Fr, 06:00 Uhr
22.04.2005
Erfahrungen
Nordhausen (nnz). Abstand zu haben, das ist manchmal ein nützlich Ding. Und so machte sich ein Teil der nnz Anfang April auf in den Westen. Das Ergebnis der Tour kann man eigentlich kurz und knapp zusammenfassen: Schön, dass es unser Deutschland gibt. Wer an Details interessiert ist, der sollte auf MEHR klicken.
Manchmal - zu Zeiten der DDR - wollte ich mir in diesem Leben drei Wünsche zu erfüllen: Ich wollte die Skyline von Manhattan sehen, wollte die Große Mauer besteigen und über die Golden-Gate-Brücke laufen. Den dritten Wunsch erfüllte ich mir mit einer Reise durch den Westen der USA. Über die Glitzerwelt von Las Vegas muss man ernsthaft überhaupt nicht reden, doch auch die repräsentiert die Mehr-Schein-als-Sein-Welt zwischen dem Atlantischen und Pazifischen Ozean. Nur ist das alles auf den wenigen Quadratkilometern in dieser Wüstenstadt komprimiert.
Eher einen reellen Blick ermöglicht da ein längerer Aufenthalt in Los Angeles. Hier scheinen ein Handy in der linken Hand, ein umgehangener MP3-Player mit Stöpsel im Ohr und ein dicker fetter Burger in der rechten Hand zur Grundausstattung der multiethnischen Bewohner zu gehören. Pausenlos wird gegessen, telefoniert und Musik gehört. Die wichtigsten Geschäften scheint man in Pizzerien, in Foot-Courts oder einfach auf der Straße zu erledigen.
Was sich in Kalifornien auftut, das ist der krasse Unterschied zwischen Bettelarm und Steinreich. Nur: Es wird zur Kenntnis genommen. Genauso wie die Tatsache, dass sich die Arbeitslosigkeit in den Staaten seit Jahren nach oben entwickelt oder dass das Aussenhandelsdefizit fast schon kriminelle Züge angenommen hat. Drei oder vier Jobs gehören zur Tagesordnung, eventuell müssen auch die Kinder mit ran. Mit Wohnwagen oder dem Holzhäuschen dorthin ziehen, wo es vielleicht einen Job gibt, das gehört zur Tagesordnung. Soziale Absicherung – das ist immer noch, vielleicht auch mehr denn je ein Fremdwort für die Menschen dort drüben. Man nimmt es hin, man kennt es nicht anders, schließlich hat man die Freiheit.
Diese Freiheit besteht natürlich auch in der Ignoranz der restlichen Welt. Wenn es das Ableben des Papstes nicht gegeben hätte, die Auslandsmeldungen der Los Angeles Times hätten wohl auf bequem auf eine halbe Zeitungsseite gepasst. In Amerika spricht man auch nicht Deutsch oder Französisch, man spricht Amerikanisch – und das erwartet man natürlich auch von denen, die sich diese Welt einmal anschauen wollen.
Eigentlich könnte man ja sagen: Die USA kann man sich schon mal ansehen – so wie ein Besuch in Disneyland. Doch es ist anders. Was ich in Los Angeles oder San Francisco und zwischendurch gesehen oder erlebt habe, das ist die Welt von morgen - hier in Europa. Und auf die Frage an die Reiseleiterin, warum sie denn eigentlich mit 63 Lebensjahren noch diesen knallharten Job machen muss, da kam dann auch die einfache Antwort: Damit kann ich die Kosten für die Behandlung meines schwerkranken Enkels mitfinanzieren!
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzManchmal - zu Zeiten der DDR - wollte ich mir in diesem Leben drei Wünsche zu erfüllen: Ich wollte die Skyline von Manhattan sehen, wollte die Große Mauer besteigen und über die Golden-Gate-Brücke laufen. Den dritten Wunsch erfüllte ich mir mit einer Reise durch den Westen der USA. Über die Glitzerwelt von Las Vegas muss man ernsthaft überhaupt nicht reden, doch auch die repräsentiert die Mehr-Schein-als-Sein-Welt zwischen dem Atlantischen und Pazifischen Ozean. Nur ist das alles auf den wenigen Quadratkilometern in dieser Wüstenstadt komprimiert.
Eher einen reellen Blick ermöglicht da ein längerer Aufenthalt in Los Angeles. Hier scheinen ein Handy in der linken Hand, ein umgehangener MP3-Player mit Stöpsel im Ohr und ein dicker fetter Burger in der rechten Hand zur Grundausstattung der multiethnischen Bewohner zu gehören. Pausenlos wird gegessen, telefoniert und Musik gehört. Die wichtigsten Geschäften scheint man in Pizzerien, in Foot-Courts oder einfach auf der Straße zu erledigen.
Was sich in Kalifornien auftut, das ist der krasse Unterschied zwischen Bettelarm und Steinreich. Nur: Es wird zur Kenntnis genommen. Genauso wie die Tatsache, dass sich die Arbeitslosigkeit in den Staaten seit Jahren nach oben entwickelt oder dass das Aussenhandelsdefizit fast schon kriminelle Züge angenommen hat. Drei oder vier Jobs gehören zur Tagesordnung, eventuell müssen auch die Kinder mit ran. Mit Wohnwagen oder dem Holzhäuschen dorthin ziehen, wo es vielleicht einen Job gibt, das gehört zur Tagesordnung. Soziale Absicherung – das ist immer noch, vielleicht auch mehr denn je ein Fremdwort für die Menschen dort drüben. Man nimmt es hin, man kennt es nicht anders, schließlich hat man die Freiheit.
Diese Freiheit besteht natürlich auch in der Ignoranz der restlichen Welt. Wenn es das Ableben des Papstes nicht gegeben hätte, die Auslandsmeldungen der Los Angeles Times hätten wohl auf bequem auf eine halbe Zeitungsseite gepasst. In Amerika spricht man auch nicht Deutsch oder Französisch, man spricht Amerikanisch – und das erwartet man natürlich auch von denen, die sich diese Welt einmal anschauen wollen.
Eigentlich könnte man ja sagen: Die USA kann man sich schon mal ansehen – so wie ein Besuch in Disneyland. Doch es ist anders. Was ich in Los Angeles oder San Francisco und zwischendurch gesehen oder erlebt habe, das ist die Welt von morgen - hier in Europa. Und auf die Frage an die Reiseleiterin, warum sie denn eigentlich mit 63 Lebensjahren noch diesen knallharten Job machen muss, da kam dann auch die einfache Antwort: Damit kann ich die Kosten für die Behandlung meines schwerkranken Enkels mitfinanzieren!
Peter-Stefan Greiner







