Do, 22:51 Uhr
20.01.2005
nnz-doku: Neujahrsempfang der Stadt
Nordhausen (nnz). Heute fand der Neujahrsempfang im Nordhäuser Rathaus statt. Die nnz veröffentlicht in ihrer doku-Reihe die Rede von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD).
Meine sehr geehrten Herren und Damen,
Das Jahr 2005 hätte so gut beginnen können. Eine große deutsche Zeitung titelte kürzlich in Deutschland geht was, Hartz, Maut, Deutschland ist Exportweltmeister: Das schlecht geredete Land darf wieder hoffen. Die französische Zeitung Le Monde schreibt: Deutschland in Bewegung – zum Wohle Europas. Ja, in Deutschland bewegt sich was. Das Entsetzen über die Flutkatastrophe in Südostasien hat eine beispiellose Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Über 350 Mio. Euro sind gespendet worden. Auch nach Abzug des Medienrummels bleibt eine überwältigende Bereitschaft zum gemeinsamen Engagement.
Die so oft beschworene soziale Kälte und Ellenbogenmentalität in Deutschland ist in eine große Welle der Solidarität umgeschlagen. Das lässt hoffen. Es lässt hoffen, dass diese Solidarität in langfristigen Beistand mündet und vielleicht bringt es auch die Chance zum Innehalten und Nachdenken über die Möglichkeiten einer globalen Hilfsbereitschaft nicht nur für Südostasien.
Nach all dem Erschrecken und Entsetzen gibt es Anlass, unsere Leistungen und unser menschliches Vermögen nüchtern und bescheiden zu sehen. Wir können zwar weltweit im Internet chaten und erforschen den Saturn-Trabanten. Aber die Wahrnehmungen und Signale, die Ureinwohner und Tiere noch verstehen, können wir nicht mehr erkennen. Aber vielleicht können die, die nicht direkt vom Schmerz getroffen sind, eine andere Art von Wahrnehmung vernehmen. Damit meine ich nicht das Frühwarnsystem, das nun schnellstens installiert werden sollte. Ich denke an die alten, immer wieder verdrängten Fragen nach der Diskrepanz zwischen armen und reichen Ländern, an die Frage von Vorrang von Wirtschaftlichkeit und Erträgen auf der einen Seite gegenüber der Frage nach der Sicherheit für die Menschen und der Notwendigkeit, der Natur ihren Raum zu belassen auf der anderen Seite. Und wie steht es um die Zahl der Toten, die uns jetzt so erschrecken, wenn wir an die Massaker in Ruanda oder im Sudan denken. Und wie groß wäre die Aufmerksamkeit gewesen, wenn nicht Tausende von Touristen betroffen wären?
Vielleicht können aus der Ohnmacht, dem Zorn und der Trauer Anstöße für Gutes, das Leben förderndes, für Sinnvolles, das wir schon lange vernachlässigt haben, werden. In diesem Sinne wollen auch wir uns als Stadt Nordhausen mit einem konkreten Hilfsprojekt am Wiederaufbau in Südostasien beteiligen und bemühen uns derzeit über das Auswärtige Amt sowie das Bundesentwicklungshilfeministerium in Koordination mit anderen Partnerorganisationen um eine konkrete Hilfeleistung. Gerade in diesem Jahr 2005 – 60 Jahre nach Kriegsende – erinnern wir uns als Deutsche daran, welche große internationale Hilfe wir selbst einmal erhalten haben, um unser zerstörtes Land wieder aufzubauen. Ich möchte diesen Tag zum Anlass nehmen, Sie zu bitten, sich in unsere Hilfsliste einzutragen, damit wir zu gegebener Zeit, wenn wir ein konkretes Projekt haben, auf Ihre Unterstützung bauen können.
Ja, in Deutschland bewegt sich etwas. Ob in Unternehmen, in innovativen Kommunen oder in den vielen neu gegründeten Bürgerstiftungen. Im kleinen verändert sich Deutschland beharrlich. Das konnten wir in den letzten Jahren fast exemplarisch in der Stadt Nordhausen beobachten. Das Jahr 2004, unser Landesgartenschaujahr, war ein Jahr der Veränderungen, der Mühen und Anstrengungen. Vielleicht war es gerade auch deshalb das Jahr der Freude und des Stolzes auf das Erreichte.
