Mi, 09:57 Uhr
05.09.2001
Das war nur ein Moment...
Nordhausen (nnz). Einen Moment aus einer großen gesamtdeutschen Sänger- und Schauspielerkarriere konnten gestern Abend knapp 1000 begeisterte Besucher in der Ballspielhalle erleben. Manfred Krug las und sang und überzeugte.
Im Februar gehe er endlich in Rente, sagte der gutaufgelegte Schauspieler am gestrigen Abend dem eher reiferen Publikum in der Nordhäuser Ballspielhalle und fügt verschmitzt hinzu, dass er immer fleißig Marken geklebt hätte, erst im Osten und dann auch im Westen.
Wer einen Nostalgieabend mit den Hits der sechziger Jahre erwartet hatte, wurde überrascht und vom Programm schließlich nicht enttäuscht. Und Krug hat es wahrlich nicht nötig, auf den ollen Kamellen rumzureiten. Viel zu viele Dinge und vor allem bisher nicht gesungene Songs treiben ihn noch um. Und er wäre nicht der Manfred Krug, den wir alle kennen, hätte er nicht exzellente Mitstreiter für seinen Lesesinge-Abend um sich geschart. Die Band Jazzin' the Blues, bestehend aus den beiden alten Haudegen Henning Protzmann am Bass und der Schlagzeug-Legende Wolfgang Zicke Schneider sowie den jungen Spunden (O-Ton Krug) Matthias Bätzel am Piano und Andreas Bicking (Flöte und Saxophon), war ein einziger Ohrenschmaus.
Die große Überraschung des Abends war aber zweifellos Fanny Krug, des Meisters Tochter, die neben der Nase auch einige der väterlichen Vorlieben geerbt zu haben scheint. Mit einem schönen jazzigen Timbre sang sie an der Seite Papas oder auch allein und wusste absolut zu überzeugen. Die musikalische Auswahl reichte von Gershwin-Titeln bis hin zu Herbie-Hancock-Nummern und Bossa-Nova-Rhythmen.
Gelesen wurde schließlich auch noch. In zwei Blöcken trug Krug seine Geschichten vor, wie sie nur ein Krug vortragen kann - professionell und mit dem rhetorischen Schalk, der zu seinem Markenzeichen geworden ist. Nichts gegen Krugs Prosa, die erfrischend und von der Schauspielern eigenen, gründlichen Beobachtungsgabe geprägt ist, aber wirklich verdient gemacht hat er sich mit der Veröffentlichung der Postkarten, die ihm sein Freund und langjähriger Weggefährte Jurek Becker aus aller Welt geschickt hat. Dessen trockener Witz und Esprit gepaart mit Krugs begnadetem Vermögen, diese Bonmots auch wirkungsvoll vorzutragen, sorgte für große Heiterkeitsausbrüche im Publikum und manchmal ( das macht den erfahrenen Mimen so menschlich) auch bei Krug selbst.
Nach zweieinhalb Stunden war dieser Moment der Begegnung mit einem der begabtesten deutschen Schauspieler und - das sollte man nicht vergessen - Jazzsänger vorbei. Was von diesem Abend bleiben wird, ist neben den Hunderten Autogrammen, die Krug bereitwillig nach dem Konzert gab, das Gefühl, einen unterhaltsamen, qualitativ hochwertigen Abend mit sehr guten Entertainern erlebt zu haben, von dem man im alltäglichen Einerlei noch eine ganze Weile zehren kann.
Autor: osch
Im Februar gehe er endlich in Rente, sagte der gutaufgelegte Schauspieler am gestrigen Abend dem eher reiferen Publikum in der Nordhäuser Ballspielhalle und fügt verschmitzt hinzu, dass er immer fleißig Marken geklebt hätte, erst im Osten und dann auch im Westen.Wer einen Nostalgieabend mit den Hits der sechziger Jahre erwartet hatte, wurde überrascht und vom Programm schließlich nicht enttäuscht. Und Krug hat es wahrlich nicht nötig, auf den ollen Kamellen rumzureiten. Viel zu viele Dinge und vor allem bisher nicht gesungene Songs treiben ihn noch um. Und er wäre nicht der Manfred Krug, den wir alle kennen, hätte er nicht exzellente Mitstreiter für seinen Lesesinge-Abend um sich geschart. Die Band Jazzin' the Blues, bestehend aus den beiden alten Haudegen Henning Protzmann am Bass und der Schlagzeug-Legende Wolfgang Zicke Schneider sowie den jungen Spunden (O-Ton Krug) Matthias Bätzel am Piano und Andreas Bicking (Flöte und Saxophon), war ein einziger Ohrenschmaus.
Die große Überraschung des Abends war aber zweifellos Fanny Krug, des Meisters Tochter, die neben der Nase auch einige der väterlichen Vorlieben geerbt zu haben scheint. Mit einem schönen jazzigen Timbre sang sie an der Seite Papas oder auch allein und wusste absolut zu überzeugen. Die musikalische Auswahl reichte von Gershwin-Titeln bis hin zu Herbie-Hancock-Nummern und Bossa-Nova-Rhythmen.
Gelesen wurde schließlich auch noch. In zwei Blöcken trug Krug seine Geschichten vor, wie sie nur ein Krug vortragen kann - professionell und mit dem rhetorischen Schalk, der zu seinem Markenzeichen geworden ist. Nichts gegen Krugs Prosa, die erfrischend und von der Schauspielern eigenen, gründlichen Beobachtungsgabe geprägt ist, aber wirklich verdient gemacht hat er sich mit der Veröffentlichung der Postkarten, die ihm sein Freund und langjähriger Weggefährte Jurek Becker aus aller Welt geschickt hat. Dessen trockener Witz und Esprit gepaart mit Krugs begnadetem Vermögen, diese Bonmots auch wirkungsvoll vorzutragen, sorgte für große Heiterkeitsausbrüche im Publikum und manchmal ( das macht den erfahrenen Mimen so menschlich) auch bei Krug selbst.
Nach zweieinhalb Stunden war dieser Moment der Begegnung mit einem der begabtesten deutschen Schauspieler und - das sollte man nicht vergessen - Jazzsänger vorbei. Was von diesem Abend bleiben wird, ist neben den Hunderten Autogrammen, die Krug bereitwillig nach dem Konzert gab, das Gefühl, einen unterhaltsamen, qualitativ hochwertigen Abend mit sehr guten Entertainern erlebt zu haben, von dem man im alltäglichen Einerlei noch eine ganze Weile zehren kann.

