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Mo, 09:51 Uhr
03.12.2018
Für 27 Prozent der Beschäftigten im Landkreis Nordhausen:

Mini-Renten drohen

Dem Landkreis Nordhausen droht Altersarmut – in einem größeren Ausmaß als bislang angenommen. Das befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Rund 9.000 Arbeitnehmer im Landkreis Nordhausen würden – so, wie sie heute arbeiten – nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen...

Altersarmut droht  (Foto: Gewerkschaft NGG) Altersarmut droht (Foto: Gewerkschaft NGG)
Und das, wenn sie nach immerhin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gingen. Das sind 27 Prozent aller Beschäftigten im Kreis.

Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liegt im Kreis Nordhausen bei aktuell 694 Euro im Monat. Dabei sind insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt. Dies geht aus einer Renten-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler aus Hannover haben dabei für die Gewerkschaft NGG amtliche Statistiken ausgewertet.

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Demnach könnte die Zahl armutsgefährdeter Rentner im Landkreis Nordhausen künftig noch deutlich steigen – nämlich dann, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte. Dann gäbe es mehr als 10.000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, so das Pestel-Institut. Jens Löbel, Geschäftsführer der NGG-Region Thüringen, spricht von „alarmierenden Zahlen“.

Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse später auch von seiner Rente leben können. „Am Ende steht hier das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel.“ Die Bundesregierung hat eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis lediglich 2025 vereinbart. „Das reicht nicht aus“, so Löbel. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben.

Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden“, betont Löbel. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten im Kreis Nordhausen viele Beschäftigte im Alter aufstocken. „Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif“, so der Gewerkschafter.

Viele Beschäftigte hätten zwar das Glück, dass der Partner mehr verdiene und so die Haushaltskasse im Rentenalter aufbessere. Doch häufig sei das Geld selbst dann sehr knapp. Gerade wer einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen „extrem mageren Rentenbescheid“ einstellen. Frauen seien davon besonders häufig betroffen. Sogar unter Vollzeitbeschäftigten hat nach Berechnungen des Pestel-Instituts aktuell rund jeder Zweite im Kreis Nordhausen einen Rentenanspruch von weniger als 1.000 Euro monatlich – nach 40 Arbeitsjahren.

Eine gute tarifliche Altersvorsorge könne zwar dabei helfen, dass im Alter etwas mehr übrig bliebe. „Aber Zusatzrenten sind nicht dafür da, ein immer geringeres Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen“, so Löbel. Sein Fazit: „Der Staat muss die gesetzliche Rente sichern. Alle Beschäftigten sind auf sie angewiesen. Und die Arbeitgeber müssen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge viel mehr tun, damit die Menschen ihren Lebensabend genießen können.“
Autor: red

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Kommentare
geloescht.otto
03.12.2018, 10:16 Uhr
Ihr wisst
alles - tut endlich was dagegen!!
Nur labern bringt nichts und hilft den Betroffenen überhaupt nicht.
So wie sich in Frankreich die Leute wehren - das geht in unserer Rebupe auf keinen Fall - niemals!
Leser X
03.12.2018, 10:31 Uhr
Nach Frankreich schauen
Die Franzosen zeigen uns gerade, dass man sich nicht zwangsläufig seinem Schicksal ergeben muss. Widerstand gegen die Verursacher sozialer Verbrechen ist legitim. Jammern bringt da nichts. Wenn man den Widerstand scheut, hat man nichts besseres verdient.
Kilian Baltres
03.12.2018, 11:01 Uhr
Cola Truck gegen Mini Renten
Was soll die harte Realität von Mini Tenten, in der Adventszeit? Lieber noch mehr Jubel Meldungen vom bunten Coca Cola Truck und dem Weihnachtsmarkt. Brot, und Spiele ist angesagt!!! K. Baltres
Wolfi65
03.12.2018, 11:23 Uhr
Da will ich jetzt mal jammern!
Wer hat denn jetzt und in Zukunft noch 45 Beitragsjahre aufzuweisen?
Wenn die Generation Facebook mal so weit ist, dann kann die Rentenversicherung abgeschafft werden, denn es gibt keine Beitragszahler mehr, welche genug einzahlen, um wenigstens noch die Grundrente zu bekommen.
Wenn ich mich nicht irre, muss man um Anspruch zu haben, wenigstens 25 Beitragsjahre eingezahlt haben.
Da wird in Zukunft die Wahl aber ziemlich eng werden.

