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So, 08:36 Uhr
24.02.2019
nnz-historisch

Nordhausen einst im Dornröschen-Schlaf

Nordhausen habe unter den Städten am Rande des Harzes eine „Dornröschen-Rolle“ gespielt, schrieb ein aufmerksamer Betrachter zur Tausendjahr-Feier von 1927. Hat sich daran bis heute im Tourismus viel verändert? fragen sich Zeitgenossen...


Zum allgemeinen Verdacht, Nordhausen „hoch oben“ in Thüringen werde von der Landesregierung vernachlässigt, kommen immer wieder konkrete Vorwürfe, der Fremdenverkehr im Norden des Freistaates werde nicht angemessen gefördert.

Lohnend ist ein Blick zurück um 90 Jahre. „Tausendjährige Städte haben wohl ein Anrecht darauf, dass man von ihnen spricht“, bemerkte Heinrich Heine, Namensvetter des berühmt-spitzfindigen Schriftstellers, „namentlich dann, wenn sie in der Wertschätzung... bei weitem noch nicht den ihnen gebührenden Platz einnehmen.“

„Freilich den ‚Alten Nordhäuser’ kannte man weit und breit, wohl auch den guten Nordhäuser ‚Priem’. Geschichtskundige wussten vielleicht auch, dass Nordhausen ehemals Freie Reichsstadt war. Wer irgendwie politisch eingestellt war, kannte Nordhausen als eine freisinnige Stadt.“ „Wer gegen Ende des vorigen (19. D.Red) Jahrhunderts in seinen Mußestunden sich gar mit deutscher Lyrik befasste, hatte wahrscheinlich auch etwas von Albert Traeger gelesen, wenn er vielleicht auch nicht wusste, dass dieser im bürgerlichen Leben Rechtsanwalt in Nordhausen und nur im Nebenberuf Dichter
war“, erinnerte Heine.

„Diese Kenntnisse über Nordhausen in industrieller, geschichtlicher, politischer und literarischer Hinsicht besaßen doch eine zu geringe Werbekraft, um Besucher anzulocken. Die Stadt als solche, ihre landschaftliche Lage, ihre wirtschaftliche Bedeutung, ihre Verkehrsverhältnisse, ihr Kunstleben, alles das, was die Aufmerksamkeit des Reisenden erregen konnte, war so unbekannt wie das Innere Tibets“, so ein abstruser Vergleich.

„Zum Teil lag das an der Stadt selbst, die in Verkennung der Zeitverhältnisse sowohl manche Entwicklungsmöglichkeiten sich hatte entgehen lassen, als auch den Erscheinungen des stärker werdenden Fremdenverkehrs nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit gefolgt war, so dass sie unbeachtet am Wege blieb. Erst in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts fing man an, das Versäumte nachzuholen und es anderen Städten im Wettbewerb um Geltendmachung ihrer Vorzüge gleichzutun. Das konnte der Stadt nicht schwer fallen.“

Ins Schwärmen geriet Heinrich Heine bei der Lagebestimmung: „Nordhausen liegt am Südrande des Harzes und wird dadurch aller der Vorzüge teilhaftig, mit der die Natur eine vom Gebirge zur Ebene übergehende Landschaft in freigiebigster Weise ausstattet.“ Der Streifzug durch die Geschichte verläuft von der Steinzeit über das alte Thüringer-Reich, die Karolinger, die Franken sowie Heinrich I. in die Jahrhunderte als Freie Reichsstadt, die 1802 endeten und von preußischer Herrschaft fortgesetzt wurden.

Zusammenfassend erklärte Heinrich Heine, nachzulesen in Nordhausen Wiki (aus Thüringer Heimatblätter, Nr. 5 1927): „Als die Stadt von geistlicher Herrschaft (durch Äbtissinnen D. Red.) frei war, leitete sie ihre Geschicke selbst durch einen Rat, der an der Spitze stand. Sie konnte sich nun ungehindert von fremden Einflüssen entwickeln. Was sie im Laufe der Zeit geworden ist, verdankt sie durchweg eigener Tätigkeit. Fürstenhuld hat sie nie sonderlich mit Gunst überschüttet. Ein seiner Kraft bewusstes aufstrebendes Bürgertum fühlte sich stark genug, seine Angelegenheiten selbst zu ordnen.“ Und heute? Manfred Neuber
Autor: red

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Kommentare
Liane Enzinger
24.02.2019, 11:04 Uhr
NDH in der Stagnation
Praktisch seit der Landesgartenschau hat Nordhausen keine entwicklungspolitischen Impulse mehr erfahren. Weder auf dem Gebiet des Tourismus, noch auf wirtschaftlichen Gebiet noch städtebaulich. Die Stadt dümpelt vor sich hin, Ideen sind Fehlanzeige. Die Politik verwaltet den Stillstand. Stillstand bedeutet aber Rückschritt. Selbst eine Vernetzung mit den Nachbargemeinden sucht man nicht, um gemeinsam eine starke Stimme zu haben.

So fällt NDH immer weiter zurück. Traurig.

Liane Enzinger, M.A.
DDR-Facharbeiter
24.02.2019, 15:18 Uhr
Ausgeschlafener Impulsgeber für Wirtschaft und Tourismus gesucht.
Liane Enzinger schrieb: "Praktisch seit der Landesgartenschau hat Nordhausen keine entwicklungspolitischen Impulse mehr erfahren.
Weder auf dem Gebiet des Tourismus, noch auf wirtschaftlichen Gebiet .."

Meine Eindrücke vom Nordhäuser Tourismus:
1. Ein Heimweh-Nordhäuser sucht vergeblich nach dem Termin für den nächsten Jahrmarkt. Im heutigen Veranstaltungskalender wird vom Weihnachtsmarkt 2018
gesprochen... ??
2. Ein Tourist erfährt zufällig von einer hilfsbereiten Passantin, dass es eine Vier-Tage- Karte für die Strassenbahn gibt. Wo kann man die kaufen?
Im Tourismus- Teil der Nordhäuser Website steht davon kein Wort.

Klickt man den informativen Tourismus-Teil der Stadt Halle/Saale an, wird man sogar über Parkplätze und Bus-Abfahrten informiert..

Meine Eindrücke von der wirtschaftlichen Entwicklung:
In Bayern und Baden-Württemberg gibt es in den Industriegemeinden einen Wirtschaftsförderer mit ökonomischer Kompetenz.
In den Tourismus-Gemeinden einen Tourismusförderer mit Orts- und Geschichts-Kenntnis.
Gibt es solche motivierten Impulsgeber in der Nordhäuser Stadtverwaltung oder
im Landratsamt ??
Meines Wissens nicht..
Sonst hätten wir vielleicht
- keine brachliegenden Industrieflächen trotz belastungsfähiger Infrastruktur und
guter Verkehrsanbindung durch Autobahn und Bahn.
- mehr Übernachtungen, z. B. durch Anbahnen von Verbindungen zu
internationalen Reiseveranstaltern .
Marco Müller-John
24.02.2019, 20:14 Uhr
Gegenfrage !
Wozu mehr Tourismus ? Die Stadt wird meines Etachtens nach behutsam aber schnieke saniert und lebenswertet gemacht. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Geburtenrate steigt. Top Krankenhaus. Tolle Schulen. Kindergärten und Wohnungen,Altenheime und eine Strasdenbahn. Ein Theater und ein Badehaud für diese Stadt.Was soll das Gejammer und die Sehnsucht nach Touristen. Lebt es sich so nicht besser ? Und Industrieansiedlungen....kann gut sein das Schnellschüsse auch schnell schief gehen.
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