Do, 13:40 Uhr
08.08.2019
Kulturminister Hoff zu Gast im Kunsthaus Meyenburg
Die Stadt hat sich ihre Hausaufgaben selbst gegeben
Wieviel kann und muss das Land für den Erhalt von Kulturgütern tun und wie weit muss das Engagement von Seiten der Kommunen gehen? Zu seinem ersten Besuch im Kunsthaus Meyenburg sprach Thüringens Kulturminister Benjamin Hoff nicht nur über die Kunst an sich, sondern auch über ihre Rahmenbedingungen in Nordhausen und Thüringen...
Der Minister kommt mit dem Fahrrad den Berg hinaufgeschnauft. Eigentlich hatte er schon einmal hier sein wollen, um die Diskussionen um das Nordhäuser Museumskonzept zu verfolgen, doch damals wurde der Besuch durch einen Großstau auf der Autobahn zunichte gemacht.
Das Museumskonzept ist inzwischen beschlossene Sache, zur Zeit aber noch nicht viel mehr als beschriebenes Papier. Die Umsetzung der selbst gesteckten Ziele sei nun die Hausaufgabe der Nordhäuser, meinte Minister Hoff (Linke), der sich zwar auf Sommertour befindet und vor allem die Nordhäuser Kunstgalerie sehen wollte, um Fragen zur Finanzierung von Kultur und Kunst aber freilich nicht herum kam.
v.l.: Minister Benjamin-Immanuel Hoff, Museumsleiter Jürgen Rennebach, die Landtagsabgeordnete Katja Mitteldorf und Peter Uhley, ehrenamtlicher Beigeordneter der Stadt Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Er sehe es als Aufgabe des Freistaates, Kommunen wie Nordhausen bei Baumaßnahmen finanziell zu unterstützen, siehe Theaterneubau. Es läge aber in der Selbstverantwortung und im Selbstverständnis der Kommunen, zu entscheiden, wie mit dem eigenen kulturellen Erbe umgegangen werden soll. Stichpunkt: IFA-Museum.
Mit Blick auf Nordhausen heißt die Devise aus Sicht der Staatskanzlei deswegen erst einmal: abwarten. "Die Stadt entscheidet selbst, wo sie sich engagieren will, diese Entwicklung muss man beobachten", sagte Hoff, mit dem Museumskonzept habe man einen ersten Grundstein gelegt. "Das Konzept bilanziert ehrlich wo man steht und welche Aufgaben man vor sich sieht, da hat Nordhausen vielen anderen Städten des Freistaates etwas voraus."
Ganz konkret geht es dabei um Projekte wie die Sanierung des Kunsthaus-Turmes, der arg in die Jahre gekommen ist. In Erfurt sei das Thema bekannt, sagte die Landtagsabgeordnete Katja Mitteldorf (Linke), die Staatskanzlei habe schon einmal 20.000 Euro als Unterstützung in Aussicht gestellt. Allerdings fehlte der Stadt zu diesem Zeitpunkt die finanzielle Freiheit das Angebot auch anzunehmen, man befand sich Mitten in der Haushaltssicherung. Das Geld habe man bei der Staatskanzlei aber noch "im Hinterkopf". Die tatsächlichen Sanierungskosten würden deutlich höher ausfallen, bis zu 150.000 Euro, schätzen die Anwesenden und da kommt die Prioritätensetzung der Kommunen ins Spiel, die der Minister anspricht.
Das Land habe zudem die Verpflichtung, mehr über ihre Kulturgüter zu reden. Man müsse Einrichtungen, wie die Museen, in die Lage versetzen selber "Fundraising" zu betreiben. Kleinere und größere Beträge aus den Taschen moderner Mäzene seien heute durchaus zu bekommen. Der Freistaat alleine könne nicht alles zahlen, auch wenn er es begrüßen würde, könnten die Thüringer Museen etwa mehr Kunstwerke aus den Händen einheimischer Kunstschaffender ankaufen. "Die Bäume wachsen finanziell nicht in den Himmel. Wir befinden uns mit dem aktuellen Haushalt zwar in einer außerordentlich guten Lage, aber die kann sich durch Ereignisse, auf die wir keinen Einfluss haben, auch wieder ändern", erklärte Hoff.
Im Haus selbst führte Jürgen Rennebach, stellvertretender Leiter der Nordhäuser Museen, durch die aktuelle Ausstellung. Die heißt "Unvergessen" und gibt einen Einblick in das Leben und Schaffen von sieben verstorbenen Nordhäuser Künstlern. Der Künstler Rennebach und der Kunstkenner Hoff können da auch abseits von Finanzen und Politik parlieren. Das dass Kunsthaus den Schwerpunkt auf regionale Kunst gesetzt habe, erfreue ihn sehr, gibt der Minister zu Protokoll, Kollwitz und Picasso könne man schließlich auch anderswo sehen.
