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Mi, 08:34 Uhr
14.03.2018
Mathildenausstellung im Schloss Heringen

Das Leben einer großen Dame

Mit großem Publikumserfolg wurde am Wochenende die Sonderausstellung zur Wiederkehr des 1050. Todestages der Königin Mathilde am 14. März in der 3. Etage des Heringer Schlosses eröffnet. Im Vorfeld tauchte Heidelore Kneffel in einem historischem Beitrag in das Leben und Wirken der Königin und das Leben ihrer Familie ein. Heute, am Todestag, dieser ungewöhnlichen Frau, folgt der 2. Teil...

In der Buchreihe „Die Andere Bibliothek“, herausgegeben von dem bekannten Autor Hans Magnus Enzensberger, erschien 1993 ein immerwährender Heiligenkalender mit einem Register aller Schutzpatrone. Der Autor A. Ch. Sellner erzählt aus der Fülle der Heiligenlegenden diejenigen nach, die er für bemerkenswert hält. Jeder Tag des Jahres hat eine oder einen Heiligen, für den 14. März steht die „Heilige Mathilde, Königin und Witwe“.

Zum Todestag der Königin Mathilde (Foto: Heidelore Kneffel) Zum Todestag der Königin Mathilde (Foto: Heidelore Kneffel)

Wir erfahren: „… Nach dem Tode des Königs stellte sie sich im Kampf um die Nachfolge zwischen ihren Söhnen Otto und Heinrich auf die Seite des letzteren. Heinrich unterlag, und die Mutter mußte schwer dafür büßen. Es war nämlich nicht nur Otto, sondern fast mehr noch ihr Liebling Heinrich, der sie herzlos drangsalierte. Man hatte sie verleumdet, sie verschwende alles an die Armen, und so nahmen ihr die Brüder das Witwengehalt und sogar das Brautvermögen weg und nötigten sie zum Eintritt in ein Kloster. … Den Söhnen aber brachte ihr Verhalten der Mutter gegenüber wenig Glück. Der eine verlor fortwährend Kriege, der andere zog sich schwere Krankheiten zu und starb schließlich wenige Jahre darauf. Mathilde trauerte tief um ihn und stiftete zu seinem Gedenken das Kloster Nordhausen.

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Otto versöhnte sich auf Betreiben seiner Frau Editha und seines Bruders Bruno, des Erzbischofs von Köln, mit der Mutter und besuchte sie in Nordhausen mit großem Gefolge. Am Tag der Abreise gingen sie gemeinsam zur hl. Messe, dann umarmten sie sich vor dem Kirchenportal, küßten sich zum Abschied, und Otto schwang sich auf sein Roß. … Eine göttliche Eingebung verriet ihr in Nordhausen das Nahen des Todes. Sie begab sich nach Quedlinburg und legte sich angetan mit einem grauen, härenden Bußkleid auf das Sterbebett.“ Soweit die Legende, die deutlich macht, dass dieses Leben von Höhen und Tiefen geprägt war.
Im Jahr 1993 warb der Heimatverein in Herford bei 14. Orten für die Gründung eines historischen Touristenpfades von Herford über Nordhausen nach Quedlinburg, der nach der ersten Königin in unseren Landen „Mathildenpfad“ heißen sollte. Wir schlossen uns an, gründeten noch einen besonderen in Nordhausen, der vom Dom über den Finkenburgwall, die Wassertreppe mit der Finkenburg, die Pfaffengasse, den Königshofwall bis zum Königshof führte. Die Stadt- und Gästeführergilde führte so manche Gruppe über diesen durch die Wallanlagen so idyllischen Pfad, der dann allerdings durch die Verwahrlosung des besonders beeindruckenden Finkenburgwalls aufgegeben werden musste.

Mathilde lebte und wirkte im frühen Mittelalter, wenige weibliche Persönlichkeiten dieser Zeit sind in Annalen, Chroniken, Heiligenlegenden erwähnt. Sie aber erhält gleich zwei Viten, also Lebensbeschreibungen. Die ältere Vita kommt bereits 974 heraus, schon sechs Jahre nach ihrem Tod. Am wahrhaftigsten erscheint der Teil, der Mathildes Dasein in Nordhausen darstellt. Man geht deshalb davon aus, dass der Autor Augenzeuge gewesen sein könnte.

Vielleicht hat auch die Äbtissin von Nordhausen, Richburga, Freundin und Vertraute der Königin, dabei geholfen. Auftraggeber der Vita I war der Enkel, Otto II., der Nordhausen bereits 962 das Münz-, Markt- und Zollrecht erteilt hatte. 972 hatte er seiner Gemahlin Theophanu bei der Hochzeit auch alle Güter in Nordhausen geschenkt, die bis dahin Eigentum der Königin Mathilde gewesen waren. Mit diesen Gütern aber hatte diese 961 das Nordhäuser Damenstift ausgestattet. Zentrales Thema der Lebensbeschreibung ist es also aufzuzeigen, mit welcher Hingabe die Königin die Vollendung dieser ihrer letzten Klostergründung in Nordhausen betrieb. In der Heiligenlegende wird ja deutlich gesagt, dass es der Königsdynastie immer dann schlecht erging, wenn ein Herrscher die Bemühungen der Königin um den Erhalt und die Gründung von Klöstern und Stiften hintertrieb. Mit ihnen hatte sie zahlreichen Männern und Frauen ein sinnerfülltes Leben ermöglicht und das Ansehen der Dynastie gestärkt. Sie kümmerte sich neben den adligen Frauen und Männern und der Geistlichkeit auch um die unteren Schichten. Herrscherliches Denken und frommes Dienen schlossen sich für Mathilde nicht aus. Nach dem Tode ihres Mannes 936 erhielten Arme und Kranke regelmäßig Speisen und an jedem Samstag, dem Sterbetag des Königs, bekamen die Bedürftigen Bäder und auch Kleidung.