Endlich kann ich meinen Gästen eine schöne Stadt zeigen, hat ein Nordhäuser ins Gästebuch geschrieben. Hier wird der Stolz der Nordhäuser auf ihre neue Stadt direkt ablesbar. Die große positive Resonanz der Gäste und Touristen aus nah und fern bestätigte uns die Richtigkeit des eingeschrittenen Weges. Der Erfolg braucht eine Vision und die Idee der Neuen Mitte hat das Jahr 2004 zum erfolgreichsten Jahr nach der Wende werden lassen. Die Verleihung des Thüringer Architekturpreises für die Verbindungsachse zwischen Bahnhof und Altstadt unterstreicht eindrucksvoll, dass wir das Ziel, das Stadtbild von Nordhausen in einer hohen Qualität umzugestalten, erreicht haben.
Meine sehr geehrte Herren und Damen,
im zurückliegenden Jahr haben wir vieles angepackt, was mancher uns nicht zugetraut hätte. Wir haben es geschafft dank der Unterstützung vieler freiwilliger Helfer. Wir haben unsere Stärke bewiesen im Miteinander von Wirtschaft und Verwaltung bei der Umsetzung der vielen Veranstaltungen und Ereignisse oder bei der Lösung von logistischen Problemen. Wir haben unsere Stärke bewiesen im Miteinander von Bürgerschaft und Verwaltung, wenn es darum ging, sich als freundliche und geduldige Gastgeber zu zeigen. Wir haben unsere Stärke bewiesen als Region, indem die Städte Nordhausen und Sondershausen gemeinsame Aktivitäten im Bereich der Vermarktung der beiden Großereignisse Landesgartenschau 2004 und Landesausstellung 2004 entfalteten.
Viele innovative Lösungen wurden der Verwaltung abverlangt, ohne die die Durchführung eines solchen Großereignisses nicht möglich gewesen wäre. An dieser Stelle möchte ich das Engagement der Verwaltungsmitarbeiter auf dem Gelände der Landesgartenschau hervorheben, die über 10.000 Stunden freiwillig geleistet haben. Gleichermaßen überraschend und erfreulich war die Unterstützung durch unsere Sponsoren sowie Verbände und Vereine. Besonders erwähnen möchte ich hier die private Lesser-Stiftung, die einen außerordentlichen Beitrag geleistet hat. Allen, die am Gelingen des Gartenschaujahres mitgewirkt haben, sei hier nochmals herzlich gedankt. Wir haben gemeinsam viel bewegt.
Ich wünsche mir, dass wir diesen Impuls auch hinein in das neue Jahr tragen, dass dieses fruchtbare Miteinander nicht nur ein kurzes Zwischenspiel war. Lassen Sie uns mit dem gleichen Elan neue Projekte anfassen und das Erreichte für die Zukunft nutzbar und fruchtbar machen. Das gilt auch für die gute Zusammenarbeit mit dem Regionalmanage-ment, der LEG und dem Wirtschaftsministerium.
Im Jahre 2004 hat sich mit dem Backwarenhersteller Klemme AG ein weiterer Investor für unsere Stadt entschieden. Damit können wir an die langjährige Nordhäuser Tradition der Nahrungsmittelherstellung wieder anknüpfen. Der Rohbau der Produktionsanlage an der Darre macht jeden Tag sichtbare Fortschritte. Mit der Inbetriebnahme des Combino-Duo und seiner weltweit einzigartigen Technologie haben unsere Stadtwerke und die Nordhäuser Firma IMG ihre Innovations- und Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Den unmittelbaren Nutzen haben die Bürger, für die es jetzt ohne Umsteigen und im Taktverkehr schnurstracks von Nordhausen in den Harz geht. Vom positiven Image-Effekt profitiert unsere gesamte Region. Die feierliche Inbetriebnahme der neuen Triebwagen in der Nacht zum 1. Mai hat gezeigt, dass unsere Straßenbahn wie kaum eine andere Einrichtung dieser Stadt zu einer echten Institution für Nordhausen und seine Bürger geworden ist. Als die Straßenbahn auf dem Bahnhofsplatz enthüllt wurde, war der Jubel unter den Menschen kaum noch zu bremsen.
