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18.04.2018
Theater stellt neuen Spielplan vor

140 Seiten Kultur satt

140 Seiten ist das neue Spielplanheft des Nordhäuser Theaters stark, insgesamt stehen bis zum Sommer nächsten Jahres 26 Premieren im Programm. Zudem wird man die 400jährige Geschichte des Loh-Orchesters gebührend feiern. Was dem geneigten Publikum genau geboten werden soll, das wurde heute im Nordhäuser Theater vorgestellt werden...

v.l.: Daniela Bethge, Michael Helmrath, die Intendanten Daniel Klajner und Steffen Menschling sowie Ivan Alboresi und Annette Leistenschneider (Foto: Angelo Glashagel) v.l.: Daniela Bethge, Michael Helmrath, die Intendanten Daniel Klajner und Steffen Menschling sowie Ivan Alboresi und Annette Leistenschneider (Foto: Angelo Glashagel)

Mit dem neuen Spielplan habe man eine "Herkulesaufgabe" hinter sich gebracht, sagte Theaterintendant Daniel Klajner und dankte den vier Gesellschaftern dafür, das man in "ruhigem Fahrwasser" Theater machen könne.

Und der neue Spielplan ist in der Tat umfangreich. Die hauseigenen Sparten Musiktheater und Ballett sowie der Jugendbereich warten mit neuen Produktionen auf und auch der Konzertsaison des Loh-Orchesters wird mit den Feierlichkeiten zur 400jährigen Geschichte des Ensembles besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Heiter, fröhlich, märchenhaft

Nachdem das Musiktheater in der vergangenen Spielzeit reichlich schwere Stoffe mit teils blutigem Ausgang auf die Bühne brachte, soll die kommende Saison bunter, fröhlicher und mit weniger Toten daher kommen, versprach Operndirektorin Annette Leistenschneider. Den Anfang macht die Operngala Vive la musique am 1. September, die ganz im Zeichen der französischen Operntradition stehen soll. Temporeich und fröhlich wird es mit Otto Nicolais Die Weiber von Windsor am 21. September weitergehen. Besonders am Herzen liegt Leistenschneider die Inszenierung von Hänsel und Gretel nach Engelbert Humpertdinck, die im Dezember auf die Adventszeit einstimmen soll. Theoretisch ist das Stück auch für Kinder im Schulalter geeignet, umfasst die Länge einer normalen Oper.

Gleiches gilt für Cendrillon. Die märchenhafte Oper aus der Feder von Jules Massenet erzählt eine klassische Aschenputtel-Geschichte und wird im neuen Jahr auf deutsch auf der großen Bühne zu sehen sein. Das Schicksal Julius Cäsars in der Händel'schen Fassung wird in Kooperation mit der Leipziger Hochschule für Musik und Theater hingegen wie im Original auf italienisch ab März 2019 dargeboten. Im April folgt laut Annette Leistenschneider eines der besten Musicals aller Zeiten. Cabaret spielt im Berlin der frühen 30er Jahre. Während der Geist der "goldenen Zwanziger" noch nachwirkt werfen die dunklen Tage der Naziherrschaft bereits ihre Schatten voraus.

Neben den neuen Produktionen wird man auch Publikumslieblinge vergangener Spielzeiten auf die Bühne holen. Geplant sind je sechs Vorstellungen von Dracula und dem Geist der Weihnacht sowie vier Vorführungen der Fledermaus. Die Operette von Johann Strauß feiert am Freitag dieser Woche Premiere.

Zwischen Klassik und Avantgarde

Die Ballettkompanie unter Ivan Alboresi setzt auch in der neuen Spielzeit wieder auf eine Mischung aus klassischen Stücken und neuen Stilen. Zur Ballettgala am 29. September werde man die Neuzugänge des Ensembles in Aktion erleben können, sagte Alboresi, Nordhausen habe sich als Sprungbrett für junge Künstler etabliert. Das gilt nicht nur für die Tänzer, wer auf die Nordhäuser Bühne komme müsse "Staatstheatertauglich" sein, sagt Intendant Klajner, "wenn die jungen Leute hier länger als ein paar Jahre bleiben dann hätten wir etwas falsch gemacht".

