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Do, 09:43 Uhr
11.10.2018
Großer Andrang zur Patientenakademie in der HELIOS Klinik Bleicherode

„Ein schleichender Prozess“

Im gesunden Zustand merken wir nicht, wie das Blut durch unsere Gefäße strömt. Liegt eine Störung vor, machen sich Ausfälle und Krankheitssymptome bemerkbar. Zur Patientenakademie der Bleicheröder Fachklinik für Orthopädie sorgte Gefäßspezialist Dr. Matthias Lenk für einen vollen Hörsaal und großes Interesse...

Patientenakademie in Bleicherode (Foto: Janine Skara) Großes Interesse im Hörsaal der Patientenakademie

Der Andrang war groß im Hörsaal zur Patientenakademie am Dienstagabend in der HELIOS Klinik Bleicherode. Dr. Matthias Lenk, Chefarzt des Zentrums für Gefäßchirurgie an der HELIOS Klinik Sangerhausen, freute sich über die Resonanz seiner Vortragsankündigung. „Bleicherode hatte schon immer einen sehr guten Ruf und ich als gebürtiger Thüringer freue mich sehr, hier zu sprechen“, empfing der Gefäßspezialist die über 50 Gäste. Der Bezug zwischen Orthopädie und Gefäßmedizin sei gar nicht so abwegig. Einige Symptome, so Lenk, die scheinbar orthopädischer Natur sind, seien auf Durchblutungsstörungen zurückzuführen. So können beispielsweise unerklärliche Hüftschmerzen auch auf eine Erkrankung der Beckenarterien hinweisen.

Alles im Fluss? Der Vortragstitel zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend. Der Gefäßchirurg verdeutlicht die Bedeutung der eigenen Lebensweise für die Gefäßgesundheit, zeigt anschaulich, wie es aufgrund schlechter Ernährung, Bewegungsmangel und vor allem durch Rauchen zu Gefäßverengungen kommt und empfiehlt den Besuchern Maßnahmen, die eine Durchblutungsstörung verhindern oder gar verbessern können.

„Durchblutungsstörungen sind Ausdruck für eine Wohlstandsgesellschaft. Man kann viel tun, um sie zu verhindern“, mahnt Dr. Lenk. Rauchen sei der größte Risikofaktor, der zu Gefäßverengung führe. So verkürze das Rauchen einer Zigarette das Leben um drei Stunden und 40 Minuten. „Raucher leben im Schnitt zehn Jahr kürzer, als Nicht-Raucher“, verdeutlicht Lenk den Einfluss von Tabakkonsum auf die Lebenserwartung.

Durchblutungsstörungen liegen vor, wenn die Arterien das Blut vom Herzen nicht mehr in die Arme und Beine transportieren können. Dann ist nicht mehr alles im Fluss. Eine Verschlusserkrankung bedeute jedoch nicht unbedingt, dass die Gefäße verschlossen sind. Vielmehr ist oftmals von einer Verengung die Rede, die schwerwiegende Folgen haben kann. „Die Hauptschlagader hat einen Durchmesser von zwei Zentimeter. Ihre Verzweigung bis in die Beine ist so vergabelt, dass die kleinsten Blutgefäße nur noch zwei bis drei Millimeter dünn sind. Dennoch entsteht eine Durchblutungsstörung nicht über Nacht. Erst bei einer Einengung von etwa 75 Prozent in den Arterien, werden Beschwerden spürbar.

„Ziel unserer Behandlung ist immer der Erhalt der Beine mit ihren Arterien, denn aus unserer Erfahrung wissen wir: Die Hälfte aller Patienten, bei denen größere Beinteile, wie Unterschenkel oder Oberschenkel, amputiert werden müssen, sind statistisch gesehen nach zwei Jahren tot“, sagt Dr. Lenk. Grund sei die medizinische Vorbelastung der Patienten, denn in der Regel liegt bei einer Arterienverengung bereits eine schwere Durchblutungsstörung am Herz vor.

In Deutschland leiden 22 Prozent aller über 65-Jährigen unter Durchblutungsstörungen, jedoch müssen davon nur neun Prozent klinisch behandelt werden. Die Erkrankung an sich ist ein schleichender Prozess. Schmerzen beim Gehen müssen beobachtet werden. Treten jedoch auch im Ruhezustand Schmerzen in den Beinen auf, beginnt der Handlungsbedarf für das Team von Dr. Lenk. Werden die Beschwerden nicht behandelt, drohen im schlimmsten Fall absterbende Zehen- oder Fußteile.

Um Durchblutungsstörungen festzustellen, bedarf es zunächst lediglich einer guten Befragung und klinischen Untersuchung. 80 Prozent aller Durchblutungserkrankungen können so bereits festgestellt werden. Ultraschall und bildgebende Diagnostik sind weiterführende Untersuchungen, die genauer Aufschluss über den Fortschritt der Erkrankung geben. Die klinische Behandlung erfolgt in 70 Prozent aller Fälle mittels der Kathetertechnik und bedarf keinem chirurgischen Eingriff.

Einmal Gefäßpatient immer Gefäßpatient. Ein klinischer Eingriff verhilft meist zeitnah zu Linderung und wiedergewonnener Lebensqualität. Gefäßpatient bleibt man trotzdem, denn es gilt grundlegende Risikofaktoren zu beachten, seine Lebensweise zu ändern und mit gezielten Bewegungsübungen das Risiko für erneute Gefäßerkrankungen zu minimieren.

Die Besucher waren begeistert von den Inhalten und der Nähe zu dem erfahrenen Referenten, der während des Themenabends immer wieder auf die Erwartungen und Fragen seiner Gäste einging. Denn die Interessierten kamen nicht nur, um Neues über Krankheitsbild und Vorbeugung zu lernen, sondern auch, weil viele mit ihren zum Teil langjährigen Symptomen im Unklaren gelassen werden. Dauerhaft kalte Füße, Verfärbung in den Unterschenkeln, nächtliche Wadenkrämpfe oder Atemnot beim Gehen alles Symptome für arterielle Durchblutungsstörungen?

Dr. Lenk nahm sich für Jeden Zeit und beantwortete alle Fragen. Die meisten Besucher konnte er beruhigen, da die beschriebenen Beschwerden nicht auf arterielle Erkrankungen hinweisen. Einigen riet er allerdings zu einer Gefäßdiagnostik, um Klarheit zu bekommen. Für alle Besucher war der Abend in jedem Fall eine Bereicherung. Aufgrund der großen Nachfrage wird es im kommenden Jahr eine weitere Veranstaltung mit Dr. Lenk geben. Dann werden venöse Erkrankungen thematisiert.
Janine Skara
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