Di, 15:30 Uhr
01.03.2005
Bald klappert die Mühle
Nordhausen/Nentzelsrode (nnz). Mühlen gibt es nicht nur in Holland, auch bei Nordhausen ist eine im Bau. Vielleicht nicht so touristisch interessant, aber mit Seltenheitswert. Nur drei Kaskadenkugelmühlen gibt deutschlandweit. Welche Aufgabe diese hat erklärt Ihnen die nnz.
Bald klappert die Mühle (Foto: nnz)
Ein 250 Tonnen Kran steht bereit, ein elf Tonnen schweres Mühlenteil hängt an den Ketten. Über das Dach wurden heute die ersten Bausteine der Semiautogenmühle eingehängt und montiert. Wenn sie fertig ist, hat die Mühle einen Durchmesser von 6,8 Metern und eine Breite von zwei Metern. Sie sieht ungefähr wie eine riesige Wäschetrommel aus. Die Füllung hat es aber in sich. 30 Tonnen oder 4000 Stück Stahlkugeln von einer Größe bis zu 125 mm zerlegen den Restmüll in seine Bestandteile.
Metallschrott wird praktisch nicht zerkleinert, sondern nur deformiert. Mit Magneten werden die eisenhaltigen Teile rausgefischt. Für nichteisenhaltige Metalle wie beispielsweise Aluminium steht ein Wirbelstromabscheider zur Verfügung. Die Metallfraktion wird der Wiederverwertung zugeführt.
35 % des erwarteten Mülls wird aus organischen Abfällen bestehen. Diese werden sehr fein zermahlen auf eine Größe von unter 5 mm und können in Rottungstunneln der Firma TVN auf dem selben Gelände zu einer Art Humus werden. Der wird später auf den derzeit noch im Betrieb befindlichen Müllberg aufgetragen.
50 % des getrennten Mülls wird verbrannt, aber nicht einfach so, sondern als Ersatzbrennstoffpellets in Kraft- oder Zementwerken. Die Pellets bestehen zum großen Teil aus Kunststoffen, also im Prinzip aus Erdöl. Der Heizwert beträgt rund 14.500 KJ pro kg. Hohe Temperaturen für die Herstellung von Zementklinker sind damit erreichbar.
Nur 5 % sind nicht verwendbar. Dieser Restmüll landet dann doch noch in einer herkömmlichen Müllverbrennungsanlage.
Die 100 Tonnen Kaskaden-Kugelmühle geht am 01.06. 2005 in Betrieb. Dann tritt nämlich die Abfallverordnung in Kraft. Unbehandelter Müll darf nicht mehr deponiert werden. Der ZAN Nordthüringen entschied sich nicht für die thermische Beseitigung, über die anderswo in Thüringen heftig diskutiert wird, sondern rechtzeitig für eine mechanische Restabfallaufbereitungsanlage. Die Firma Rethmann bekam den Zuschlag und baut jetzt weitgehend mit Firmen aus der Region. Betriebserfahrung konnte sie im Recyclingpark in Brandenburg sammeln, wo 1999 ein vergleichbares Konzept realisiert wurde.
Eine Kaskadenkugelmühle gibt es nicht von der Stange. Berichtet Stefan Grüner von Rethmann, Region Nord. Man habe die Bauteile bei der Firma Cemtec aus Österreich in Auftrag gegeben. Es gibt zwar auch einen deutschen Hersteller, aber letztlich entscheidet der Preis.
Geld war auch ausschlaggebend für den Bau der Anlage, denn ohne diese Abfallbehandlung hätte der gut ausgebaute Standort Nentzelsrode dicht machen müssen. Durch eine frühe Ausschreibung und auf Grund der großen Mengen Müll aus vier Landkreisen konnte ein guter Preis geboten werden, so Grüner. Die Auslastung der Anlage werde diesjahr etwa 90 % betragen, was 10.000 Tonnen Müll im Monat entspricht.
Nentzelsrode ist ein innovativer Standort, der zukünftig weiter wachsen wird, ist der Rethmannvertreter sicher. Seine Firma plant zwar im Moment keine konkreten Neuerrungen, ist aber innovativen Konzepten immer aufgeschlossen. So soll mit der Fachhochschule Nordhausen zusammengearbeitet werden. Studenten können Praktikum machen und ihre Diplomarbeiten schreiben. Bei über 100 Studenten des Flächen- und Stoffrecyclings wird es an Interessierten bestimmt nicht mangeln.
18 Arbeitsplätze entstehen in der Restmüllaufbereitungsanlage, sicher sind sie 15 Jahre lang. Wir haben nur Leute aus der Region eingestellt. Sie haben im technischen und handwerklichen Bereich eine sehr gute Ausbildung und identifizieren sich mit ihrer Arbeit. Sagt Stefan Grüner.
