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Do, 15:00 Uhr
10.01.2019
Neue Ausstattung für die Feuerwehr

Walle, walle manche Strecke

...das zum Zwecke Wasser fließe. Ist die nasse Katastrophe da, dann will man vorbereitet sein. Die Nordhäuser Feuerwehr erhielt heute neues Gerät um im Falle von Starkregenereignissen und Überschwemmungen besser gerüstet zu sein. Das Material kann aber auch anderweitig zum Einsatz gebracht werden...

4.500 Liter pro Minuten können die drei neuen "Chiemsee-Pumpen" durchrauschen lassen (Foto: Angelo Glashagel)
Ein Knopfdruck, es röhrt und rattert kurz und ein paar Sekunden später hat sich der 700 Liter Behälter in der Garage der Nordhäuser Berufsfeuerwehr geleert: rund 4.500 Liter schaffen die drei neuen "Mini-Chiemsee" Pumpen, die man heute erhielt, pro Minute.

Derlei Gerät befanden sich freilich bereits im Besitz der Feuerwehr, man war und ist gewappnet, wenn das Wasser einmal zu viel wird. Etwa bei Starkregen, wenn die Entwässerung in den Niederungen der Stadt und ihrer Ortsteile nicht mehr mithalten kann, oder wenn Zorge und Helme über die Ufer treten.

Die neue Ausstattung wird die Rettungskräfte jetzt vor allem in die Lage versetzen schneller Einsatzbereit zu sein und vor Ort leichteres Spiel zu haben. Während die alten Geräte schnell von Unrat blockiert werden konnten, werden die frischen "Chiemsee"-Pumpen auch mit Abwasser, Stroh, Plastiktüten und Steinen fertig. Selbst ein Tennisball würde durchflutschen ohne Probleme zu verursachen. Zudem sind die Pumpen sind Teil eines ganzen Pakets, das heute von Thüringens Staatsekretär im Umweltministerium, Olaf Möller an die Berufsfeuerwehr übergeben wurde.

Der neue Wasserwehranhänger der Berufsfeuerwehr (Foto: Angelo Glashagel)
Die Nordhäuser Kameraden verfügen nun über einen eigenen Wasserwehranhänger, der neben den Pumpen und der dazugehörigen Ausrüstung auch über eine eigene Stromversorgung und Beleuchtung verfügt. Das Gefährt wurde nach den Wünschen der Berufsfeuerwehr von der Firma SHG Spechtenhause aus dem Allgäu angefertigt und enthält auch ganz einfache "Technik" wie Besen und Harke oder auch Reinigungsmittel für die Einsatzkräfte. Kostenpunkt für das Komplettpaket: rund 80.000 Euro.

Mit 50.000 Euro übernahm der Freistaat einen guten Teil der Kosten. Nordhausen gehört nach Einordnung des Landes mit den Gewässern Helme und Zorge zu den Gemeinden in einem "Hochwasserrisikogebiet mit hohem Schadenspotential". Man habe bei den letzten dramatischen Hochwasserereigniss im Jahr 2013 gesehen, dass es Mängel in der Information gegeben habe, erklärte Staatssekretär Möller, "Hochwasservorsorge heißt das die zuständigen Stellen wissen worum es geht und wie gehandelt werden muss." Passiere nach einer Katastrophe ein paar Jahre lang nichts, dann setze häufig die "Hochwasserdemenz" ein, meinte Möller, man werde leichtsinniger. Das soll sich in Thüringen ändern. Um den Hochwasserschutz im Freistaat zu verbessern sollen dezidierte Wasserwehren aufgebaut werden, zum Teil integriert in bestehende Feuerwachen oder auch als eigenständige Einheiten.

v.l.: Oberbügermeister Kai Buchmann, Staatssekretär Olaf Möller und Feuerwehrchef Gerd Jung (Foto: Angelo Glashagel)
Hochwasserschutz bleibt dabei aber eine kommunale Aufgabe. Im Ernstfall muss nicht nur die Feuerwehr ausrücken, auch Stellen wie der Bauhof und das Ordnungsamt können zum Einsatz kommen. Wie man Sandsäcke befülllt und richtig stapelt oder mit einem Damm umgeht gehört hier nicht zum Alltagswissen. Im Nordhäuser Rathaus wurden deswegen bereits entsprechende Schulungen durch die Feuerwehr durchgeführt.

