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Di, 11:20 Uhr
01.10.2019
nnz-Forum:

Haben Geld und Macht das Recht auf ihrer Seite?

Ende August berichtete die nnz über eine Protestwelle aus der Nordhäuser Zivilgesellschaft gegen die fristlose Kündigung von Dr. Stefan Hördler als Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Dazu Anmerkungen von Joachim Heise...


Das regionale Protestschreiben gegen die fristlose Entlassung unterschrieb ich ohne Zögern. Dennoch liegt besagter Artikel seit rund vier Wochen vor mir auf meinem Schreibtisch und mahnt mich ständig, sag, was du dazu zu sagen hast:

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Die fristlose Entlassung von Herrn Dr. Hördler erinnert mich an das erschreckende „Husarenstück“ des Kultursenators von Berlin, Dr. Lederer (DIE LINKE), der es vor Wochen schaffte, den Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Dr. Hubertus Knabe, mit einer LINKEN Inszenierung aus dem Amt zu drängen – erst fristlos, dann aber mit ordentlicher Kündigung, die dem Steuerzahler vermutlich viel Geld kostete.

Dr. Knabe war in seinem Amt ein kritischer Geist, der das Unrecht der SED beim Namen nannte, gegen die Verharmlosung der SED-Diktatur ankämpfte und den vom SED-Unrecht Betroffenen Unterstützung und eine Stimme gab. Mit seinen kritischen Worten traf er Dr. Lederer scheinbar so hart, dass dieser Gründe suchte, diese diskreditierungsfähig ausschmückte, willfährige Komplizen um sich scharte, um ihn, im wahrsten Sinne des Wortes, abzuschießen.

Was hat das alles mit der fristlosen Entlassung von Herrn Dr. Hördler zu tun?

Man kann dazu Vieles mutmaßen, wozu oben genannter Artikel geradezu einlädt:

Wenn Dr. Hördler in dem Artikel als ein namhafter Experte für die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen bezeichnet wird, stand er sicher in seiner Materie und entwickelte Standpunkte. Menschen oder gar Mitarbeiter mit eigenen Standpunkten sind, so konnte ich es selbst erleben, dem Stiftungsdirektor und Inhaber jeglicher Deutungshoheit in der Stiftung Buchenwald-Mittelbau Dora und darüber hinaus, Prof. Dr. Volkhard Knigge, suspekt. So nahm eine vermutlich harmlose Unstimmigkeit den gleichen Weg, wie bei Herrn Dr. Knabe und der durch die Gegend wabernde Grund (?) wurde aufgebauscht. Zumal aus dem Umfeld der Stiftung der Entlassungsgrund als Lappalie angesehen wird und der Erste Beigeordnete des Landkreises Nordhausen, Stefan Nüßle, der Entlassung nicht zustimmte.

Der Unterschied zu Berlin ist möglicherweise, dass bei der Entlassung Dr. Hördlers nicht der Vorsitzende des Stiftungsrates, Minister Benjamin-Immanuel Hoff (DIE LINKE) die Fäden zog, sondern der Direktor der Stiftung selbst, der schon mehrfach als Graue Eminenz in Erscheinung trat und bevorzugt im Verborgenen agierte.

So geschehen beim Entstehen der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt, als er vor etwa 10 Jahren in einer Anhörung des Ausschusses für Wissenschaft, Kunst und Medien im Thüringer Landtag mangels konstruktiver Argumente vom SED-Unrecht Betroffene als „Geschichtsklempner“ bzw. „Dilettanten“ titulierte, weil diese ihm widersprachen Der Ausschuss-Vorsitzende Seela verabsäumte leider, die verbalen Entgleisungen im Ausschuss-Protokoll festzuhalten. Die Entgleisungen sprechen für sich, Worte der Entschuldigung hat es nie gegeben.

Was sagt uns das?

Wer über Macht und Geld verfügt, hat das Recht auf seiner Seite. Das hat zwar in der jüngsten und jüngeren Vergangenheit zum Alltag gehört, ist aber heute, unter demokratischen Verhältnissen, nicht hinnehmbar, wird aber noch immer praktiziert.

Dr. Hördler hat seinen angestammten Platz wieder einzunehmen, allerdings unter einem anderen, einem neuen, Stiftungsdirektor.

