von Andreas Leupold hätte ich mir eine konsequentere Distanzierung von Höckes umstrittenen Aussagen, Ansichten und Zitaten gewünscht. Mit diesem Kreuzritter steht die AfD in Thüringen nicht am Anfang eines Prozesses, eher am Anfang vom Ende. Ich meine: Das Energiebündel Leupold anstelle des derzeitigen AfD-Chefs, und eine Koalition mit der CDU wäre denkbar.
Kurt Frank
Autor: redulleo/pixabay.com
Wir stellten Ihnen, liebe Leser, im Vorfeld der Wahlen Menschen vor, die in den Landtag wollen. Einige von ihnen lernte ich persönlich kennen, konnte mir ein Urteil bilden. Eine Betrachtung.
Da ist Steffen Iffland von der CDU. Ein ruhiger und überlegt agierender Mann. Er ist kein Schönredner, er handelt. Ehrlich und offen. Der Christdemokrat beklagt die Verrohung der Sprache, ist um Sachlichkeit im Meinungsstreit der Parteien bemüht. Iffland, der Mutige. Er gehört, wie er selbst sagt, dem konservativen Flügel der CDU, der Werteunion, an. Wie Friedrich Merx (nnz informierte). Und der derzeitige Kurs der CDU, der von Berlin ausgeht, ist der Werteunion zu unscheinbar geworden, um es vorsichtig auszudrücken.
Iffland kritisierte die unkontrollierte Zuwanderung. Den Offenen Brief seines Parteikollegen und Bundestagsabgeordneten Manfred Grund (wir berichteten) stimmte er vollinhaltlich zu. Grund sprach von einer medial verordneten Willkommens-Besoffenheit, hatte eine Schließung der Grenzen gefordert, um die Flüchtlinge ordentlich zu erfassen. Um zu wissen, wer sie sind und woher sie überhaupt kamen. Merkel blieb stur. Mit der CDU ging es bergab. Die AfD erstarkte. Jetzt mit Annegret Kramp-Karrenbauer wieder zu Glanz und Gloria? Und zu konservativen Werten? Steffen Iffland hält die Zunge nicht hinter den Zähnen und äußert seine Zweifel. Ohne Hemmungen. Ich meine: So ein Mann wie er gehört in den Landtag!
Da ist Anika Gruner von der SPD. 30 Jahre alt. Eine engagierte, sympathische, bürgernahe junge Frau. Gruner, die Optimistische. Sie verliert nicht den Mut und die Hoffnung, die Sozialdemokratie könnte wieder in den Aufwind finden und zu einer Volkspartei werden, die sie einstmals war. Gruner weiß nur zu gut um die Schwächen ihrer Partei. Da werde oftmals, betonte sie im Interview, zu kurz gedacht, Ideen und Vorschläge nicht überzeugend genug den Bürgern vermittelt und umgesetzt.
Mit welchen Führungskräften es wieder bergauf gehen könnte, bleibt die große Frage. Auch für Anika Gruner. Zugpferde vom Format eines Willy Brandt oder Helmut Schmidt sind nicht in Sicht. Stattdessen ringt die Partei mit sich selbst. Die SPD, meint sie, sei kein Steigbügelhalter der CDU. Die jungen Leute in der SPD um den Bundesvorsitzenden der Jusos, Kevin Kühnert, sehen das anders und in der Anbiederung einen Grund für die schlechten Quoten. Sie befürworten einen Ausstieg aus der Groko. Auch Anika Gruner stünde ihm nicht im Wege. Ich meine: Junger Nachwuchs wie sie im Landtag wäre ein Gewinn für die Sozialdemokraten!
Da ist Andreas Leupold. Jung, dynamisch, wortgewandt, hoch gebildet, klare Kante zeigend. Er plädiert für eine Debattenkultur. Hart, aber fair. Affengebrüll und Trillerpfeifen sind ihm zuwider. Leupold wünscht sich den Dialog, ist bereit, mit jedem über alles, was die Menschen hierzulande bewegt, sachlich zu diskutieren. Viele seiner Ansichten kommen beim Bürger überzeugend rüber. Der Höhenflug der AfD sei keine Momentaufnahme, ist er überzeugt, vielmehr ein Prozess, der erst am Anfang stehe.
Leupold, der Kühne. Obwohl seine Amtskirche die Politik der AfD verteufelt, hat der 28-jährige katholische Theologe und Lehrer eine klare Meinung: Die Kirche sollte sich um die Verkündung der frohen Botschaft und um das Heil der ihnen anvertrauten Seelen kümmern statt tagespolitisch zu agieren. Von Andreas Leupold hätte ich mir eine konsequentere Distanzierung von Höckes umstrittenen Aussagen, Ansichten und Zitaten gewünscht. Mit diesem Kreuzritter steht die AfD in Thüringen nicht am Anfang eines Prozesses, eher am Anfang vom Ende. Ich meine: Das Energiebündel Leupold anstelle des derzeitigen AfD-Chefs, und eine Koalition mit der CDU wäre denkbar.
Kurt Frank

