Sa, 10:19 Uhr
27.11.2004
nnz-Forum: Dankend abgelehnt
Nordhausen (nnz). Der Erprobungsanbau von gentechnisch verändertem Mais ist der der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Der Deutsche Bundestag hat das Gentechnikgesetz verabschiedet. Um was geht es eigentlich? Diese Frage beantwortet in der nnz Dr. Johanna Scheringer-Wright aus ihrer Sicht.
Die Pressekonferenz zum Erprobungsanbau von gentechnisch verändertem Mais (Bt-Mais) ist vorüber und in den Medien abgehandelt. Viel soll nicht herausgekommen sein an Ergebnissen, manche nannten den Versuch gar einen Flop. Die prozentuale Verunreinigung von konventionellen Maispflanzen wurde nur in Mittelwerten über 6 Standorte (!) angegeben, keine Streuung oder Standartabweichung, keine Maximum - Minimum Angaben, keine Ergebnisse von den einzelnen Standorten. Die dargestellten Mittelwerte scheinen zu bestätigen, was auch schon vorher proklamiert wurde: zur Einhaltung des Schwellenwertes von 0,9% reicht ein Abstand von 20 Metern zwischen gentechnisch veränderten und konventionellen Maispflanzen aus.
Natürlich kann man den Veranstaltern zugute halten, dass auf einer Pressekonferenz keine wissenschaftlichen Detailergebnisse erläutert werden können, schon aus Zeitgründen ist das nicht machbar. Daher gab es in der Woche zuvor eine Einladung zu einem wissenschaftlichen Forum. Erste vorläufige Ergebnisse sollten laut Einladung und öffentlichem Flyer der InnoPlanta bei diesem Forum am 17.11.2004 in Magdeburg vorgestellt werden. Das versprach auch der griffige Titel "Erprobungsanbau mit gentechnisch verändertem Mais: Erfahrungen aus der Praxis - Perspektiven für die Zukunft". Vorläufige Ergebnisse erlauben natürlich keine abschließende Beurteilung, jedoch ist es in der Wissenschaftlichen Gemeinschaft Usus, sie dennoch dem Fachpublikum darzustellen und zu diskutieren. Daher hatten auch alle im Publikum versammelten Wissenschaftler eine entsprechende Erwartungshaltung.
Diese wurde aber von den Veranstaltern bitter enttäuscht. Wie ein vortragender Wissenschaftler anmerkte "durfte" er keine ersten Ergebnisse darstellen; ebenso streng hielten sich die weiteren vier Redner an diese Auflage. Abgesehen vom Versuchsplan und Erläuterungen über Probennahme und Probenverarbeitung wurde kaum Konkretes über den Erprobungsanbau berichtet. Allein die Tatsache, dass durch die herrschenden Witterungsbedingungen ein unterschiedlicher Blühzeitpunkt der mit Absicht gewählten verschiedenen Sorten des Bt-Maises und des konventionellen Maises realisiert werden konnte, wurde erwähnt.
Fehlende wissenschaftliche Ergebnisse wurden durch Meinungsbekundungen und Lobbying für die grüne Gentechnik ersetzt. Detailliert ergingen sich alle Redner darin, wie schrecklich die fehlende Akzeptanz der grünen Gentechnik in der Gesellschaft sei. Diese Schwerpunktsetzung macht deutlich, um was es bei diesem Erprobungsanbau wirklich ging: Argumente zu liefern, die es ermöglichen, die ablehnende Haltung von Landwirten und Verbrauchern aufzuweichen, damit der Markt für gentechnisch veränderte Pflanzen, Tiere und deren Produkte endlich auch in Deutschland gewinnbringend erschlossen wird.
InnoPlanta Vertreter nahmen in der Forumsveranstaltung in dieser Hinsicht kein Blatt vor den Mund, die Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen und daraus hervorgehender Sorten sei teuer. Daher will die involvierte Industrie endlich Geld in großem Umfang fließen sehen. Seit 1998 gibt es für Maissorten aus MON810, dem Bt-Mais, in der Europäischen Union eine Zulassung und Inverkehrbringungsgenehmigung, aber außer in Spanien hat in keinem anderen europäischen Land ein nennenswerter Anbau stattgefunden. Dies zu ändern, war das Hauptziel des Erprobungsanbaus im Freiland, zumal nun auch in Deutschland mit der heutigen Verabschiedung des Gentechnikgesetzes eine klare Regelung für die Inverkehrbringung und den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen vorliegt.
