eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Sa, 10:42 Uhr
02.06.2018
Tag der offenen Tür im Jugendclub

Mit der Freiheit kommt die Verantwortung

Passend zum Kindertag öffente gestern der Jugendclub im Clubhaus seine Tore für Groß und Klein. Im Haus hat sich einiges verändert, alte Räume wurden neu gestaltet unter tatkräftiger mithilfe derer, die sie nutzen wollen. Stück für Stück soll die Jugend mehr Verantwortung für "ihren" Club übernehmen...

Kindertag im Jugendclubhaus (Foto: Angelo Glashagel) Kindertag im Jugendclubhaus (Foto: Angelo Glashagel)

Aus den Boxen dröhnt der HipHop, Mädchen und Jungen hängen rum und "chillen", surfen am Computer oder genießen die Sonne. Im Keller probiert man sich an den Turntables aus oder spielt Billiard, im "Kinozimmer" werden Filme geschaut. Nur Hausaufgaben wird gestern wohl keiner gemacht haben, auch wenn das an normalen Tagen regelmäßig vorkommt, versichert Jugendarbeiterin Jeanine Helbing. Sonst wäre es wohl ein Tag wie jeder andere im Jugendclubhaus gewesen. Doch zum üblichen Trubel gesellten sich gestern eine Riesenhüpfburg, eine Zielscheibe für junge Bogenschützen, Wasserrutsche, Waffelduft und Grillgeruch.

Anzeige symplr (1)
Den gestrigen Kindertag wollte man im Clubhaus aber nicht nur zur Bespaßung nutzen, sondern auch als Tag der offenen Tür. Im November des vergangenen Jahres hatte Clubhaus-Chefin Jennifer Pohl angekündigt im Haus ein paar Dinge anders anzupacken, die Jugendlichen sollten in der Gestaltung ihres Alltags im Club mehr Freiheit genießen aber auch mehr Verantwortung übernehmen.

Einige Schritte dahin hat man bereits unternommen, erzählte Pohl gestern, am vergangenen Freitag. Die Jugendarbeiter sind zwar immer erreichbar, folgen den Kindern aber nicht auf Schritt und Tritt. "Wenn sie unter sich sind, dann wird jemand bestimmt der den Hut auf hat", erklärt Jugendarbeiterin Jeanine, das ist Verantwortung die die Jugendlichen übernehmen können und wollen. Am vergangenen Freitag wurde zudem der erste "Clubrat" gewählt mit vier Mitgliedern gewählt. Der soll in Zukunft eine eigene Clubordnung erarbeiten, Regelverstöße ahnden können, ein kleines Budget erhalten und Entscheidungen treffen. Etwa was mit der Garage und einem noch ungenutzem Raum geschehen soll, was in der Ferienfreizeit wünschenwert wäre oder wohin man Tagesausflüge unternehmen könnte.

Jennifer Pohl im "Kinozimmer" der Jugendclubs  (Foto: Angelo Glashagel) Jennifer Pohl im "Kinozimmer" der Jugendclubs (Foto: Angelo Glashagel)

Ganz ohne Reibung ging der neue Ansatz nicht ab. "Ein paar Kleinigkeiten sind schon weggekommen. Aber was weg ist, ist weg und wird auch nicht ersetzt", erzählt Jennifer Pohl. Wenn alle durch die Aktionen Einzelner in ihren Möglichkeiten eingeschränkt würden, dann ärgere das die Jugendlichen auch sehr, mit dem Effekt das sich die Gruppe ein Stück weit selbst erziehe.

Rund 20 Jugendliche halten sich unter der Woche pro Tag in den Räumen des Clubhauses auf. Zwischen dem Keller mit Billiardtisch und Bandraum, dem kleinen "Kinoraum" und den Räumen auf dem Hof gibt es reichlich Rückzugsorte zum abtauchen oder zur Gemeinsamkeit, je nachdem.

Im zweiten Jugendclub des Kreisjugendrings in Nordhausen Ost ist noch mehr los, rund 50 Kinder und Jugendliche im Schnitt verbringen hier ihre Freizeit. Sportlich, engagiert, involviert und viel frische Luft: weg vom Computer zurück zur Natur lautet hier die Devise. Seit bald 17 Jahren ist Marco Kühlewind in Nordhausen Ost unterwegs und hat eine Generation aufwachsen sehen. Teilweise habe er heute die Kinder der Kinder von damals bei sich im Club, erzählt er. Das Umfeld ist ein anderes als im Stadtzentrum, die Problemlagen nicht selten kompliziert. "Für viele ist unser Jugendclub auch eine Zufluchtsstätte, gerade wenn es zu Hause mal nicht so läuft", sagt Kühlewind.

Weg vom Computer, zurück zur Natur lautet die Devise bei Marco Kühlewind (Foto: Angelo Glashagel) Weg vom Computer, zurück zur Natur lautet die Devise bei Marco Kühlewind (Foto: Angelo Glashagel)

Manche Schicksale scheinen sich zu wiederholen, erzählt der Jugendarbeiter, aber nicht alle. Über die Jahre habe er viele gesehen, die sich in ihrer Jugend schwer getan hätten, heute aber im Leben angekommen seien. Damit genau das geschieht nutzt man die Möglichkeiten, die sich dem Club bieten, etwa über Kontakte zu Firmen der Region. Ein Praktikumsplatz oder eine Ausbildungsstelle - das schafft Perspektive.

Zwei unterschiedliche Ansätze für zwei unterschiedliche Sozialräume die beide auf ihre Art zu funktionieren scheinen. Einen Clubrat soll es bald auch in Ost geben, der Kreisjugendring will vorsichtig weiter experimentieren. "Für uns ist das auch neu und spannend", sagt Jennifer Pohl, "und es bringt neue Herausforderungen mit sich denen wir uns jetzt stellen müssen."
Angelo Glashagel
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)