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Di, 20:06 Uhr
01.05.2018
Die Partei, die hat immer Recht

Rotes Nordhausen vor 60 Jahren

Ein Film vom 1958 zeigt das rote Nordhausen zum 1.Mai – es war einmal, in einer heute unbegreiflichen Zeit, in Nordhausen. Von Tim Schäfer...


Ein bemerkenswertes Video vom Nordhäuser 1.Mai von 1958 zeigt viele fröhliche Menschen in einer Zeit, die uns heute beinah unerklärlich erscheint. Nein, nicht das es damals in Nordhausen keinen Optimismus gab oder fröhliche Menschen.

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Vielmehr ist es das untergegangene System der Deutschen Demokratischen Republik mit der „Partei der Arbeiterklasse“, die nach dem bekannten Lied von Louis Fürnberg (Text und Musik), Lied von der Partei (Die Partei hat immer recht) auch in diesem Film vom Nordhäuser 1.Mai beinah ironisch unterlegt war. Damals war das allerdings ernst gemeint, in einem Staat der DDR, der nach dem Verfassungsprinzip des demokratischen Zentralismus gegliedert und geführt wurde, durch die Partei, die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschland).

Der 1.Mai war einer der wichtigsten Ereignistage, die später zu einer Farce verkamen, zu einer Pflichtveranstaltung der Teilnahme mit ostdeutschen Winkelementen wie Fähnchen rote Nelken, Aufmarsch der Kämpfer der Kampfgruppen, die danach mitunter fleißig gebechert haben sollen. In der DDR war es offiziell dagegen der“ Internationale Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“. Es gab oft auch Auszeichnungen an diesem Tag.

Der Film von Nordhausen aus 1958 zeigt aber auch Aufnahmen aus der Altstadt, den Aufmarsch der NOBAS, Rathaus und Roland, winkende Pioniere. Es werden Banner gezeigt, die betitelt sind, wie: “ In unserer Republik hat das Handwerk endlich goldenen Boden“. Das Schlepperwerk Nordhausen zeigt die neuen Schlepper, produziert in Nordhausen. Die Demonstration geht an einer Bühne vorbei, vor der die damaligen Vertreter der Partei- und Staatsführung mit Ihren Ehrengästen standen, ein Ritual, welches fast bis zum Ende der DDR aufrecht erhalten blieb. Natürlich waren auch Bauern, Sportler und andere Gruppen am 1. Mai 1958 dabei.

Der Film ist ein gesellschaftshistorisches Dokument aus einer Zeit, die heute kaum mehr vorstellbar ist, der DDR Zeit. Neben dem politischen Ansatz gab es viele Menschen, die damals optimistisch und glücklich waren, es gab eine Aufbruchstimmung oder erste Erfolge, die zeigten den Menschen, dass es auch in der DDR und in Nordhausen 1958 möglich war, auch Optimismus zu zeigen…? Vor 60 Jahren, am 1. Mai 1958 in Nordhausen.
Tim Schäfer
Autor: red

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Kommentare
memento mori
02.05.2018, 08:51 Uhr
ohne Facebook
Gibt es für geschichtsinteressierte Bürger, welche kein Facebook haben, auch die Möglichkeit, dieses Video anzusehen?

Danke für einen Tipp!
Andreas Dittmar
02.05.2018, 10:45 Uhr
kleiner Tip zu zum Video
Es geht auch ohne "digitalen Offenbahrungseid". Bin auch schon lange nicht mehr bei FB. Wenn sich das Banner über das Video legt ist rechts im Banner unter dem grünen Anmeldebutton der unscheinbare blaue Schriftzug "jetzt nicht" . Einfach da drauf drücken und anschließend nochmal auf das Video. Dann sollte es laufen.
HUKL
02.05.2018, 14:54 Uhr
Wie sich die Zeiten ändern!
Während im Vorfeld zum 1.Mai förmlich Landrat Jendricke um jeden Teilnehmer mit seinem Hilfsgeschwader für die Kundgebung vor dem Nordhäuser Rathaus buhlen musste, zeigt dieser Film aus tiefen DDR-Zeiten, was in den verschiedenen Orten einfach Normalität war, wie in anderen Ländern auch! Schaut man in die einzelnen Gesichter der Vorbeiziehenden, werden die unterschiedlichsten inneren Gedanken dabei ausgestrahlt. So gab es ein Gemisch von glücklichen, optimistischen, aber auch insgesamt unzufriedenen und nachdenklichen Menschen, die während des (unbedingt gewünschten) Vorbeimarsches an den damals in den Bezirken und Kreisen regierenden Obrigen und deren eingeladenen Ehrengäste nicht immer ihr wahres Gedankengut präsentierten. Noch gut in Erinnerung dürfte bei jedem Teilnehmer gewesen sein, wie flott bei den entsprechenden Sammelstellen zur Demonstration die Träger der Banner mit den verschiedensten Parolen bestimmt wurden, die natürlich nicht ständig bei den „Auserwählten“ großen Anklang fanden.....

Erst unmittelbar nach dem Vorbeimarsch an der festlich geschmückten und mit allen möglichen „Aktivisten“ und Sonstigen prall gefüllten Ehrentribüne, wo man als Teilnehmer plötzlich und kurz das Hypnosegefühl hatte, dass diese da oben Auserwählten für das Wohl aller friedlich Demonstrierenden verantwortlich waren, hat sich dieser Spuk unmittelbar danach durch die regelrechten Auflösungserscheinungen aber wieder schlagartig in den ganz normalen Alltag verwandelt! Man war dann froh, sich rasch von allem Schmuck- und Beiwerk, auch von evtl. an der Brust angehefteten Auszeichnungen, zu entledigen, um der direkten Umwelt zu zeigen, dass sich niemand im jeweiligen „Kollektiv“ abheben möchte......

Im Gegensatz zur oben erwähnten Zeit, gibt es in der Partei des Landrates Jendricke, einen großen Mitgliederschwund. Fast jeden Teilnehmer an der „Feier“ vor dem Nordhäuser Rathaus konnte er dafür deshalb per Handschlag begrüßen! Doch hier wurde aber zusammen mit den Gewerkschaften wirklich um Angleichung der Löhne, soziale Gerechtigkeit, bessere Lebensbedingungen usw. regelrecht gekämpft!

Das war und ist der Unterschied zu den grundverschiedenen beiden politischen Epochen!
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