Mo, 22:57 Uhr
11.04.2005
Erinnern gegen das Vergessen
Nordhausen (nnz). Es darf kein Schlußstrich unter den NS-Verbrechen gezogen werden. Auch nach 60 Jahren ist Erinnern wichtig. Heute leisteten noch einmal die Überlebenden einen Beitrag. nnz mit Eindrücken der Gedenkfeier.
Erinnern gegen das Vergessen (Foto: nnz)
Nein, ich träume nicht. Damit beginnt Albert van Hoey seine Ansprache. Der 81 jährige Vorsitzende des Häftlingsbeirates des KZ-Außenlager freut sich, noch erleben zu dürfen, wie das neue Dokumentations- zentrum eingeweiht wurde. Dieses Glück war nur noch wenigen vergönnt. Die Überlebenden sterben langsam aus und können niemandem mehr von ihrem entsetzlichen Schicksal erzählen. Albert van Hoey und einige seiner Kameraden berichten noch einmal. Viele junge und alte Menschen hörten ihnen zu.
Gedenkstättenleiter Dr. Jens-Christian Wagner äußerte seine Freude darüber, daß noch einmal 200 ehemalige Gefangene von Dora den Weg hierher gefunden haben. Manche wünschen sich nach dem 60. Jahrestag einen Schlußstrich zu ziehen, aber das darf nicht geschehen. Unser Museumsneubau ist ein wichtiges Zeichen für die Zukunft, daß die wache Auseinandersetzung mit den Verbrechen auch von den folgenden Generationen fortgeführt werden kann. Sagte Wagner in seiner Eröffnungsrede.
Thüringens Sozialminister Dr. Klaus Zeh warnte davor, daß sich dieser Schrecken wiederholen könnte, wenn die Geschehnisse vergessen oder verharmlost werden. Dieser Teil der Geschichte, diese schmerzlichen Erinnerungen müssen wach gehalten werden, grade im Interesse der Jugend sagte er . Der Ort Mittelbau-Dora müsse deshalb von einem Ort der Hoffnungslosigkeit zu einem Ort der Hoffnung werden. Dazu solle das Lern- und Dokumentationszentrum ein Baustein werden.
Nur eine Nummer sein, damit kein Mensch mehr, nur noch ein abgezählter Arbeitssklave, das war das Schlimmste. Egal welche Nationalität die Häftlinge haben, dieses Vorgehen fanden alle besonders entwürdigend. Vor der Kranzniederlegung sprachen sie darüber.
Nicht nur das Dokumentationszentrum wurde eingeweiht, jedoch ohne eine fertige Dauerausstellung. Auch ein Geländemodell des ehemaligen KZ konnte enthüllt werden. In Zusammenarbeit mit der U.S. Commission for the Preservation of America`s Heritage Abroad und einer Spende vom Bruce und Amy Epstein.
Zahlreiche Besucher nutzten am nachmittag die Chance das neu errichtete Museumsgebäude zu entdecken. Im Kinosaal wurden historische Filme aus den Tagen der Befreiung gezeigt. Bisher unveröffentlichte Zeitzeugenberichte können eingesehen werden. Sie sollen später die Aufgaben der Überlebenden übernehmen und dieses Geschichtskapitel unvergessen machen.
Am Abend durften sich die ehemaligen Häftlinge in Goldene Buch der Stadt Nordhausen eintragen. Auch Kinder und Enkel durften für ihre toten Angehörigen unterschreiben. Albert van Hoey schlug vor, neben Name und Unterschrift auch die eigene Häftlingsnummer zu notieren. Sie sei ein Teil der eigenen Identität, auch lange nach der Befreiung. Ein Stück Identität ist auch das Lied von den Moorsoldaten. Ich glaube, das war für uns alle der Höhepunkt dieses Abends. Sagte Albert van Hoey gerührt, bevor er sich ins Goldene Buch eintrug.
