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Di, 13:38 Uhr
11.09.2001

Lebendige Bergmannstradition

Ilfeld (nnz) Seit einiger Zeit bietet der Erholungsort im Stollen der Langen Wand regelmäßig das so genannte Tzscherper-Essen an. Es erfreut sich einer erstaunlich großen Resonanz. Aber was ist das eigentlich? Genau das wollte auch nnz-Mitarbeiterin Manuela Jauer wissen.


Vom 16. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in vielen Teilen Deutschlands intensiver Bergbau betrieben. Da zu dieser Zeit die technischen Mittel des Bergmannes noch stark begrenzt waren, musste er eine Möglichkeit finden, um mit wenig Aufwand viel bei seiner Arbeit bewirken zu können. Die Lösung war ein kleines Messer mit feststehender Klinge, das für die verschiedensten Aufgaben genutzt werden konnte. Beispielsweise diente es dazu, die Holzstiele für die neu aufzuziehenden Bergeisen passend zurecht zuschneiden. Das waren immerhin zehn bis zwölf Stück pro Schicht. Außerdem gebrauchte der Bergmann sein Messer, um das einzubauende Grubenholz auf Tauglichkeit zu prüfen. Schließlich durfte man kein morsches Holz verwenden. Weiterhin diente es dazu, kaputt getretene Sprossen aus den Grubenleitern zu entfernen und neue wieder einzuziehen. Nicht zuletzt kam ihm auch eine wichtige Bedeutung während der Pausen zu: Man nutzte das Messer, um „über den Daumen„ sein Brot zu essen. Die breite Auflage der Klinge ermöglichte einen guten Andruck am Daumen und eignete sich dadurch sehr gut als Hartwurstmesser.

Der Name dieses kleinen scharfen Helfers im Stollen war Tzscherper. Sein Ursprung liegt wahrscheinlich im sächsisch-böhmischen Bergbau, von wo aus der Tzscherper durch die Wanderung sächsischer Bergleute in den Harz kam. Da diese Messer in der Regel in grubeneigenen Schmieden hergestellt wurden, haben sich zwischen Harz und Erzgebirge typische Unterschiede heraus gebildet. Im Harz sind sie wesentlich größer und besitzen einen durchgehenden, meist birnenförmigen Griff. Man trug die Tzscherper in einem Lederköcher, der neben einer kleinen Tasche befestigt war und in den zwei bis drei Stück hinein passten. Meist war die Taschenklappe mit dem Symbol der Bergmänner (Schlägel und Eisen) verziert.

Aus der Gewohnheit, seine Mahlzeiten mit Hilfe des Messers einzunehmen, entwickelte sich die Tradition des Tzscherper-Frühstücks. Heute wird sie hauptsächlich auf Berg- und Bergdankfesten gepflegt. Auch die Gemeinde Ilfeld will diesen Brauch erhalten und bietet regelmäßig ein Tzscherper-Essen im Stollen der Langen Wand an. Der letzte Termin in diesem Jahr ist der 19. September. Treffpunkt ist um 15.00 Uhr auf dem Neanderplatz. Nach einem historischen Ortsrundgang folgt eine Führung in der Langen Wand, danach kann man sich bei einer zünftigen Mahlzeit mit frischem Brot und hausschlachtener Wurst stärken. Es wird um eine Anmeldung im Vorfeld gebeten. Auch ein finanzieller Beitrag ist erforderlich. Interessierte melden sich bitte bis zum 17. September im Büro der Südharz-Touristik Ilfeld oder bei der Gemeinde. Dort erhält man auch alle weiteren Informationen.
Glück auf und guten Appetit!
Manuela Jauer
Autor: nnz

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