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So, 18:39 Uhr
03.03.2019
IWH-Studie mit nur "geringem Neuigkeitswert"

Aufbau Ost braucht langen Atem

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sieht in der heute bekannt gewordenen Studie des IWH Halle zur unterschiedlichen Produktivität in Ost- und Westdeutschland einen nur „geringen Neuigkeitswert“....

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„Der Befund ist nicht neu, und die vorgeschlagenen Rezepte sind überwiegend längst bekannt und teilweise wenig hilfreich“, sagte Tiefensee.

„Wer wirtschaftliche Entwicklung nur am Durchschnitt Ost gegen Durchschnitt West misst, wer nur auf Bruttoinlandsprodukt und Produktivität schaut, blendet wichtige andere Parameter aus." Zudem würden wieder einmal willkürliche Trennlinien gezogen. „Wenn man Nord- und Süddeutschland miteinander vergleichen würde, erhielte man sicher einen ganz ähnlichen Befund. Trotzdem käme niemand auf die Idee, den Norden als wirtschaftlich abgehängt einzustufen.“ Gerade Thüringen habe bei vielen Indikatoren – Industriearbeitsplatzbesatz, Beschäftigungsquote, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit – inzwischen eine Reihe von westdeutschen Ländern hinter sich gelassen.

Das IWH Halle hat für die Wirtschaft im Osten Deutschlands eine rund 20 Prozent niedrigere Produktivität als in westdeutschen Bundesländern ermittelt. Als Lösung schlagen die Wirtschaftsforscher insbesondere vor, finanzielle Förderung von den ländlichen Räumen noch stärker auf die Städte und Zentren umzulenken. „Das sind Vorschläge vom wirtschaftstheoretischen Reißbrett, die in der Praxis kaum helfen“, kritisierte der Thüringer Wirtschaftsminister.

Ganze Landstriche links liegen zu lassen, sei für ihn keine Option, machte Tiefensee deutlich. „Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht, die Investitions- und Forschungsförderung dort zu konzentrieren, wo die Unternehmen und Forschungseinrichtungen beheimatet sind, nämlich in Clustern im ländlichen Raum genauso wie in den Städten.“

Jena, Hermsdorf, das Erfurter Kreuz oder die Industrieregion Südthüringen erfüllen längst die Lokomotivfunktion. „Wir befolgen den Ratschlag des IWH nicht, weil wir die jetzt noch strukturschwächeren Regionen nicht von der Entwicklung abkoppeln wollen.“ Andere Vorschläge der Hallenser Wirtschaftsforscher seien dagegen längst praktizierte Realität, so der Minister weiter: „Thüringen hat in seiner Wirtschaftsförderung längst vom Ziel der Schaffung neuer Arbeitsplätze auf das Ziel höherer Produktivität der Unternehmen umgestellt.“

Die eigentlichen Gründe für die nach wie vor geringere Produktivität im Osten Deutschlands sieht der Wirtschaftsminister vor allem in kleineren Betriebsgrößen, dem Fehlen von Kornzernzentralen und Forschungseinheiten sowie in der demografischen Entwicklung im Land. „Das alles sind Themen, an denen wir längst intensiv arbeiten – bei denen sich aber Erfolge nur langfristig einstellen werden“, so Tiefensee. „Die Überwindung von 40 Jahren deutscher Teilung braucht nun einmal einen langen Atem.“

Immerhin: Mit Ansiedlungen wie der des chinesischen Batteriezellenherstellers CATL in Thüringen oder der Verlegung des europäischen Hauptsitzes des japanischen Turbolader-Spezialisten IHI Charging Systems International in den Freistaat sei das Land in den letzten Monaten große Schritte in diese Richtung gegangen. Künftig seien weiterhin auch Ansiedlungen von Forschungseinrichtungen des Bundes – wie etwa der geplanten Batterieforschungseinrichtung – im Osten Deutschlands notwendig.

„Hier gibt es immer noch großen Nachholbedarf“, so Tiefensee. Mit Blick auf die demografische Entwicklung und den daraus resultierenden Fachkräftemangel plant Thüringen für die Zukunft eine gezieltere Anwerbung ausländischer Fachkräfte.