Mit der Verabschiedung des Gentechnikgesetzes, der den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen regelt, hat die rot-grüne Koalition, und insbesondere die grüne Ministerin, wieder einmal bewiesen, dass sie Meister ist im Täuschen. Einerseits feiert sie sich als Durchsetzerin von Verbraucherrechten, indem sie im Gesetz bei der Haftung angeblich das Verursacherprinzip festschreibt und bei Verunreinigungen alle Produzenten, die gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen, gesamtschuldnerisch haftbar machen will. Wie zu erwarten gab und gibt es von der Gentechniklobby ein großes Getöse und viele Krokodilstränen dagegen. Andererseits regelt dieses Gesetz auch vieles, was sich positiv auf den Anbau von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen auswirken wird. Die Firmen haben zumal schon vorab klar gemacht: eine gesamtschuldnerische Haftung halten sie für rechtlich bedenklich und es wurde auch bereits impliziert, dass dies exemplarisch gerichtlich geprüft werden solle.
Dass bei dem Erprobungsanbau aber wirklich keine anderen Ergebnisse herausgekommen sein sollen, als die, die vorher schon proklamiert wurden, trotz unterschiedlicher Standorte, Witterung und Klimabedingungen stimmt mich gelinde gesagt skeptisch. Aber ohne die Einzelergebnisse zu sehen kann das niemand beurteilen. Als agrarpolitische Sprecherin der PDS Fraktion im Thüringer Landtag fordere ich die Verantwortlichen nachdrücklich zur Transparenz auf, und die Einzelergebnisse zu veröffentlichen. Auch die Untersuchungen zum Honig und zum Körnermais sollten nicht unterschlagen werden.
Aus dem Erprobungsanbau und auch aus dem jetzt verabschiedeten Gentechnikgesetz kann ich nur ein Fazit ziehen, nämlich dass systematisch verschleiert, getäuscht und manipuliert wird, um die Konzerninteressen durchzusetzen. Wahlfreiheit, Entscheidungsfreiheit-
schlicht die demokratischen Grundrechte der Bevölkerung, d.h. von Landwirten, Bienenhaltern, Naturschützern und normalen Konsumenten, von denen etwa 70% die grüne Gentechnik ablehnen, interessieren nicht. Denn wie hat der "nette" Schweizer, Vertreter der Firma Syngenta, auf
dem Forum zu mir gesagt: "...die ziehen wir einfach über den niedrigeren Preis genetisch veränderter Produkte zu uns herüber" und hat mir ein eigens für die Veranstaltung mitgebrachtes Bier aus Bt-Mais angeboten. Ich habe dankend, aber bestimmt abgelehnt.
Dr. Johanna Scheringer-Wright, PDS-Fraktion im Thüringer Landtag, Sprecherin für Agrarpolitik
Autor: nnzDie Pressekonferenz zum Erprobungsanbau von gentechnisch verändertem Mais (Bt-Mais) ist vorüber und in den Medien abgehandelt. Viel soll nicht herausgekommen sein an Ergebnissen, manche nannten den Versuch gar einen Flop. Die prozentuale Verunreinigung von konventionellen Maispflanzen wurde nur in Mittelwerten über 6 Standorte (!) angegeben, keine Streuung oder Standartabweichung, keine Maximum - Minimum Angaben, keine Ergebnisse von den einzelnen Standorten. Die dargestellten Mittelwerte scheinen zu bestätigen, was auch schon vorher proklamiert wurde: zur Einhaltung des Schwellenwertes von 0,9% reicht ein Abstand von 20 Metern zwischen gentechnisch veränderten und konventionellen Maispflanzen aus.
Natürlich kann man den Veranstaltern zugute halten, dass auf einer Pressekonferenz keine wissenschaftlichen Detailergebnisse erläutert werden können, schon aus Zeitgründen ist das nicht machbar. Daher gab es in der Woche zuvor eine Einladung zu einem wissenschaftlichen Forum. Erste vorläufige Ergebnisse sollten laut Einladung und öffentlichem Flyer der InnoPlanta bei diesem Forum am 17.11.2004 in Magdeburg vorgestellt werden. Das versprach auch der griffige Titel "Erprobungsanbau mit gentechnisch verändertem Mais: Erfahrungen aus der Praxis - Perspektiven für die Zukunft". Vorläufige Ergebnisse erlauben natürlich keine abschließende Beurteilung, jedoch ist es in der Wissenschaftlichen Gemeinschaft Usus, sie dennoch dem Fachpublikum darzustellen und zu diskutieren. Daher hatten auch alle im Publikum versammelten Wissenschaftler eine entsprechende Erwartungshaltung.
