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Do, 06:38 Uhr
02.08.2018
Klein Nordhausen in Repente

Nach uns die Sintflut?

Bodo Schwarzberg dankt nnz-Leser Vincent Eisfeld für den Beitrag über das frühere Ferienobjekt des Rates des Kreises Nordhausen, Abteilung Volksbildung, nahe des winzigen Brandenburger Örtchens Repente. Er bat um die Publikation von Erinnerungen...


Erstmals war ich als Kind mit meinen Eltern in Repente, erinnere mich an große Teichmuscheln und an Wassertreter, die an einem langen Holzsteg angebunden waren. Mein Vater drehte damals einen Schmalfilm von uns Kindern, auf dem zu sehen ist, wie wir mit den angeleinten Wassertretern am Steg entlang fuhren, die Pedalen mit den Händen statt mit den Füßen benutzend. Soweit es eben das Schiffstau zuließ.

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Später, ich glaube in der 11. Klasse an der damaligen EOS Wilhelm von Humboldt, hatte ich zum zweiten Mal das Glück, Repenteluft schnuppern zu dürfen, diesmal als Angehöriger des so genannten „Lagers für Erholung und Arbeit“. Das bedeutete Ferienjob und Party (fast) zeitgleich:

Tagsüber mussten wir Schüler z.B. 100-Liter-Bierfässer für die durstigen Urlauber (und natürlich für uns selbst) im rumänischen Kleintransporter „Zuk“ (auch genannt Balkanziege) von der Brauerei ins Lager holen, mit viel Schweiß in Richtung Kneipenkeller rollen und in den Bierkeller plumpsen lassen, oder es gab Wege zu harken, Rasen zu mähen oder Müll zu sammeln.

Lagerleiter war damals der angesehene und väterliche Schulleiter Löffler, der den „Zuk“ zum Einkauf fuhr und der uns sagte, was zu tun war. Einmal hatte der Zuk kein Benzin mehr, und ich musste 2 Kilometer mit dem Kanister zur Tankstelle laufen.

Wenn ich mich recht erinnere, erwartete uns allmorgendlich der obligatorische Fahnenappell (zu dem tatsächlich niemand verschlief), aber rückblickend überwiegen einfach die schönen Erinnerungen. Es war lockerer und gelöster, als uns manch ein westdeutscher Freiheitsideologe heute etwas einseitig über das Leben in der DDR erklären will, obwohl er gar kein Zeuge war.

Erinnern tue ich mich auch noch an die Folgen der Präsenz von Nordhäuser Elitelehrern in Repente: Wir Schüler wussten schon, dass der damalige Direktor der Friedrich-Engels-Schule Förster mehr zu sagen hatte, als meinetwegen die damalige Schulleiterin an der Polytechnischen Oberschule Käthe Kollwitz. Ohne Förster gab‘s für Nordhäuser Schüler kein Hitzefrei, so lautete ein Klischee.

Vor Förster zuckte niemand. Vielleicht hatte er etwas zu viel Autorität. Heute aber gibt es eindeutig zu wenig davon. – Die Polizei will sich Antispuckmasken anschaffen. So weit ist es nun schon gekommen.

Wenn Förster oder der damalige Kreisschulrat Egli in Repente auftauchten, veränderte sich die Stimmung, zumindest unter den Urlaub machenden Lehrern. Das merkten auch wir Schüler schnell. Witze und Geschichten wurden dann herumgereicht, genau wie heute auch, wenn vermeintlich wichtige Leute aufkreuzen.

Vor allem aber war das Nordhäuser Objekt Repente in Schuss, also es war gepflegt und mit einer funktionierenden Infrastruktur ausgestattet.

Und die Urlauber vom Südharz waren mit dem angrenzenden Großen Zechliner See als „Highlight“ zufrieden, als „Event“ reichten ihnen ausgelassene Grillabende unterm Sternenhimmel, Zeltkino, gutes Bier, Musik vom Band und eine Liegewiese. Es war ein Traum für viele Nordhäuser, dort Urlaub zu machen.

Das lag gewiss auch daran, dass ja den DDR-Bürgern der Westen verschlossen war, Mauer, Schießbefehl und Stacheldraht.

Von wirklichem Unglück, einen Urlaub im beschaulichen Repente verbringen zu müssen, hätten die Urlauber dort aber gewiss nichts wissen wollen. Dafür würde ich meine Hand ins Feuer legen.

