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Mi, 10:35 Uhr
09.10.2019
Der fraktionslose MdL Siegfried Gentele im Interview

"Wir brauchen kein Parteiprogramm"

Siegfried Gentele wurde zur Landtagswahl 2014 über die Landesliste der AfD in den Thüringer Landtag gewählt. Seit April 2015 gehört er diesem als fraktionsloser Abgeordneter an. Nach seinem Austritt aus der AfD war er vier Monate Mitglied der Partei ALFA, bevor er sich ab März 2016 in der Familien-Partei Deutschlands engagierte. Seit Juli ist er in der Partei Demokratie Direkt.



Herr Gentele, Sie werden zum Ende des Jahres aus dem Thüringer Landtag ausscheiden. Was waren Ihre ganz persönlichen Höhepunkte in dieser Periode für Sie?
Siegfried Gentele
: Als erstes der unerwartete Einzug in das hohe Haus als Abgeordneter, dann der von mir zu Recht provozierte Rauswurf aus der AfD Fraktion, durch meinen Kampf gegen den rechten Fraktionsvorsitzenden Höcke. Daraus erfolgte der Austritt aus der AfD, die immer weiter nach rechts abrutschte. Als fraktionsloser Abgeordneter war ich nun mit meinen Kollegen, die nach mir aus der AfD Fraktion austraten, manchmal begehrt bei den anderen Parteien, die mein Abstimmungsverhalten wissen wollten. Das war schon etwas. Ein Höhepunkt war auch meine erste Rede im Landtag, aber ich glaube, ich habe es einigermaßen hinbekommen, es war schon ein komisches Gefühl. Danach war eigentlich alles normale Arbeit, leider ohne große Erfolge, die ich mir als Abgeordneter erhofft hatte.

Seit diesem Jahr gehören Sie einer neuen Partei an. Erklären Sie bitte dem Leser, wofür diese neue Partei steht und wie Sie Ihre Wahlthemen umsetzen möchten? Schließlich tritt ja die Direkte am 27. Oktober zur Landtagswahl an.
Siegfried Gentele
:Nun, die DIREKTE hat ein ganz anderes Konzept, als die anderen Parteien, was auch der Grund war, dass ich dieser Partei beigetreten bin. Wir haben nur ein Wahlthema, direkte Demokratie und wir haben auch kein Parteiprogramm. Das ist nicht nötig, denn der Bürgerwillen zählt bei uns. Die DIREKTE lässt die Bürgerinnen und Bürger direkt darüber abstimmen, ob sie ein Gesetz so haben wollen, wie es von den Parteien eingebracht wird, oder ganz anders. Anderes Beispiel: eine Bürgerin oder ein Bürger hat eine gute Idee. Diese schreiben sie uns, wenn sie es wollen. Wir stellen diese Idee Online zur Abstimmung und die Abgeordneten der DIREKTEN bringen es dann gesetzeskonform in den Landtag oder Bundestag zur Abstimmung. Näheres dazu auf unserer Homepage.

Wie sieht Ihre ganz persönliche Prognose für die Landtagswahl 2019 aus? Welche Partei wird künftig den Ministerpräsidenten stellen? Welche Koalitionen werden gebildet?
Siegfried Gentele
:Das Jahr 2019 wird für Thüringen ein ganz besonders schweres Wahljahr. Ich gehe davon aus, dass es knapp für RRG reichen könnte, das heißt Bodo Ramelow bleibt weiterhin Ministerpräsident. Wenn allerdings die FDP oder die DIREKTE es schaffen, auch in den Landtag einzuziehen, sieht es wohl anders aus. Bis hin zu Neuwahlen ist vieles möglich. Mein Aufruf, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, überlegen Sie sehr genau, bevor sie bei Herrn Höcke und der AfD ein Kreuz machen.

Wie sieht Ihr Leben nach dem Landtag aus? Werden Sie sich künftig anderen Aufgaben widmen? Wenn ja, welche Aufgaben und Ziele verfolgen Sie?Siegfried Gentele:Mein Leben nach dem Landtag im privaten Bereich wird darin bestehen, meine Frau zu unterstützen. Im politischen Bereich werde ich mich voll auf die DIREKTE konzentrieren, um diese noch junge, in Thüringen gegründete demokratische Partei nach vorne zu bringen. Da gibt es viel zu tun. Wir wollen uns verstärken, um in 2 Jahren mit einer starken Truppe in allen Bundesländern sich der Bundestagswahl zu stellen, um den Einzug zu schaffen. Aber nun kommt erst mal die Landtagswahl. Mal sehen was daraus wird.

Nach meinen Informationen gehören Sie keinem Verein oder Verband an. Liegt Ihnen die ehrenamtliche Arbeit nicht am Herzen? Oder warum engagieren Sie sich nicht? Die meisten Politiker sind in zahlreichen Vereinen seit Jahren aktiv.
Siegfried Gentele
:Ja das stimmt. Ich persönlich bin seit langen in keinem Verein mehr tätig, unterstütze aber regelmäßig diverse Projekte finanziell durch Spenden. Das Ehrenamt liegt mir sehr am Herzen. Ich bewundere diese Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen.
Wir werden sehen, was das neue Jahr bringt. Vielleicht sieht man mich dann auch da oder dort als Mitglied, nur körperlich kann ich durch meine zwei Krebsoperationen und meinem Alter nicht mehr voll mitmachen.