15 Millionen Euro beträgt die Gesamtinvestition, die heute angelieferte Mühle wird insgesamt mit Motor und Getriebe 2,2 Millionen Euro kosten.
Autor: wf
Bald klappert die Mühle (Foto: nnz)
Ein 250 Tonnen Kran steht bereit, ein elf Tonnen schweres Mühlenteil hängt an den Ketten. Über das Dach wurden heute die ersten Bausteine der Semiautogenmühle eingehängt und montiert. Wenn sie fertig ist, hat die Mühle einen Durchmesser von 6,8 Metern und eine Breite von zwei Metern. Sie sieht ungefähr wie eine riesige Wäschetrommel aus. Die Füllung hat es aber in sich. 30 Tonnen oder 4000 Stück Stahlkugeln von einer Größe bis zu 125 mm zerlegen den Restmüll in seine Bestandteile. Metallschrott wird praktisch nicht zerkleinert, sondern nur deformiert. Mit Magneten werden die eisenhaltigen Teile rausgefischt. Für nichteisenhaltige Metalle wie beispielsweise Aluminium steht ein Wirbelstromabscheider zur Verfügung. Die Metallfraktion wird der Wiederverwertung zugeführt.
35 % des erwarteten Mülls wird aus organischen Abfällen bestehen. Diese werden sehr fein zermahlen auf eine Größe von unter 5 mm und können in Rottungstunneln der Firma TVN auf dem selben Gelände zu einer Art Humus werden. Der wird später auf den derzeit noch im Betrieb befindlichen Müllberg aufgetragen.
50 % des getrennten Mülls wird verbrannt, aber nicht einfach so, sondern als Ersatzbrennstoffpellets in Kraft- oder Zementwerken. Die Pellets bestehen zum großen Teil aus Kunststoffen, also im Prinzip aus Erdöl. Der Heizwert beträgt rund 14.500 KJ pro kg. Hohe Temperaturen für die Herstellung von Zementklinker sind damit erreichbar.
Nur 5 % sind nicht verwendbar. Dieser Restmüll landet dann doch noch in einer herkömmlichen Müllverbrennungsanlage.
Die 100 Tonnen Kaskaden-Kugelmühle geht am 01.06. 2005 in Betrieb. Dann tritt nämlich die Abfallverordnung in Kraft. Unbehandelter Müll darf nicht mehr deponiert werden. Der ZAN Nordthüringen entschied sich nicht für die thermische Beseitigung, über die anderswo in Thüringen heftig diskutiert wird, sondern rechtzeitig für eine mechanische Restabfallaufbereitungsanlage. Die Firma Rethmann bekam den Zuschlag und baut jetzt weitgehend mit Firmen aus der Region. Betriebserfahrung konnte sie im Recyclingpark in Brandenburg sammeln, wo 1999 ein vergleichbares Konzept realisiert wurde.
Eine Kaskadenkugelmühle gibt es nicht von der Stange. Berichtet Stefan Grüner von Rethmann, Region Nord. Man habe die Bauteile bei der Firma Cemtec aus Österreich in Auftrag gegeben. Es gibt zwar auch einen deutschen Hersteller, aber letztlich entscheidet der Preis.
Geld war auch ausschlaggebend für den Bau der Anlage, denn ohne diese Abfallbehandlung hätte der gut ausgebaute Standort Nentzelsrode dicht machen müssen. Durch eine frühe Ausschreibung und auf Grund der großen Mengen Müll aus vier Landkreisen konnte ein guter Preis geboten werden, so Grüner. Die Auslastung der Anlage werde diesjahr etwa 90 % betragen, was 10.000 Tonnen Müll im Monat entspricht.
Nentzelsrode ist ein innovativer Standort, der zukünftig weiter wachsen wird, ist der Rethmannvertreter sicher. Seine Firma plant zwar im Moment keine konkreten Neuerrungen, ist aber innovativen Konzepten immer aufgeschlossen. So soll mit der Fachhochschule Nordhausen zusammengearbeitet werden. Studenten können Praktikum machen und ihre Diplomarbeiten schreiben. Bei über 100 Studenten des Flächen- und Stoffrecyclings wird es an Interessierten bestimmt nicht mangeln.
18 Arbeitsplätze entstehen in der Restmüllaufbereitungsanlage, sicher sind sie 15 Jahre lang. Wir haben nur Leute aus der Region eingestellt. Sie haben im technischen und handwerklichen Bereich eine sehr gute Ausbildung und identifizieren sich mit ihrer Arbeit. Sagt Stefan Grüner.
15 Millionen Euro beträgt die Gesamtinvestition, die heute angelieferte Mühle wird insgesamt mit Motor und Getriebe 2,2 Millionen Euro kosten.