Für Minister Hoff geht es heute noch mit Fahrrad weiter nach Friedrichsrode. Auch hier erwartet ihn viel Kunst und Kultur und ein paar Nordhäuser, die sie in die Region bringen. Für die Stadt wird es bald in die Diskussion gehen. Mit dem Ende der politischen Sommmerpause rücken die ersten Ausschusssitzungen immer näher und damit auch Entscheidungen zur kulturellen Ausrichtung der Stadt und zur Umsetzung der selbstgesteckten Ziele.
Angelo Glashagel
Autor: redDer Minister kommt mit dem Fahrrad den Berg hinaufgeschnauft. Eigentlich hatte er schon einmal hier sein wollen, um die Diskussionen um das Nordhäuser Museumskonzept zu verfolgen, doch damals wurde der Besuch durch einen Großstau auf der Autobahn zunichte gemacht.
Das Museumskonzept ist inzwischen beschlossene Sache, zur Zeit aber noch nicht viel mehr als beschriebenes Papier. Die Umsetzung der selbst gesteckten Ziele sei nun die Hausaufgabe der Nordhäuser, meinte Minister Hoff (Linke), der sich zwar auf Sommertour befindet und vor allem die Nordhäuser Kunstgalerie sehen wollte, um Fragen zur Finanzierung von Kultur und Kunst aber freilich nicht herum kam.
v.l.: Minister Benjamin-Immanuel Hoff, Museumsleiter Jürgen Rennebach, die Landtagsabgeordnete Katja Mitteldorf und Peter Uhley, ehrenamtlicher Beigeordneter der Stadt Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Er sehe es als Aufgabe des Freistaates, Kommunen wie Nordhausen bei Baumaßnahmen finanziell zu unterstützen, siehe Theaterneubau. Es läge aber in der Selbstverantwortung und im Selbstverständnis der Kommunen, zu entscheiden, wie mit dem eigenen kulturellen Erbe umgegangen werden soll. Stichpunkt: IFA-Museum.
Mit Blick auf Nordhausen heißt die Devise aus Sicht der Staatskanzlei deswegen erst einmal: abwarten. "Die Stadt entscheidet selbst, wo sie sich engagieren will, diese Entwicklung muss man beobachten", sagte Hoff, mit dem Museumskonzept habe man einen ersten Grundstein gelegt. "Das Konzept bilanziert ehrlich wo man steht und welche Aufgaben man vor sich sieht, da hat Nordhausen vielen anderen Städten des Freistaates etwas voraus."
Ganz konkret geht es dabei um Projekte wie die Sanierung des Kunsthaus-Turmes, der arg in die Jahre gekommen ist. In Erfurt sei das Thema bekannt, sagte die Landtagsabgeordnete Katja Mitteldorf (Linke), die Staatskanzlei habe schon einmal 20.000 Euro als Unterstützung in Aussicht gestellt. Allerdings fehlte der Stadt zu diesem Zeitpunkt die finanzielle Freiheit das Angebot auch anzunehmen, man befand sich Mitten in der Haushaltssicherung. Das Geld habe man bei der Staatskanzlei aber noch "im Hinterkopf". Die tatsächlichen Sanierungskosten würden deutlich höher ausfallen, bis zu 150.000 Euro, schätzen die Anwesenden und da kommt die Prioritätensetzung der Kommunen ins Spiel, die der Minister anspricht.
Das Land habe zudem die Verpflichtung, mehr über ihre Kulturgüter zu reden. Man müsse Einrichtungen, wie die Museen, in die Lage versetzen selber "Fundraising" zu betreiben. Kleinere und größere Beträge aus den Taschen moderner Mäzene seien heute durchaus zu bekommen. Der Freistaat alleine könne nicht alles zahlen, auch wenn er es begrüßen würde, könnten die Thüringer Museen etwa mehr Kunstwerke aus den Händen einheimischer Kunstschaffender ankaufen. "Die Bäume wachsen finanziell nicht in den Himmel. Wir befinden uns mit dem aktuellen Haushalt zwar in einer außerordentlich guten Lage, aber die kann sich durch Ereignisse, auf die wir keinen Einfluss haben, auch wieder ändern", erklärte Hoff.
Im Haus selbst führte Jürgen Rennebach, stellvertretender Leiter der Nordhäuser Museen, durch die aktuelle Ausstellung. Die heißt "Unvergessen" und gibt einen Einblick in das Leben und Schaffen von sieben verstorbenen Nordhäuser Künstlern. Der Künstler Rennebach und der Kunstkenner Hoff können da auch abseits von Finanzen und Politik parlieren. Das dass Kunsthaus den Schwerpunkt auf regionale Kunst gesetzt habe, erfreue ihn sehr, gibt der Minister zu Protokoll, Kollwitz und Picasso könne man schließlich auch anderswo sehen.
Für Minister Hoff geht es heute noch mit Fahrrad weiter nach Friedrichsrode. Auch hier erwartet ihn viel Kunst und Kultur und ein paar Nordhäuser, die sie in die Region bringen. Für die Stadt wird es bald in die Diskussion gehen. Mit dem Ende der politischen Sommmerpause rücken die ersten Ausschusssitzungen immer näher und damit auch Entscheidungen zur kulturellen Ausrichtung der Stadt und zur Umsetzung der selbstgesteckten Ziele.
Angelo Glashagel

