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Mo, 22:03 Uhr
25.03.2019
Wing-Tsun-Lehrer Tobias Rödiger spricht im Frauennetzwerk

Selbstverteidigung ist Selbstverantwortung

Irgendwie hatte ich gleich so ein seltsames Gefühl, als … – Jede Frau kennt die täglichen Situationen: Allein in die Tiefgarage? Der längere Weg um den Park? Steht dort jemand? Zu viele Frauen kennen die Grenzsituationen: das anzügliche Pöbeln, die plötzliche Hand auf dem Knie, das Antatschen in Supermarkt oder Bahn. Und jedes Opfer von Gewalt ist eines zu viel...


Knapp 114 000 Frauen wurden 2017 laut Bundeskriminalamt Opfer von häuslicher Gewalt, auch mit Todesfolge. (Oder wie der Deutschlandfunk zu Recht verstörend thematisiert: „Jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann, seine Partnerin zu töten; an jedem dritten Tag gelingt es.“)

Gewalttaten außerhalb des häuslichen Bereichs kommen hinzu – jede dritte Frau weltweit wird Opfer physischer wie psychischer Gewalt. Die Zahlen nehmen nicht ab, auch wenn wir erfreulicherweise offenere Debatten darüber führen.

Gefährliche Situationen entstehen nicht aus dem Nichts. In der Mehrzahl kündigen sie sich bei uns an, oft mit dem „seltsamen Gefühl“, das nicht nur Unbehagen ist, sondern Angst. Diese Angst ist unsere Intuition und sie schützt uns unter Umständen vor Übergriffen. Unbewusst oft nehmen wir entsprechende Signale wahr, den „universellen Code für Gewalt“, sagt Sicherheitsexperte de Becker (Vertraue deiner Angst, mvg Verlag). Und man kann lernen, diesen Code zu entziffern. Entziffern allein aber genügt nicht.

Wie man sich für einen Ernstfall rüstet, weiß Tobias Rödiger, Wing-Tsun-Lehrer und Gründer der EWTO Schule Nordhausen, dessen Schwerpunkt Selbstverteidigung ist und der dort Kurse auch speziell für Frauen und Kinder anbietet. Der eigenen Intuition zu vertrauen, ist lediglich ein erster Schritt. „Es gilt, die Kontrolle über die Situation zu haben und auch zu behalten“, sagt Tobias Rödiger. Gerade Frauen jedoch fällt es oft schwer, rechtzeitig in Schranken zu weisen, laut Aufmerksamkeit zu erzeugen, Hilfe einzufordern, selbstsicher aufzutreten und nicht zuletzt, sich zu wehren.

„Die Gefahren sind real und präsent“, so Rödiger. „Man muss sich auf sie vorbereiten, die Verantwortung übernehmen. Wie im Straßenverkehr. Da schaue ich nach rechts und links bevor ich die Straße überquere, auch wenn ich selbst noch keinen Unfall hatte.“

Was ich im Ernstfall tun kann oder auch MUSS, lernt man bei ihm: wie beuge ich vor, wie deeskaliere ich, wie und auch wann schlage ich zu. „Wir dürfen uns wehren und wir können uns wehren!“, mein Tobias Rödiger. Auch als vermeintlich schwache Frau. „Doch wir benötigen Wissen und Übung, um in Extremsituationen gezielt und sicher handeln zu können.“ Wichtig ist dann Wissen um Distanzen (wie nah darf der Angreifer), um physikalische Gegebenheiten (wie stehe ich richtig und sicher), die Physiologie des Körpers (welches Körperteil muss ich wie Treffen, um den Angreifer auszuschalten) et cetera.

All das und mehr ist Thema beim Frauennetzwerk Nordhausen, das Sie herzlich einlädt zum Vortrag von Tobias Rödiger: #MeToo – Beitrag gelöscht. Wie präsent sind Gefahren für Frauen? Am 28. März 2019, 18:30 Uhr, in der Stadtbibliothek Nordhausen.
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Kommentare

26.03.2019, 00.47 Uhr
Bodo Schwarzberg | Selbstverteidigung ist auch ein Geschäft...
...mit durchaus überwiegend positiven Ergebnissen für unser aller Sicherheit. Dennoch aber spielen die Anbieter von Selbstverteidigungskursen aus rein geschäftlichen Gründen auch gern mit den sorgsam medial gehätschelten Ängsten der Bürger.

So ist es doch längst Ritus, dass

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26.03.2019, 01.03 Uhr
Bodo Schwarzberg | Selbstverteidigung ist überwiegend ein Geschäft, ...
...das so gar nicht dem (gelebten) Mainstream entspricht. Denn dieser beinhaltet doch eher Bequemlichkeit und nicht unbedingt mehr körperliche Bewegung, oder gar Körperbeherrschung.

Dennoch ist es erfreulich, dass sich immer mehr Menschen der Selbstverteidigung zuwenden. Die Argumente, mit denen Veranstalter versuchen, deren Motivation zu befördern, beruhen vor allem auf Ängsten. Auf Ängsten vor Gewalt und Unkontrollierbarkeit des eigenen Handelns in Extremsituationen.

Wenn diese Werbung dazu führt, dass mehr Menschen, als gewohnt, den eigenen Körper mit ihrem Bewusstsein vereinen, wäre schon viel gewonnen.

Denn das erzeugt Selbstsicherheit, Resilienz, Ausgeglichenheit. Andererseits stimmt es nicht, dass unser Gemeinwesen immer unsicherer wird. Hier hauen die Werbestrategen mächtig auf die Kacke.

Gewalttaten gehen weiterhin deutlich zurück. Die Medien erzeugen, wohl auch gepuscht durch die Ausländerproblematik, vielfach Fakenews, künstliche Ängste, die zu mehr Klicks, Werbeeinnahmen und letztlich zu mehr Teilnehmern für Selbstverteidigungskurse führen.

Unter dem Strich bin ich aber eindeutig für die Selbstverteidigungsindustrie, der körperlichen und "seelischen" Bedeutung wegen, der Achtung sich selbst und anderen gegenüber.

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27.03.2019, 07.23 Uhr
Herr Fröhlich | "Staatssicherheit"
Es geht doch in dieser "Werbung" nicht primär um Körperertüchtigung, sondern, dass mit den realen Ängsten von Frauen Geld verdient wird. Außerdem wird auf die Art "Sicherheit" suggeriert, die es de facto nicht gibt. Gegen einen bewaffneten Gewaltverbrecher helfen nur schnelle Beine, - die sollte man trainieren. Genauso, wie man Selbstverteidigung zum Schutz für Leib und Leben anpreist, könnte man sich auch für den freien Verkauf von Schußwaffen einsetzen.

Wäre es nicht sinnvoller, den "grauen Klumpen" zu aktivieren und sich die Frage zu stellen "Warum müssen u. a. Frauen in Deutschland Angst haben, wenn sie unüberschaubare Örtlichkeiten passieren?" Könnte die Antwort möglicherweise sein, dass dieser nahezu in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens abgewirtschaftete Staat die Sicherheit seiner Bürger nicht mehr nennenswert garantieren kann?

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27.03.2019, 13.11 Uhr
Wolfi65
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