nnz-tv Eichsfelder Nachrichten Kyffhäuser Nachrichten Mansfeld-Südharz-Zeitung Unstrut-Hainich Zeitung
Fr, 14:00 Uhr
09.08.2019
nachgehakt

Schatzsucher sorgen für Unmut

Seit gut zwei Jahren suchen Schatzjäger am Kohnstein nach dem verschollenen Bernsteinzimmer. Die Methoden der Ausgräber sorgten im nahen Salza zuletzt für Unmut. Im Wald sieht es wüst aus, es gab Sprengungen am Wochenende und Bohrlöcher die weder verfüllt noch abgesperrt wurden...


Auf den ersten Blick sieht es im Wald hinter dem Hirschenteich bei Salza alles gut aus, wie auf einem normalen Wirtschaftsweg im Forst. Es wurde Platz freigeräumt für schwere Maschinen. Doch man sollte aufpassen wo man hin tritt. Die Schatzsucher, die seit 2017 nahe dem ehemaligen Konzentrationslager Mittelbau-Dora das lange verschollene Bernsteinzimmer vermuten, sind bei ihrer Suche nicht gerade zimperlich vorgegangen. 

Wanderer und Spaziergänger haben immer wieder kleine Sprengungen vernommen, die auch an Sonntagen stattfanden, erzählt Steffen Iffland, Nordhäuser Stadtrat und Mitglied des Umweltausschusses im Kreistag. Er vermutet, dass die Ausgräber die Sprengungen genutzt haben um Hohlräume unter der Erde zu identifizieren. Im Untergrund des Karstgesteins rund um den Kohnstein dürfte es davon eine erkleckliche Anzahl geben, die Geologie bringt es mit sich. Der leicht wasserlösliche Gips wird ausgewaschen und hinterlässt Hohlräume. Im Extremfall brechen die irgendwann zusammen und hinterlassen Erdfälle, die auch schon mal ein halbes Haus oder ein Fahrzeug verschlucken können, meistens aber kleineren Umfangs sind. 


Den Ausgräbern aber dürfe es nicht um rein geologische Untersuchungen gegangen sein, sondern um die Suche nach alten Stollen, Tunneln oder anderweitig angelegten Verstecken aus der Nazizeit. Als Vorsitzender des Salzaer Heimatvereins steht Iffland sein Telefon kaum still. Die Bürger melden jeden Frevel und sehen in Iffland eine Person die auch handelt. So beschließt er selber einmal nachzusehen was hinter dem Hirschenteich vor sich geht und kehrt schockiert zurück. Im Wald findet sich nach wie vor eine Baugrube, groß genug, um ein Haus darin zu errichten, erzählt er, die Hänge rutschen bereits ab.

Bäume wurden gefällt und Wege aufgeschoben, die im nirgendwo enden. Schließlich findet Iffland seine Vermutung bestätigt: es wurde gebohrt. Gut ein halbes Dutzend große Löcher finden sich mitten auf den angelegten Wegen, etwa 30 Meter tief, schätzt der Stadtrat. Von Absperrungen oder Warnhinweisen keine Spur. Das Gelände ist frei zugänglich, die Löcher in keiner Weise markiert.

Der Stadtrat macht seine Bilder im Juni und ist guter Hoffnung, dass die frischen Bohrungen noch verfüllt werden. Ein paar Wochen später sieht er sich noch einmal um. Nichts ist passiert. Iffland informiert den Umweltausschuss des Kreises, das Landratsamt macht sich ein Bild vor Ort und schaltet das Forstamt Bleicherode ein. Das handelt schnell. Man habe die Verwahrung der Löcher umgehend in die Wege geleitet, sagt Knut Apel, stellvertretender Revierleiter im Forstamt, die Bohrungen habe man provisorisch gesichert, Gefahr bestünde nicht mehr. 


Grundsätzlich ist es den Schatzsuchern erlaubt, hier zu graben, sich den nötigen Platz zu schaffen und geologische Untersuchungen durchzuführen. Die Genehmigung dazu hat man vom Forstamt erhalten. Inwiefern diese Verkehrssicherung und etwaige Renaturierungsmaßnahmen nach Abschluss der Grabungen umfasst, war zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu erfahren, der zuständige Revierleiter weilt noch im Urlaub. 

