Di, 12:03 Uhr
27.03.2018
Erfahrungsaustausch in Sachsen-Anhalt
Erhaltung hochgradig bedrohter Pflanzenarten
Vom Arbeitskreis Heimische Orchideen Sachsen-Anhalt wurde 2014 ein Enzianprojekt initiiert, das sich der Erfassung und der Erhaltung der heimischen Enzianarten widmet. Zur Wintertagung des Vereins am vergangenen Sonntag berichtete Bodo Schwarzberg über die Bemühungen zur Erhaltung des vom Aussterben bedrohten Feld-Enzians in Nordthüringen...
Bei der Veranstaltung am vergangenen Sonntag wurde festgestellt, dass Enziane, ebenso wie die meisten anderen Pflanzenarten in Mitteldeutschland, über keine Lobby verfügen. Ihre Wuchsorte verschwanden bisher weitgehend unbemerkt, die frühblühende Form gilt in Mitteldeutschland bereits als ausgestorben.
Der Feld-Enzian (Gentianella campestris) verlor in Thüringen bereits vor 1950 rund 87 Prozent seiner Vorkommen. Zwischen1950 und 1989 kamen weitere 11 Prozent hinzu. Heute wird er nur noch an zwei Wuchsorten gefunden, wobei bemerkenswert ist, dass beide erst nach 1980 entdeckt wurden. Einer befindet sich im Kyffhäuserkreis, der andere im Landkreis Nordhausen. Von der Angabe der alten Nordhäuser Botaniker Adolf Vocke und Carl Angelrodt aus dem Jahre 1886 in ihrer Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend,, stellenweise sehr häufig, kann also schon lange keine Rede mehr sein.
Fast stets hängt es von ehrenamtlichen Spezialisten und deren Aktivitäten ab, ob solch extrem selten gewordene Arten erhalten werden können oder nicht. Denn die Ursachen für deren Verschwinden liegen vor allem in der Landbewirtschaftung. Und die lässt sich großflächig kaum ändern.
Auf mögliche, eventuell kommende Projektmittel zu vertrauen, birgt die Gefahr in sich, dass die letzten Wuchsorte schneller verschwinden, als Projekte genehmigt werden.
In Könnern berichteten Botaniker und Naturschützer aus unserem Nachbarbundesland über ihre überwiegend erfolgreichen Erhaltungsmaßnahmen an den letzten rund fünf verbliebenen Wuchsorten der Art. Immerhin wird deren Anzahl an einem Fundpunkt auf rund 25.000 geschätzt.
Bodo Schwarzberg über die Bemühungen zur Erhaltung des vom Aussterben bedrohten Feld-Enzians in Nordthüringen (Foto: Bodo Schwarzberg)
In Thüringen ist die Situation schwieriger: 2017 erblühten im Freistaat nur 18 Pflanzen. Doch ihre Zahl schwankt von Jahr zu Jahr beträchtlich. Immerhin konnte der Verlust der beiden letzten Vorkommen durch aufwändige, geeignete Maßnahmen wie Mahd, die Anlage von Bodenverwundungen (durch den Autor des Beitrages erfolgt) und Abstimmung mit bewirtschaftenden Schäfern und Behörden bisher verhindert werden. Im Kyffhäuserkreis hat sich auch die dortige Naturparkverwaltung im Jahre 2017 aktiv für die Erhaltung ihres Feld-Enzianwuchsortes eingesetzt. Zudem bestehen Kontakte zu einem Botanischen Garten, der sich auf die besonders schwierige, erhaltende Kultivierung von Enzianarten spezialisiert hat.
Positiv wurde die bisher gelungene Revitalisierung eines der beiden Nordthüringer Wuchsorte im Zuge eines Projekts mit dem Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser e.V. im Jahre 2013 aufgenommen. Dieser war erst 1992 entdeckt worden. Sechs Jahre später konnten, wohl durch die damalige Aufgabe der Schafbeweidung, bereits keine Feld-Enzian-Pflanzen mehr nachgewiesen werden.
Im Vortrag kamen auch wahrscheinliche Auswirkungen des Klimawandels zur Sprache. So konnte ich über die Folgen einer längeren Dürreperiode auf Feld-Enzian-Pflanzen in Nordthüringen berichten. Sommerliche Dürreperioden sollen nach Prognosen der Klimaforscher und auch nach einer entsprechenden mitteldeutschen Publikation künftig verstärkt auftreten. Umso wichtiger ist die Kenntnis der Ansprüche der zu erhaltenden Arten, um geeignete Maßnahmen zu erarbeiten.