Genau so freudig erregt, wenn auch mit weitaus weniger Aufmerksamkeit bedacht, nahmen die Kinder Besitz von der neuen Petersberg-Schule. Ganz ohne Fördermittel und Zuschüsse ist es der Stadt gemeinsam mit der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft gelungen, ein Kleinod des Lernens zu schaffen.
Meine sehr geehrten Herren und Damen,
ich kann hier nicht alles aufzählen, wodurch Nordhausen im Jahr 2004 noch geprägt wurde. Ob es nun die Einweihung unserer Blasii-Kirche war oder der Abriss des 1. Plattenbaus in unserer Stadt, ob es der Abschluss der äußerst gelungenen Sanierung der Häuser in der Rautenstraße war oder die mehr als 1000 Kulturveranstaltungen, die Menschen von nah und fern in unserer Stadt gelockt haben.
Schon längst in Vergessenheit geraten sind die Auswirkungen der Kommunalwahl. Die neu gewählten Stadträtinnen und Stadträte stehen bereits in Verantwortung und erfahren, wie schwer die vor uns stehenden Aufgaben zu lösen sind.
Der Finanzrahmen wird immer enger. Der Freistaat Thüringen wird an den notwendigen Kürzungen auch die Kommunen beteiligen. Da wird auch Nordhausen keine Ausnahme machen. Wir werden uns von vielen liebgewordenen Aktivitäten trennen müssen und weitere notwendige Investitionen auf die nächsten Jahre verschieben. Eine solch gewaltige Investitionssumme wie für 2003/04 werden wir sicher in absehbarer Zeit nicht wieder realisieren können. Dennoch muss die Entwicklung unserer Stadt weitergehen. Wir werden uns neue Freiräume erkämpfen, eigene Potentiale heben und bündeln. Nach den großen öffentlichen Investitionen der letzten Jahre müssen nun die privaten folgen.
In diesem Jahr werden wir vor diesem Hintergrund zwei Schwerpunkte setzen. Unter dem Motto Die Mitte wächst werden wir auf dem Erreichten aufbauen und es weiterentwickeln. Der Petersberg wird durch die gärtnerische Gestaltung des Petersberggartens auch weiterhin Attraktivität für Bürger und Gäste bewahren. Mit dem Projekt Bildungsberg Petersberg startet die Stadt gemeinsam mit freien Trägern, mit Bildungseinrichtungen und dem Thüringer Kultusministerium eine Bildungsoffensive, die sich besonders um die Verknüpfung und die Übergänge vom Kindergarten bis zur Regelschule müht. Mit diesen neuen Ansätzen wollen wir Nordhausen als Bildungsstandort und familienfreundliche Stadt weiter profilieren.
Die Neue Mitte wächst bedeutet auch, dass nun endlich die private Investition eines größeren Einkaufszentrums mit einer Parkgarage am Pferdemarkt im Frühjahr dieses Jahres in Gang gesetzt wird. Das wird in absehbarer Zeit das letzte große Einzelhandelsvorhaben sein, das in unserer Stadt realisiert wird. Unterstützt wird diese Aussage durch das kürzlich erschienene Einzelhandelsgutachten. Wenn Fördermittel vom Land bereitstehen, wird die Städtische Wohnungsbaugesellschaft das sogenannte Postkarteneck rekonstruieren und unsere Stadtplanung wird an einer Lösung für das Karree in der Bäckerstraße arbeiten.
Der zweite Schwerpunkt ist die Fortsetzung unseres Projektes Industriegebiet Goldene Aue. Mit dieser Industriefläche und dem Fortgang des Baus der A 38 wird Nordhausen als Standort für Investitionen noch einmal deutlich an Gewicht gewinnen. Das Industriegebiet ist eines unserer wichtigen Kapitalanlagen für die Zukunft: Hier sollen die Arbeitsplätze entstehen, die unsere jungen Menschen in ihrer Heimat halten können. Das im Jahr 2004 14 Kinder mehr als im Vorjahr geboren wurden und 76 Paare mehr geheiratet haben, sollte uns dabei ein Ansporn sein. Es sei klar gesagt: Bei diesem entscheidenden Vorhaben Industriegebiet Goldene Aue ist viel Zeit verloren gegangen. Jede weitere Verzögerung sollte um der Menschen Willen, die in unserer nordthüringer Region ihre Zukunft planen, unbedingt unterlassen werden. Dieses Beispiel zeigt uns einmal mehr: Das Tempo der politischen und verwaltungstechnischen Entscheidung hinkt hinter den Bedürfnissen der Menschen her.
