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Mo, 07:13 Uhr
30.09.2019
BUND-Einsatz 85

Blasses Knabenkraut und Wild-Birne

Beim aktuellen landschaftspflegerischen BUND-Einsatz stießen die Teilnehmer auf Obstbäume, die wohl kaum jemand für die Bereicherung seines Obsttellers anpflanzen würde: Wild-Apfel und Wild-Birne...

Wildbirne (Foto: B. Schwarzberg) Wildbirne (Foto: B. Schwarzberg) Die Wildbirnen-Früchte (Pyrus pyraster) sind so klein, dass mehrere von ihnen auf eine Hand passen. Manchmal sehen sie fast wie Äpfel aus. Der Erhaltung des heimischen Wildobstes sollte mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, zumal gerade die Wild-Birne Trockenheit und Wärme gut verträgt. Einer Untersuchung zufolge gibt es nur noch 14.000 Wild-Birnenbäume in Deutschland. Ein Hinweis auf eine Original-Wildbirne liefert die Unterseite der Früchte: Denn die einstigen Kelchblätter fallen nicht, wie bei der Kulturbirne ab, sondern bleiben, wenn auch vertrocknet, meist in voller Länge erhalten.


Sie gehören zu den forstwirtschaftlich eher unbedeutenden, daher bedrohten und seltenen Baumarten, die relativ langsam wachsen und dazu noch kaum roh genießbare, sehr kleine Früchte tragen. Aber die Wild-Birne verträgt ebenso wie der Wild-Apfel relativ viel Wärme und Trockenheit. Das dürfte zumindest für den Naturschutz noch bedeutsam werden können.

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Denn trotz der seit Mai 2018 fast ununterbrochen andauernden Trockenheit fanden wir mehrere kleine Wild-Birnen im von uns gemähten Halbtrockenrasen. Niemand hat sie in den vergangenen zwei Jahren gegossen, und sie sind trotzdem auch jetzt noch voll belaubt.

Zahlreiche Kulturobstbäume hingegen sterben angesichts der bis vor kurzem anhaltenden Dürre ab. Doch gerade auf für den Artenschutz bedeutsamen, mageren Wiesen und Weiden, dürften trockenheitertragende, heimische Arten an Bedeutung als Schattenspender gewinnen. Es wird beobachtet, dass sich eher ausgeglichene Verhältnisse mögende Orchideenarten unserer Wiesen und Weiden zunehmend in die Nähe von Gehölzen „zurückziehen“. Auch auf der „Einsatzwiese“ vom vergangenen Sonnabend standen einst mehrere Obstbäume. Die letzten vertrocknen gerade.

Wir haben die kleinen Wild-Birnen nicht abgemäht. Sie sollen das absterbende Kulturobst allmählich ersetzen und später dem seltenen Blassen Knabenkraut als Schutz vor der sengenden Hitze immer wärmer werdender Jahre dienen. Unklarheit besteht jedoch, ob das hiesige Wildobst genetisch unverfälschtes Wildobst ist, da es zwischen Wild-Apfel und Wild-Birne und ihren kultivierten Verwandten kaum Kreuzungsbarrieren gibt.

Wir mähten und harkten diesmal zu fünft auf einer Fläche im NSG Alter Stolberg, die einmal jährlich mit Rindern beweidet wird. Da die Rinder kaum anfliegende Gehölze fressen, muss gemulcht oder gemäht werden. Doch mitunter sind die Flächen für den Mulcher wegen Steilheit nicht zu befahren, was eher ein Glück für den Artenschutz ist, denn Mulchen gilt auf mageren Naturschutzflächen erwiesenermaßen als sehr nachteilig. Ein Glück für dem Artenschutz ist das genannte Manko jedoch nur, wenn die aufkommenden Gehölze per Mäher entfernt und von der Fläche geholt werden.

Die damit verbundene weitere Aushagerung und Verbesserung der Konkurrenzsituation z.B. für Orchideen ist Sinn du Zweck auch dieses Einsatzes gewesen.

Seit 2012 mähen wir, die insgesamt ca. 1.000 Quadratmeter große Fläche vollkommen ohne Vergütung. Eine Doppelförderung gibt es also nicht, wie immer wieder mal unterstellt wird. Nur der Landwirt erhält einen Geldbetrag für die Beweidung.

Das Blasse Knabenkraut honorierte das Nebeneinander von Weide und Mahd mit einer drastischen Vergrößerung der Zahl blühender Exemplare auf rund 1.000. Nur Spätfröste und möglicherweise die immer trockener werdenden Frühjahre scheinen den positiven Trend seit 2016 zu bremsen.

Bei wunderschönem Herbstwetter beteiligte sich erneut Alfred Hopp aus unserem Landkreis am jüngsten Einsatz. Mit seinen 79 Jahren packte er wie ein Junger zu, - und er brachte eine große Kanne Kaffee mit auf die Wiese. Ihm gebührt ganz besonderer Dank.

Auch Petra Wenzel, Tobias Strietzel und Uwe Dumjahn widmeten zum wiederholten Male ihre Freizeit dem aktiven Artenschutz. Dank ihres Einsatzes konnten wir schon gegen 14 Uhr nach Hause fahren. Wir alle erfreuten uns an einem erfrischenden Herbstmorgen, der sogar von einzelnen Schauern belebt wurde.
Bodo Schwarzberg

Der nächste Einsatz ist für den 19.10. vorgesehen. Interessenten können sich gern unter bodo_schwarzberg@yahoo.de melden.
85. BUND-Einsatz (Foto: B. Schwarzberg)
85. BUND-Einsatz (Foto: B. Schwarzberg)
85. BUND-Einsatz (Foto: B. Schwarzberg)
85. BUND-Einsatz (Foto: B. Schwarzberg)
Autor: red

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