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Di, 19:05 Uhr
18.01.2005

Jedes Jahr eine Schule

Sollstedt (nnz). Im vergangenen Jahr kämpften Nordhäuser Schüler und Eltern um den Erhalt des evangelischen Schulzentrums. Diesjahr bangen die Sollstedter um die Bildungseinrichtung ihrer Kinder. Die Schließung der erfolgreichen Umweltschule wollen sie sich aber nicht bieten lassen.


Jedes Jahr eine Schule (Foto: nnz) Jedes Jahr eine Schule (Foto: nnz)

Es war die größte Demonstration in Sollstedt seit 1989, meint Dr. Horst Kox. Rund 500 Menschen waren auf den Beinen, um gegen die drohende Schulschließung zu protestieren. Bürgermeister Jürgen Hohberg hat sogar 600 gezählt. Wenn jeder Schüler auch nur ein Elternteil mitgebracht hat, dann ist das überhaupt kein Problem. 211 Regelschüler und etwa 80 Grundschüler lernen in Sollstedt.

Im Moment soll es nur den Regelschülern an den Kragen gehen. Aber das Beispiel Wipperdorf habe gezeigt, daß wenige Jahre später auch die Grundschule weggespart wird, erzählt eine Mutter. Ihre kleine Tochter hat eine Kerze dabei, auch sie möchte noch in Sollstedt die Regelschule besuchen.

Trotz Ökosteuer und steigenden Spritpreisen sollen die Schüler mit Bussen nach Bleicherode in die dortige Schule gebracht werden. Rechnet sich das überhaupt? fragten die Eltern. Eine Information, daß sich die Schließung finanziell tatsächlich lohnt, habe es in den letzten zwei Jahren nicht gegeben, so die Betroffenen. Das Damoklesschwert schwebt bereits so lange über der Schule.

In den vergangenen zehn Jahren wurde kaum Geld in die Sanierung der beinahe 50jährigen Bildungseinrichtung gesteckt. Das soll jetzt ein Argument für die Schließung sein, wie die Elternvertreter über den „Buschfunk“ erfahren haben wollen. Lieber investiere man in eine je nach jahreszeit glutheiße oder eiskalte Plattenbauschule, äußerten sie kein Verständnis für den Beschluß des Schulverwaltungsamts.

Bürgermeister Jürgen Hohberg geht noch weiter.
Wenn die Schule geschlossen wird, dann blutet Sollstedt aus. Der kulturelle Bereich wird geschwächt und das Hallenbad muß ohne die Schüler auch bald schließen. Viele Eltern, die nicht mehr in Sollstedt arbeiten, ziehen dann weg. Weniger Familien am Ort zu haben wirkt sich negativ auf Gewerbetreibende, Einzelhandel und viele andere Wirtschaftsbereiche aus.

Stolz ist der Bürgermeister, daß sich seine Bürger das alles nicht gefallen lassen wollen. Es sei ihm eine Freude, daß so viele Menschen von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machen.

Die Sollstedter Schule ist auch nicht irgendeine Regelschule. Sie beherrbergt innovative Projekte aus dem Bereich der regenerativen Energien. Das Solarmobil haben sicher viele Nordhäuser auf der Landesgartenschau bewundert.

Mit diesen Ideen sei man Spitze unter den Thüringer Regelschulen, sagt Dr. Horst Kox. Als ehemaliger Lehrer fühlt sich der Grünen-Politiker der Einrichtung besonders verbunden. Er hat recherchiert und herausgefunden, daß sich Dieter Althaus, als er noch Bildungsminister war, für kleine Schulen mit besonderen Konzepten stark gemacht hat. Dazu wären sogar bereits Modellprojekte gelaufen.

Vom Marktplatz zogen die Demonstranten zur Schule. Einziges Ärgernis, aufgrund der kurzfristigen Anmeldung der Demonstration durften die mitgebrachten Fakeln nicht angezündet werden. Um das Gebäude bildeten die Bürger symbolisch eine schützende Menschenkette. Sie wollen damit erreichen, daß sich noch mehr Sollstedter für ihr Anliegen stark machen. Im Oktober diesen Jahres feiert die Schule nämlich 50. Jubiläum. Ohne die Regelschule gäbe es keinen Grund mehr zum Feiern.
Autor: wf

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