Die strukturell verankerte Politikverflechtung in Deutschland ist Ursache für so manche politische Verkrustung und den damit verbundenen nur zähen Fortgang wichtiger und notwendiger Prozesse und muss auf den Prüfstand. Ich bedaure deshalb außerordentlich, dass die Föderalismusreform vorerst gescheitert ist, dass die Gemeindefinanzreform nicht vorankommt und dass das Thema Gebietsreform sich nur unter dem Aspekt der leeren Kassen der Gemeinden zu vollziehen scheint. Die Folgen haben wir alle zu tragen und bekommen sie Tag für Tag zu spüren. Die politisch Handelnden auf allen Ebenen müssen endlich akzeptieren, dass Wandel und Veränderung eine kontinuierliche Gestaltungsaufgabe bleiben.
Das Jahr 2005 ist für unsere Stadt ein symbolträchtiges Jahr. Vor 60 Jahren wurde Deutschland von der Nazi-Diktatur befreit. Kurz vor der Befreiung fiel Nordhausen in Schutt und Asche. Wenige Tage später öffneten amerikanische Soldaten die Tore vom KZ Mittelbau-Dora.
Allen für die Vergangenheit und die Zukunft unserer Stadt so wichtigen Tagen wollen wir auf besondere Weise gedenken. So hoffen wir, den Bundestagspräsidenten in diesen Tagen begrüßen zu können und viele hundert Gäste aus dem In- und Ausland.
Sehr geehrte Herren und Damen,
Ich habe vorhin gesagt, 2004 haben wir gemeinsam viel bewegt. Nun darf die Frage nicht lauten: Müssen wir noch etwas machen?, sondern Was müssen wir als nächstes machen? Wandel und Veränderung bleiben auch in diesem Jahr unsere kontinuierliche Tagesaufgabe. Lassen Sie uns diesen Prozess zum Wohle unserer Stadt und der gesamten Region angehen.
Autor: nnzMeine sehr geehrten Herren und Damen,
Das Jahr 2005 hätte so gut beginnen können. Eine große deutsche Zeitung titelte kürzlich in Deutschland geht was, Hartz, Maut, Deutschland ist Exportweltmeister: Das schlecht geredete Land darf wieder hoffen. Die französische Zeitung Le Monde schreibt: Deutschland in Bewegung – zum Wohle Europas. Ja, in Deutschland bewegt sich was. Das Entsetzen über die Flutkatastrophe in Südostasien hat eine beispiellose Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Über 350 Mio. Euro sind gespendet worden. Auch nach Abzug des Medienrummels bleibt eine überwältigende Bereitschaft zum gemeinsamen Engagement.
Die so oft beschworene soziale Kälte und Ellenbogenmentalität in Deutschland ist in eine große Welle der Solidarität umgeschlagen. Das lässt hoffen. Es lässt hoffen, dass diese Solidarität in langfristigen Beistand mündet und vielleicht bringt es auch die Chance zum Innehalten und Nachdenken über die Möglichkeiten einer globalen Hilfsbereitschaft nicht nur für Südostasien.
Nach all dem Erschrecken und Entsetzen gibt es Anlass, unsere Leistungen und unser menschliches Vermögen nüchtern und bescheiden zu sehen. Wir können zwar weltweit im Internet chaten und erforschen den Saturn-Trabanten. Aber die Wahrnehmungen und Signale, die Ureinwohner und Tiere noch verstehen, können wir nicht mehr erkennen. Aber vielleicht können die, die nicht direkt vom Schmerz getroffen sind, eine andere Art von Wahrnehmung vernehmen. Damit meine ich nicht das Frühwarnsystem, das nun schnellstens installiert werden sollte. Ich denke an die alten, immer wieder verdrängten Fragen nach der Diskrepanz zwischen armen und reichen Ländern, an die Frage von Vorrang von Wirtschaftlichkeit und Erträgen auf der einen Seite gegenüber der Frage nach der Sicherheit für die Menschen und der Notwendigkeit, der Natur ihren Raum zu belassen auf der anderen Seite. Und wie steht es um die Zahl der Toten, die uns jetzt so erschrecken, wenn wir an die Massaker in Ruanda oder im Sudan denken. Und wie groß wäre die Aufmerksamkeit gewesen, wenn nicht Tausende von Touristen betroffen wären?