Der Thüringer Landtag hatte in seiner noch laufenden 6. Periode fünf fraktionslose Abgeordnete, einer wechselte ja bekanntlich zur SPD. Wie war die Zusammenarbeit unter den Fraktionslosen und wie fühlte man sich als fraktionsloser Abgeordneter? Wurden Sie von der Landtagsverwaltung gut beraten?
Siegfried Gentele
:Ja die Zusammenarbeit war am Anfang etwas stockend, wurde aber immer besser. Wir wollten ja auch eine Gruppe bilden, was uns aber durch die anderen Parteien nicht gewährt wurde. Im Nachhinein sage ich, man hätte den Schritt zum Verwaltungsgericht gehen sollen, um es rechtlich zu klären. Da aber Herr Helmerich zur SPD ging, war das Thema eh erledigt. Die Zusammenarbeit mit Teilen der Landtagsverwaltung war nicht immer ganz zufriedenstellend, aber ok.

Gab es Unterschiede zwischen einem Fraktionslosen und einem Abgeordneten einer Fraktion? Wenn ja, wo waren diese Unterschiede?
Siegfried Gentele
:Tja, Unterschiede gab es reichlich als fraktionsloser Abgeordneter, man sitzt in der zweiten Reihe, hat kaum Möglichkeiten sich zu profilieren, es fehlt einem an fachlichen Mitarbeitern, so wie es die Fraktionen haben. Es fehlt auch an Finanzen, um sich nach außen hin darzustellen. Da sind Fraktionen immens gut aufgestellt. Man ist beschnitten in seiner Redezeit im Plenum. Man kann als Einzelabgeordneter keine Anträge oder Gesetze einbringen, nur mit Hilfe von 10 anderen Abgeordneten. Nur wer glaubt daran, dass andere Abgeordnete einen Fraktionslosen da unterstützen?

Wie werden Sie sich künftig auch ohne Mandat für die Bürgerinnen und Bürger einsetzen?
Siegfried Gentele
:Nun, ich werde meine politische Arbeit nicht beenden. Meine Aufgabe ist nun, die Mitarbeit in der Partei die DIREKTE einzubringen, um Gründungen von Orts- und Kreisverbänden, in denen ich mitwirken möchte, zu initiieren. Damit stärke ich die Demokratie und den Willen der Bürgerinnen und Bürger.
Das Interview führte René Casta
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Kommentare

09.10.2019, 11.19 Uhr
Crimderöder | Ernsthaft?
Vier Parteimitgliedschaften innerhalb von vier Jahren. Reife Leistung! Alle blöde, außer ich. Gut, dass Ende des Monats für Sie Schluss ist.

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09.10.2019, 11.51 Uhr
harzwj | Ein Getriebener...
ist wohl Herr Gentele. Nur wohin es Ihn in den letzten 4 Jahren "getrieben" hat, ist dem aufmerksamen Betrachter scheinbar völlig unklar. Er hat in der ablaufenden Legislatur nicht das "Kreuz" gehabt, sein Mandat nieder zu legen! Warum wohl? Er hat das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler, die ihn in den Landtag gewählt haben, aufs gröblichste missbraucht. Das einzugestehen fällt ihm sicher schwer. Aber, vier Jahre Abgeordnetendiäten und sonstige Vergünstigungen zu erhalten, sind schon Gründe für ein gewisses, unklares Verhalten, so könnte man annehmen.
Trotzdem, alles Gute für die folgenden Jahre.
W. Jörgens

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09.10.2019, 11.52 Uhr
tannhäuser | Ich dachte immer...
...Messies und Hoarder sammeln Gegenstände oder Tiere.

Herr Gentele will wohl einen Rekord aufstellen für den Wanderstock mit den meisten Parteikerben...

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09.10.2019, 18.43 Uhr
Heimathistoriker | "Wir brauchen kein Parteiprogramm"
Mit diesem Ausspruch haben Sie es wahrscheinlich sogar sehr ernst gemeint, Herr Gentele, oder? Denn Ihrer Riege ging und geht es doch nicht um ein spezielles Parteienprogramm, oder? Nein, der Politelite geht es auch nicht um eine "direkte Demokratie", sondern nur ums eigene Geldsäckchen, oder?

Eines Lobe ich mir trotz des Halbsatzes "Wir brauchen kein Parteiprogramm": Sie scheinen es doch ernsthaft zu meinen, oder?

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09.10.2019, 19.59 Uhr
H.Freidenker | Eine besondere Art der Selbstdarstellung,
besser geht es tatsächlich nicht.
Herr Gentele läßt sich von seinem seit der letzten Wahl beschäftigten Bürovorsteher interviewen.
Herr Rene Casta, wie lange haben sie da mit Ihrem Arbeitgeber Herrn Siegfried Gentele geübt.
Ich bin glücklich,das dieses Arbeitsverhältnis mit der nächsten Wahl beendet wird.
Demokratie kann auch Blüten produzieren, sie Beide stellen einen üppigen steuerfinanzierten Blumenstrauß dar, der uns Steuerzahlern für ihre in 5 Jahren geleistete Arbeit, etwa 8oo tausend Euro gekostet hat.

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