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So, 22:01 Uhr
18.02.2018
Artenschutzmaßnahme

Für die Zwerg-Steppenkresse

Der Südharzer Zechsteinrand gehört zu den amtlich erklärten Hotspots der Artenvielfalt in Deutschland. Viele seltene und gefährdete Arten, die diesen Hotspot-Charakter wesentlich mitbestimmen, siedeln auf Splitterflächen, die von keinem der heute gängigen Bewirtschaftungskonzepte berücksichtigt werden können...

Zwerg-Steppenkresse bei Ellrich (Foto: Bodo Schwarzberg) Zwerg-Steppenkresse bei Ellrich (Foto: Bodo Schwarzberg) Die Zwerg-Steppenkresse (Hornungia petraea) an ihrem Wuchsort im Raum Ellrich. (2015)

Ein dafür typischer Wuchsort ist jener der in Deutschland stark gefährdeten Zwerg-Steppenkresse (Hornungia petraea) bei Ellrich. An einer kaum 20 Meter langen und maximal fünf Meter hohen Böschung steht das Gipsgestein oberflächlich an. Durch die Vergipsung und die damit verbundene Volumenzunahme sind zwei so genannte Zwergenlöcher entstanden, winzige Höhlen, als eine der vielen Karsterscheinungen in unserer Region.

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Der Hang wird von einer schütteren Vegetationsdecke eingenommen, die an vielen Stellen den leicht humosen Oberboden und das weiße Gestein offen lässt. Durch die Steilheit und Exponiertheit des Hanges schließt sie sich nicht ganz. Nur eine allmähliche Verbuschung und Nährstoffanreicherung könnte zum Schluss der Vegetationsdecke führen.

Dieser Prozess war 2013 längst im Gang, als die Entscheidung fiel, den kleinen Hang einmal jährlich zu mähen. Denn der beherbergt eine botanische Rarität: Die Zwerg-Steppenkresse (Hornungia petraea) verfügt in Mitteleuropa nur über ein kleines Teilareal mit Mitteldeutschland als ein Zentrum und hat bereits zahlreiche Vorkommen verloren. In Südeuropa, so in Italien, ist die Art häufiger und sie kommt dort im Gegensatz zu den Verhältnissen bei uns, auf unterschiedlichsten Standorten vor.

Bei uns siedelt sie ausschließlich in lückigen, trockenwarmen Felsfluren und in lückigen Trocken- und Halbtrockenrasen mit basischem Untergrund. Unter günstigen Bedingungen kann das kleine Kreuzblütengewächs an den ihm zusagenden Wuchsorten auch recht zahlreich auftreten.

Erst 1995 wurde die Zwerg-Steppenkresse von dem Botaniker THOMAS bei Ellrich entdeckt und damit zugleich ihr westlichster Fundort in Mitteldeutschland. Wahrscheinlich gab es hier einst Schafbeweidung. Ihr Fehlen förderte das Zuwachsen des Hanges und nur zwei Jahrzehnte nach ihrer Entdeckung wäre es möglicherweise zunehmend vorbei gewesen mit der Zwerg-Steppenkresse.

Standort bei Ellrich (Foto: Bodo Schwarzberg) Standort bei Ellrich (Foto: Bodo Schwarzberg)
Der Eigentümer des Hanges bei Gudersleben war schnell gefunden und er zeigte sich verständnisvoll für die geplante Maßnahme. Seit 2014 wird sie einmal jährlich umgesetzt.

Durch das konsequente Zurückdrängen der Verbuschung und der Verfilzung zugunsten von mehr offenen Bereichen, verringerte sich insgesamt der jährliche Aufwuchs. Zugleich fand die seltene Steppen-Kresse wieder mehr zusagende Lebensbedingungen. 2017 kamen mehrere Tausend Pflanzen zur Blüte, Jahre zuvor waren es meist nur wenige Hundert.

Am vergangenen Sonnabend wurde die alljährliche Pflege erneut durchgeführt. In wenigen Wochen schon werden die kleinen unscheinbar weißen Blütenstände aus den aus den stark fiederteiligen Blattrosetten herauswachsen.

Jedoch gibt es noch ein weiteres Problem zu beobachten: Am Fuß der Felswand hat sich die konkurrenzstarke Orientalische Zackenschote (Bunias orientalis) angesiedelt. Die konkurrenzstarke Art ist ein aus Südeuropa eingeschleppter, invasiver Neophyt und beginnt auch die Wegböschung zu besiedeln.
Bodo Schwarzberg
Autor: red

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