Vielleicht können aus der Ohnmacht, dem Zorn und der Trauer Anstöße für Gutes, das Leben förderndes, für Sinnvolles, das wir schon lange vernachlässigt haben, werden. In diesem Sinne wollen auch wir uns als Stadt Nordhausen mit einem konkreten Hilfsprojekt am Wiederaufbau in Südostasien beteiligen und bemühen uns derzeit über das Auswärtige Amt sowie das Bundesentwicklungshilfeministerium in Koordination mit anderen Partnerorganisationen um eine konkrete Hilfeleistung. Gerade in diesem Jahr 2005 – 60 Jahre nach Kriegsende – erinnern wir uns als Deutsche daran, welche große internationale Hilfe wir selbst einmal erhalten haben, um unser zerstörtes Land wieder aufzubauen. Ich möchte diesen Tag zum Anlass nehmen, Sie zu bitten, sich in unsere Hilfsliste einzutragen, damit wir zu gegebener Zeit, wenn wir ein konkretes Projekt haben, auf Ihre Unterstützung bauen können.
Ja, in Deutschland bewegt sich etwas. Ob in Unternehmen, in innovativen Kommunen oder in den vielen neu gegründeten Bürgerstiftungen. Im kleinen verändert sich Deutschland beharrlich. Das konnten wir in den letzten Jahren fast exemplarisch in der Stadt Nordhausen beobachten. Das Jahr 2004, unser Landesgartenschaujahr, war ein Jahr der Veränderungen, der Mühen und Anstrengungen. Vielleicht war es gerade auch deshalb das Jahr der Freude und des Stolzes auf das Erreichte.
Endlich kann ich meinen Gästen eine schöne Stadt zeigen, hat ein Nordhäuser ins Gästebuch geschrieben. Hier wird der Stolz der Nordhäuser auf ihre neue Stadt direkt ablesbar. Die große positive Resonanz der Gäste und Touristen aus nah und fern bestätigte uns die Richtigkeit des eingeschrittenen Weges. Der Erfolg braucht eine Vision und die Idee der Neuen Mitte hat das Jahr 2004 zum erfolgreichsten Jahr nach der Wende werden lassen. Die Verleihung des Thüringer Architekturpreises für die Verbindungsachse zwischen Bahnhof und Altstadt unterstreicht eindrucksvoll, dass wir das Ziel, das Stadtbild von Nordhausen in einer hohen Qualität umzugestalten, erreicht haben.
Meine sehr geehrte Herren und Damen,
im zurückliegenden Jahr haben wir vieles angepackt, was mancher uns nicht zugetraut hätte. Wir haben es geschafft dank der Unterstützung vieler freiwilliger Helfer. Wir haben unsere Stärke bewiesen im Miteinander von Wirtschaft und Verwaltung bei der Umsetzung der vielen Veranstaltungen und Ereignisse oder bei der Lösung von logistischen Problemen. Wir haben unsere Stärke bewiesen im Miteinander von Bürgerschaft und Verwaltung, wenn es darum ging, sich als freundliche und geduldige Gastgeber zu zeigen. Wir haben unsere Stärke bewiesen als Region, indem die Städte Nordhausen und Sondershausen gemeinsame Aktivitäten im Bereich der Vermarktung der beiden Großereignisse Landesgartenschau 2004 und Landesausstellung 2004 entfalteten.
Viele innovative Lösungen wurden der Verwaltung abverlangt, ohne die die Durchführung eines solchen Großereignisses nicht möglich gewesen wäre. An dieser Stelle möchte ich das Engagement der Verwaltungsmitarbeiter auf dem Gelände der Landesgartenschau hervorheben, die über 10.000 Stunden freiwillig geleistet haben. Gleichermaßen überraschend und erfreulich war die Unterstützung durch unsere Sponsoren sowie Verbände und Vereine. Besonders erwähnen möchte ich hier die private Lesser-Stiftung, die einen außerordentlichen Beitrag geleistet hat. Allen, die am Gelingen des Gartenschaujahres mitgewirkt haben, sei hier nochmals herzlich gedankt. Wir haben gemeinsam viel bewegt.