„Und natürlich brauchen wir auch bei den Löhnen und Gehältern weiter eine deutliche Aufwärtsbewegung. Wer Fachkräfte halten und neue gewinnen will, der muss sie vernünftig bezahlen.“ Das alles wirke nicht über Nacht, und das sei auch nie seine Erwartung gewesen, so Tiefensee: „Aber ich bin überzeugt: Wir sind auf einem guten Weg. Langfristig werden sich die Erfolge einstellen.“
Autor: ik

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Kommentare
geloescht.20221110
03.03.2019, 21:06 Uhr
Tiefensees langer Atem..
Was der Herr Minister nicht erwähnt - ist die "verbrecherische" Tätigkeit der "Treuhand".

"Bischofferodes Gruben wurden geflutet und damit Kalisalz im Wert von heute rund 3,5 Mrd. Euro unbrauchbar gemacht - "Nordthüringen könnte reich sein", heißt es in dem dramatischen, zurückhaltend erzählten Dokumentarfilm von Dirk Schneider, in dem ehemalige Kumpel, Spitzenpolitiker und Treuhand-Vertreter sowie historische und aktuelle Aufnahmen die verheerende, undemokratisch bis illegale Privatisierungspolitik der Treuhand beschreiben."

https://www.piqd.de/reportagen/das-treuhand-trauma-von-bischofferode

Bischofferode ist nur ein Beispiel - von sehr, sehr vielen!
geloescht.20250302
04.03.2019, 07:37 Uhr
Die Treuhand ist unschuldig!
Der Osten ist und war wirtschaftlich immer Mist. Sagt zumindest ein gewisser Ex-Beauftragter Schwanitz: Bitte googlen: "War die Treuhand an der Ost Misere Schuld?"

Ist klar, alles barmherzige Sameriter*Innen um Breuel & Co.
Fönix
04.03.2019, 09:41 Uhr
Ich habe eine Frage die "Experten"
des IWH in Halle:

Dürfen wenigstens die Friseure in den ländlichen Regionen bleiben? Wenn niemand den Landwirten die Haare schneidet, finden diese irgendwann mangels Sicht keine Kartoffeln mehr!

Mal im Ernst: Das sind doch olle Kamellen, nannte sich vor 20 Jahren "Leuchtturmförderung" und ist auch gewaltig nach hinten losgegangen.

Immer das gleiche Spiel: Wenn die große Politik meint, unangenehme Maßnahmen umsetzen zu müssen, bemüht sie ein oder mehrere "unabhängige" Institute, um den eigenen Ambitionen einen rechtschaffenen Anstrich geben zu können. Zum Glück durchschauen viele Menschen dieses durchsichtige Spiel und machen ihrem Unmut Luft. Dass davon rechte politische Strömungen profitieren, gefällt mir überhaupt nicht. Das die politisch verantwortlichen "Volks-"Parteien für diesen selbstzerstörerischen Unfug bluten müssen ("MinusZehnProzentParteien") gefällt mir schon. Es zeigt, dass gewisse Grundfunktionen in der Gesellschaft zumindest ansatzweise noch funktionieren.
Leo 1A5
04.03.2019, 10:07 Uhr
der letze Satz des Artikels
sollten sich einige regionale Unternehmensleiter mal von Innen an ihre Bürotür nageln.

Damit sie endlich mal begreifen das die Arbeitskraft gepflegt werden muss und eine Wertschätzung erfährt und nicht für 12€ Stundenlohn die Leute noch Samstags und in 3 Schichten bis zum Umfallen arbeiten lassen.

Da braucht sich keiner zu Wundern das kein Nachwuchs kommt weil wer hat schon Lust auf solche Bedingungen.

Wer in 3 Schichten arbeitet auch an Wochenenden der sollte auch finanziell dafür ordentlich entlohnt werden min.15€/Stunde.