Interessant wäre es, zu erfahren, in welcher Beziehung der Landkreis Nordhausen heute zu dem einst heiß geliebten Objekt steht. Das Thema wäre doch eine nnz-Recherche wert. Schließlich sind seit dem letzten Beitrag zur Problematik schon 15 Jahre ins Land gegangen.

Herr Eisfeld hat das Objekt ja mit seinen Fotos ein wenig geschönt. Blickt man heute in die laut nnz von 2003 von dem Landkreis Nordhausen Anfang der 90er Jahre beräumten Häuschen, so sieht man Schlimmes, - und vielleicht auch gern Vergessenes.

Ende 2016 war ich nämlich aus purer Nostalgie ein drittes Mal in Repente und über das Vorgefundene entsetzt (siehe Fotos). Ja, ich war nahe am heulen.

Der damalige Landrat Claus bemühte sich laut nnz von 2003 im Jahre 1991 verzweifelt darum, den Kreistag davon zu überzeugen, auch das riesige Grundstück zu erwerben, auf denen die damals noch intakten Bungalows standen. – Damit der Repentetraum für die Nordhäuser weitergehen konnte. Claus war als Lehrer wahrscheinlich auch gern dort. Der Kreistag weigerte sich. Die Folgen sehen wir auf den Bildern. Beräumt wurden damals die Möbel, der Rest blieb. Nach uns die Sintflut? Lästige sozialistische Hinterlassenschaft? Was dachte man sich damals? Was denkt sich die Stadt heute?

Warum hat der Landkreis Nordhausen nach 1990 ein solches Chaos zugelassen, wie auf den Bildern von 2016 und teils auf Herrn Eisfelds Fotos zu sehen? Hätten die Gebäude nicht allein schon aus Gründen des Umweltschutzes abgebaut und ordnungsgemäß entsorgt müssen? Wer ist heute für die Ruinen in schönster Natur zuständig?

Und das Wichtigste: Gibt es vielleicht doch noch einen Weg zurück zum ureigenen Nordhäuser Paradies?
Bodo Schwarzberg
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Repente 2016 (Foto: B. Schwarzberg)
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Klappsrobert
02.08.2018, 11:19 Uhr
Eine Nachfrage...
... wo genau befindet sich die Anlage (Beschreibung, Koordinaten)? Vielen Dank
Bekanntschaften
02.08.2018, 11:37 Uhr
Nostalgie
Keiner hätte dieses Ferienobjekt mit diesem Standard nach der Wende mehr gebucht. Die Lage direkt am See ist ideal, aber neue Bungalows hätten gebaut werden müssen.

In den vorangegangenen Berichterstattungen war noch unklar geblieben, wer der derzeitige Eigentümer des Grundstückes ist. Irgendwer muss doch aber die Verpflichtung dafür haben, die Altbauten zu entfernen!
Waldemar Ceckorr
02.08.2018, 12:09 Uhr
@klappsrobert
hier: 53.157810 , 12.814495

der waldi
Klappsrobert
03.08.2018, 09:04 Uhr
Danke @ Waldi
Gefunden!
Paulinchen
03.08.2018, 09:24 Uhr
Sollte die nnz-online Zeitung in der ....
....Vergangenheit des Kreises Nordhausen recherchieren, dann bitte auch mal bei der Stadtverwaltung mit nachschauen. Was wurde aus der Finnhütte in Zühlsdorf bei Oranienburg (Wandlitz/Bernau)? War kein Prunkschloss, aber immerhin ein gern besuchtes Ferienziel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Latimer Rex
03.08.2018, 14:38 Uhr
Repente / Nostalgie
Welch' ein Übersoll an bornierter DDR-Nostalgie. Wer würde
sich noch solch' primitiven Urlaubsverhältnissen aussetzen,
seit allen die ganze Welt offensteht?
Wolfi65
03.08.2018, 16:31 Uhr
Oh, da würden bestimmt viele hinfahren
Genug Gestresste der realen Marktwirtschaft würden sich bestimmt bei einer Generalüberholung der Örtlichkeiten zu einem Urlaub bei über 30 Grad Celsius überreden lassen. Ein positiver Nebeneffekt bei einem Urlaub im eigenen Lande: Die Chance ein Opfer eines Terroranschlages zu werden, wäre in Repente nicht so hoch wie bei einem Urlaub in der sogenannten freien Welt. Auch wenn es altbacken erscheint.