Ich wünsche mir, dass wir diesen Impuls auch hinein in das neue Jahr tragen, dass dieses fruchtbare Miteinander nicht nur ein kurzes Zwischenspiel war. Lassen Sie uns mit dem gleichen Elan neue Projekte anfassen und das Erreichte für die Zukunft nutzbar und fruchtbar machen. Das gilt auch für die gute Zusammenarbeit mit dem Regionalmanage-ment, der LEG und dem Wirtschaftsministerium.
Im Jahre 2004 hat sich mit dem Backwarenhersteller Klemme AG ein weiterer Investor für unsere Stadt entschieden. Damit können wir an die langjährige Nordhäuser Tradition der Nahrungsmittelherstellung wieder anknüpfen. Der Rohbau der Produktionsanlage an der Darre macht jeden Tag sichtbare Fortschritte. Mit der Inbetriebnahme des Combino-Duo und seiner weltweit einzigartigen Technologie haben unsere Stadtwerke und die Nordhäuser Firma IMG ihre Innovations- und Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Den unmittelbaren Nutzen haben die Bürger, für die es jetzt ohne Umsteigen und im Taktverkehr schnurstracks von Nordhausen in den Harz geht. Vom positiven Image-Effekt profitiert unsere gesamte Region. Die feierliche Inbetriebnahme der neuen Triebwagen in der Nacht zum 1. Mai hat gezeigt, dass unsere Straßenbahn wie kaum eine andere Einrichtung dieser Stadt zu einer echten Institution für Nordhausen und seine Bürger geworden ist. Als die Straßenbahn auf dem Bahnhofsplatz enthüllt wurde, war der Jubel unter den Menschen kaum noch zu bremsen.
Genau so freudig erregt, wenn auch mit weitaus weniger Aufmerksamkeit bedacht, nahmen die Kinder Besitz von der neuen Petersberg-Schule. Ganz ohne Fördermittel und Zuschüsse ist es der Stadt gemeinsam mit der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft gelungen, ein Kleinod des Lernens zu schaffen.
Meine sehr geehrten Herren und Damen,
ich kann hier nicht alles aufzählen, wodurch Nordhausen im Jahr 2004 noch geprägt wurde. Ob es nun die Einweihung unserer Blasii-Kirche war oder der Abriss des 1. Plattenbaus in unserer Stadt, ob es der Abschluss der äußerst gelungenen Sanierung der Häuser in der Rautenstraße war oder die mehr als 1000 Kulturveranstaltungen, die Menschen von nah und fern in unserer Stadt gelockt haben.
Schon längst in Vergessenheit geraten sind die Auswirkungen der Kommunalwahl. Die neu gewählten Stadträtinnen und Stadträte stehen bereits in Verantwortung und erfahren, wie schwer die vor uns stehenden Aufgaben zu lösen sind.
Der Finanzrahmen wird immer enger. Der Freistaat Thüringen wird an den notwendigen Kürzungen auch die Kommunen beteiligen. Da wird auch Nordhausen keine Ausnahme machen. Wir werden uns von vielen liebgewordenen Aktivitäten trennen müssen und weitere notwendige Investitionen auf die nächsten Jahre verschieben. Eine solch gewaltige Investitionssumme wie für 2003/04 werden wir sicher in absehbarer Zeit nicht wieder realisieren können. Dennoch muss die Entwicklung unserer Stadt weitergehen. Wir werden uns neue Freiräume erkämpfen, eigene Potentiale heben und bündeln. Nach den großen öffentlichen Investitionen der letzten Jahre müssen nun die privaten folgen.