Die Herrn Unternehmer liegen Zuhause bei ,,Mutti auf der Couch" und die anderen schleppen sich trotz Gesundheitsproblemen auf Arbeit um ihren Krankenbonus nicht zu verlieren weil das Geld schon fest mit in der Familienkasse verplant ist.
Paulinchen
04.03.2019, 10:19 Uhr
Frage mich nur...
... wie lange werden wir denn die Turbolader produzieren?
An welcher Stelle im E Auto ist ein solches Teil denn verbaut? Oder sitzen die künftigen Beschäftigten von Anbeginn schon auf dem absterbenden Ast?
Mueller13
04.03.2019, 12:47 Uhr
Einseitige Sichtweise
Ich finde die Forderung nach höheren Löhnen aus der Politik immer belustigend.
Die meisten Unternehmer würden ihren Angestellten gerne 20Euro und mehr bezahlen. Leider lässt sich das nicht finanzieren. Die hier nach höheren Löhnen schreien, sind doch die gleichen, die nächste Woche sich beschweren, wenn das Brötchen 50 Cent kostet, der Trockenhaarschnitt Herren 25 Euro oder die Unterbringung von Omi im Pflegeheim 3.000 Euro.

Hallo liebe "ich will gewertschätzt werden"-Fraktion: das eine hat mit dem anderen zu tun.
Wie erklär ich die Bäckereifachverkäuferin, dass ich sie leider nicht mehr bezahlen kann, weil niemand bereit ist 50 Cent für ein Brötchen zu bezahlen und deshalb sein Brötchen lieber aus dem Krabbelregal des Discounters zieht (der das Ganze weitgehend personallos anbietet)?

Wie erklär ich der Frisörin, dass ihren Job ab jetzt meine Partnerin übernimmt, weil ich nicht bereit bin für die 6 Minuten 25 Euro zu bezahlen?

Wie erklär ich es Omi, dass wir uns ihre Pflegerin leider nicht mehr leisten können, weil sie auf einmal 1000 Euro mehr im Monat benötigt?

Wir haben ein System der Preisfindung, dass nennt sich Angebot und Nachfrage. Was hier propagiert wird, hatten wir 40 Jahre als Großfeldversuch, hat sich am Ende aber nicht als überlebensfähig rausgestellt. Brauchen wir diese Erfahrung noch mal?

@ Leo: und ihren letzten Absatz können Sie sich komplett schenken. Damit würden Sie selbst beim politischen Aschermittwoch der Linken nur ein müdes Gähnen ernten.
Latimer Rex
04.03.2019, 16:04 Uhr
Mueller13/Verdienstvoll
Sehr löblich, Ihre hellsichtige Stellungnahme zu den
üblichen Fantastereien. Nichts gegen eine zünftige
Skatrunde, aber in dieser Rubrik hat sich anscheinend
ein digitaler Stammtisch etabliert, der aus dem Meckern
nicht herauskommt. Diese Besserwisser und Schlaumeier
lassen aber auch kein Thema aus, zu dem sie zumeist
Banales absondern - von der Kita bis in die hohe Politik.
Meinungsfreiheit ist ein zu wertvolles Gut, als damit
Schindluder getrieben werden sollte.
RWE
04.03.2019, 17:21 Uhr
Ich kann da schon lachen, lieber Müller13
"Die Herrn Unternehmer liegen Zuhause bei ,,Mutti auf der Couch" und die anderen schleppen sich trotz Gesundheitsproblemen auf Arbeit um ihren Krankenbonus nicht zu verlieren weil das Geld schon fest mit in der Familienkasse verplant ist."
Wenn das eine Büttenrede wäre könnte ich als Faschingshter endlich auch mal am Rosenmontag lachen.
Erstmal heißt das Ding Bonus, wer das Fest einplant hat seine Finanzen nicht im Griff. Da hatten wir auch mal. Ist eher dazu gedacht bei einer leichten Erkältung noch auf Arbeit zu kommen oder mal Stunden abzubummeln als zum Artzt zu gehen. War alles freiwillig und wer krank geworden ist verdiente ja nicht weniger, sondern bekam nur keinen Bonus.
Und einigen meiner liebne Vorgesetzten würde ich schon mal das sofa gönnen. Da hätte ich nämlich eine etwas rühigerer Arbeit(:- Leider ist es so, daß, je höher man die Karriereleiter emporklimmt auch auch die Arbeitszeiten länger werden.
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