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Do, 11:34 Uhr
06.12.2018
BUND Thüringen

Schwarzbuch zum Gipsabbau veröffentlicht

Der BUND Thüringen hat heute sein „Schwarzbuch Gips: Raubbau in der Südharzer Gipskarstlandschaft Thüringens“ präsentiert. Darin gibt der Umweltverband Einblicke in aktuelle und geplante Abbauvorhaben und zeigt die reale Bedrohung der einmaligen und artenreichen Gipskarstlandschaft in Thüringen auf...


„Die Gipsindustrie zerstört mit ihrem Hunger nach dem „Weißen Gold“ eine ganze Region“, kritisiert Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Durch den Abbau von Gips sind bereits mehr als 250 ha Landschaft im Südharz unwiederbringlich verloren gegangen. Dennoch sieht der Regionale Raumordnungsplan von 2018 weitere Abbauflächen von insgesamt ca. 87 ha für die Gipsindustrie vor. Darin enthalten sind 53 ha für die Gewinnung hochwertigen Gipses. Zudem sind auf einer Fläche von 68 ha zwei neue „Vorranggebiete vorsorgender Rohstoffgewinnung“ geplant.

Doch allein die bereits bestehenden Abbaugebiete sichern den Gipsunternehmen noch für Jahrzehnte den Abbau von Gips. Zudem stehen die Neuausweisungen im Widerspruch zu dem Gutachten, das die Regionale Planungsgemeinschaft beim Erfurter Sachverständigenbüro Reyer in Auftrag gegeben hat.

Das Gutachten sieht keine Notwendigkeit neuer Abbauflächen für die Naturgips- und Anhydritgewinnung. Lediglich in Bezug auf die Gewinnung von hochwertigem Gips wird ein Bedarf von 26,5 ha für die nächsten 25 Jahre ermittelt. „Die geplanten Erweiterungen und neuen Vorranggebiete sind völlig überzogen. Es ist höchste Zeit, dass die Bagger endlich gestoppt werden“, so Dr. Burkhard Vogel.

Er führt weiter aus: „Die natürliche Ressource Gips ist endlich und die Industrie sollte zur Entwicklung von Substitutionsprodukten und dem Ausbau von Rohstoff-Recycling angehalten werden. Eine völlige Ausbeutung der landschaftlich einmaligen Südharzer Gipskarstlandschaft kann keine Lösung sein.“

Das durch die Naturstiftung David geförderte Schwarzbuch des BUND Thüringen dokumentiert nicht nur bereits erfolgte Schäden der Landschaft durch den Gipsabbau. Es stellt dem Leser gleichzeitig die Einmaligkeit und das Artenspektrum eines weltweit einzigartigen Naturjuwels vor, das über Jahrmillionen entstanden ist und weist auf Alternativen für die Industrie hin.

„Die Menschen vor Ort sollen eine Chance auf eine nachhaltige Zukunft bekommen“, sagt Dr. Burkhard Vogel. „Eine solche Zukunft hat die Region nur als Biosphärenreservat. Dafür fordern wir ab 2019 die Einrichtung eines Aufbaustabs im Südharz“, ergänzt der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Der BUND warnt ausdrücklich davor, dass eine Ausdehnung des Gipsabbaus im Interesse einzelner Wirtschaftskonzerne auf Kosten einer nachhaltigen Entwicklung in der Region geschehe. Der sanfte Tourismus in der Region schaffe schon heute mehr Arbeitsplätze als alle Gipsunternehmen gemeinsam.

„Wir appellieren an Ministerin Keller, den Raumordnungsplan abzulehnen, denn er steht in keinem Verhältnis zum Bedarf. Damit wird die einmalige und wertvolle Gipskarstlandschaft im Südharz nur weiterer Zerstörung preisgegen“, so Dr. Burkhard Vogel.
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Kommentare

06.12.2018, 11.57 Uhr
Zukunft | Auftraggeber
Es gab mal eine Studie des DIW, die die Gipsindustrie in Auftrag gegeben hatte. Sofort kam aus der grünen Ecke der Vorwurf nach dem Motto "Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing". Und genauso sehe ich das bei diesem Verhältnis zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. Sorry, aber haut das in die Tonne.
06.12.2018, 13.37 Uhr
SK_Thueringen | Gutachten ist von Regionaler Planungsgemeinschaft
Das im Artikel erwähnte Gutachten hat die Regionale Planungsgemeinschaft selbst beim Erfurter Sachverständigenbüro Reyer in Auftrag gegeben. Es basiert auf Daten aus der Gipsindustrie selbst. Das Schwarzbuch des BUND dokumentiert die Situation im Gipskarst und weist auf die Diskrepanz zwischen ermittelten Bedarf und dem aktuellen Entwurf des Regionalen Raumplans hin.
06.12.2018, 16.30 Uhr
Treuhänder | Studien
Hier eine Studie und dort eine Studie. Der eine Studie in Auftrag gibt und bezahlt, lässt doch nicht irgendein Ergebnis zu. Das ist ja noch schöner, oder?

Von Studien, egal welcher Bereich betroffen ist, halte ich nicht viel. Eine tatsächliche Unabhängigkeit gibt es nirgendwo. Es geht immer um irgendwelche Interessen und damit um Geld.
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