Morgen werden die Häftlinge nach Uftrugen fahren. In der Heimkehle mußten einige von ihnen Zwangsarbeit für den Junkers Konzern leisten. Am Abend wird im Theater ein französischsprachiges Stück über die Zwangsarbeit in Mittelbau-Dora aufgeführt. Der Eintritt ist frei.
Autor: wf
Erinnern gegen das Vergessen (Foto: nnz)
Nein, ich träume nicht. Damit beginnt Albert van Hoey seine Ansprache. Der 81 jährige Vorsitzende des Häftlingsbeirates des KZ-Außenlager freut sich, noch erleben zu dürfen, wie das neue Dokumentations- zentrum eingeweiht wurde. Dieses Glück war nur noch wenigen vergönnt. Die Überlebenden sterben langsam aus und können niemandem mehr von ihrem entsetzlichen Schicksal erzählen. Albert van Hoey und einige seiner Kameraden berichten noch einmal. Viele junge und alte Menschen hörten ihnen zu. Gedenkstättenleiter Dr. Jens-Christian Wagner äußerte seine Freude darüber, daß noch einmal 200 ehemalige Gefangene von Dora den Weg hierher gefunden haben. Manche wünschen sich nach dem 60. Jahrestag einen Schlußstrich zu ziehen, aber das darf nicht geschehen. Unser Museumsneubau ist ein wichtiges Zeichen für die Zukunft, daß die wache Auseinandersetzung mit den Verbrechen auch von den folgenden Generationen fortgeführt werden kann. Sagte Wagner in seiner Eröffnungsrede.
Thüringens Sozialminister Dr. Klaus Zeh warnte davor, daß sich dieser Schrecken wiederholen könnte, wenn die Geschehnisse vergessen oder verharmlost werden. Dieser Teil der Geschichte, diese schmerzlichen Erinnerungen müssen wach gehalten werden, grade im Interesse der Jugend sagte er . Der Ort Mittelbau-Dora müsse deshalb von einem Ort der Hoffnungslosigkeit zu einem Ort der Hoffnung werden. Dazu solle das Lern- und Dokumentationszentrum ein Baustein werden.
Nur eine Nummer sein, damit kein Mensch mehr, nur noch ein abgezählter Arbeitssklave, das war das Schlimmste. Egal welche Nationalität die Häftlinge haben, dieses Vorgehen fanden alle besonders entwürdigend. Vor der Kranzniederlegung sprachen sie darüber.
Nicht nur das Dokumentationszentrum wurde eingeweiht, jedoch ohne eine fertige Dauerausstellung. Auch ein Geländemodell des ehemaligen KZ konnte enthüllt werden. In Zusammenarbeit mit der U.S. Commission for the Preservation of America`s Heritage Abroad und einer Spende vom Bruce und Amy Epstein.
Zahlreiche Besucher nutzten am nachmittag die Chance das neu errichtete Museumsgebäude zu entdecken. Im Kinosaal wurden historische Filme aus den Tagen der Befreiung gezeigt. Bisher unveröffentlichte Zeitzeugenberichte können eingesehen werden. Sie sollen später die Aufgaben der Überlebenden übernehmen und dieses Geschichtskapitel unvergessen machen.
Am Abend durften sich die ehemaligen Häftlinge in Goldene Buch der Stadt Nordhausen eintragen. Auch Kinder und Enkel durften für ihre toten Angehörigen unterschreiben. Albert van Hoey schlug vor, neben Name und Unterschrift auch die eigene Häftlingsnummer zu notieren. Sie sei ein Teil der eigenen Identität, auch lange nach der Befreiung. Ein Stück Identität ist auch das Lied von den Moorsoldaten. Ich glaube, das war für uns alle der Höhepunkt dieses Abends. Sagte Albert van Hoey gerührt, bevor er sich ins Goldene Buch eintrug.
Morgen werden die Häftlinge nach Uftrugen fahren. In der Heimkehle mußten einige von ihnen Zwangsarbeit für den Junkers Konzern leisten. Am Abend wird im Theater ein französischsprachiges Stück über die Zwangsarbeit in Mittelbau-Dora aufgeführt. Der Eintritt ist frei.