Zum Todestag der Königin Mathilde (Foto: Heidelore Kneffel) Zum Todestag der Königin Mathilde (Foto: Heidelore Kneffel)

Zeichnung von Fritz Teichmüller: Königin Mathilde mit ihrem Sohn Heinrich 930 auf der Reichsburg

Die Vita II, eher bekannt geworden als die erste, entstand nach 1002, wahrscheinlich auch in Nordhausen Die Linie der Ottonen war mit Otto III. ausgestorben und Heinrich II. kam an die Macht, ein Nachfahre aus der Familie des Herzogs Heinrich I. von Bayern, des Lieblingssohnes von Mathilde.

Eine wichtige Quelle über das Leben der Liudolfinger/Ottonen stammt vom Mönch Widukind von Corvey, um 925 oder 933/35 bis nach 973. Er war ein bedeutender sächsischer Geschichtsschreiber und schreibt die „Res gestae Saxonicae“, die „Sachsengeschichte“ 967/68, als Mathilde noch lebte. Er erwähnt diese Herrscherin oft und mit Ehrfurcht, er nennt sie „Die berühmte, edle an Weisheit einzigartige Königin... „ und eine „mirae sanctatis femina“, eine „Frau von wunderbarer Heiligkeit.“ Von ihrem Erstgeborenen Otto erfahren wir: „Durch seine vielen Siege berühmt und verherrlicht, erweckte er die Furcht ebenso wie die Gunst …, daher empfing er zahlreich Gesandtschaften von Römern, Griechen, Sarazenen und erhielt goldene und silberne Gefäße, auch eherne und kunstreich gearbeitete Gefäße von Glas, von Elfenbein … Teppiche, Balsame, Spezereien, Tiere, welche die Sachsen vorher nie gesehen hatten, Löwen, Kamele, Affen und Strauße.... Auf die Jagd ging er häufig, er liebte das Brettspiel, und mit Ernst übte er er sich bisweilen im Reiterspiel.

Dazu kam noch der gewaltige Körperbau, das Haupt bedeckt mit ergrauendem Haar, die Augen funkelnd und gleißend wie ein Blitz, das Gesicht rötlich und der Bart reichlich niederwallend und zwar entgegen dem alten Brauche … Seine Kleidung war heimisch...“ Alle Kinder Mathildes und Heinrichs haben in der Geschichte Wesentliches geschaffen, wie die Ausstellung aufzeigt.

Weilte Mathilde in ihrer letzten Stiftung, so ist es überliefert, sang sie besonders des Nachts in ihrem Zimmer, das nahe der Kirche lag, göttliche Lieder von mannigfaltiger Art. Dann erwartete sie betend in der Kirche die Messfeier. Am Tag besuchte sie Kranke in der Nachbarschaft und reichte ihnen, was sie benötigten. Auch ihre Gastfreundschaft war bekannt. Wanderern, die sie im Tal erblickte, ließ sie das Notwendige bringen. „Dienern und Mägden im Haus lehrte sie verschiedene Künste und auch das Lesen und Schreiben.“

Mathilde hat ihren Mann Heinrich, der nicht alt wurde, um 32 Jahre überlebt. Er war eine außergewöhnliche Persönlichkeit gewesen, besonders in seiner Königszeit, besaß ein hohes Maß an Beharrlichkeit. Wenn notwendig, handelte er energisch und zupackend, nutzte die Stärken der ihm unterstehenden Herzöge geschickt zur Stärkung des Königtums aus, ließ ihnen dabei trotzdem das Gefühl eigener Macht. Heinrich besaß großes diplomatisches Geschick. Zuletzt unterstanden ihm fünf Stammesherzogtümer. Zur Sicherung der Grenzen nach außen schuf er die berühmte „Burgenordnung“.
Mathilde, die, mit hohen Geistesgabe ausgestattet war, erlebte den Aufstieg ihres Mannes. Sie reifte an seiner Seite und nach seinem Tod zu einer Frau, der staatspolitisches Denken und Handeln wichtig wurden. Wie König Heinrich I.seine Frau sah, macht folgende Einschätzung deutlich: „... habe Dank, daß du unseren Zorn unermüdlich beschwichtigt, uns in allen Dingen nützlichen Rat gegeben, auch oft von der Ungerechtigkeit zur Gerechtigkeit gerufen und fleißig ermahnt hast, auch Barmherzigkeit walten zu lassen.“
Heidelore Kneffel

Die Öffnungszeiten des Heringer Schlosses:
Dienstag bis Freitag
von 8.00 Uhr bis 14.00 Uhr;
Sonnabend und Sonntag von
14.00 Uhr bis17.00 Uhr;

Führungen zur Mathildenausstellung:
Am 23.3., 24.4. jeweils um 15.00Uhr
Finissage am 27. 5. um 15.00 Uhr
und nach Anmeldung
Autor: red

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