Viele ex DDR-BÜRGER haben auch schöne Zeiten in ihrem Leben im Arbeiter- und Bauernstaat verbracht und haben sich nicht ständig mit Fluchtgedanken in das Non-Plus Ultra Namens BRD getragen, auch wenn es Versorgungsengpässe gab, welche der Großteil der Bevölkerung der DDR mit Bravour überlebt hat, um sich nach erfolgreicher Selbstbefreiung einem neuen Problemstaat gegenüber zu sehen, welcher im Moment selbst um sein Dasein kämpft.
Latimer Rex
03.08.2018, 18:06 Uhr
Wolfi65/Hinfahren
Das "sogenannte" hätten Sie sich vor der freien Welt wirklich
sparen können, denn die existiert wirklich. Deutschland
akzeptiert auch nicht das DDR-Propagandakürzel "BRD".
Abgesehen von chronischen Nörgler, geht's dem neuen "Problemstaat" im Weltvergleich bestens. Nach einer globalen BBC-Umfrage stehen die Deutschen an erster Stelle und in
einer Zufriedenheitsskala weit oben.
Latimer Rex
03.08.2018, 18:07 Uhr
Wolfi65/Hinfahren
Das "sogenannte" hätten Sie sich vor der freien Welt wirklich
sparen können, denn die existiert wirklich. Deutschland
akzeptiert auch nicht das DDR-Propagandakürzel "BRD".
Abgesehen von chronischen Nörgler, geht's dem neuen "Problemstaat" im Weltvergleich bestens. Nach einer globalen BBC-Umfrage stehen die Deutschen an erster Stelle und in
einer Zufriedenheitsskala weit oben.
Wolfi65
03.08.2018, 19:34 Uhr
Deutschland geht es gut?
Einer Kapitalistenclique von Einkommensmillionären geht es gut. Vielen geht es nicht gut und hangeln sich von einem Monat zum anderen. Stocken die Rente oder den Lohn auf, weil diese/r nicht zum Leben reicht. Und da schreiben Sie von Reisen in die Welt? Viele wissen gar nicht, wie das Wort „Urlaub“ geschrieben wird, geschweige können die sich eine Fahrkarte mit der Bahn z.B. nach Repente oder in ähnlicher Entfernung liegenden Ort leisten. Dem Volk geht es einigermaßen gut, aber man darf eben nicht hinter die Fassaden schauen. Das Geld ist ungerecht verteilt. Aber diese Verhältnisse kannte ich schon vor der deutschen Einheit. Eine Familie mit mehreren Kindern, konnte sich gerade in Deutschland (West), selten einen gemeinsamen Urlaub leisten, weil die Mittel nicht da waren. In Deutschland (Ost) gab es da wenigstens die Möglichkeit für die Kinder solcher Familien, für wenig Geld in das Ferienlager zu fahren, um mal die kleine Welt zu sehen. Ist doch schon mal was, wenn man heute im Gegensatz alles oder nichts hat. Man ist eben frei, das war es dann auch schon, wenn nicht gerade das Jobcenter oder Sozialamt einen Hausbesuch macht, um nach versteckten Barschaften eines Mittellosen zu suchen, weil man sich sonst an Deutschlands Leuchttürme der freien Wirtschaft nicht herantraut, weil diese sich teuere und gute Rechtsanwälte leisten können. Bücher könnte man schreiben, für diesen gesellschaftlichen Rückschritt. Und soll mir hier keiner mit Mauer und Schießbefehl kommen. In der BRD ist man auch nicht zimperlich mit dem betätigen des Abzuges.
Wolfi65
03.08.2018, 20:30 Uhr
Was der Engländer von sich gibt
Dürfte einen Deutschen in Deutschland wenig Interessieren, denn England will doch gar nicht zu einer gemeinsamen Weltordnung dazugehören. Schade dass die Plattentektonik so langsam abläuft, sonst könnte man noch erleben, wie die Britischen Inseln auf den Atlantik hinaustreiben. Dort brauchten die Engländer sich mit einem Europäischen Gesamtkunstwerk nicht herumärgern und könnten in Ruhe ein eigenes Süppchen kochen.
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