Einflussnahme der Politik und Begleichung „offener Rechnungen“ haben bei seriöser Geschichtsschreibung nichts zu suchen.
Joachim Heise, Nordhausen
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Herr Taft
01.10.2019, 17:05 Uhr
Um die Frage zu beantworten...
Ja... Also streben wir alle nach Geld und Macht um Recht zu haben...
DDR-Facharbeiter
01.10.2019, 19:39 Uhr
Wieso bestimmt ein Stiftungsdirektor in Weimar über Nordthüringer Personalfragen ?
Am 16.7.2019 sagte Minister-Präsident Bodo Ramelow bei dem Besuch im IFA-Museum Nordhausen:
"Die Unterstützung regionaler Museen ist in erster Linie Aufgabe der Kommunen.
Das Land werde sich da nicht einmischen."
Wieso mischt sich ein von der Bundesregierung und dem Land Thüringen bezahlter Stiftungsdirektor in Personalfragen des Nordthüringer Museums " Gedenkstätte Lager Dora" ein?
Die Gedenkstätte gehört zwar juristisch zu einer von der Bundesregierung und dem Lande Thüringen finanzierten Stiftung, ist aber- nicht nur meinen Augen- ein regionales Museum im Landkreis Nordhausen.
Schliesslich ist die Geschichte des Lagers Dora und des Mittelwerkes mit der leidvollen Geschichte der Nordhäuser
und Nordthüringer Menschen aufs engste verbunden.
Auch Nordhäuser kamen bei den Nazis im KZ Lager Dora , im KZ Buchenwald und bei den Sowjets im Speziallager Nr. 2 in Buchenwald zu Tode.
Dem Stiftungsrat gehören an:
- 1.Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
-2. Thüringer Finanzministerium.
-3. Oberbürgermeister der Stadt Weimar.
- 4.Landrat des Landkreises Nordhausen. Das ist Herr Jendricke. Ist er gefragt worden ?
-5 Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland.
Ich behaupte, dass weder 1. der Beauftragter der Bundesregierung noch 3. der Oberbürgermeister von Weimar noch 5. der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland sich eine eigene Meinung über die Personalie "Dr.Hördler" gebildet haben oder sich beim Vertreter des Landkreises, Herrn Nüßle, informiert haben, warum er gegen die Entlassung Dr. Hördlers stimmte.
Ein von den Nordthüringern nicht politisch legitimierter Stiftungs-Direktor in Weimar darf
nicht allein über das Beschäftigungs-Verhältnis eines Leitenden Mitarbeiters im Kreis Nordhausen entscheiden,
vor allem nicht, wenn Herrn Prof. Dr. Volkhard Knigge der Vorwurf der Befangenheit gegenüber Herrn Dr. Hördler gemacht werden kann.
Nach meinem Rechtsverständnis ist in strittigen Personalfragen die nächst höhere Instanz, nämlich der
Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten / der Chef der Staatskanzlei
dem Stiftungs-Direktor übergeordnet und anzurufen.
Ich bin der Meinung, dass die Nordthüringer Zivilgesellschaft das Bürger-Recht hat, selbst und massgebend über ihre Personalfragen zu entscheiden.
Trüffelschokolade
01.10.2019, 21:02 Uhr
Knabe zu Recht entlassen/Heises Verschwörungstheorien
Es ist schade wie Joachim Heise hier einen Vergleich zur Entlassung Knabes in Berlin zieht.

Während im Moment die Hintergründe zu der Entlassung Hördlers immer noch weitgehend unklar sind, sieht die Sache bei Hubertus Knabe besser aus. Und da geht es eben nicht um politische Rache, sondern um handfeste Vorwürfe. Wer wie Hubertus Knabe über lange Zeit sexuelle Übergriffe seiner Mitarbeiter an Mitarbeiterinnen duldet und auch nach einer Aufforderung dies zu unterbinden nichts tut, ist als Führungspersönlichkeit eindeutig ungeeignet. Ganz egal wie man zu seinen inhaltlichen Positionen steht. Zumal Knabe selbst auch den Mitarbeiterinnen gegenüber aufgefallen ist. Ich kenne eine Mitarbeiterin, die aufgrund von ihm und dem Klima die Arbeitsstelle schon bald nach der Einstellung wieder gewechselt hat um sich selbst vor weiterer Belästigung zu schützen. Sie ist nur ein Beispiel einer ganzen Bandbreite von Mitarbeiterinnen.

Diese Verschwörungstheoriemasche Klaus Lederer gegenüber ist in dem konkreten Fall wirklich fehl am Platze. Es ist eine Schande, dass Joachim Heise sexuell belästigte Mitarbeiterinnen und fehlende Führungskompetenzen so wenig scheren. Hier ist Joachim Heise mit fragwürdigen Scheuklappen vor den Augen unterwegs.

Ich bin aber gespannt wie es mit Hördler weitergeht. Wann man endlich mal mehr Hintergründe erfährt. In Gesprächen mit dem Personal selbst herrscht zumindest eine seltsame Atmosphäre, wenn man versucht es anzusprechen.
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