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Mi, 13:07 Uhr
27.06.2018
Friedrich Traugott Kützing

Ein Naturwissenschaftler in Nordhausen

In der Flohburg kann man sich noch bis zum 12. Juli auf die Spuren des Botanikers Friedrich Traugott Kützing begeben. Was der Naturwissenschaftler geleistet hat und womit er zu internationaler Anerkennung gelangte, weiß Heidelore Kneffel zu berichten...

In welcher Weise begegnet man dieser international beachteten Persönlichkeit in Nordhausen? Eine Straße nahe des August-Bebel-Platzes (früher Neumarkt) wurde 1869 nach ihm benannt. Nach seinem Tod am 9.9.1893 wurde er auf dem Friedhof an der Leimbacher Straße beigesetzt, den es als solchen nicht mehr gibt. Aber der jetzige Park lässt an ihn denken.

Im Jahr 1906 wurde ihm auf Anregung und auf Kosten von Hermann Arnold, einem Schüler Kützings, am Hauptweg in das Gehege ein Denkmal gesetzt, das aus Granit besteht. Eine Bildnisplakette von Otto Henschel zeigt das ausdrucksstarke Porträt des Naturwissenschaftlers.

Kützing-Denkmal im Gehege (Foto: Heidelore Kneffel) Kützing-Denkmal im Gehege (Foto: Heidelore Kneffel)

Kützingdenkmal im Gehege

In der grafischen Sammlung der Stadt Nordhausen gibt es eine Kreidezeichnung von Albert Fulda, die Friedrich Traugott Kützing im Jahr 1855 darstellt. Diese Bildnis zeigt der aktuelle Flyer und das Plakat zur Ausstellung.

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Als im eingangs genannten Museum 2013 die umfängliche Schau über die berühmte Familie Förstemann und Nordhausen gezeigt wurde, habe ich auch eine Schautafel über Kützing gestaltet, mich also mit dem Wirken dieses Forschers vertraut gemacht, denn der Verlagsbuchhändler Ferdinand Förstemann druckte ein Algenbuch Kützings mit 30 Kupfertafeln, die der Autor selbst geschaffen hatte. Während der Ausstellung kam es am 18. Oktober 2013 zu einer Schenkung einer handschriftlichen Biographie des Algenforschers. Eine Nachfahrin Kützings, Frau Hedwig Degenhardt, kam in die Präsentation, um an zwei Angehörige der Stadtverwaltung, Frau Dr. Klose und Herrn Dr. Theilemann, eine Originalhandschrift des Lebens des hoch geschätzten Botanikers zu überreichen. Es handelt sich um ein umfangreiches Manuskript, zu einem Buch gebunden. Dieses Dokument befindet sich nun in der Obhut des Stadtarchivs. Der Zeitpunkt war passend, denn am 9. September 2013 war der 120. Todestag Kützings gewesen.

Frau Hedwig Degenhardt vor der Kützingschautafel (Foto: Heidelore Kneffel) Frau Hedwig Degenhardt vor der Kützingschautafel (Foto: Heidelore Kneffel)

Frau Hedwig Degenhardt vor der Kützingschautafel

Am 21. Oktober 2014 erfolgte in der Flohburg eine weitere Schenkung. Der Ururgroßenkel von F. T. Kützing, Werner Dannemann, kam aus Eutin bei Lübeck mit seiner Frau in die Flohburg, um drei Kützing-Medaillen sowie weiteres Zeitzeugenmaterial seines Vorfahren dem Museum als Dauerleihgabe zu überlassen. Die Medaillen, eine goldene, eine silberne und eine bronzene, erhielt der Forscher anlässlich seines 80. Geburtstag 1887 von einem Berliner Komitee für seine Verdienste als Botaniker.

Etui mit den drei Medaillen (Foto: Heidelore Kneffel) Etui mit den drei Medaillen (Foto: Heidelore Kneffel)

Etui mit den drei Medaillen, Foto Heidelore Kneffel

Nach Nordhausen kam Friedrich Traugott Kützing am 15. Oktober 1835 als Lehrer für Chemie und Naturwissenschaften an die im Mai neu eröffnete Realschule, die Dr. Carl Fischer leitete, der ihn, den Apotheker, hierher geholt hatte und mit dem er sich befreundete.

Postkarte 100 Jahre Staatliches Realgymnasium Nordhausen, Archiv Kneffel (Foto: Heidelore Kneffel) Postkarte 100 Jahre Staatliches Realgymnasium Nordhausen, Archiv Kneffel (Foto: Heidelore Kneffel)

Postkarte 100 Jahre Staatliches Realgymnasium Nordhausen, Archiv Kneffel

Der Realschullehrer wohnte nach seiner Heirat ab 1837 in der Elisabethstraße 837 (neue Nr.12), hatte einen Garten, Teiche und der Mühlgraben lagen vor der Haustür, so dass er seine Forschungsobjekte, die Algen, nahe bei sich hatte. Das Haus wurde 1950 abgerissen. Ende 1850 kaufte Kützing das Haus Petersberg 213 (neue Nr. 31) von Christian Gotthart Kettembeil. Es war das letzte Haus vor der Schlunztreppe mit freiem Giebel nach Südwesten, also der Witterung ausgesetzt. Deshalb ließ er die West- und Südseite mit Schiefern schützen und zog Ende Februar 1851 ein. Das Haus hatte einen schönen Berggarten. Ein Gemälde von Wilhelm Eichler (1806-1872), signiert, datiert 1. Mai 1861, „Blick aus dem Arbeitszimmer Kützings“ wurde aus dem Nachlass des Forsches der Kunstsammlung der Stadt übereignet und hängt in der Dauerausstellung des Museum Flohburg.

Gemäldereproduktion Heidelore Kneffel (Foto: Heidelore Kneffel) Gemäldereproduktion Heidelore Kneffel (Foto: Heidelore Kneffel)

Gemäldereproduktion Heidelore Kneffel

Auf seine Autobiographie möchte ich noch verweisen, die aber erst längere Zeit nach seinem Tod erschien. 1953 übergaben zwei Enkel des Naturforschers dem Stadtarchiv in Nordhausen ein zu einem Buch gebundenes Manuskript. Der damalige Stadtarchivar Robert Hermann Walther Müller hatte 1952 einen Aufsatz in „Das Volk“ vom 24.12. veröffentlicht. Dieser hatte die Aufmerksamkeit der Enkel Kützings gefunden so kam es zu der Schenkung. 1960 erschien dann: „Kützing, F. T., Aufzeichnungen und Erinnerungen. Hrsg. von R. H. W. Müller u. R. Zaunick, Leipzig 1960 (Lebensdarstellungen deutscher Naturforscher, 8)“, ein sehr lebendig geschriebenes Buch. Man kann es sich in der Stadtbibliothek „Rudolf Hagelstange“ ausleihen.
Heidelore Kneffel
Autor: red

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