Die Auftraggeber der Schatzsucher ausfindig zu machen und nach ihren Plänen zu befragen gestaltet sich schwierig, im Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hat man freilich Kenntnis von den Ausgrabungen und wer sie durchführt, kann aber keine Informationen freigeben. Datenschutz. Das eine Verkehrssicherung erfolgt, sei bei derartigen Unternehmungen aber die Regel, ist aus dem Landesamt zu erfahren. 
Angelo Glashagel
Bilder aus dem Juni (Foto: Steffen Iffland)
Bilder aus dem Juni (Foto: Steffen Iffland)
Bilder aus dem Juni (Foto: Steffen Iffland)
Bilder aus dem Juni (Foto: Steffen Iffland)
Bilder aus dem Juni (Foto: Steffen Iffland)
Bilder aus dem Juni (Foto: Steffen Iffland)
Bilder aus dem Juni (Foto: Steffen Iffland)
Bilder aus dem Juni (Foto: Steffen Iffland)
→ Druckversion
← zum Nachrichtenüberblick

Kommentare

09.08.2019, 14.49 Uhr
Realist 1.0 | In was für einer verkommenen Bananenrepublick leben wir eigentlich
Das sich Hinz und Kunz, als Archologen auszutoben und unsere Landschaft zu verschandeln, und anschließend nicht für den entstandenen Schaden aufzukommen. So ein Verhalten nennt man asozial, und das sich das zuständige Amt dann noch mit Datenschutz rausrädet, ist einfach nur billig und armseelig. Am Ende muß wieder de dummen Steuerzahler dafür gerade stehen, dafür das ein Paar Schwachmaten ein Furz im Kopf gehabt haben. Die haben doch nich allen ernstes glaubt, das sie ausgerechnet bei Nordhausen das Bernsteinzimmer finden.Da währe die wahrscheinlichkeit höher gewesen eine Nadel im Heuhaufen zu finden, oder vom Blitz getroffen zu werden. Es ist nur schön das es noch Politiker gibt wie Herrn Iffland, die mit offenen Augen durch welt laufen, und solche Untaten publick machen.

4   |  1     Login für Vote
09.08.2019, 15.47 Uhr
Peppone | Voll crazy
wenn man da im Dunkeln als Jäger oder Spaziergänger in die Löcher reintritt, dürfte das zumindest ziemlich wehtun. Ich könnte mir auch gut gebrochene Beine vorstellen. Auch die kleinen Igel oder sonstiges Getier, die da reinplumpsen und über tage hinweg jämmerlich verrecken, nee... Sorry, aber diejenigen, die das hinterlassen haben, haben voll einen an der Waffel.

6   |  1     Login für Vote
09.08.2019, 16.30 Uhr
Rainer H. | Schatzsucher, wer räumt auf?
Unsere Wälder leiden momentan durch die lange Trockenheit und dann wir denen die es noch halbwegs geschafft haben das Wasser abgegraben, oder die Bäume werden mit Erdraum angeschoben, was auch nicht vorteilhaft ist. Man gut das es da noch Politiker gibt, die auch was unternehmen. Die meisten wollen ja am liebsten nur Blumensträuße überreichen.

4   |  0     Login für Vote
09.08.2019, 17.45 Uhr
Jäger53 | Lk Nordhausen ( Kohnstein)
Kann denn am Kohnstein jeder Löcher bohren die Lebensgefährlich sind und dann noch auf lassen.
Gibt es kein Büro das ab und zu Kontrollen durch zu führen hat. Wer ist verantwortlich wenn Kinder oder andere Personen dort zu schaden kommen. Irgend jemand kassiert für solche nicht durchgeführten Kontrollen bestimmt jeden Monat seinen schwer erarbeitenden Lohn.

5   |  0     Login für Vote
09.08.2019, 20.13 Uhr
ceasa2018 | Alles für die Umwelt
man traut sich bald kein Furz mehr zu lassen weil man Angst haben muß zuviel CO2 aus zustoßen,nicht das dafür noch Steuern verlangt werden,
da darf einfach gebohrt und gesprengt werden und dann nicht mal den Arsch in der Hose haben,Stellung zu beziehen,alles für die Umwelt.
Am Schluß sind dann wieder die bösen Autofahrer schuld,
na dann auf eine gute CO2 - und Fleischsteuer.Willkommen im Umwelt freundlichen Deutschland

3   |  2     Login für Vote
09.08.2019, 20.13 Uhr
Norbert | Bohrlöcher
... sind ja nun spätestens durch Spanien und Julen im Januar diesem Jahres als Lebensgefahr bekannt. Muss hier erst auch noch ein 2 jähriges Kind hinein fallen bevor hier die Politik durchgreift, ich meine damit nicht nur das Verfüllen oder Fotografieren sondern vielmehr das harte Durchgreifen gegen "Schwarzbohrer" die ihre Löcher dort so hinterlassen!

