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Di, 17:30 Uhr
23.10.2018
Etappensieg für den Naturschutz

Winkelberg wird Naturschutzgebiet

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund hat soeben die Ausweisung des Winkelberges bei Nordhausen als Naturschutzgebiet verkündet. Mit dem Winkelberg wird ein besonders artenreicher Teil (rund 20 Hektar) der Rüdigsdorfer Schweiz geschützt. Die Naturschützer frohlocken, doch es dürfte nur ein Etappensieg sein...

Der Winkelberg wird Naturschutzgebiet (Foto: Angelo Glashagel)
„Ich freue mich sehr, dass wir ein ganz besonderes Stück Natur unter Schutz stellen können. Der Winkelberg gehört zur imposanten Gipskarstregion des Thüringer Südharzes – diesen Schatz vor der Haustür wollen wir für die Region bewahren, erklärte Thüringens Umweltministerin am Nachmittag im Bürgerhaus. Was viele nicht wüssten: Die Südharzer Gipskarstlandschaft sei einer von 30 bundesweiten ‚Hotspots der biologischen Vielfalt‘ und gehörten zum größten und bedeutendsten Gipskarstgebiet Mitteleuropas.

"Ich danke den vielen Akteuren vor Ort, die sich gemeinsam mit uns für den Winkelberg engagiert haben.“, sagte Siegesmund. SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Becker, die auch BUND-Vorstandsmitglied ist, ergänzte: „Die Region hat lange für diese Entscheidung gekämpft. Der alte Gipskompromiss war nie richtig tragfähig und ist endgültig überholt. Den Menschen in der Region bleibt die Schönheit des Winkelbergs erhalten.“

Bereits 1996 hatte man eine entsprechende Auslegung vorbereitet, erinnerte sich Becker. In einem bis dahin noch nie da gewesenen Akt habe damals ein Staatssekretär das Verfahren gestoppt und die Bemühungen um den Schutz der Rüdigsdorfer Schweiz wieder an den Nullpunkt gebracht. Erst um die Jahrtausendwende habe man den Begriff "Gipskompromiss" das erste mal gehört: insgesamt 18 Hektar des Gebietes sollten als Bergwerkseigentum verbleiben und damit zum Abbau freigegeben werden.

Inzwischen sind über zwanzig Jahre vergangen, Jahre in denen man vor Ort nie aufgegeben habe, lobte Ministerin Siegesmund, die den Kampf im Südharz selbst nun seit einiger Zeit begleitet. Bereits 2016 war die Ausweisung des Winkelbergs als Naturschutzgebiet (NSG) eingeleitet worden und wurde jetzt vom Landesverwaltungsamt umgesetzt. Die entsprechende Verordnung zum Winkelberg soll am 13. November 2018 im Thüringer Staatsanzeiger veröffentlicht und damit rechtskräftig werden.

Das Naturschutzgebiet ist geprägt durch wertvolle Lebensräume, wie zum Beispiel kalk- oder basenhaltige Felsen mit Kalk-Pionierrasen, Kalkschutthalden, insektenreiche Trespen-Schwingel-Kalk-Trockenrasen sowie extensive Mähwiesen. Sie sollen durch geeignete Bewirtschaftungs- und Pflegemaßnahmen erhalten und gefördert werden.

Die Ausweisung begründet sich auch durch weitere Punkte:
  • Das NSG komplettiert den Schutz des Winkelberges und schließt die vollständige Unterschutzstellung dieses in seiner Gesamtheit besonders schutzwürdigen und schutzbedürftigen Bereiches ab, insbesondere des Habitatkomplexes Stollensystem und Jagdlebensraum für Fledermäuse.
  • Der Schutz des FFH-Gebietes „Rüdigsdorfer Schweiz - Harzfelder Holz - Hasenwinkel“ ergibt sich dann nahezu vollständig aus NSG-Verordnungen. Das NSG „Winkelberg“ ist der letzte kleine, aber sehr wichtige Baustein, um das Gebiet vor möglicher Beeinträchtigung insbesondere durch den Gipsabbau zu bewahren.
  • Das NSG ist bedeutender Bestandteil eines länderübergreifenden Biotopverbundsystems und dient der Umweltbildung sowie ökologischer Forschung.
Unter den Abbaugegnern im Südharz dürften heute die sprichwörtlichen Sektkorken knallen, gerade da man jüngst mit den Entscheidungen zum Kuhberg einen Tiefschlag hatte hinnehmen musste.

Bei aller Freude, es dürfte nur ein Etappensieg sein. Das es wahrscheinlich sei, dass die Gipsindustrie die Entscheidung beklagen werde, das stellte Dagmar Becker schon heute fest. Juristische Werkzeuge würden aber auch dem BUND zur Verfügung stehen, etwa wenn es um den Regionalplan Nordthüringen gehe. Die hier zum Abbau ausgewiesenen Gebiete seien "bei allem Respekt", zu viel, sagte die Abgeordnete. Das nächste Schlachtfeld im Streit um den Gipskarst scheint also schon vorbereitet.
Angelo Glashagel
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Kommentare

23.10.2018, 19.51 Uhr
-Insider- | Durch
den Artikel ist mir jetzt auch klar, warum vorhin zwei dicke Schlitten (ja, ja....das eine war ein E-Auto) vor der Bibliothek auf dem GEHWEG geparkt haben. Jeder Otto Normalo bekommt dafür die Quittung vom O-Amt - Frau Ministerin darf natürlich nicht nass werden, Tiefgarage ist mutmaßlich auch nicht zumutbar. Wie mir diese Grünen ungelernten/unstudierten Berufspolitiker mit 0 Jahren Berufserfahrung quer liegen. Roth, Göhring-Eckardt sind ja nur die Spitze des Eisbergs. Das nächste Mal werde ich nicht ohne Protest Slalom um die Autos um diese Karren auf dem GEHWEG laufen!
23.10.2018, 20.31 Uhr
Liane Enzinger | Super Entscheidung Frau Siegismund . .
... für unsere Rüdigsdorfer Schweiz!

Liane Enzinger, M.A.
24.10.2018, 12.00 Uhr
Andreas Dittmar | Die Gesamtlösung fehlt
Wie Herr Glashagel schon schrieb : "Das nächste Schlachtfeld ist vorbereitet" Mit solchen Insellösungen kann man ein Stück Natur retten. Hier geht es aber um eine ganze Region. Aus meiner Sicht muss es eine Gesamtlösung geben, die man auch zusammen mit der Gipsindustrie aushandelt. Recycling fördern (Dazu wird man Geld brauchen), Natur, Arbeitsplätze und Planungssicherheit unter einem Dach wäre eine Konzept, welches man feiern könnte. Wenn man um die geschützten Bereiche den Gips wegbaggert, zerstört man auch das geschützte Biotop. Wenn man feststellt, dass Gesetze nicht mehr zeitgemäß sind, ist es an der Zeit das zu ändern.

Andreas Dittmar , Alternative für Deutschland
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