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Mi, 10:00 Uhr
03.07.2019
Vater und Sohn entwickeln Wildwarner

Wildunfälle, Innovationen und der Landesjagdverband

Jährlich, besagt die Statistik, verletzen sich in Deutschland zwischen 2000 und 3000 Menschen bei Wildunfällen. Bis zu 1000 von ihnen werden schwer verletzt, zehn bis zwanzig sterben. Um die 250000 Unfälle Jahr für Jahr mit Wild. Schadenssumme: Bis zu 700 Millionen Euro. Zwei Nordhäuser hätten ein effektives Mittel dagegen, doch der zuständige Jagdverband bewegt sich nicht...

Foto: GoranH/pixabay.com

Niedersachswerfen. Um solche Unfälle zu vermeiden, werden beispielsweise Drahtzäune und Duftbarrieren an Wildwechseln installiert oder Leitpfosten am Straßenrand mit Wildwarnern bestückt. Deren Prismenoberfläche reflektiert das Scheinwerferlicht und soll das Wild abschrecken. Das funktioniert aber nur bei Dämmerung und Dunkelheit.

Martin Drochelmann und Sohn Janek tüftelten jahrelang an einer wirkungsvolleren Lösung. 250 000 Euro investierten die Geschäftsführer der Gummiformteile GmbH in Niedersachswerfen bisher in ihre Forschungen. Heraus kam ein Wildwarngerät für den Tag -und Nacht-Einsatz. Genial, sagen Experten, übertreffe es doch alle bisherigen Produkte.

Ein hochsensibles integriertes Mikrofon erfasst die Motor -und Abrollgeräusche sich nähernder Fahrzeuge schon auf relativ großer Entfernung, wodurch ein hoch frequentierter Pfeifton ausgelöst wird. Der ist variabel ausgelegt, um Gewöhnungseffekte beim Wild zu vermeiden. Ferner sorgen helle LED-Lichtblitze für zusätzliche Abschreckung. Gleichzeitig wird ein Datensignal an weitere Wildwarn-Geräte im Umkreis ausgelöst, die ebenfalls ein akustisches Signal absetzen.

Für diese Erfindung, den optisch-akustischen Wildwarner, wurde das Unternehmen im Vorjahr mit der Nominierung für den Innovationspreis in der Kategorie „Licht und Leben“ der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen gewürdigt. Innovationen, betont die Stiftung, seien keine Zufallsprodukte, vielmehr das Ergebnis kontinuierlicher zielstrebiger Forschung. Das Produkt, so die Jury, sei von hohem praktischem Nutzen.

Martin und Janek Drochelmann, Geschäftsführer der Gummiformteile GmbH, entwickelten ein effektives Wildwarngerät. Gespannt warten sie auf eine Antwort des Thüringer Landesjagdverbandes und seines Geschäftsführers Herrmann. Foto: Kurt Frank

Der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt ist begeistert. Im Oktober des Vorjahres brachte man in Zentren des Wildwechsels auf vier Teststrecken die Geräte wechselseitig an Straßenleitpfosten an. Die Signale ergehen nach Annäherung eines Autos rechts und links der Straße in den Wald. Das Wild, zeigten Filmaufnahmen eindrucksvoll, verharre, bliebe stehen, weiche zurück und vermeide es, auf die Fahrbahn zu springen. Bis zum heutigen Tag meldete dort die Polizei auf der Teststrecke zwei Unfälle mit Wildtieren, die Jägerschaft neun. Eine Reduktion um 90 Prozent.

Die Teststrecke in Österreich belegt das Ergebnis nachhaltig: Unter anderem registrierte man an die 50 Unfälle mit Rehen in einem Waldgebiet pro Jahr. Jetzt sind es dort nur noch zwei. Großes Interesse signalisierte auch der Landesjagdverband Niedersachsen. Im August, freuen sich Vater und Sohn, richtet er eine Teststrecke ein und verspricht sich ähnlich gute Erfolge wie in Sachsen-Anhalt und Österreich.

Was meinen das Land Thüringen und sein Landesjagdverband? Martin Drochelmann kontaktierte die Ministerin für Landwirtschaft und Forsten, Birgit Keller. Sie verwies ihn an den Landesjagdverband, der dafür zuständig sei. Drochelmann informierte den Geschäftsführer Frank Herrmann und sandte ihm die Unterlagen zu. Herrmann will sie prüfen und antworten. Die aber steht noch aus. Für das Forscherteam ist diese Zögerlichkeit enttäuschend. Zwar koste ein Gerät 120 Euro, sein Nutzen aber mache die Ausgaben mehr als wett.

Senior Drochelmann geht selbst auf Jagd. Janek tritt in die weidmännischen Fußstapfen des Vaters. Sie wissen um die Gefahren, die Unfälle mit Wild aller Art verursachen können. Tendenz: steigend! Mit ihrer Erfindung wollen sie Leid, Kummer und Schmerz von Mensch und Tier vermeiden helfen. Die Gummiformteile GmbH ist auch im Jagdgeschäft tätig, produziert, was die Grünröcke alles so brauchen. Vertreten ist man auch auf internationalen Ausstellungen, so in Nürnberg.

Mit Spannung warten nun die Geschäftsführer, was der Landesjagdverband Thüringen sagen wird. Überhört er die Signale? Was meint der Agrar -und Jagdexperte, Landtagsabgeordneter Egon Primas? Ihm ist, wir berichteten, doch besonders am Wohl von Hirsch, Reh und Co. gelegen. Immerhin ereignet sich alle zwei Minuten auf deutschen Straßen ein Unfall mit einem Reh, Wildschwein oder anderen Wildtieren. Zu 90 Prozent verenden diese bei Zusammenstößen.
Kurt Frank


Wildwarner vorgestellt
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