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Fr, 14:30 Uhr
01.03.2019
Arbeitsmarkt und Ausbildung

Unter Hochdruck

Gutes Personal ist schwer zu finden, das gilt in vielen Wirtschaftsbereichen heute mehr denn je. Für Thüringen im allgemeinen und den Norden des Freistaates im besonderen ist die Metallbranche von herausragender Bedeutung. Wie man dem Problem mit "Hochdruck" begegnen kann, zeigte heute die Nordhäuser Firma Maximator...

Auszubildender bei Maximator (Foto: Angelo Glashagel) Auszubildender bei Maximator (Foto: Angelo Glashagel)

Moderne Maschinen machen vieles einfacher. Wo früher Stunden, Tage oder gar Wochen an einem komplizierten Bauteil gesägt, gefräßt und geschliffen werden musste und der Prozess gleich mehrere Arbeitskräfte band, kann ein Gerät unter der Aufsicht eines Mitarbeiters die gleiche Arbeit heute in wenigen Minuten erledigen.

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Eines können die Maschinen aber nicht ersetzen: Erfahrung. Wie reagiert ein Material bei der Bearbeitung, wie müssen die mechanischen Prozesse laufen, damit am Ende alles passt? "Bei einer modernen CNC Maschine merken sie davon nichts", erzählt Peter Hanke, Betriebsleiter bei Maximator. Die Hochdruckspezialisten bilden ihre Nachwuchskräfte deswegen auch noch an älterem Werkzeug aus, an handbetriebenen Maschinen und halbautomatischen Geräten.

Was früher Stunden dauerte ist heute dank neuer Technik in wenigen Minuten erledigt (Foto: Angelo Glashagel) Was früher Stunden dauerte ist heute dank neuer Technik in wenigen Minuten erledigt (Foto: Angelo Glashagel)

Nur in einer Halle arbeitet man auf dem aktuellen Stand der Technik. Die Automatisierung hat die Arbeit der Firma in den vergangenen zehn Jahren grundlegend geändert. Bis zu 25.000 verschiedene Einzelteile kann man heute problemlos herstellen, auch Einzelanfertigungen sind je nach Kundenwunsch möglich. Der Personaldecke hat der Wandel nicht geschadet, im Gegenteil, im vergangenen Jahr wuchs die Firma um 47 neue Mitarbeiter auf insgesamt 415 Personen an. Allein in der CNC Abteilung arbeiten 70 Personen an 30 Maschinen.

Gebraucht werden vor allem Fachleute, die in der Lage sind, mit den Maschinen umzugehen. Wer mit Hochdruckanwendungen von bis zu 25.000 bar arbeitet, der sollte wissen was er tut. Zum Vergleich: ein Autoreifen hält in der Regel einen Druck von 1 bis 2 bar, eine Taucherflasche rund 300 bar. "Im Grunde ist das was wir hier tun können nicht praktisch vorstellbar", sagt Hanke, "wir können einen Druck von 25 Tonnen auf der Fläche einer Daumenspitze erzeugen". Als Dienstleister überprüft die Firma so Bauteile, etwa für die Automobilindustrie, knapp 12.000 bar kommen dabei zum Einsatz, bei anderen Teilen bis zu 15.000 bar. Und man stellt selber Bauteile her und sorgt per Hochdruck für mehr Haltbarkeit.

Im Werk ist der Anteil der Hilfskräfte am Personal entsprechend klein, lediglich im Lager und im Versand seien noch Helfertätigkeiten nötig, erklärte Personalchefin Bianca Kegler, aber auch hier nehme der Anteil an höherqualifiziertem Personal stetig zu.

Die Entwicklung im Nordhäuser spiegelt den generellen Trend wieder. Die 2.200 Betriebe im Landkreis Nordhausen beschäftigen heute 30.250 Personen, der überwiegende Teil sind ausgebildete Fachkräfte, nur 4.380 Helfer listet die Statistik auf, die Karsten Froböse, Chef der Nordhäuser Agentur für Arbeit heute vorstellte. Auch die Arbeitslosenquote in der Metallbranche mache das deutlich: für Helfer liegt die Quote bei 17,4%, für Fachkräfte lediglich bei 2,3%.

Wie in vielen anderen Wirtschaftszweigen plagen auch die Metaller Zukunftssorgen. Bei Maximator sieht man dem noch gelassen entgegen, man hat vorgesorgt. Rund zehn Prozent der Belegschaft sind Auszubildende, in diesem Jahr stehen wieder zehn neue Stellen bereit. "Die Fluktuation unter unseren Mitarbeitern ist gering", sagt Personalerin Kegler, "das spricht für uns und für die Bedingungen, die wir bieten. In der Regel ziehen wir mehr Leute als wir hergeben".

Und man arbeitet daran, die vorhandene Belegschaft zu weiter zu qualifizieren. In den kommenden Wochen wird man die eigens dafür geschaffene "Maximator Academy" eröffnen. Das Ausbildungszentrum wird in einem neu errichteten Gebäude untergebracht. Die Bauarbeiten sind so gut wie abgeschlossen und die ersten Schulungen sollen bald beginnen, erläutert Academy-Leiter Niels Köhler, wo es möglich ist wolle man bereichsübergreifende Lehrgänge anbieten und werde auch praktisch arbeiten können.

Bei allem Bemühen der Betriebe stößt der Arbeitsmarkt dennoch langsam an seine Grenzen. Von den 3.336 Personen die im Landkreis Nordhausen aktuell als Arbeitslos gemeldet sind, gelten 991 als langzeitarbeitslos. Allein zwischen 2016 und 2018 sank die Quote hier um 14%, seit dem Februar vergangenen Jahres verzeichnete man einen Rückgang von 7,5%. Auch den verbleibenden Rest wollen die Arbeitsagenturen nach Möglichkeit dem ersten Arbeitsmarkt zuführen. Zwei neue Programme stellte Karsten Froböse dazu heute vor. Das "Teilhabechancengesetz" sieht vor, Personen, die sechs Jahre oder mehr ohne Arbeit waren, für insgesamt fünf Jahre zu fördern. In den ersten beiden Jahren übernimmt der Staat 100% der Kosten, danach sinken die Quoten. Personen, die zwei Jahre ohne Arbeit waren, können mit bis zu 75% gefördert werden, nach zwei Jahren sinkt auch die hier die Förderquote.

v.l.:Bianca Kegler, Karsten Froböse, Nils Köhler und Peter Hanke (Foto: Angelo Glashagel) v.l.:Bianca Kegler, Karsten Froböse, Nils Köhler und Peter Hanke (Foto: Angelo Glashagel)

Gesetz Nummer zwei befasst sich vor allem mit der Weiterbildung von Beschäftigten. Wie die Förderung hier ausfällt hängt von den Gegebenheiten des jeweiligen Betriebes ab. Fortbildungsförderung gab es bisher auch, neu ist allerdings das jetzt auch Betriebe mit 250 und mehr Mitarbeitern von dem Programm profitieren können.

"Die Zukunft wartet nicht", sagt Karsten Froböse, bleibe man jetzt stehen, bedeute das Rückschritt.
Angelo Glashagel
Autor: red

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