Diese wurde aber von den Veranstaltern bitter enttäuscht. Wie ein vortragender Wissenschaftler anmerkte "durfte" er keine ersten Ergebnisse darstellen; ebenso streng hielten sich die weiteren vier Redner an diese Auflage. Abgesehen vom Versuchsplan und Erläuterungen über Probennahme und Probenverarbeitung wurde kaum Konkretes über den Erprobungsanbau berichtet. Allein die Tatsache, dass durch die herrschenden Witterungsbedingungen ein unterschiedlicher Blühzeitpunkt der mit Absicht gewählten verschiedenen Sorten des Bt-Maises und des konventionellen Maises realisiert werden konnte, wurde erwähnt.
Fehlende wissenschaftliche Ergebnisse wurden durch Meinungsbekundungen und Lobbying für die grüne Gentechnik ersetzt. Detailliert ergingen sich alle Redner darin, wie schrecklich die fehlende Akzeptanz der grünen Gentechnik in der Gesellschaft sei. Diese Schwerpunktsetzung macht deutlich, um was es bei diesem Erprobungsanbau wirklich ging: Argumente zu liefern, die es ermöglichen, die ablehnende Haltung von Landwirten und Verbrauchern aufzuweichen, damit der Markt für gentechnisch veränderte Pflanzen, Tiere und deren Produkte endlich auch in Deutschland gewinnbringend erschlossen wird.
InnoPlanta Vertreter nahmen in der Forumsveranstaltung in dieser Hinsicht kein Blatt vor den Mund, die Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen und daraus hervorgehender Sorten sei teuer. Daher will die involvierte Industrie endlich Geld in großem Umfang fließen sehen. Seit 1998 gibt es für Maissorten aus MON810, dem Bt-Mais, in der Europäischen Union eine Zulassung und Inverkehrbringungsgenehmigung, aber außer in Spanien hat in keinem anderen europäischen Land ein nennenswerter Anbau stattgefunden. Dies zu ändern, war das Hauptziel des Erprobungsanbaus im Freiland, zumal nun auch in Deutschland mit der heutigen Verabschiedung des Gentechnikgesetzes eine klare Regelung für die Inverkehrbringung und den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen vorliegt.
Mit der Verabschiedung des Gentechnikgesetzes, der den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen regelt, hat die rot-grüne Koalition, und insbesondere die grüne Ministerin, wieder einmal bewiesen, dass sie Meister ist im Täuschen. Einerseits feiert sie sich als Durchsetzerin von Verbraucherrechten, indem sie im Gesetz bei der Haftung angeblich das Verursacherprinzip festschreibt und bei Verunreinigungen alle Produzenten, die gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen, gesamtschuldnerisch haftbar machen will. Wie zu erwarten gab und gibt es von der Gentechniklobby ein großes Getöse und viele Krokodilstränen dagegen. Andererseits regelt dieses Gesetz auch vieles, was sich positiv auf den Anbau von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen auswirken wird. Die Firmen haben zumal schon vorab klar gemacht: eine gesamtschuldnerische Haftung halten sie für rechtlich bedenklich und es wurde auch bereits impliziert, dass dies exemplarisch gerichtlich geprüft werden solle.
Dass bei dem Erprobungsanbau aber wirklich keine anderen Ergebnisse herausgekommen sein sollen, als die, die vorher schon proklamiert wurden, trotz unterschiedlicher Standorte, Witterung und Klimabedingungen stimmt mich gelinde gesagt skeptisch. Aber ohne die Einzelergebnisse zu sehen kann das niemand beurteilen. Als agrarpolitische Sprecherin der PDS Fraktion im Thüringer Landtag fordere ich die Verantwortlichen nachdrücklich zur Transparenz auf, und die Einzelergebnisse zu veröffentlichen. Auch die Untersuchungen zum Honig und zum Körnermais sollten nicht unterschlagen werden.
Aus dem Erprobungsanbau und auch aus dem jetzt verabschiedeten Gentechnikgesetz kann ich nur ein Fazit ziehen, nämlich dass systematisch verschleiert, getäuscht und manipuliert wird, um die Konzerninteressen durchzusetzen. Wahlfreiheit, Entscheidungsfreiheit-
schlicht die demokratischen Grundrechte der Bevölkerung, d.h. von Landwirten, Bienenhaltern, Naturschützern und normalen Konsumenten, von denen etwa 70% die grüne Gentechnik ablehnen, interessieren nicht. Denn wie hat der "nette" Schweizer, Vertreter der Firma Syngenta, auf
dem Forum zu mir gesagt: "...die ziehen wir einfach über den niedrigeren Preis genetisch veränderter Produkte zu uns herüber" und hat mir ein eigens für die Veranstaltung mitgebrachtes Bier aus Bt-Mais angeboten. Ich habe dankend, aber bestimmt abgelehnt.
Dr. Johanna Scheringer-Wright, PDS-Fraktion im Thüringer Landtag, Sprecherin für Agrarpolitik
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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