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Di, 13:20 Uhr
24.09.2019
Landgemeinde Bleicherode

Wir wollen in jedem Ort etwas bewegen

Seit etwas mehr als acht Monaten existiert die Landgemeinde Bleicherode als neue Verwaltungsstruktur. Voll handlungsfähig war man bisher nur bedingt, erst musste man auf die Kommunalwahlen im Frühjahr warten, zuletzt hatte man Kinderkrankheiten im neugeordneten Verwaltungsappart auszubügeln. Am Donnerstag tritt der Landgemeinderat in Wipperdorf zusammen, um auch in die inhaltliche Arbeit einzutauchen. Mit Bürgermeister Frank Rostek haben wir über den steinigen Weg zur Landgemeinde, Finanzfragen und neue Herausforderungen gesprochen...

Bleicherodes Bürgermeister Frank Rostek: "Wir wollen in jedem Ort etwas bewegen" (Foto: Angelo Glashagel) Bleicherodes Bürgermeister Frank Rostek: "Wir wollen in jedem Ort etwas bewegen" (Foto: Angelo Glashagel)

Aus vielen Verwaltungen eine einzige zu machen, hat seine Tücken. Das hat man in der Landgemeinde Bleicherode in den letzten Monaten ganz prakisch erleben können. Dass es ganz und gar reibungslos abgehen würde, dieser Illusion hatte sich wohl niemand hingegeben. Immerhin wurden die Stadt Bleicherode und die Gemeinden Etzelsrode, Friedrichsthal, Kleinbodungen und Kraja zum Ende des Jahres 2018 formal aufgelöst und mit den Gemeinden Hainrode, Nohra, Wipperdorf, Wolkramshausen und der Verwaltungsgemeinschaft Hainleite verwoben. Kein leichter Akti aber über einige Hürden war man dann doch überrascht. „Das größte Problem in den letzten Monaten war die Software. Bis auf eine Ausnahmen haben alle Verwaltungen mit den gleichem Programm gearbeitet. Da sollte es der Theorie nach nicht viel mehr als einen Knopfdruck brauchen alles aufeinander abzustimmen. Praktisch haben wir Akten Körbeweise herangeschafft und händisch eingepflegen müssen.“, erzählt Frank Rostek, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Bleicherode und neuer Bürgermeister der Landgemeinde.

Man werde wohl eine halbe Legislatur brauchen, bis sich alles routiniert eingespielt habe, schätzt Rostek, die generelle Bestandsaufnahme sei aber so gut wie abgeschlossen und die Papierstapel deutlich kleiner geworden. Bis zum Jahresende sollen Verwaltung und Haushalt auf festen Füßen stehen.

Nachdem die ersten Treffen des auf 34 Mitglieder angewachsenen Gemeinderates sich vor allem um die Formalien der neuen Legislatur wie Hauptsatzung, Besoldung und die konsitutierung kommunaler Gremien und Ausschüsse gedreht hatten, will man sich bei den kommenden drei Sitzungen in die Sacharbeit einsteigen und sich mit dem leidigen Haushaltsthema ausgiebig befassen. Wenn man am Donnerstag um 19 Uhr in Wipperdorf zusammenkommt, steht der Verwaltungshaushalt auf der Tagesordnung, in der darauffolgenden Sitzung soll der Vermögenshaushalt beraten werden, im November der Beschluss zum geplanten Doppelhaushalt durch den Rat gehen.

Für die einzelnen Teile der Landgemeinde dürfte es genau da interessant werden. Bei den Verhandlungen zum Zusammenschluss hatte jede Ortschaft einen eigenen „Wunschzettel“ mitgebracht. Bürgermeister Rostek verspricht, das sich im neuen Haushalt jeder Ort wiederfinden werde. „Die größte „Baustelle“ bleibt Bleicherode mit seiner Altstadt aber es gibt auch anderswo Bedarf. Wir wollen in jedem Ort etwas bewegen. Das Dringlichste wird sukzessive auf den Weg gebracht, die Prioritäten dafür haben wir gesetzt und geschaut was wann passieren kann und was wir uns leisten können.“, erklärt der Bürgermeister.

Das Bleicheröder Stadtsäckel hat in den letzten Jahren ein reges Auf und Ab erlebt, daran dürfte sich auch in naher Zukunft nicht viel ändern. Zwar habe man in den letzten Jahren gut gearbeitet und erhalte durch die „Einwohnerveredelung“ inzwischen Schlüsselzuweisungen für 16.000 Einwohner, die positiven Effekte würden aber durch Abgaben wie die Kreis- und Schulumlage und die demographische Entwicklung wieder aufgezehrt. „Ich werde weiter für einen besseren kommunalen Finanzausgleich kämpfen. Die Unwucht zwischen Stadt und Land muss so umgestellt werden, das man vernünftig arbeiten kann.“, unterstrich Rostek. Trotzdem sei es schön das man mit den eigenen Anliegen inzwischen auch angehört werde und es sei ebenso schön, das der Landkreis nun selber Bedarfszuweisungen beantrage und nicht mit weiteren Erhöhungen der Kreisumlage zu rechnen sei, weil der Kreis sein finanzielles Delta beim Land geltend machen kann.

Kinderkrankheiten in der neuen Struktur und die Haushaltsfrage sind aber nicht die einzige Herausforderungen. Da sind zum Beispiel die 13 freiwilligen Feuerwehren mit rund 390 Mitgliedern, die koordiniert werden müssen, ohne das die Einsatzfähigkeit leidet, oder die Umstellungen der „Förderlandschaft“ im Städtebau. Konkret würde man gerne das „Haus 3“ gegenüber dem Bleicheröder Rathaus endlich in Angriff nehmen um adäquate Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter und erforderliche Einrichtungen wie ein Zentralarchiv schaffen zu können.

Gute Nachrichten am Rande gibt es aus der Wirtschaft: für das Werk Zwei der „Panem“-Großbäckerei ging dieser Tage die Baugenehmigung ein. Für die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes sei das ein gutes Zeichen, meinte Rostek. „Wir sind jetzt die größte Landgemeinde Thüringens und wollen diesen Status schon in Szene setzen und nach außen tragen. Das alles wird eine große Herausforderung mit der wir in den neuen Legislatur gut zu tun haben werden aber ich freue mich auf die Herausforderung.“
Angelo Glashagel
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