In diesem Jahr werden wir vor diesem Hintergrund zwei Schwerpunkte setzen. Unter dem Motto Die Mitte wächst werden wir auf dem Erreichten aufbauen und es weiterentwickeln. Der Petersberg wird durch die gärtnerische Gestaltung des Petersberggartens auch weiterhin Attraktivität für Bürger und Gäste bewahren. Mit dem Projekt Bildungsberg Petersberg startet die Stadt gemeinsam mit freien Trägern, mit Bildungseinrichtungen und dem Thüringer Kultusministerium eine Bildungsoffensive, die sich besonders um die Verknüpfung und die Übergänge vom Kindergarten bis zur Regelschule müht. Mit diesen neuen Ansätzen wollen wir Nordhausen als Bildungsstandort und familienfreundliche Stadt weiter profilieren.
Die Neue Mitte wächst bedeutet auch, dass nun endlich die private Investition eines größeren Einkaufszentrums mit einer Parkgarage am Pferdemarkt im Frühjahr dieses Jahres in Gang gesetzt wird. Das wird in absehbarer Zeit das letzte große Einzelhandelsvorhaben sein, das in unserer Stadt realisiert wird. Unterstützt wird diese Aussage durch das kürzlich erschienene Einzelhandelsgutachten. Wenn Fördermittel vom Land bereitstehen, wird die Städtische Wohnungsbaugesellschaft das sogenannte Postkarteneck rekonstruieren und unsere Stadtplanung wird an einer Lösung für das Karree in der Bäckerstraße arbeiten.
Der zweite Schwerpunkt ist die Fortsetzung unseres Projektes Industriegebiet Goldene Aue. Mit dieser Industriefläche und dem Fortgang des Baus der A 38 wird Nordhausen als Standort für Investitionen noch einmal deutlich an Gewicht gewinnen. Das Industriegebiet ist eines unserer wichtigen Kapitalanlagen für die Zukunft: Hier sollen die Arbeitsplätze entstehen, die unsere jungen Menschen in ihrer Heimat halten können. Das im Jahr 2004 14 Kinder mehr als im Vorjahr geboren wurden und 76 Paare mehr geheiratet haben, sollte uns dabei ein Ansporn sein. Es sei klar gesagt: Bei diesem entscheidenden Vorhaben Industriegebiet Goldene Aue ist viel Zeit verloren gegangen. Jede weitere Verzögerung sollte um der Menschen Willen, die in unserer nordthüringer Region ihre Zukunft planen, unbedingt unterlassen werden. Dieses Beispiel zeigt uns einmal mehr: Das Tempo der politischen und verwaltungstechnischen Entscheidung hinkt hinter den Bedürfnissen der Menschen her.
Die strukturell verankerte Politikverflechtung in Deutschland ist Ursache für so manche politische Verkrustung und den damit verbundenen nur zähen Fortgang wichtiger und notwendiger Prozesse und muss auf den Prüfstand. Ich bedaure deshalb außerordentlich, dass die Föderalismusreform vorerst gescheitert ist, dass die Gemeindefinanzreform nicht vorankommt und dass das Thema Gebietsreform sich nur unter dem Aspekt der leeren Kassen der Gemeinden zu vollziehen scheint. Die Folgen haben wir alle zu tragen und bekommen sie Tag für Tag zu spüren. Die politisch Handelnden auf allen Ebenen müssen endlich akzeptieren, dass Wandel und Veränderung eine kontinuierliche Gestaltungsaufgabe bleiben.
Das Jahr 2005 ist für unsere Stadt ein symbolträchtiges Jahr. Vor 60 Jahren wurde Deutschland von der Nazi-Diktatur befreit. Kurz vor der Befreiung fiel Nordhausen in Schutt und Asche. Wenige Tage später öffneten amerikanische Soldaten die Tore vom KZ Mittelbau-Dora.
Allen für die Vergangenheit und die Zukunft unserer Stadt so wichtigen Tagen wollen wir auf besondere Weise gedenken. So hoffen wir, den Bundestagspräsidenten in diesen Tagen begrüßen zu können und viele hundert Gäste aus dem In- und Ausland.
Sehr geehrte Herren und Damen,
Ich habe vorhin gesagt, 2004 haben wir gemeinsam viel bewegt. Nun darf die Frage nicht lauten: Müssen wir noch etwas machen?, sondern Was müssen wir als nächstes machen? Wandel und Veränderung bleiben auch in diesem Jahr unsere kontinuierliche Tagesaufgabe. Lassen Sie uns diesen Prozess zum Wohle unserer Stadt und der gesamten Region angehen.