4   |  1     Login für Vote
09.08.2019, 22.51 Uhr
pitti7 | ???
..."Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie"...
oder ist hier eher das tlubn zuständig? schließlich geht es hier nicht um ausbrabungen, sondern um die beschaffenheit im erdreichuntergrund,eine anzeige wäre meines erachtens angebracht!

1   |  0     Login für Vote
10.08.2019, 08.52 Uhr
Andreas Dittmar | Myten
Wurden Kunstschätze damals kurz vor Kriegsende nicht in Kalischächten wie zB. Merkers und auch Bernterode Schacht eingelagert ? Denkbar wäre, dass man anschließend den Eingang zu so einer Strecke einfach verfüllt hat. Macht man ja heute auch mit der Technik, die man dort unten nicht mehr benötigt. Das legendäre Bersteinzimmer im Kohstein zu finden, ist doch eher unwahrscheinlich. Es könnte auch sein, dass es Königsberg nie verlassen hat und bei den Kämpfen zerstört wurde.

1   |  1     Login für Vote
10.08.2019, 08.54 Uhr
AktenzeichenXY | ceasa2018
Das was Sie, bzw. die Firma da oben macht, ist weitaus mehr als ein kleiner Furz!
Aber "herunterspielen, oder verharmlosen" war schon immer eure Stärke!

1   |  0     Login für Vote
10.08.2019, 09.25 Uhr
Klaus Pfand | Eine Schande wie mit unserer Natur umgegangen wird.
Als alter Salzaer bin ich geschockt und voran gegangene Kommentare treffen meine Meinung. Die Naturverbundenheit vieler Salzaer, insbesondere des Heimatvereins lässt solche irre Unternehmungen erschauern. Ich drücke den Wandern die Daumen, dass niemand Schaden erleitet. Den alten Zustand kann man ja sowieso nicht wieder herstellen, aber eine Absicherung der Gefahrenstellen muss umgehend erfolgen.
Danke Steffen Iffland das du die Schande wieder aufgegriffen hast.

1   |  0     Login für Vote
10.08.2019, 09.32 Uhr
Frank Paarmann | Schlamperei
Eine große Schlamperei, wie wenig die zuständigen Behörden auch in diesem Fall, mal wieder ihrer Aufsichtspflicht nachkommen.

1   |  0     Login für Vote
10.08.2019, 09.54 Uhr
Sonntagsradler 2 | Tja so ist das nun mal mit den Behörden.
Ohne schriftliche Anträge und Genehmigung geht nichts in diesen Land.
Jetzt wird bestimmt erst einmal nachgeforscht Behörde überhaupt für diesen Sachverhalt zuständig ist.
Dan werden Berichte geschrieben und geprüft. Weiterhin mus eine Ratsversammlung einberufen werden die über das weitere Vorgehen berät und absegnet. Das Versammlungsprotokol wierd geprüft und die anstehenden Kosten berechnet was zur folge hat das die kostenvoranschläge wiederumgebrüft werden müssen.
Es wollen doch alle was dran verdienen.
Es kommt wie es kommen muss! Die Löcher werden uns mindestens 1 Jahr erhalten bleiben.

3   |  0     Login für Vote
10.08.2019, 11.25 Uhr
Andreas Dittmar | Ergänzung zum ersten Kommentar
Allein die Historie des Kohnstein und der Respekt vor den vielen Tausend Menschen, die in unmittelbarer Nähe durch Zwangsarbeit und Gewalt zu Tode kamen, sollte dem gesunden Menschenverstand die "Schatzsuche" dort verbieten. Das sollte sich auch die genehmigende Behörde hinter die Ohren schreiben.

6   |  2     Login für Vote
19.08.2019, 21.11 Uhr
Berserkertom63 | Bernsteinzimmer
Es wurde verbrannt in den Kellerräumen von Schloss Königstein durch einen unglücklichen Zwischenfall sowjetischer Truppen. Sie hielten es für NS Kriegsmaterial. Somit existiert es im original bewiesenermaßen nicht mehr! Was für ein Verlust. Bewiesen!!! Soldaten der Sowjetunion waren nur von ihren Kommandeuren abhängig , nun taten sie aus Versehen dies...

1   |  0     Login für Vote
20.08.2019, 08.44 Uhr
sarkaso | @Berserkertom
Und Indiana Jones hat den heiligen Gral im Schatzhaus zu Petra gefunden. Bewiesen!

0   |  0     Login für Vote
→ Kommentar hinzufügen



Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.

 
Wir verwenden Cookies um die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren und geben hierzu Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an Partner weiter. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Impressum und der Datenschutzerklärung.