Neben dem Anhänger präsentierte die Feuerwehr zudem einen Doppelkammerschlauch mit Adapter und den sogenannten "Hydrobaffle". Beide Systeme funktionieren ähnlich und können mit Luft oder Wasser befüllt werden und sind schwimmfähig. Der bis zu 100 Meter Lange Doppelkammerschlauch kann zum Einsatz kommen wenn überflutete Bereiche, etwa in Tiefgaragen, abgedichtet werden sollen oder Verunreinigungen durch Öl oder Chemikalien auf Gewässern eingedämmt und entfernt werden müssen. "Der große Vorteil für uns ist das sich der Aufwand für Transport und Aufbau in Grenzen hält. In der Krise hat man keine Zeit hin und her zu laufen", sagte Gerd Jung, Chef der Nordhäuser Berufsfeuerwehr.

Der Doppelkammerschlauch kann bei der Abdichtung zum Einsatz kommen (Foto: Angelo Glashagel)
Den "Hydrobaffle", eine Art Wasserbassin mit einem Umfang von sechs mal sechs Metern, zwei Metern Höhe und einem Fassungsvermögen von 100.000 Litern kommt ursprünglich auch aus dem Hochwasserschutz. In Nordhausen wird der "Hydrobaffle" aber wohl eher anderweitig zum Einsatz kommen, nämlich bei der Sprengung von Blindgängern.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Feuerwehr die Herangehensweise testen können. Statt viel Erdreich und Wasserkanister zum Sprengort zu bringen wird er "Hydrobaffle" über dem Blindgänger positioniert und befüllt. "Bei der Explosion verdampfen dann rund 30% des Wassers und aufgeworfenes Erdreich und Metallteile werden abgefangen anstatt Meterhoch in die Luft zu fliegen", erklärte Jung.

Die Wasserwehr wird vorrangig für den Hochwasserschutz in der Stadt Nordhausen und ihren Ortsteilen zuständig sein, im Ernstfall werde man natürlich auch im weiteren Landkreis ausrücken, so Jung weiter. Da Hochwasserschutz eine kommunale Aufgabe ist, könnten auch andere Gemeinden in den Genuss der finanziellen Förderungen zur Verbesserung der Schutzmaßnahmen kommen. Voraussetzung dafür ist der Erlass einer entsprechenden Satzung und eines Organisationsplans der Kommune. Die Einsatz- und Führungskräfte der Wasserwehrdienste können sich zudem für eine Grundausbildung zu den fachlichen Fragen der Gefahrenabwehr im Hochwasserfall anmelden, erklärte das Umweltministerium hierzu, mehr Informationen zur Unterstützung des Landes bei der Gründung von Wasserwehren enthält die Broschüre „Handlungsempfehlung für die kommunale Hochwasserabwehr in Thüringen“.
Angelo Glashagel
Neue Technik für die Nordhäuser Wasserwehr (Foto: Angelo Glashagel)
Neue Technik für die Nordhäuser Wasserwehr (Foto: Angelo Glashagel)
Neue Technik für die Nordhäuser Wasserwehr (Foto: Angelo Glashagel)
Neue Technik für die Nordhäuser Wasserwehr (Foto: Angelo Glashagel)
Neue Technik für die Nordhäuser Wasserwehr (Foto: Angelo Glashagel)
Neue Technik für die Nordhäuser Wasserwehr (Foto: Angelo Glashagel)
Neue Technik für die Nordhäuser Wasserwehr (Foto: Angelo Glashagel)
Neue Technik für die Nordhäuser Wasserwehr (Foto: Angelo Glashagel)
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Kommentare

11.01.2019, 00.22 Uhr
MZ-Fahrer | mal Nachrechnen
6x6x2=72 bei mir also 72m³ und nicht 100m³ oder 100000 Liter

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