Mo, 19:36 Uhr
17.09.2001
"Wir wollen hier arbeiten"
Nordhausen (nnz). Betriebsversammlung bei Reemtsma - eine Woche nach Bekanntgabe der Beschließung in Nordhausen. Die rund 230 Mitarbeiter hatten sich Gewerkschafter und kommunale Spitzenpolitiker eingeladen. nnz hat zugehört.
Es war wie ein Schock für Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD), als sie vor einer Woche von der Aufgabe des Standortes in Nordhausen erfuhr. Daß sie als Stadtoberhaupt erst aus dem Radio davon hören musste, das zeige, wie das Hamburger Unternehmen an Nordhausen interessiert sei. Von der einst so viel gepriesenen großen Familie sei nicht mehr viel übrig geblieben. Der Standort mit seiner Tradition und seiner Effektivität darf nicht aufgegeben werden, aber es wird schwierig sein, sich durchzusetzen, so Rinke und erinnerte an den erfolglosen Besuch von Thüringens Wirtschaftsminister Franz Schuster in Hamburg. Als Stadt werde man natürlich alles unterstützen, was den Standort an der Straße der Genossenschaften erhalten könnte.
Dem pflichtete auch Landrat Joachim Claus (CDU) bei. Er erinnerte noch einmal an die Übergabe des einstigen DDR-Betriebes an den Hamburger Konzern, aus dem einstigen Vorzeigobjekt sei nun - nach Wegfall der Förderungen - eine zu vernachlässigende Größe geworden. Die Schließung dieses Unternehmens würde nicht nur der Stadt und dem Landkreis Schaden zufügen, sondern über die Region hinweg negative Auswirkungen haben. Auch er als Landrat, der Kreistag sowie die Kreisverwaltung würden den Kampf für einen der wenigen wirtschaftlichen Leuchttürme des Landkreises Nordhausen mit aufnehmen und mit allen Möglichkeiten unterstützen. Von der Aufgabe des Reemtsma-Standortes sind nach nnz-Recherchen 54 Unternehmen mittel- oder unmittelbar betroffen. Eine entsprechende Liste liegt der Redaktion vor. Darin finden sich nicht nur kleine und mittlere Betriebe aus der Region um Nordhausen, sondern auch Unternehmen aus den anderen Landkreisen Nordthüringen.
Bis zum Samstag sollen sich die Mitarbeiter des Unternehmens nun Gedanken machen, wie und mit welchen Mitteln sie für den Erhalt dieses Standortes etwas tun wollen. Am Wochenende soll sich eine Krisengruppe in den Räumen des DGB treffen, um erste Maßnahmen abzustecken und zu organisieren. Großen Beifall fand der Vorschlag von Barbara Rinke, vor allem dem Image des Konzerns zu schaden. Dort seien die Global-Player am empfindlichsten zu treffen. Wir wollen mit unseren Familien nach Hamburg fahren, um dort vor der Zentrale zu demonstrieren rief eine Mitarbeiterin aus. Da Reemtsma sehr eng mit der Tschibo-Gruppe und der Beiersdorf AG verbunden ist, wurde zum Boykott des entsprechenden Kaffee und von Nivea-Creme aufgerufen. Einig wurde man sich darüber, daß man nur mit bundesweiten Aktionen Aufsehen erregen können. Am Wochenende sollen erste Ergebnisse auf dem Tisch liegen.
Autor: nnz
Es war wie ein Schock für Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD), als sie vor einer Woche von der Aufgabe des Standortes in Nordhausen erfuhr. Daß sie als Stadtoberhaupt erst aus dem Radio davon hören musste, das zeige, wie das Hamburger Unternehmen an Nordhausen interessiert sei. Von der einst so viel gepriesenen großen Familie sei nicht mehr viel übrig geblieben. Der Standort mit seiner Tradition und seiner Effektivität darf nicht aufgegeben werden, aber es wird schwierig sein, sich durchzusetzen, so Rinke und erinnerte an den erfolglosen Besuch von Thüringens Wirtschaftsminister Franz Schuster in Hamburg. Als Stadt werde man natürlich alles unterstützen, was den Standort an der Straße der Genossenschaften erhalten könnte.Dem pflichtete auch Landrat Joachim Claus (CDU) bei. Er erinnerte noch einmal an die Übergabe des einstigen DDR-Betriebes an den Hamburger Konzern, aus dem einstigen Vorzeigobjekt sei nun - nach Wegfall der Förderungen - eine zu vernachlässigende Größe geworden. Die Schließung dieses Unternehmens würde nicht nur der Stadt und dem Landkreis Schaden zufügen, sondern über die Region hinweg negative Auswirkungen haben. Auch er als Landrat, der Kreistag sowie die Kreisverwaltung würden den Kampf für einen der wenigen wirtschaftlichen Leuchttürme des Landkreises Nordhausen mit aufnehmen und mit allen Möglichkeiten unterstützen. Von der Aufgabe des Reemtsma-Standortes sind nach nnz-Recherchen 54 Unternehmen mittel- oder unmittelbar betroffen. Eine entsprechende Liste liegt der Redaktion vor. Darin finden sich nicht nur kleine und mittlere Betriebe aus der Region um Nordhausen, sondern auch Unternehmen aus den anderen Landkreisen Nordthüringen.
Bis zum Samstag sollen sich die Mitarbeiter des Unternehmens nun Gedanken machen, wie und mit welchen Mitteln sie für den Erhalt dieses Standortes etwas tun wollen. Am Wochenende soll sich eine Krisengruppe in den Räumen des DGB treffen, um erste Maßnahmen abzustecken und zu organisieren. Großen Beifall fand der Vorschlag von Barbara Rinke, vor allem dem Image des Konzerns zu schaden. Dort seien die Global-Player am empfindlichsten zu treffen. Wir wollen mit unseren Familien nach Hamburg fahren, um dort vor der Zentrale zu demonstrieren rief eine Mitarbeiterin aus. Da Reemtsma sehr eng mit der Tschibo-Gruppe und der Beiersdorf AG verbunden ist, wurde zum Boykott des entsprechenden Kaffee und von Nivea-Creme aufgerufen. Einig wurde man sich darüber, daß man nur mit bundesweiten Aktionen Aufsehen erregen können. Am Wochenende sollen erste Ergebnisse auf dem Tisch liegen.

