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Sa, 19:00 Uhr
27.10.2018
LANDMASCHINENBAU IN OSTDEUTSCHLAND:

Einst klangvolle Namen, heute alles schon vorbei

Wer nach dem 2. Weltkrieg auf dem Lande groß geworden ist, kann sich an die damalige Zeit noch gut erinnern. Für Jüngere ist sie längst schon Geschichte: Aus Stroh flochten zumeist Frauen Seile, umbanden die Garben und setzten sie in Hocken. Auf hoch gestapelten Erntewagen ging es mit dem Erntegut zur Dreschmaschine, die auf dem Dorfplatz ratterte und die Körnerfrucht ausdrosch...


Nordhausen. Die damals handtuchartigen kleinen Felder sahen den Bauern noch oft mit der Sense zugange. Bevor die Flächen wieder braun wurden, war in der Regel der Landwirt mit einem Ochsen - oder Pferdegespann vor dem Pflug am Werk. Wer einen Mähbinder besaß, war technisch schon gut ausgerüstet.

Die kleinteiligen bäuerlichen Betriebe hatten zu tun, die Bevölkerung halbwegs mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Vor allem die vielen Flüchtlinge und ausgebombten Städter litten Hunger. Die Arbeit in der Landwirtschaft war von schwerer körperlicher Arbeit geprägt. Aufgabe der Industrie war es, die Bauern technisch besser auszurüsten.

Die Feldarbeit seinerzeit revolutionierte ein 1949 vom Triptiser Ingenieur Egon Scheuch entwickelter Geräteträger, „Maulwurf“ genannt. Die ersten zehn Muster wurden ein Jahr später im IFA-Schlepperwerk gebaut. Der „Maulwurf“ verfügte über einen 1-Zylinder-Zweitakmotor mit 8 PS. Das Prunkstück ist in der Wanderausstellung „Landmaschinenbau in Ostdeutschland – gestern & heute“ im IFA-Museum zu sehen. Es folgte eine evolutionäre Entwicklung der „Maulwürfe“ bis zum letzten Muster. Der Sohn des Entwicklers rief diese Zeit anschaulich in Erinnerung.

Mit der DDR-Gründung und dem damit verbundenen Strukturwandel auf dem Lande durch die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschafen (LPG) veränderten sich die Anforderungen an den Landmaschinen -und Fahrzeugbau entscheidend. Mit der wachsenden Größe der Betriebe wuchsen die zu bewirtschaftenden Flächen und die Viehbestände. Der Landmaschinenbau reagierte, erarbeitete sich einen klangvollen Namen, entwickelte sich zu einem Devisenbringer.

Was aber wurde aus der einst stolzen Landmaschinenindustrie in Ostdeutschland und ihren Produkten? Sie hatten hierzulande einen Namen: Pionier, Famulus, E 512, ZT 300, W 50. Nichts sei davon geblieben, meint Kurt Bierwisch. Er war von 1976 bis zum Schluss im Kundendienst des einstigen größten Arbeitsgebers im Landkreis Nordhausen tätig.

Ein Team von Fachleuten, Historikern und ehemaligen Technikern präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Förderverein des Agrarmuseum Wandlitz eine umfangreiche Palette an Maschinen, die einst die Arbeit der Bauern erleichterte. Entstanden ist eine umfangreiche Ausstellung zur Geschichte des ostdeutschen Landmaschinenbaus in der DDR bis zum Jahre 1990.

Seit nunmehr sechs Jahren präsentiert das IFA-Museum der Kreisstadt selbst einen Teil dieser Geschichte. Förderverein und Gemeinde Wandlitz zeigen die Wanderausstellung „Landmaschinenbau in Ostdeutschland – gestern & heute“ im IFA-Museum. Heute Vormittag eröffnete sie Hans-Georg Franke, Vorsitzender des IFA-Museumsvereins.

Gekommen war auch der ehemalige Minister für Infrastruktur des Landes Brandenburg und heutiger Vorsitzender des Fördervereins Agrarmuseum Wandlitz, Reinhold Dellmann. Er lobte das schöpferische Schaffen der Belegschaft in der langjährigen Geschichte des Werkes. Insbesondere die beispielgebende Arbeit derer, die das IFA-Museum schufen. Was dort gezeigt werde, verdiene allerhöchste Anerkennung.

So sieht es auch Günter Waldhelm. Am 1. September 1950 begann er im IFA-Motorenwerk die Lehre als Dreher. Er qualifizierte sich zum Lehrausbilder und späteren Abteilungsleiter Berufsausbildung. Dem Werk hielt er 42 Jahre lang die Treue. Bis zum bitteren Ende. Waldhelm begutachtete voller Interesse unter anderem ein uraltes Stück, einen Traktor Typ RT 310, Zweizylinder, 36 PS.

Indes traten regelrechte Kolosse die Nachfolge an. Was heute über die Felder rollt, pflügt, eggt, drillt, mäht und erntet ist phänomenal. Mächtige computergesteuerte Maschinen. Die Ausstellung ist noch bis Ende des Jahres an der Montaniastraße zu sehen.
Kurt Frank
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
Neue Ausstellung im IFA-Museum (Foto: Kurt Frank)
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Kommentare

28.10.2018, 09.43 Uhr
Kilian Baltres | Hervorragend besuchtes nordhäuser Museum
Es ist eine tolle Ausstellung die sehr gut besucht war. Das IFA Museum gehört mit zu den besten. Museen der Stadt wie auch die Traditionsbrennerei. Es liegt, sicher nicht nur daran, daß sich beide mit den Traditionen unserer Stadt befassen, sondern immer neue Ideen haben. Sehr schön! K. Baltres

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28.10.2018, 09.58 Uhr
Leo 1A5 | Wer kennt
sie nicht diese alten Legenden RT315/325(Famulus),, made in NDH".

Traktoren die damals auch einem Deutz D40 und co. nicht aus dem Wege gehen brauchten.

Oder unsere Geräteträger RS09/GT124 die min.125000 mal gebaut wurden und einen Fendt oder Eicher Geräteträger schon durch den Zentralholm weit überlegen waren!

Maschinen die treu ihren Dienst verrichten teilweise auch heute noch.

Was da entwickelt wurde am Reißbrett und unter den Umständen der Nachkriegszeit ist eine Meisterleistung deutscher Ingenieurskunst.

Allein die Luftgekühlten Motoren waren schon ein Meilenstein.

Axialgebläse als es im Westen noch meistens Radialgebläse gab im Motorenbau.

Leider war 1965 Schluss mit Traktoren ,,Made in NDH" man hätte den Famulus ruhig noch 3-5 Jahre weiter bauen können in NDH und weiterentwickeln können zum Bsp. Hydraulische Lenkhilfe und Regelhydraulik evtl. eine Unterlastschaltstufe und Allrad und besseren Fahrkomfort.

Der 3-Zylinder war ja ein Flop

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