PS: Zu den 25 Jahren Minimum für einen Rentenanspruch bin ich gerne bereit, mich von einen Klügeren des Besseren belehren zu lassen.
Wolfi65
03.12.2018, 11:29 Uhr
Nachtrag zum Vortrag
In der BRD fällt ja Niemand durch das sogenannte Soziale Netz.
Es gibt doch Suppenküchen und Sozialämter im Staate der blühenden Landschaften und der großen Meinungs- und Reisefreiheit.
Psychoanalytiker
03.12.2018, 12:06 Uhr
Ich schrieb es bereits ...
... Jens Spahn, damals noch Staatssekretär im Finanzministerium, sagte 2015/2016 im Rahmen der Flüchtlingshilfe: "Es ist GENUG Geld da!" Ja, für die Flüchtlinge, warum nicht auch für die Rentner mit etwa 45 Arbeitsjahren? O.K., das Geld liegt in unterschiedlichen "Töpfen", da ist Deutschland nicht so flexibel es hin-und her zu schieben, es wirkt da halt Deutsche Bürokratie. Aber ich empfinde es als "Frechheit" für 45 Arbeitsjahre kaum mehr zu zahlen, wie für 0 Jahre Arbeit!

Und ich muss schon wieder daran erinnern. Laut Sozialverbänden gilt der als ARM, der 60 oder weniger Prozent des gesamtdeutschen Durchschnittsverdienstes (netto) erhält. Der Durchschnitts-Rentner bekommt bestenfalls 48 Prozent von diesem Durchschnittsverdienst (jetzt erst von CDU/CSU und SPD so festgelegt) und muss davon noch Steuern, Krankenversicherung und Pflegeversicherung zahlen. Nun rechnet mal, und vielleicht bemerkt auch Ihr, wieviel Wert ein Rentner unseren Politikern tatsächlich ist .....
Marino50
03.12.2018, 18:25 Uhr
Mini-Renten
Ich Spende dem Deutschen Staat monatlich 7,2 % meiner Rente. Man hat mich mit 63 Jahren zwangsverrentet. Zuvor habe ich auch Hartz IV bezogen. Da hilft kein Widerspruch und keine Petitionsschreiben. Du fühlst total entmündigt. Ich glaube nicht, dass sich viele Gedanken um die Rente machen. Es gibt doch Leistungen in Höhe Hartz IV-Bezüge. Wir müssen Miete und GEZ selbst bezahlen. Es würde schon eine Ermäßigung der öffentlichen Verkehrsmittel für Rentner helfen.
Kelly.
04.12.2018, 15:59 Uhr
Altersarmut ist ein Ertrag ...
... aus der Ernte von den einst
versprochenen blühenden Landschaften.
Es geht eben nicht ganz so vielen besser,
vor allem im Alter.

Der Sozialismus konnte den Westen
nicht einholen und schon gar nicht
überholen. Also zug man gen Westen
und vertraute den Versprechungen.
Doch statt dessen wurde abgewickelt,
entlassen und verkauft.
Aus der entstandenen Arbeitslosigkeit
und dem Niedriglohnsektor läßt sich
nun 'mal keine höhere Rente erzielen.

Und nun, da sich viele Hoffnungen nicht
erfüllt haben, auch noch neuer Unmut
hinzugekommen ist, wächst der Glaube
an das Blaue vom Himmel.
Aber frei nach einem Sprichwort
sollte man den Tag nicht vor dem Abend
loben.
Psychoanalytiker
04.12.2018, 17:40 Uhr
Hallo Kelly., die Rentenformel lautet ...
... vereinfacht: Rentenpunkt mal Rentenwert = Rentenbetrag (brutto). Die Rentenpunkte werden gehaltsabhängig ermittelt. Verdient man in einem Jahr den "Bundesdurchschnitt" erhält man 1,0 Punkte, verdient man weniger gibts Abzug, verdient man mehr, erhöht sich der Rentenpunkt. Das Ganze wird Jahr für Jahr addiert und zu Rentenbeginn weiss man, wie viele Rentenpunkte man hat. Diese Punkte werden dann mit dem jährlich von der Regierung festgelegten Rentenwert multiplizert und wenn nicht noch etwas berücksichtigt werden muss, kann man leicht seine Brutto-Rente berechnen. (Der Rentenwert liegt pro Rentenpunkt aber nach fast 30 Jahren Einheit im Westen noch immer etwa 1 € höher, als im Osten). Daraus kann man ableiten, dass sich die Rente durchaus erhöhen ließe. Die Regierung müsste nur den Rentenwert anheben. Aber dafür ist angeblich kein Geld da. Und da "beißt sich die Katze in den Schwanz", denn der Herr Spahn sagte ja 2015/2016 im Zusammenhang mit Flüchtlingen und Migranten, dass genug Geld da sei. Das gilt aber nicht für die Rentner in unserem Land, die immerhin in etwa 45 Jahre gearbeitet haben. Darum sind letztendlich die Renten so niedrig und liegen kaum höher, als die "soziale Hilfe" und somit trotz hoher Lebensleistung meist unter der von Sozialverbänden genannten "Armutsgrenze".........
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