Der Kontakt zwischen den Enzianschützern aus Thüringen und Sachsen-Anhalt soll fortgesetzt und vertieft werden.
Bodo Schwarzberg
Autor: redBei der Veranstaltung am vergangenen Sonntag wurde festgestellt, dass Enziane, ebenso wie die meisten anderen Pflanzenarten in Mitteldeutschland, über keine Lobby verfügen. Ihre Wuchsorte verschwanden bisher weitgehend unbemerkt, die frühblühende Form gilt in Mitteldeutschland bereits als ausgestorben.
Der Feld-Enzian (Gentianella campestris) verlor in Thüringen bereits vor 1950 rund 87 Prozent seiner Vorkommen. Zwischen1950 und 1989 kamen weitere 11 Prozent hinzu. Heute wird er nur noch an zwei Wuchsorten gefunden, wobei bemerkenswert ist, dass beide erst nach 1980 entdeckt wurden. Einer befindet sich im Kyffhäuserkreis, der andere im Landkreis Nordhausen. Von der Angabe der alten Nordhäuser Botaniker Adolf Vocke und Carl Angelrodt aus dem Jahre 1886 in ihrer Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend,, stellenweise sehr häufig, kann also schon lange keine Rede mehr sein.
Fast stets hängt es von ehrenamtlichen Spezialisten und deren Aktivitäten ab, ob solch extrem selten gewordene Arten erhalten werden können oder nicht. Denn die Ursachen für deren Verschwinden liegen vor allem in der Landbewirtschaftung. Und die lässt sich großflächig kaum ändern.
Auf mögliche, eventuell kommende Projektmittel zu vertrauen, birgt die Gefahr in sich, dass die letzten Wuchsorte schneller verschwinden, als Projekte genehmigt werden.
In Könnern berichteten Botaniker und Naturschützer aus unserem Nachbarbundesland über ihre überwiegend erfolgreichen Erhaltungsmaßnahmen an den letzten rund fünf verbliebenen Wuchsorten der Art. Immerhin wird deren Anzahl an einem Fundpunkt auf rund 25.000 geschätzt.
Bodo Schwarzberg über die Bemühungen zur Erhaltung des vom Aussterben bedrohten Feld-Enzians in Nordthüringen (Foto: Bodo Schwarzberg)
In Thüringen ist die Situation schwieriger: 2017 erblühten im Freistaat nur 18 Pflanzen. Doch ihre Zahl schwankt von Jahr zu Jahr beträchtlich. Immerhin konnte der Verlust der beiden letzten Vorkommen durch aufwändige, geeignete Maßnahmen wie Mahd, die Anlage von Bodenverwundungen (durch den Autor des Beitrages erfolgt) und Abstimmung mit bewirtschaftenden Schäfern und Behörden bisher verhindert werden. Im Kyffhäuserkreis hat sich auch die dortige Naturparkverwaltung im Jahre 2017 aktiv für die Erhaltung ihres Feld-Enzianwuchsortes eingesetzt. Zudem bestehen Kontakte zu einem Botanischen Garten, der sich auf die besonders schwierige, erhaltende Kultivierung von Enzianarten spezialisiert hat.
Positiv wurde die bisher gelungene Revitalisierung eines der beiden Nordthüringer Wuchsorte im Zuge eines Projekts mit dem Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser e.V. im Jahre 2013 aufgenommen. Dieser war erst 1992 entdeckt worden. Sechs Jahre später konnten, wohl durch die damalige Aufgabe der Schafbeweidung, bereits keine Feld-Enzian-Pflanzen mehr nachgewiesen werden.
Im Vortrag kamen auch wahrscheinliche Auswirkungen des Klimawandels zur Sprache. So konnte ich über die Folgen einer längeren Dürreperiode auf Feld-Enzian-Pflanzen in Nordthüringen berichten. Sommerliche Dürreperioden sollen nach Prognosen der Klimaforscher und auch nach einer entsprechenden mitteldeutschen Publikation künftig verstärkt auftreten. Umso wichtiger ist die Kenntnis der Ansprüche der zu erhaltenden Arten, um geeignete Maßnahmen zu erarbeiten.
Der Kontakt zwischen den Enzianschützern aus Thüringen und Sachsen-Anhalt soll fortgesetzt und vertieft werden.
Bodo Schwarzberg