Im Oktober wird es auch im Ballett märchenhaft: Shakespears Sommernachtstraum mit Musik von Mendelssohn-Bartholdy steht dann auf dem Programm. Nicht weniger klassisch gibt sich das Programm in der Weihnachtszeit, drei Aufführungen von Schwanensee sind geplant. Kontrastreicher geht man danach ins neue Jahr, die Doppelinszenierung Der Tod und das Mädchen/Ruff Celts verbindet wieder traditionelles Ballett mit modernem Tanz. Dafür konnte die irische Choreographin Marguerite Donlon gewonnen werden, die ihre Inszenierung "Ruff Celts" dieser Tage noch in New York und Chicago zeigt. In der dritten Auflage der Frei(t)räume können die Tänzerinnen und Tänzer der Nordhäuser Ensembles im März 2019 dann wieder zeigen wie sie sich modernes Ballett vorstellen.

Die ganze Bandbreite

Gewohnt umtriebig zeigt sich auch das junge Theater, neun verschieden Stücke stehen im Plan, hinzu kommen die Aufführungen des jungen Zirkus Zappelini sowie diverse pädagogische Angebote. Für die ganz kleinen Theaterbesucher startet man mit Mieke kann nicht schlafen am 16. September in die neue Saison. Das Theater Rudolstadt steuert mit Zwerg Nase im November ein Schauspiel bei, Eva Lankau und Daniela Bethge präsentieren außerdem ihre Weihnachtsgeschichte Mitleid mit dem Weihnachtsbaum. Für das Jugendliche Publikum wird man mit Young Parzival - Ein Held, eine Suche Wolfram von Eschenbachs Epos in gekürzter Fassung auf die Bühne bringen. Der Theaterjugendclub wird mit Oz Dorothy in die Smaragdstadt schicken, natürlich mit in einer ganz eigenen Interpretation des Stoffes.

Die Eskalation einer guten Idee

Auch das Schauspiel aus der Hand der Rudolstädter übt sich in der neuen Spielzeit im Spagat. Während man sich in Die Wiedervereinigung der beiden Koreas im Oktober mit dem undurchdringlichen Abgründen und Höhenzügen zwischenmenschlicher Beziehung befasst, darf sich Das Festkomitee im Januar in der besten Tradition britischen Humors gegenseitig zerfleischen und eine eigentlich gute Idee in der völligen Eskalation untergehen lassen. Den Idealzustand nach dem idealistischen Vorbild Goethes stellt man im Mai dann mit Iphigenie auf Tauris wieder her.

Wiener Melange und Darth Vader

Es ist eine kleine Ironie der Geschichte das man die Vielfalt der kulturellen Landschaft in Deutschland gerade der Kleinstaaterei zu verdanken hat. Am Rande des Kyffhäuser war es der Fürst zu Sondershausen, der die musikalische Tradition der Region begründete und die Welt der Musik nicht nur für seien Hofstaat, sondern auch für seine Untertanen öffnete. Die lange Tradition wird man in der kommenden Spielzeit ausgiebig feiern.

Sechs Sinfoniekonzerte, vier Loh-Konzerte, drei Schloss-Konzerte sowie zahlreiche Sonderdarbietungen finden sich im neuen Spielplan, darunter natürlich Klassik von Schubert, Brahms und Mozart bis zu ausgefalleneren Konzerten wie den Sounds of Hollywood. Für das junge Publikum ab drei Jahren führt man zudem wieder die Kissenkonzerte ein.

Kultur kann Erinnern

Ein besonderes Konzert plant man auch für den 9. November. Die Reichspogromnacht wird sich dann zum 80. mal jähren. Theater und Loh-Orchester werden mit mehreren Veranstaltungen an die Geschehnisse erinnern. In den letzten Jahrzehnten sei offener Antisemitismus in einem Maße wieder salonfähig geworden, wie er es sich nicht habe vorstellen können, sagte Generalmusikdirektor Michael Helmrath, es gäbe eine Notwendigkeit die nachwachsenden Generationen an das zu erinnern, was damals geschehen sei. Das Loh-Orchester wird das mit dem 3. Sinfoniekonzert Erinnern für die Zukunft tun. Das junge Theater wird aus Meine Zeit mit Anne Frank lesen und mit Brundibar eine lebensbejahende Kinderoper zeigen, welche die Bewohnern des KZ's Theresienstadt einen Hauch von Normalität erleben ließ.

Die Schlossfestspiele

Zu den Schlossfestspielen im Sommer 2019 will mit Jesus Christ Superstar, der Entführung aus dem Serail und Orpheus und Eurydike wieder zahlreiche Besucher nach Sondershausen locken.

An den Eintrittspreisen des Theaters wird sich in der neuen Spielzeit nichts ändern, einen genauen Überblick über die neue Spielzeit gibt es hier
Angelo Glashagel
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